Ausgabe 
18.5.1914
 
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Seede Bahtsen hatte sich emporgerichtet und blickte mit seinen erloschenen Augen zu Arda. Seine sonst tvcichen Züge hatten sich gespannt und zeigten Feindseligkeit und Kanrpfeslust.

Aber Arda antivortete ruhig:Gestern, als er Mutter einen Korb frischer Krabben brachte. Da hat er tnir auch das Muschel- kochetl gelernt und mir das Werkzeug verschafft."

Seede ergriff einige der kleinen Muschelchen, betastete sie genau und sagte:Wozu soll das?"

Die Muscheln fädele ich an und es werden daraus Muschel­ketten für die Kinder der Badegäste. Bis die ersten konrmen, kann ich ein paar Hundert solcher Ketten fertig haben. Das gibt Geld, Seede, und daun"

Arda blickte verträumt und glücklich über das Meer und dann überschattege sie mit der Hand ihre Augen, als blendete sie das Glück ihrer Gedanken.

lind dann?" drängte Seede.

Dann kaufen ivir das kleine Haus an der Düueustratzc und ziehen ein." ,, ^

Wer: tvir?" fragte hastig Seede.

Du und ich. Und der Pfarrer von Nvcddors kommt her­über und tut uns zusammen,"

Da jauchzte der Blinde auf »>td lachte und meinte vor Freuden Plötzlich rib er Arda an sick, und fragte hastig:Und mit Petrow Tikander das ist wirklich nichts, Arda?"

Sed>e!"

Die Burschen sagen es Arda. Er fet oft Oet Mutter Bahtsen und er habe dir aus Helgoland bunte Sterne nritgebracht und ein schönes Tuch.

Arda Jaski blickte finster vor sich hin. dailn fliest sie hervor: Petrow Tikander ist ein Dummkopf und er hat kein Herz."

Und du liebst ihn nicht?"

Da sagte sie schlicht:Wer dich liebt, kann tricht einen Petrow lieb haben."

Sie stand auf, legte ihr Werkzeug zusammen, wand um di« halbiert,ge Aalreuse und die Ruten ein dünnes Seil, daun zog sie Seede Bahtsen enrpor und toanderte nun Hand in Hand mit ihm den Dammweg entlang und dem Dorfes zu.

An dem kleinen Haus an der Dünenstraste mit den grünen Fensterläden und dem schmalen Borgarten blieben sie stehetl.

Hier tvollen wir tvohnen, Seede, du und rch."

Er nickte und bat:Erzähle mir von, dem Haus."

Grost ist es nicht, Seede. Zwar Stuben unteu und eine Kammer oben. Aber graste Fenster hat es, und da kann Pust und Sonne hinein, die goldene, glänzeirdc Sonne."

Erschrocken schwieg sie und blickte äirgstlich nach dem Blinden, dock dieser lächelt« mild und sagte:Ser unbesorgt, Arda, ich bin dir nicht böse. Ich habe ja meine Sonne im Herzen: Dn bist meine Sonne." Dann waren beide wieder still und dag (duftige Glück weitete ihre Herzen.

(Fortsetzung folgt.)

. Anekdoten von chinesischen Malern.

Slus der austerordentlich reichhaltigen Ueberlieserung über die Meister der chinesischen Malerei teilt Mar R. Funke in de» von Proiessor Biermann heranSaegebeueu Monatsbelte» für Knnsl- wissenschall eine Anzahl von Anekdoten mit, die sür die Auffassung der Ehincse» vo», Künstlerbcru! und die Art der chinesischen Meister charakteristisch sind. Ueber alles schätzt der Chinese den Rausch, und wie Li T ai-po, Chinas größter Dichter, Zeit seines Lebens betrunken war und erst in, Rausch die schönsten Verse fand, so steht am Anbeginn derKunstgeschichie der berühmte Ts'ai B»»g (133192), genannt der trunkene Drache. Auch der gröstte ihrer Meister, Wu Tao-tsze, berauschte sich erst ganz gehörig, ehe er an die Arbeit ging, und wenn er völlig betrunken war, dann regte sich sei» Pinsel und zauberte wunderbare Landschaslen von tausend Fornien hervor. Von anderen grasten Blalern wird dasselbe berichtet: so lebte Li Knei-chö», ein taoistischer Priester des Iv. JahrhnnderiS, stets in Schenken, und wenn man ihn zur Rechetischakt zog, so sperrte er den Mund ans und sog an seinen Fingern, ohne ein Wort zu sprechen. Als ihn der Kaiser selbst zur Rede stellie, Ivrach L, ge­lassen : .Mein Kleid ist dünn und ich mag den Wein, de» Wein trink ich, um inich zu erwärme», und Bilder niale ich, um de» Wein zu bezahlen.' Bon einem anderen Maler derselben Zeit wird gesagt: Wenn der Wein ihn begeisterte, so hielt er die Wolke» und die Berge in seiner hohle» Hand. Der Künstler erschien den würde­vollen Chinesen als ein unberechenbares exzentrisches Wese», das Amt und Würden verschmähte, um steh der goideneti Freiheit zu ersrenen, zu wandern uud i» der Cinsainkeit seinen Träumen zn leben: davor grame dem ordenilichcn Chinesen, und doch cinpsand er sür ihn einen heimlichen Neid und eine scheue Bewunderung. Als T'no Hnng.ching, der in, 6 Iah,hundert lebte, von, Kaiser mit Sille» bestürmt wurde, au den Hos zu kounnen, sandte er ihm einmal als Antwort ei» Bild mit zwei Rindern: da streiiie das eine »ach Herzenslust zwischen Feld und Wiesen u»,her, während das andere prachtvoll ausgezärnnt war, aber der Leine und der Peitsche des Hirte» folge» mnstlc. Ter l,clgcbige >.»d rillerlich

Kao K'o-mmg lebte, um sich in die Natur zu vertieseu und tot

Stimmung zu kommen, wochenlang in, Wasser oder unter best Tieren in Berg und Wald. Ein eigenartiger Kauz war auch Nr Tsa» im 14. Jahrhundert, der sein grobes Vermögen an seine Ver­wandten verteilte uud in Armut an die wer der Flüsse und Seen wanderte; er rastete kurze Zeit in den bescheidenen Klöstern und verschenkte seine Bilder jedem, der ste mochte. Als ihm einmal ein Diener Seide und Geld brachte, dann! er ein Bild male, wurde er sehr zornig und rieh er sei kein Bettelmaler und Parasit der Neichen, und damit zerrist er die Seide und schickte das Geld­geschenk znriick. Auch in ihrer Arbeitsweise benahmen sich viel« höchst absonderlich. Der Landschaslsmaler K» Shöna breitet« zu­nächst die Seide ans de» Boden und mischie die Farbe»: dann liest er eine Anzahl Musikanlen Trompeien blasen, Trommeln' schlagen und so einen Höllenspektakel mache». Ilnlerdessen legte er ei» gestickieS Kleid an, leizlc eine kostbare Kopldedcckung aus »nid trank, bis er halb berauscht war. Nun begann er die Umrisse z» ziehen und die Farbe» anzulege», und so enlslanden wundervolle Bilder von Berghohen und Jnsclrändcrn. Eine ganze Anzahl Ge­schichten handeln vo» der Art, wie sich die Maler i» die Schönheit der Nainr versenkten, ehe ste anS Schaffen gingen. Der eine lebte meist in den Berge» und Wäldern: oft saß er den ganze» Tag über ans einen, Felsen und sah sich rings um, die Schönheit des Landes zu geniesten, oder er wandelte, starr vor sich hinblickend, in Schneenächien und beim Blondenschein, bis tl.m die Eingebung kam. Ei» anderer reiste im Lande rnnher, belrachtete berühmte Berge und Ströme, und wo er eine schöne Landschaft tand, blieb er und trieb sich umher, als wäre er der Genosse der Asse» und Bären. Wen» er dann aus die Seide malte, was ihm in der Seele lebte, so waren eS Dinge, von der die AlltagSivell keinen Schi,inner Halle. Ein dritter liebte das Dunkel und Schweigen, tagelang schiveilte er in wilden Gegenden herum, dann kehrte er heim, zog sich in einen stille» Rann, zurück und .liest seine Seele der Erd« enifliehen'. Immer spielt so die Eingebung, das plötzliche Ans- stamme» und Entzncktsein des Künsllernienschen in der chinesischen Malerei «ine große Rolle.

verinischte».

* B o m F i u g c r » a g e l. Ich habe einen Freund, der die Menschen nur »ach dein Aussehen ihrer Fingernägel beur­teilt. Noch nie, so behauptet er wenigstens, hat ihn dieser Grad­messer der Bildung uud des Charakters betrogen. Mag dem sein wie ihm wolle, jedenfalls mustle ich ihm recht geben, n«enn er seinen Kinder» gegenüber in diesen, Punkt unerbittlich strengl war. Was sindeu sich da nicht sür gefährliche Gesellen unteo den, Schmutz, der sich alsTrauerrand" unter den Nagel scknebt! Bei einer wissenschaftlichen Untersuchung konnte man unter 400 Kindern nicht weniger als 24 seststellen, die mit gefährliches Tuberkelbazillen behaftet waren. Bedenkt nran mm, wie häufig kleine Kinder an den Finger» lutschen, dann versteht man, loelche ungeheure Gefahr sür die Gesundheit hier Uurcinlichkeit und Un­achtsamkeit bildet Wenig bekannt ist übrigens, daß sich in den« Wachstunr der Nägel das Befinde» des Körpers ebenso .getreu wiedcrspiegelt, wie die lvechselnde Witterung aus den Jahres­ringen der Bäunw scstgestellt werden kan». Gesundheitsstörungen uird Stockungen in der Gesanitentwickluiig wirken derart aus die Fingernägel, dass guerlausende Verdickungen entstehen. Der Nagel! wird rauh wie die Nustenflächc von Muscheln

* Jet Sparsame.Lieber Freund, löiinlest Du mir nicht zehn Lire leihen?"Hier, ich will Dir fünf schenken: dann machen Nur beide ein gutes Geschäst."

* Aufs Wort befolgt. Beim Schneider:Wie hoch beläuft sich meine Rechnung?"230 Lire und 20 Centesimi "Wre sagten Sie?"230 Lire und 20 Centesimi."Kommt es Ihnen aus die Centesimi so sehr au?"Ja, darauf kommt es uns ganz besonders an: unser Geschäft ist peinlich genau."Na schön, da haben Sie die 20 Centesimi. . . Auf Wiedersehen!"

Silbenrätsel.

cker, dor, dro, e, !, mar. mu, o, ro, »oe, stow, renz, te, tlie.

Ans vorstehenden Silben und Buchstabe» sollen sechs Wörter gebildet und derart nnterelnander gesetzt werden, dnst die Ansangs- buchslabe» von oben nach unten und die Endbuchstabe» vo» nnleu ach oben gelesen den Namen eines bekannte» Schauspielers er­geben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgender:

1. Kleines Raubtier.

2. Italienischen Alpensee.

3. Römische» Dichler.

4. Männlichen Vornamen.

5. Ausländische Vogelarl.

6. Russische Halenstadt.

Auslösung in nächster Nummer,

Auflösung des Kryptogramm« in voriger Stummer:

« Georg (Geig« Orgel.

Redaktion' K Neurath, Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schkn Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen,