Ausgabe 
28.5.1914
 
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Wriber-Kegiment.

Kornau von OSkar Klaußmann.

(Nachdruck verboten)

(Fortsetzung.)

,,Wer steckt denn eigentlich jetzt in dem Generalburean?" fragte Werner de» Grasen.

Das Generalburean ist ganz so geblieben wie zu der eit des alten Bnchwald und seiner beiden Söhne. Es be- ndet sich in einem Flügel des Schlosses in Saarkirchen und besteht ans einer großen Registratur und Kalkulatur, wo sämtnrbe eingehende Berichte und Rechnungen geprüft wer­den. Ein Jurist, zwei Berg- und Lütten-Ingenieure und ein Maschinen-Jngenieur sind nebst einer großen Anzahl von Bureau-Angestellten die Hauptmacher. Geheimrat Ker- steu kommt fast täglich, um sich die Eingänge vorlcgen zu lassen und um wichtige Entscheidungen zu treffen, bei denen er natürlich immer wieder Fräulein Buchwald zu Rate zieht, denn die ist die alleinige und unbeschränkte Besitzerin. Ich will mal mit den Leuten im Generalburean sprechen ivegen Austausches eines Stück Feldes, das ich zur Anlage einer Halde für meine Hütte brauche. Ich will inich nicht direkt an Fräulein Bnchwald oder an den Gehcimrat tuenden, damit ihnen eine etwaige Ablehnung meines Wunsches leichter fällt."

Unmittelbar hinter Dasburg trennten sich die beiden Freunde, und Werner galoppierte bis zu seiner Billa, unr dort den Reitanzug abzulegen, ordentlich zu frühstücken und dann in dem Auto nach der Justinus-Grube zu eilen. Auf seinen Wunsch hatten sich sämtliche Beamte, die nicht im Be­triebe waren, im Zechenhause eingefunde», und zuni ersten PAal« hielt Werner mit ihnen eine der Konferenzen ab, die er auch mif der Theresien-Hütte für die Beamten eingesührt batte. Es wurden ganz kollegialisch alle dienstlichen Ange­legenheiten besprochen. Werner wünschte, daß jeder Beamte srme Meinung äußerte, und ermutigte besonders die jünge­ren Beamten, zu reden, die in der ersten Zeit bei diesen un­gewohnten Konferenzen sich allzusebr im Hintergründe hiel­ten Werner wünschte indes, daß die Beamten jederzeit i» der Lage seien, ihre Meinungen und Erfahrungen über den Betrieb zu außer», schon uni ihnen das Gefühl zu nehmen, daß sie nur Maschinen seien, welche die Befehle üeS obersten Leitenden ausfiihrte» Nichts lag ihn, ferner als der Glaube an seine Unfehlbarkeit, uitb er war Fachmann genug, um den Beamten schon nach kurzer Zeit klarznmachen, daß er nicht trur die Sache verstand, sondern auch eine reiche prak­tische Erfahrung besaß Ein anderer hatte vielleicht gefürch­tet, den Beamten unselbständig zu erscheinen, wen» er auch ihr« Meinung und ihre Erfahrung beachtete. Werner hatte im Gegenteil die Beobachtung gemacht, daß diese Bespre­chungen nicht nur für den Betrieb sehr loertvoll waren, son­dern auch angenehme Beziehungen zwischen ihm upd den

Beamten herstellten. Werner hatte praktische Erfahrungen im Kohlenbergbau sotvohl in Deutschland jvie in Belgien und in Nordamerika gesammelt: er kannte einen Betrieb, der viel intensiver war als der bisher auf IusttnuS-Grube übliche, er loar außerdeni über die neuesten Betriebsmittel und ihren Wert unterrichtet. Er merkte es selbst, wie anregend auf die Beamten die ersten Besprechungen wirkten, und wie sich die Leute erwärmten.

Die Konferenz hatte fast eine Stunde gedauert. Dann kleidete sich Werner rasch um und fuhr mit dem Fahrsteiger OSwald auf zwei Stunde» nach dem Bergwerk hinunter, um sich mit allen Betriebsstellen vertraut zu machen. Ein sol­ches großes Bergwerk gleicht einer unterirdischen Stadt mit sich kreuzenden Straßen, die ansteigen und /alle» oder tn gleichein Niveau laufen, zusammen aber so viele Kilometer betragen, daß eS unmöglich ist, innerhalb eines Tages alle Stellen genau keimen zu lernen. Nach der Ailsfahrt erfolgte noch eine Besichtigung der über Tage stehenden Maschinen- häuser und der in diesen ausgestellten Maschinen verschiede­ner Art. Dann brachte das Auto Werner nach seiner Woh­nung, wo in aller Hast das Mittagessen einaenommen wurde, nach dem sich Werner keine Ruhe gönnte, sondern sich sofort noch dein Bureau der Theresien-Hütte begab

Nachmittags gegen fünf Uhr ka>n Geheinkrat -ersten zu Werner und teilte ihm mit:

Wchsten Sounabeud kommen Graf Muter und ich zu Ihnen ^uni Skatspieleu. Ich hole Sie hier ab und bringe Äe mit meinem Wagen nach (Ihrer Wohnung. Diese Skatabende sollen abwechselnd bei uiis stattfinden. Es ist dabei auSge- iniacht, daß nur ein Glas Bier und ein belegtes Butterbrot gereicht wird. Wir konNuen nicht zusammen, um zu schlem­men und zu prassen, sondern um nnS zu unterhalte», refp. um Sie von der Arbeit abzuziehen. Also es tzleibt dabei: Sonnabend abend um sechsdreiviertel Uhr hole ich Sie hier ab."

Einverstanden!" sagte Werner.Und nun bitte ich, mir noch mitzuteilen, ob ich die neue» Nlüne für die Thereften- Hütte Ihnen direkt oder an das Generalburean einretchen soll. Ick, hoffe, bis zum Sonnabend die sämtlichen Entwürfe auch in der Reinschrift vollendet zli habe» Tie Zeichnungen nach ureiueii Skizzen werden auch bis dahin fertig sein."

Reichen Sie die Sachen nur deut Generalburean ein", erklärte Kersteu ;durch daS Bureau kommen die Lachen an niich, respektive au Fräulein Buchwald. Gerade um Ihret­willen wollen wir den Instanzenweg sorgfältig innehalten. ES handelt sich ja nur um eine Formalität: ich habe Ihnen bereits gesagt, daß an der Genehmigung Ihrer Pläne gar nicht zu zlvetfeln ist."

Ich möchte auch eine neue Brausebad-Anlage auf Justinus-Grube haben," sagte Werner,und zlvar möchte ich bitten, daß inir die Genehmigung sehr bald erteilt iutrd. Die Leute, die im neuen Felde arbeiten, komme» aus dem Tiefbau vollständig durchschwitzt herauf, nrüssen nach Vor­schrift die Kleidung wechseln, und die nassen Kleider werden