Ausgabe 
27.5.1914
 
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eignet erscheint: ob sie damit gerade im Sinne der modernen kunstgewerblichen Bestrebungen, materialgerecht zu arbeite», einen Nutzen geschassen hat, bleibe dahingestellt. Wichtiger ist es, das, Hertha Avrton, die Frau des englischen Elektrotechnikers und ErsiuderS des Elektrizitätzählers Pros, 'Ahrton, eine 'Anzahl von Erfindungen gemacht lwt, die sich vor allem auf die Vervollkomm- uung des in 'den Bogenlampen venoeudeten elektrischen Licht­bogens bezogen, Sie Institution os Elektrieal Engineers", die größte Bereinigung Englands, erkannte ihre Verdienste durch die große Goldene Medaille und den dazu gehörigen Geldpreis an das erste Mal, daß eine Frau die im Jahre 1731 ge­stiftete Medaille erhalten hat. Ein tiefgründiges chemisches Wissen verrät ein deutsches Reichspatent, eine Erfindung zurHerstellung von Diphenlamin sowie Substitutionsprodukten desselben", die von einem Fräulein Dr, Irma Goldberg aus Genf herrührt, Auch unter den zahllosen Erfindern, die sich mit der Flugkunst be­schäftigt habe», ist eine Frau zu nennen. Klara Liudner in Hannover, die ein Patent auf einen Drachenflieger erhielt, der mit Tragflächen und Steuerflächen besonderer Anordnung ver sehen ist, Ueberhaupt haben sich die Frauen auf diesem Gebiets besonders erfolgreich enviesen. Die vielumstrittene Erfindung des Fallschirms ist einerBürgerin" der damaligen französische» Republik namens Labrosse zuzuschreiben, einerBrünette von elegantem Wuchs", die im Bendemiaire des Jahres VIIl zum ersten Male mit einem Ballon ausstieg und sich aus einer Höhe von 900 Metern mit dem von ihr konstruierten Fallschirm wieder glücklich zur Erde niederließ. Auf dem Gebiete des Automobilis mus hat Frau Cäcilie Hennen 1908 ein Patent auf einen aus Schraubensedern bestehenden Pneumatik Ersatz erhalten. Dem Jn- pitut derSanta Maria der englischen Fräulein" in Budapest wurde ein deutsches Reichspatent verliehen, das sich auf kin Arbeitsgerät zum Bemustern von Florgeweben, insbesondere von Samt, bezieht. Zahlreich sind natürlich die von Frauen für das Hauswesen gemachten Erfindungen: eine Vorrichtung zum selbständigen Begieße» von Braten, eine Zitronenpresse, die als Taselgerät dient, werden da genannt. Der Mode dient die Er­findung von Frau Elodine Leeoy, die in Deutschland eine be­sondere Art von Flittern patentiert bekam; ein anderes Patent einer Frau schützt eine Vorrichtung zum Festhallen von Damen­hüten während J>e-3 Fütterns, und auch einSchnakenscimtzer" gegen Mücken, Schnaken und ähnliche Plagegeister, für die Pa­tente erteilt wurden, sind auf das Konto der Frau zu setzen.

vermischtes.

* Das Vertraue ». Ehe noch die heutigen strengen Gelehe scher das Bankwesen in WiSconst» eilnfien wäre», war die Be­gründung einer Bank ein verhältnismäßig einfaches Unternehmen, Wie wenig Kapital man dazu nötig halle, zeigt die Geschichte, die ein erfolgreicher Bankier i» einer fleinen Stadt von seinen eigenen Slnfgngen freimütig erzählte, als er danach gefragt ivurde:Ja, sehen Sie, ich hatte nicht viel anderes zu tu», »iid so mietete ich ein leeres Geschästslokal, >i»d malte mit de» schönste» Buchstaben das WortBank" auf die Fenster. Ai» ersten Tage, au dem die Bank erössiiet war, kam ei» Man» herein und gab mir hundert Dollar in Devot. Am zweite» Tage kani ein anderer Mann und deponierte 250 Dollar, lind sehei. Sie, so halte ich am dritten Tage Berlranen genug zu ben Unternehmungen gewonnen, daß ich selbst hnnderl Dollar in die Bank einlegte,"

* Der dovpelköpsige Ervmwell, Ein Trupp wiß­begieriger Touristenmacht" das Britische Museum, Am Schlüsse des Rundganges tritt eine eifrige Amenkanerm zu einem Aus­seher:Ich habe überall nach dem Schädel Cromwells Aus- säxui gehalten. Aber ich fand ihn nicht,"Wir besitzen, ihn auch ittcht", erklärte der Beamte,wir haben ihn nie gehabt,"Ach, das ist aber schade. Kein Schädel von Cromwell? Sie wissen doch, in Oxford haben sie ein prächtiges Exemplar, , ."

"Höchst verdächtig. In seineli kürzlich veröitentlichten Erinnerungen an die Tage des Krieges von 1870 71 erzählt der Engländer Ernest Bizetelly eine amüsante kleine Anekdote, dw er miterlebte. Sie illustriert die traditionelle französische Neigung, militärische Mißerfolge durchVerrat" undSpionage" zn er­klären, Es war im belagerten Paris, in der Schänke sitzen zwer Soldaten nnd schütteln die Kopse über die unabsehbare Kette vonVerrätereien", durch die Frankreickfs Heere Niederlage auf Niederlage erleiden mußten. Eine Pause entsteht: dann blickt der eine Soldat den andern ernst an und legt ihm die Hand aut die Schulter,Ich bin überzeugt", sagt er mit Grabes­stimme,daß unser Hauvtmann ein Verräter ist,"Wirklich? ttzolzer Iveißl du es'?"Ja", erklärt der bedächtige Marssünger, ist es denn nie auigeiallen, daß wir jedesmal, wenn er uns vorwärts führt, unweigerlich ans den Feind stoßen'?"

* D i e Frau als Kapitän,Würden Sie in einem! Dampfer reisen, der von einer Frau geführt wird'?" Diese Frage l«t der Jntraniigeant aus die Nachricht, daß eine Dänin, Frau von Bandis, zum Kapitän eines Ozeandampfers ernannt worden ist, einer Reihe von Personen vorgelegt. Unter den Antworten fin­den sich die größten Gegensätze, Marcel Prevost erklärte, daß er

nicht dr^geringste Furcht hätte, sei» Leben einer Schiffskapitänn» anzuvertrauen,Jedesmal, wenn eine Frau den Platz eines Mannes in irgendeinem Berufe einninrmt, geliuat es ihr wunder­bar, Die Frauen sind den Männern nur pMisch unterlegen» Ich würde in einem Dampfer, der von einer Frau befehligt ist, ebenso ruhig reisen, wie ich in einem Automobil fahren das eine Frau führt," Dagegen ist der Admiral Touchard ein er­klärter Feind der Frau als Kapitän, Bei die Fm Gedanken schitttelt sich der alte Seebär ganz entsetzt: ,Förr, . . ich hoffe, daß der erste Offizier gut auspasieu wird auf gas, was die Frau Ka- pitämn tut!"

Sprachecke des Allgemeinen Deutsche» Sprachverein».

' E i» gemeingefährliches Wort Niemand tut heutzutage »och etwas, sondern seitens jemandes wird etwas getan so will'S der Modestil, Hier ein paar Beispiele auS neuesten Zeitungen:Der Antrag wurde seitens der Versammlung einstimmig angenommen .... Hierin kan» nur seitens der Schule dauernde Abtiilie aeschafsen werden .... Einiriltskarten gelangen kostenfrei zur Versendung seitens der Geschäftsstelle in der Tanben- straße .... Seilen; der Boli ei minien sofort die nötige» Maß­nahmen getroffen .... Hieraus wird se lens der Verwaltungsstelle» wie seitens des BmidcsratS hingearbeitet werden" > |\ Allgemein erkennt man an, daß der hänsige Gebiauch der Leideform der Sprache alles Leben, alle Frische und Anschaulichkeit raube. Und in den gegebene» Beispielen ist der Räuber überall mir das böse Wort seitens. Wie emiach, wie anschaulich und lebendig lauten dieselbe» Sätze in der T ä l i g f e i (4 i o r m : . Tie Versammlung nahm den Antrag einstimmig an . . . Nur die Schule kann hierin dauernde Abhilfe schassen .... Eintrillskarien versendet kostenfrei die Geschästsslelle in der Tanbenstraße .... Tie Polizei tras so­fort die notigen Maßnahmen .... Die Verwaltungsstellen wie der Bundes! at werden hieraus [jinarbeiten.* llebtigcn* flehen für einzelne nicht hierher gehörige Fälle anderer Art für (eite »8 bekanntlich auch noch die Wörtcheii von und durch jnr Ver­fügung. Deshalb gelte die einfache Regel: Schreibe nie* ii> a I Sseiten s"weist das Scheiifal in die Wolisfchliichl I" Und das neuerdings eben!» beliebte greuliche Modewortzwecks" werft hinterdreiii I Als ob es in der denlfchen Sprache kein z u, zur und jum mehr gäbe! O. Sarrazin (Berlin.)

vilchertisch.

Am 1 Mai erschien Hest ll des 1. Jahrganges 'dev MonatszeitschriftMenschenmarkt", welche von derDeutschen Liga für Fraueuschntzünd Frauenreltun g", ttne sich der Verband neuerdings nennt, I)erauSgegeben wird, Der Artikel:Das Elend unserer Bolkserziehnng" von Jos, Stein­bacher wird forlgcführt, indem er sich den Ursachen des Er> zichungsclendes zuwendel. Die NovelleLore" von Ellhn Karin And die ArtikelZur Lage der weiblichen Dienstboten" von Dr, Stroebe undMutterschaft und Berus" von E, Jros toerden fortgesetzt und beendet. DieVerbandsnachrichten" und die Chronik" beschließen den interessanten Inhalt des Heftes,

5k, F r a e » t i >i, I a, j a, 4t in e v 1 1 n ! 51. Fraenti» hat ein nettes BüchleinSelbster edles SelbstcrzählteS" tm . elbft* Verlage heranSaegeben, das durch die nalnrgelr, ne Wiedergabe des ameritaiiiichen Lebens kestelt und durcki die humorvolle Darsleliimg bitter ernster Szeven aninsant ju lese» ist. Die erste Erzählung George, ich . . . und Nelamzago!" führt in dasPulverfaß" Atexiko nab vo» da »ach New Port. George könnte Unele Sam in höchst eigener Person sein >nid Relrimzago ist ein treues, aber auch ebenso aiisgehimgertes Nößlei», das immer da anstancht, >vo man eS am wenigsten erwartet, selbst i»> Kino weiß es seinem Herrn ausivarlen. Zwei Skizzen:Eine erotische Weihnachtsi,acht" undLootsenbool Nr. 13" sind ungemein kesselnd. Tie letztere schildert, wie der Autor bei der Rettnng eines Menschenlebens sein Augenlicht verloren hat. (K. Jraenlin, Halensee, Lützenstraße 8.)

5lat-Zufqabe.

Mittelhand spielt auf folgende Karte» Null ouvert.

Das Spiel soll verlöre» werden. Wie muß die Verteilung der Karlen und der Gang des SvieleS lein?

Auslösung in nächster Nummer,

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Salami, Salamis.

Redaktion: K Neurath. Rotationsdruck und Verlas der Brübl'Ichen Universität»-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen.