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M schien für alle Teilnehmer ein sehr genußreicher Abend in Aussicht zu stehen, über Hauptmann Kersten machte Strich durch alle Berechnungen und Hoffnungen. Er saß erst ganz apathisch da und schien sich für die ganze Unterhaltung nicht zu interessiere». Das wirrte natürlich nicht besonders erheiternd. Ein steinerner Gast ist an keinem Tische angenehm. Nachdem aber Lothar einige Gläser des schweren Rotweines getrunken hatte, begann er ettvas aufzutauen.
„Sei etwas vorsichtig mit dem Wein", warnte in liebenswürdigstem Tone der alte Geheimrat „Wenn du mehr trinken willst, gehen tvir lieber zu einer leichteren Sorte über."
Durch diese Bemerkung schien sich Lothar über alle Maßen verletzt zu fühlen. Er trank nun keinen Tropfe» mehr, berührte das vortreffliche Essen, daS bald darauf serviert wurde, gar nicht und antwortete auf Fragen des Baters ebenfalls nicht. Auf seiner Stirn lagerte eine drohende Wolke, und es schien sich in ihm eine beständig teigenhe Erregung zu entwickeln. Nach zwei Stunden brach »iese aus und richtete sich gegen den servierenden Kellner, ,«r anS Unachtsamkeit Lothar mit einigen Tropfen Wein iegossen hatte.
Lothar wurde immer heftiger lind so laut, daß das ganze Lokal aufmerksam wurde, und schließlich geriet er in Tobsucht lind packte den Kellner am Halse, um ihn zu cr-
S gc». Wären nicht der Geheimrat und einige Kellner »gesprungen, die den Unglücklichen ans den Händen ars befreiten, so wäre eine Katastrophe unvermeidlich gewesen.
Dje Gemütlichkeit nicht nur in denr kleinen Kreise, sondern im ganzen Lokal war gestört. Lothar trug Zivil und war nur tvenigen Gästen bekannt. Es fielen über ihn sehr verletzende Äeußerunae», bis es sich herümiprack, wer Lothar sei, und woher er komme, dann war man im ganzen Lokal bei Zimmermann sich darüber einig, daß der Geheimrat zu bedauern sei, da sein Sohn offenbar an Tropenkoller leide.
„Ich erkenne den Menschen gar nicht wieder!" ries f Klinker. „Ich kenne ihn doch schon seit vielen Jahren, er eS war immer ein sehr liebenswürdiger 1111b korrekter Mann, der mit großer Liebe an seinem Vater hing. Allerdings war er immer etwas verschlossen und in gelvissen Augenblicken Und Verhältnissen unfähig, sich irgend jemand anzuvertrauen. So hieß cs früher, er habe sich für Frau Mover schon zu Lebzeiten ihres Gatten über alle Maßen mteressiert. und er habe aus Herzcnsbedrängnis sich zum Anei,st in den Kolonien gemeldet. Ich war ganz erstaunt, daß ihn der alte Geheimrat heute niit nach Jvershosen brachte."
Werner lvar an> nächsten Mittag gerade aus dem Hauptschacht der Juslinus-Grube ausgesahren und im Zechcnhause mit dem Umkleiden beschäftigt, als ihin gemeldet lvurde, der Geheimrat Kersten sei da und wünsche ihn zu sprechen. Werner beschleunigte sein Umkleiden und traf aus der trade des Zechenhauses den Geheimrat, der mit Obersteiger andlick die neuesten Eintragungen im Grubenbilde prüfte. „Ich konime Sie abholen," sagte Kersten und reichte Werner die Hand. „Sie müssen mit mir fahren, ich habe etwas Wichtiges mit Ihnen zu besprechen."
Sie verabschiedeten sich vom Obersteiger, und als der Wagen vom G.rubenplatz herunterfuhr, begann Kersten sofort:
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„Ich komme leider wieder mit vermehrter Arbeit für Sie, und wenn Sie ärgerlich darüber sind, weil ich n>ich als Ihren Plagegeist darstclle, so habet! Sie einiges Recht dazu. Sie haben gestern abend die Szene mit meinem Sohne gesehen. Ich habe heute unseren Hausarzt konsultiert, und er hat nur das bestätigt, lvas ich mir selbst gestern abend schon gesagt habe, und was Sie und Graf Klinter auch wohl angenommen haben: mein Sohn hat den Tropenkoller. Es handelt sich noch nicht um die schlimmste Art; aber jedenfalls sind die Wutanfälle und Erregungszustände, in die er verfällt, beängstigend, und es muß etwas dagegen geschehen. Der Hausarzt meinte, der Klimawechsel sei für ven Lothar ein so heftiger gewesen. Der Herbst kommt heran, die letzten Tage waren kühl, besonders auf der Fahrt von Genua bis hierher hat inein Sohn kühles, regnerisches Wetter gehabt. Lothar muß nach dem Süden. In seinem Zustande kann ich ihn nicht allein fahren lassen, ich muß ihn begleiten, dazu bin ich als Bater verpflichtet. Ich hoffe auch, daß meine Gegenwart
beruhigend auf ihn einwirken wird, und dann kann ich di« Durchführung der ärztlichen Verordnungen bei ihm auch überwachen. Wir sollen zuerst nach Meran, dann, wenn es kühler wird, zum Herbst nach Aegppten. Ich werde wohl ein Vierteljahr tvegbleibc». Natürlich dürfen die Bnchwaldschen Werke nicht ohne Leitung bleiben. Sie müssen jetzt schon, und ohne daß Sie als Generaldirektor angcstelll sind, meine Vertretung übernehmen. Nach meiner Rückkehr nwllen ivir dann definitiv mit Ihnen abschließe», und Sie als Generaldirektor cinfctzen. Sie haben jetzt Gelegenheit, sich den ganzen Betrieb anzusehen und mit allen Verhältnissen vertrant zu mache», und können sich daun eiitschliehcn, ob Sie nicht schon vor Ablauf des Probejahres, das Sic festgesetzt habe», die Leitung des Ganze» übernehmen. Ich glaube aber, Fräulein Buchwald tvärc auch damit einverstanden, wenn Sie jetzt sofort dcit Vertrag als Generaldirektor annähmen."
„Ich bitte Sie, davon nicht zu reden", erklärte Werner. „Jetzt, wo durch Ihren Weggang Fräulein Buchtvald in einer Zwangslage ist, ivürde es mir am wenigsten anstche», den Vertrag abzuschließen. Die Sache will gründlich übctlegt sein, und cs ist mir ganz lieb, daß ich durch Ihre Vertretung die Verhältnisse noch näher kennen lernen kann. Seien Sie versichert, ich werde mir alle mögliche Mühe geben, ivenigstens einigermaßen Sie zu ersetzen, obgleich mir das vollständig nicht gelingen wird. Bitte, unterbrechen Sie mich nicht, Herr Geheimrat. Sie haben doch nun einmal die größere Ersah- rung und Routine in allen Dingen, und >vo ich mühsam den Weg suchen muß, den man in getvissen Fällen zu gehen hat, haben Sie diesen Weg inuncr sicher und klar vor Augen."
„Lassen Sie nur vorläufig die Neueinrichtungen aus Thercsien-Hütte, bis ich zinückkoinme, und überlassen Sie den Betrieb der Hütte ganz und gar dem Inspektor Leuske, damit Sic die nötige Zeit zu meiner Vertretung finden. Wir fahren jetzt nach Saarkircheu, ich muß Sie im Genernibiircau als meine» Vertreter einsührcn, und selbstverständlich werden Sie sich jetzt täglich, wenigstens ans eine Stunde, nach dem Generälburcatt begeben müssen, um dvrt »nterschristcn zu leisten und Entscheidungen zu treffen. Fräulein Buchtvald ist Ihnen dankbar dafür, daß Sie meine Vertretung über- uehmeu. Sie sicht eiu, daß ich im Interesse meines Sohnes fort muß."-
„lieber alles das braucht kein Wort verloren zu wc» den, Herr Geheimrät", entgegnete Werner; „selbstverständlich werde ich mir, wie bereits erivähnt, Mühe geben, Sie einigermaßen zu ersetzen. Auf Justinus-Grube geht die Arbeit gut fort, und nach den Angaben der Markscheider und nach den« Grubenbilde find wir jetzt auch an der schwierigsten Stelle vorüber. Wir haben den abgesperrten Brandherd umfahren und enlsernen uns jetzt täglich mehr von ihm. Meine Angst lvar cs ja immer, daß Brandgase ans dem abgesperrten Brandsclde hervorbrechen könnten, wenn der Oner- schlag weitcrgetrieden wird. Das scheint aber nicht der Falk zu sein. Die Hauptgcsahr ist nach meiner Ansicht vorbei; de» Brand ist wahrscheinlich erloschen, und es sind keine Brandgase mehr vorhanden."
„Das wolleir wir nicht so schroff hinstellen", meint« Kersten: „Brandgase halten sich jahrelang, wo sollten st« denn auch hin? Aber ich stimme darin mit Ihnen übereilt, daß die schwierigste Stelle passiert ist. Die Abbaustrecke fünf gen Osten ist ja bereits gekreuzt."
„Schon vor acht Tagen, wir haben jetzt sogar schon Abbaustrecke gen Osten gekreuzt und wären viel weiter, wen» wir nicht aus dem Sandstein, in dem wir sehr gut die Firste»! wölben kouutcn, in sehr brüchigen Tonschiefer geraten wären. Wir müssen sehr dicht unterbauen, und das halt aus."
,,Dieser brüchige Tonschiefer wird uns noch viel Schwierigkeiten bereiten", meinte Kersten; „ich glaube, er erstreckt sich kilometerweit. Es wird sich vielleicht empfehlen, dt« Strecke auszumanern, um die nötige Betriebssicherheit zu erreichen." __
„Ich habe an Eisen-Unteebau gedacht", jagte Werne», „obgleich er viel kostspieliger ist als Holzvau. Aber immerhin kommt er doch noch billiger, als wenn die Strecke^ Mit Mäuerwerk auSgewölbt werden."
„Machen Die das ganz, wie Sie es für recht stich«»", tntgegneie »ersten. . fy ,‘r
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