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Tageslicht blicken, das ist das Schreckliche. Ich führe eben das Leben eines besseren Nachtwächters. Kommen Sie einmal zwischen vier und fünf ins Casä Bauer, meinetwegen vom Ball, das ist doch nicht schlimm." Lucie war so gerannt, daß sie stehen blieb, »nr Atem zu schöpfen.Essen Sie da immer Ihr Abendbrots frühmorgens? Es ist aut, ich werde dort Nacht-Kassiererin wer­den, ganz im Ernst. Dann können Sie sich dort gleich häuslich einrichten." Husch, war sie fort in die Elektrische.

Denken Sie nur, was in meine Tochter gefahren ist," sagte Frau Guadenast am anderen Tage nachmittags, als Butter­teich, ohne es zu merken, eine Stunde früher aufgestandcn war. Der Wecker hatte nämlich um 5 Uhr bereits gerasselt, was ihm auch gar nicht ausgefallen war, da die Wanduhr dieselbe Zeit zeigte. Sie will ihre Stellung kündigen, um Nacht-Kassiererin im Cafe Bauer zu iverden, weil Sie es so gewünscht haben." Butterteich sah sie blöde an.Ich? Sie ist wohl toU geworden? .Halten Sie sie um Himmels Willen davon ab. Ihre Tochter ist zu schön dazu." Er empfand schon eifersüchtige Regung, obgleich er bei sich dachte: Sie liebt mich, keine Frage. Was mußte er sür ein Kerl sein, daß sie solch ein Opfer bringen wollte!

Hat er was gemerkt mit dem Wecker, Emilie?" fragte Lucie das Mädchen noch am selben Abend.Nicht? Dann ist's gut. Morgen früh machen Sie das wieder 'so. Sobald er schläft, schleichen Sie sich hinein. Immer nur eine Stunde zurück, damit er sich daran gewöhnt. Und vergessen Sie nur nicht beim Re­gulator dasselbe. Den Herrn loerden wir schon kriegeil." Sie hatte gelesen, daß man Trunkenbolden immer kleinere Schnavs- flaschen gab, ohne daß sie es merkten, und so hoffte sie, auf ähn­liche Weise den Nachtinenschen wieder ans Tageslicht zu gewöhnen. Diese Erziehungsmethode half, denn sobald Otto Buttcrteich ein­mal munter war und sich die Augen gerieben hatte, glaubte er etwas von seinemTage" zu versäumen, wenn er sich nicht rasch zumMorgenkaffee" rüste. Selbst als er denIrrtum", den er sich selbst zuschricb, entdeckte, wunderte er sich, wie ausgeschlasen er eigentlich wa« Da er auf diese Art seine nächtliche Fahrt früher begann, so war es auch erklärlich, daß er früher ermüdete und auch zeitiger als sonst nach Hause kam.

Als er nach acht Tagen, gleich nach dem Aufstehen, die dichten Vorhänge auseinander streifte und helles Sonnenlicht mif der Straß« erblickte, wurde er doch etwas stutzig, obgleich es nahe lag, daß er zunächst an die Mitternachtssonne dachte. Aber die gab es doch in Berlin nicht. Sämtliche 'Uhren zeigten auf zwölf. Er faßte sich an seinen Kops, der übrigens ziemlich klar (war. So im Tran konnte er doch nicht gewesen sein, daß er diesmal den Wecker auf Mittag 'den richtiggehenden) gestellt haben konnte. Dieses 'geisterhafte Eingreifen in sein streng geregeltes Dasein mußte aufgeklärt werden. Da es Sonntag war, jo machte er rasch sorgfältig Toilette, um die Damen Guadenast würdevoll vor Gericht zu empfangen. > - >

Wollen Sie Schlittschuhlaufen gehen, Herr Buttertcich?" fragte Lucie keck.Sehen Sie doch nur diesen herrlichen Wiuter- tag," Und sie drehte das elektrische Licht aus und zog die Fenster- Vorhänge im Salon Iveit auseinander, daß das weiße Licht breit hereinflntete.Und wie frisch und »runter Sie aussehen, wie nen geboren. Es freut mich, Sie gerettet zu haben. Ist das Leben am Tage nicht viel schöner?"

Otto Buttcrteich sah ein, daß er hier einem stärkeren Geiste unterlegen war, nämlich der Klugheit eines intelligenten Weibes. Es blieb ihni wohl nichts anderes übrig, als seiner Mama den Gefallen zu tun, und zu heiraten.

Dann darf ich die Damen wohl bitten, mit mir zusammen bei Kemvinski zu Mittag zu speisen, damit wir dieses Wunder würdig feiern," sagte er kurz entschlossen.

Am Tag e", betonte Lucie und sah ihn dabei ganz ver­wirrend an.

Natürlich, ich muß Ihnen doch einmal gründlich in die Augen schauen können."

Fra» verwitwete Jngeuieur hatte so die Empfindung, als müsse sie die beiden jetzt allein lassen. Und das tat sie auch. Gott sei dank war es Heller lichter Tag. Wie rasch sich doch diese niodernen Menschen fanden, ohne viel Ansingen icnd ewige Schtvüre. Hübsch praktisch und vernünftig. Es war eine ganz verdrehte Zeit, das hatte die aufgeweckte Lucie soeben auch mit den Uhren bewieset!. _

vermischte».

kf. Der neue ö » t der Schauspielerin. 60 000 Mark iit die runde Summe, die Fräulein Bcrty, die reizende Pariser Diva, jährlich sür ihre Hüte anSgibt. Zu dieser Summe gelangt man durch eine cinlachc Rechnung. Dian vervieliacht »ämllch den Preis eines Hutes, den eine Schauspielerin, die etwas Selbst­achtung hat, tragen kann, sagen wir 160 Mk., mit der Zahl der Tage im Jahre. Denn Fräulein Berti, hat eine» neuen Hut sür seden^ag, den Gott iverden läßt.Was lür einen entzückenden Hut sie aushaben/ sagte ein galanter Verehrer eines Abends zu der Schauspielerin. 'Aber Fräulein Berty antwortete verächtlich:

.Was? Dieses alte Ding? Der ist ja längst aus der Mode. Den habe ich sa schon heute morgen getragen, und jetzt tkt es 6 Uhr

abends I'

* Schmeichelhafter Vergleich. Madame:Mit dieser Gans bin ich gründlich angeführt wurden: die ist alt und zäh« und sah so frisch und jung aus." Köchin (die der Madame gerne Schmeicheleien sagt):O, Madame, auf das Aeußere kann man nicht imnicr gehen! . . . Sie Hetzen auch bedeutend jünger aus, wie Sie in Wirklichkeit sind."

* Heimweh.Nu, Willem, was machst du sür 'n Gesicht, wie wenn es ans Sterben ginge?" <Ach, Aujust, ich sage dir, wich freut gar nichts mehr, ich glaube, ich muß mich wieder einmal einsperrcn lassen."

* In der Kunstausstellung. Er:Ich möchte wvhl wissen, was dieses Gemälde bedeuten soll! Der Jüngling und das Mädchen scheinen einander etwas Hübsches zu erzählen." Sie:O, siehst du denn nicht? Er hat sie gerade gebeten, ihn zu heiraten, und sie nimmt seinen Antrag an." Er:Ach! Wie passend ist der Titel!" Sie:Wo denn? Ich sehe ihn nicht." Er:Nun, die Karte da unten mit dem WorteVerlaust".

* Ein teures Geschenk.Sieh doch, Männchen, da? schöne Schlummerkissen, das ich da für 08 Psg. im Ausverkauf erstanden habe! Gefällt cs dir nicht?!"Ausgezeichnet/ liebe Frau! Nur solltest du eine weitere Füllung hineinstopfen und einen anderen Uebcrzug drüber machen!"

* Schnell u m g e st i m m t. Gatte:Das Gulasch kann kein Mensch essen, so verpfeffert ist es!" Frau:Nun, desto besser schmeckt's Bier nachher willst du nicht heute mal wieder in deine Stammkneipe geben?" Gatte (besänftigt):Wenn du erlaubst, recht gern das Gulasch schmeckt übrigens vorzüglich!"

Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

' Zur Studentensprache. Jugend ha! keine Tugend, und sie erlaubt sich auch in sprachlichen Dingen manche mau verzeihe das harte Wort! Torheit. Die neueste Untugend der Studenten ist die, den Studenten oder vielinehr den stud. an den Nagel zu hängen »nd sich nur »och sur. Müller, theol. Schulze, phil. Weber, med. Schreiner zu nennen. Hat'S der Schöpfer des .Ober' ihnen angetan, der de» Oberkellner ans Svarscimkeits- gründcn halbierte ? Meine» auch sie, ma» müsse de»alten Herrn" die Däuser spare», indem man ein paar Bnchilabe» iveniger drucken läßt, als bisher? Ach, was ich mir da'ür koole! Anderswo geht'S doch z» Tür uud Fenster hinaus. Nein, nur eine Diode ist'-, die aber natürlich wie alle Moden bald Schicke machen wird. Uiiter juris Müller und philosophiae Weber kann man sich aber ivlrklich nichts Rechtes vorstelleii. Und >vie Hallen die Stndeiiten anderseits ai» althergebrachieii Anitsde»isch fest l Wie merkt nian in ihren Todcsaiizeigen und Ei»iadu»gei> noch immer die Herrschast des gioßen Papierenen, de? Kanzlei- gewaltigen!lknteriertigte ersüllt hicrimt die traurige Pflicht" so beginnt jede Todesanzeige. Selbst unsere österreichischen Brüder iverden gern zugebeii, daß das bei ihnen noch weil ver­breiteteder Untersertigle" fein schönes Deutsch ist; im Reiche kommt es wohl sonst kaum »och vor, nur bei den Studenten. Und jede Anzeige geht lueitet: . . . von dem nin .... erlolglen Ableben .... geziemend in Kenntnis zu setzen." Wie ein Al>- kiatich einer Anzeige vor 100 Jahren I Wie Inbenb ist's da, unter de» Anzeigen so eine frische Gebnrtsai,zeige zu lcseii im (Seift der Gegenwart:Hciite kani ein Jiinge an. Dankbar sroh zeigen wir's an."Auch die Einladungen der stndeiilischen Perbindungeil sind so zopsig.Zn ihrem am .... slalisindendein Stistungs'cste . . . " Wer denkt lei diesem Toniast nicht an Gelier ?Teteml' (verhält ete m GemütesI Welche Verbindung macht ben Anfang, beherzt und frisch alte Zöpse abzuschneiden?

Wülfing »mb Deinhardt (Jena).

Kryptogramm.

Mein Vetter ist clit Dilettant,

Er nimmt die Geige gern zur Hand; Selbst Orgel spielt er gar nicht selten Und möchte gern als Künstler gelten. Doch sehlt ihm jegliche Bravour:

Ein Tonkunst-Gigerl ist er iiur,

Ihm sehlt die Seele, das Genie.

So lernt ihr meinen Vetter kennen. Wer kaiin mir seinen Namen nennen k Auflösung in nächster, Nummer

Auslösung des magischen Dreiecks in voriger Nummert K K E T A R E N I ENG T I A

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Vertan der Rrübllchen Universitäts-Buck»- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen