Mittwoch, de» 3. lunf
Wewrr-Nrgimnit.
ütoman von OSkar ft't n tt h'ina n tt.
(Nachdruck verboten.)
Odrliebuno.)
SBwuet lUiU' kü,paafif)t und vcrivirrt, baf; auch Dora fiiilorfeiib li>ar Sie reichte ihm. mit lucniflctt Worte» die .^nnb zui» nochmaligen Glückwunsch. unb Iran SchotteliuS hatte ihr bestes Lächeln ausgesteckt >>»d sah ordentlich gerührt oii'j, trotzdein ihr tvahrfcheiulich ganz anders zumute lvar.
„Ich niöchte an bie Arbeiter ei» paar Worte richten," sagte Werner zn-de» Oberbeamten.
An die Beamten, bie in Reih m»d Glied standen, erging der Beseht, >»it bei» Abmarsch zu tvarteu. Werner geleitete die Dame» zum Balkonzimmer unb auf deu Balkon. Tau» trat er selbst hinaus tuib spvack» eine Minute lang, mit alter Anstrengung der Stimme, iveithinschaklend, den Arbeitern seinen Dank auS. Er schloß.-seine kurze Rebe mit einem £>iit- weis ans bie gemeinsame Arbeit- bie sie verband, und forderte Beamte und Arbeiter aus, die Gefühle des gemein famen L>trebenS und -gemeinsamen Arbeitend anSzndrücken in ei»e,n Hoch ans dieEhefin der gesamten Werke
Die Hochrufe aus Dora klänge» laut unb enthusiastisch. Dann erfolgten die- Konrmandornfe der Walzmeister unb Steiger, bie Musik setzte sich wieder an bie Spitze des Zuges, »11b dieser rollte sick> ans-und zog unter fortwährendem Hoch »nb Glückauf Rusen der Arbeiter nach Norden ab.
Wenige Minuten später lag die soeben noch mit blendender Helle erfüllte Straße vor der Billa in tiefster Finsternis, und nur ans der Entfernung-hörte man den mehr und rnehr verkliligenden Rhhthmus der Paule.
„Wem habe ich das z» danken?" fragte Werner. „Wer hat mir diese Ovation zngedacht? Sicher Sie, Herr Geheimrat"
Aber Kersten schüttelte den Kops und ivieS ftuium ans Dora.
„Die Oberbeamten ivarte» unten," sagte Kersten, „und seht können Sie endlich Ihren Hunger stillen, Bergrat. Wir tvollen dem Büfett unten-alle Ehre antnn. Die Damen luaren so freundlich,. Speisen und Getränke hierher zu schicken, damit unr beim Empfang der Deputation nicht in Verlegenheit kommen. Ich habe eine» Bärenhunger."
Kersten reichte Krau. Schottelius den Arm und ging, gefolgt von Gras Klinter, mit raschen Schritten aus dem Zimmer und der Treppe z» Werner und Dora standen allein
Werner rang eine Zeitlang nach Fassung Dann ergriff er die Hand Doras, küsste sie und sagte mit nnsicherers Stimme:
„Ich danke Ihnen ans tiefste!» .Herzen."
Zwei träiienschimmerude Augenpaare blickten sich eine Zeitlang an, die Bücke versenkten sich ineinander.
Nach immer hielt Werner die Hand Doras fest. Langsam entzog ihm endlich Dora die Hand und erklärte:
„Sie haben Hanger-, Herr Bergrat. Wir müssen auch au das Materielle denke», »ud unten mailet bie Deputation"
Werner reichte Dora den Arm, um sie die Treppe hinunter zu geleiten, ttnierweg'! sagte Dora zu ihm:
„Die llnterbeamten geleiten die Arbeiter nach dem Berg und Hiit'te» Gasthaus in -Dorotheenhof, >vo die Leute bewirtet toerden. Vielleicht begeben sie sich später ans rin paar Minute» auch noch dorthin, um den llnterbeamten und den Ärbeitrrn ct-m* Freude zu machen Unser Auto steht Ihnen zur Verfügung."
Man liatte unten nur ans das Erscheinen DoraS ge tvartet, um- den -Angriff-.ans daS Büfett zu unternehmen Eine halbe Stunde lang war die ans ungefähr zivanzia Personen bestehende Gesellschaft eifrig mit Essen unb Trinken beschäftigt. Dann brachte Geheimrat Kersten einen Trinkspruch ans Werner- ans, und ihm schloß sich Graf Klinter mit einer kurzen Rede an, in der er de» Fachmann und den Freund in Werner feierte. Werner dankte vor-allen« den Dame», welche nicht nur an ihn, sondern auch an die Gäste gedacht und so vorsorglich für die Bewirtung sich bemüht hatten, bat die anwesenden Beamten um gute Käme radschast, Kersten und Klinter um ihre Gunst und Freundschaft und schloß lvieder mit einem Hoch aus die Chefin.
Dann bestieg Werner, begleitet von Geheimrat Kersten. das Auto »nd jagte die Chaussee entlang bis zu dem Berg und Hütten Gasthaus, Der große Festsaal faßte fünfzehn' hundert Personen und war ebenso mir die kleineren Festsäle, die BereinSzimmer und die Korridore mit Menschen voll gestopft. Nur mühsam tonnten sich Kersten und Werne« durch die Massen biS in den Hanptsaal drängen, ivo Werner die Musik-Empore bestieg, »m nochmals freundliche Worte an die Versammelten zu richten. Er trank mit den Aufseher» »nd Oberhäuern ein GiaS Bier, sprach mit verschiedenen älteren Arbeiter», die er lannte, und sv ver-- gingeu mehr als drei Viertelstunden, bis er lvieder mit Kersten im. Auto saß
„Sind Sie nun zufrieden?" fragte Kersten, als das Auto seht langsam »ach der Villa Werners znrückfnhr
„Zufrieden ist keine Bezeichnung," antwortete Werner, „ich kann nur sagen: ich din lief ergriffen. Bor allen» rührt es mich, daß Fräulein Buchtoald mir diese Ovation zugedacht hat."
„Siim, ich will mein Licht nicht unter den Schessel- stellen. Ick kann es Il»ien ja jetzt sagen," meinte Kersten, „daß ick» ei» wenig »achgeholsen »nd Dora ans die Idee gebracht habe, dje ganze Sache zn arrangieren Ich tat das aus Egoismus. Ich tvollte Ihnen mir beivelse», >oie 'unberechtigt Ihre Reden vom Wrrberreginient sind, wie unrecht Sie tun, sich hier unbehaglich z» fühlen, nud um Ihnen zn zeigen, daß Ihnen so viel Vertrauen und Wohl- »vollen entgegengebracht >virü, daß eigentlich von nun a»


