Mnbrr-Kegiment.
Roman von Oskar Klaußmann.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Kersten kam aber nicht allein, er brachte eine» Be- ssleiter mit sich, ein verjüngtes Ebenbild seiner eigenen Person, eine hagere, drahtige Erscheinung: den Sohn, der mittags znm Urlaub von Ostasrika eingetroffen war.
Hauptmann Lothar Kcrsten, der eine aschgraue, krankhafte Gesichtsfarbe lgitte und dem inan ivohl ansah, daß er »inter dein Tropenklima stark gelitten haben mutzte, Ivar mit Frau Glover und dein Grafen Kliuter persönlich sehr ut bekannt Es bedurfte also keiner besonderen Entschnl- igung dafür, daß ihn der Bater mitgebracht batte. Kersten machte den Sohn mit Werner bekannt, und dann bat die Hansherrin die Gäste, in dem Gartensalon mit ihr den Kaffee zu trinken. Nach diesem mußte sich der Hauptmann allerdings eine Zeitlang selbst beschäftigen; er ging im Park spazieren, während Frau Glover mit den drei Fachleuten die Angelegenheiten der Kiesgruben besprach und die nötigen Papiere vorlegte. Das dauerte im ganzen eine Stunde. Dann Ivar man sich darüber einig, daß die Gruben zu viel höherem Preise verpachtet werden mutzten, und zwar deshalb, weil man bei intensivem Betrieb ganz andere Ausbeuten heransholen konnte als bisher. Gelseimrat Kersten ließ Werner und Graf Klinter die Taxen machen, erklärte sich init dem Pachtpreise, den diese für richtig, hielten, einverstanden und meinte:
„Wenn Sie niemand finden, gnädige Frau, der Ihnen mehr bietet, bin ich eventuell mcht abgeneigt, die Gruben selbst in Pacht zu nehme». Es handelt sich dabei nicht um mich, souderit um meinen Sohn. Sie tverden schon geseheir haben, daß er fürchterlich initgenommen ist; ich habe einen Schrecken bekominen, als er heute plötzlich bei mir erschien. Und es ist nicht allein sein Aeußeres, was mich erschreckt, sondern noch viel mehr sein« Nervosität, die gleich,zeitig, so sonderbar es erscheint, mit einer Art Apathie gemischt ist. Der Junge darf mir um keinen Preis nach den Tropen, zurück. Ich hosse, er wird das auch einsehen, und schlimmsten salls nimmt er seinen Abschied. Dann muß ich eine Beschäftigung für ihn haben, und die Verwaltung und Ausbeute der Kiesgruben wäre etwas für ihn. Kleine Kinder, Nein« Sorgen, große Kinder, große Sorgen."
„Natürlich gebe ich Ihnen die Gruben lieber als jedem andern," entgeguete Frau Glover; „ich könnte mir keinen besseren Pächter ivüuschen, denn durch Sie lverden die Gruben nur noch wertvoller Die Pachtung läuft in drei Monaten ab Es kostet Sie nur ein Wort, Herr Geheimrat, und Sie haben die Kiesgruben Ich iverde diese nicht erst ausschreiben, denn selbst wenn ich von anderer Seite ein paar hundert Mark mehr bekäme, tvas ich nicht einmal
glaube, liegt mir doch sehr viel daran, die Gruben in Ihren Händen zu sehen — Nun wollen wir aber den Heryr Hauptmann tvieder aus dem Park herzitieren, damit er sich nicht langweilt."
Hauptmann Kersten vereinigte sich mit der anderen Gesellschaft im Salon, und es begann eine Unterhaltung, die sich naturgemäß um das bisherige Wirkungsfeld des Offiziers, um die ostafrtkanische Kolonie drehte. Äeheim- rat Kersten suchte seinen Sohn zum Erzählen zu antnitereu Aber es lag soviel Müdigkeit in den abgespannten Zügen des Hauvtmanns und in seinem ganzen Wesen, daß man ihm wohl anmerkte, es Ivar ihm unangenehm, an die Verhältnisse, aus denen er kam, erinnert zu werden Er berichtete nur, daß er das Fieber in hohen, Grade gehabt, daß ihn, der Ansenthalt an der Küste eine Verschlimmerung des Fiebers gebracht habe und daß der Aufenthalt aus See ztvar sehr wohltätig für ihn gewesen sei, aber das Fieber' nicht vollständig beseitigt habe. Er fürchtete für die Nacht sogar wiederum einen Ansall, und lvenn man seine unruhig flackernden Augen sah, zweifelte man nickt, daß seine Befürchtung begründet >var.
Nach einer halbe» Stunde empfahlen sich die vier Besucher, obwohl Frau Glover bat, doch zu bleibe». Bor der Tür ivandte sich der Äeheimrat zu Werner und Graf Klinter und sagte ihnen:
„Mein Sohn braucht Gesellschaft, recht lustige Gesellschaft. Wenn Sie nichts weiter Vorhaben, bitte ich Sie um den Gefallen, mit mir und meinen, Sohne nach Dasburg in die Weinstube von Ztmmermaun zu komme» Es ist heute Sonntag, und die Herren haben gewiß nichts Wichtiges vor. Ich möchte Sie überhaupt bitten, sich meines Sohnes etwas anzunehmen. Ich selbst bin ja ein recht langweiliger und moroser Gesellschafter für ihn."
Werner und Graf Klinter waren einverstanden und fuhren t», Auto des Grafen voraus, n>ähre„d Geheimrat Kersten mit seine», Sohne in der Equipage nachkam
Es war gegen halb sieben Uhr abends, als die Herren wieder i» der Weinstube von Zimmerman» in eiuem kleinen Zimmer vereint saßen.
Mau war bei gimmermann sehr gut ansgehoben, das Restaurant arbeitete in großstädtischen, Stile und war de- rühmt lvegen seiner vorzüglichen Leistungen. Der Küchenchef stannnte sogar von Pforte ans Hamburg und lvar ein Meister seiner Kunst.
In jede», Jndnstriebezirk wird sehr viel Geld verdient, aber auch sehr viel Geld ausgegeben. Die Mark rollt dort rascher als anderivürts, und man laßt in geeigneten Augenblicken recht viel draufgehen DaS Beste ist dann gerade gut ;ge»ug. Der Geheimrat betrachtete die drei andere» Herren als seine Etäste und bestellte einen alte» Rotwein „Schloß- abzug Margaux, erstes Gelvächs". Zimmermann kam selbst, um sich nach den Wünschen der Gäste z» erkundigen, und besprach mit den, Geheiinrat ei» exquisites Menu fttr das Souper.


