Ausgabe 
14.5.1914
 
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Die auf dem Dorfe Heuchelheim lastenden Frondienste waren schwerer als in anderen Orten. Nicht nur, daß dasFreu­geld" Mit 10 thornus, bezw. 6 lhornus, entrichtet wurdet eS muhte» auch die Ackerleute dem Schultheißen 2 Tage im Jahre dienen und noch dazu viermal aus dein Hcuchelheimer Wald Hol- auf dasH a u ß Gießen" (Schloß) fahren.

In den Dörfern Rodheim und Fellingshausen be­trug die Bede nur 2 ff. G thornus, das Kircgeld 6 fl,, dagegen dasLagergeld und Hundlagergeld" im Mai und Herbst je 9 fl 11 thornus 6 Pfg Die Inhaber derbachfrchen Höfe" zu Rodheim und Fellingshausen geben für 2 Dienstsah rtcn die sie deui Herrn schuldig sein", 10 fl. Der Müller von der Schlagmühle" zu Rodheini zahlte 2 sl., derStrohmüllcr" 7 sl für ein Mastschwein, Die1 Mütter von Fellingshausen aris der Bieber" zahlen jährlich an Dienst- oder Freigeld 1 sl. 7 thornus G Psq. Die Inhaber der beiden Höfe zu Rodheim und Fellings hausen,die von der Bede frei sei», sein verpflichtet, auf Er fordern zu den Heereszügen vnnd sonsten dem F ü r- st e n v o n H e s s e n m i t e i n e in g e r ü st e t M a n n und P f e r d gedienet zu sein". Zu dem Rodheimer Hof gehörte das Feld imOberdorf" undam Streitberg" "» äfri-nl non 44'/»

Morgen. Dazu gehörten weiter dieHecken und Strancher Eigbergk (Eichenberg) zwischen Max Lcschen und denen von Wolfs- kehlen". (Die Adeligen v. Lesch wohnten auf derSchnntte .) Der Fellingshäuser Dos umfaßte 25r/z Morgen.

Zu dem GerichtLollar gehörten die Orte Lollar, Mainz­lar, Daubringen, Ruttershausen, Kirchberg und der Dos Heiberts- hausen Dieser Gerichtsbezirk hatte keine Bede zu zahlen (vielleicht, weil er früher, als er mit deinLand an der Lahn" zu Hessen- Nassau gehörte, auch bedefrei war', dagegen waren 48 fl. 4 thornus fürLagergeld und Hundlager" zu entrichten. In Ruttershausen waren vomSchivanengut" 2 sl. zu zahlen und 13 Gänse und 21 Hähne zu stellen. Im übrigen bestanden auch im Bezirk Lollar dieselben Geld- und Naturalgcsälle wie in anderen Gerichts- vezirken. Bon Kirchbcrg heißt es:Alda liegt ein freier Hof, gehörig in die Pastoren doch ist der Hofmann, so darauf tvohnet, nit gesrcyet und gibt Jahres 2 Ranchhüner". Der Hof H e i b e r t s - hausen ivar ein f r e ie r Hos, der denRauen von Holzhausen" gehörte.Ist aber der Nachfolg, herzügk (Heerespslicht) und Rrichs- steuer (Türkeustener snicht gefreyet." Er gibt einen Weidchammel, zwei Rauchhühncr, und seine Hosleute müssen auf den Jagden dienen.

Zu demHüttcnbcrg" gehörten die Orte Langgöns, Liitzel- linden, Kirchgöns, Groß-Rcchtcnbach, Hernsheim, Hochelheim, Doruholzhausen, Dudenhofen, Niederkleen, Leihgestern, Hausen, Allcndors a. d. Lahn, Annerod. In diesen Orten besaßen Hessen und Nassau-Saarbrücken das Gericht gemeinsclwstlich. Diegroße Buße" aus verhängten Strafen wurde geteilt, diekleine Buße gewöhnlich vertrunken". Jeder Schultheiß erhielt von jeder Ge­richtssitzung 12 Ps. Das Gericht wurde abwechselnd von den Ver­tretern der Landesherren, den hessischen und »assauischen Zent­grafen und den Schultheißen abgelmlten. An dem Land­gericht, das nicht öffentlich rechtlicher Natur, sondern nur Ge- rneinschastsgericht und nur zuständig für Polizeivcrtrctungen und andere geringe Vergelten war, »ahmen auch die E l e e b e r g i s ch e n Herren teil.Ihr Diener mit seinem Stab mußte aber nndin ansitzen." An Schatzgcld gaben die Untertanen des Hütten- bergS 600 fl., wovon auf Hessen 300 sl. sielen. Die Elcebergxr Herren erhoben den 4. Psg., der 200 sl. einbrachte. Das Schatz- geld (Bede, Schatz, ursprünglich petitio, precaria) tvurde erhoben aus Grund der Gerichtsbarkeit und rührte her ans der Pflicht zum Reiterdienst. Diese Naturalleistung ivnrde mit Auskommen der Geldwirtschaft in einer Steuer festgelegt. Daß diese aus der Naturalleistung hergcleitetc Schatzstener als Kriegssteuer auszu­fassen ist, geht daraus hervor, daß hinter den, Eintrag Schatz­steuer in der Urkunde die Bemerkung folgt: »,Jn der Schatzsteuer nicht einbegriffen ist die Reichs- und Türfenstcuer (vom Kaiser sür die Türkenkriege erhoben), tvelchc noch nach dem Vertrag von 1370 besteht." Die Einwohner des Hüttenbergs gaben beiden Herren zuWein, Kauf und Lageratzung" aus 6 Jahre 300 sl. Den Weinzoll. Zoll sür eingesührtcn Wein, besaß Hessen im Hüttenberg allein. An Nenjahrsgcld erhob der hessische Landes- Herr 14 sl. 9 thornus: davon erhielt der Rentmeister 3 sl., der hessische Zentgraf 2 sl. Das Jagdrecht stand beiden Herren zu: der Wald gehörte de» Dorfsckzasteu. Die von den einzelnen Ge­meinden zu liefernde» Weidhännnc! ,o,irden auf die Schlösser Gieße», Gleiberg (für Nassau' und Elceberg verteilt. Letzteres er­hielt nur den 4. Teil.

Außer den im Vorstehenden ausgeführten Steuern, Renten, Zins- und Naturaigesällen stand noch dem Landesherr» der Zehnte" von den mit Frucht bestellten Aeckern zu: denn in der Urkunde heißt cs:Gefälle außerhalb der Frucht". Erwägt man weiter, daß in den einzelnen Dorsschasten nicht nur der Landesherr Grniidbesitzer war, sondern auch viele Adelige, die gleichfalls ihre Abgaben erhoben, so erhalten lvir ei» Bild von der schweren Belastung der damaligen Bevölkerung Mit Recht wird daher auch diese mittelalterliche Steuer und Abgabc-

pslicht alsBeschwerungen" bezeichnek. Glücklicherlveise gehör«» diese wirtschastlichen Zustände und Hemmungen heute der Bev» gangenheit an.

vermischte».

Was i st ein Krebs? Diese bei Beginn der r-losen Mo­nate zeitgemäße Frage ist keinestoegs sehr leicht zu beantworten. Wenigstens hat sie schon recht bedeutenden Menschen große Schwie­rigkeiten bereitet. Als die französische Akademie, so wird berichtet» bei der Herstellung der Wörterbücher an das Wort Krebs kam, beschästigte» sich einige Sprachgelehrte mit dieser Frage und kamen zu solgeiwer Wortertlärnng:Krebs, ein kleiner roter Fisch, der inimer rückwärts geht!" Für die Richtigkeit dieser Erklärung sprach dreierlei. Erstens tvird in England der Krebs allgemein unter die Fische gerechnet, heißt auch erurr-kizd: zweitens sagt man in Deutschland: krebsrot: drittens spricht mau ebendaselbst vom Krebs­gang, tvie man das Zurückgehen nennt. Da nun aber die Erklärung doch einigen Gelehrten nicht ganz unbedenklich schien, befragte man den berühmten Naturforscher Euvier, und der sagte:Erstens ist der Krebs kein Fisch, zweitens kann ec, vorausgesetzt, er wäre dies, kein roter Fisch genannt werden, und endlich.gebt der Krebs nicht immer rückwärts. Im übrigen pslichte ich Ihrer Desinition voll­kommen bei!" Euvier selbst gab dann eine Erklärung, ivelche die Akademiker in folgende Fassung brachten:Krebs, ein Schalticr, das im Wasser lebt und nach der gemeinen Meinung immer rück­wärts geht!" Diese Erklärung wurde in das große Wörterbuch der Akademie ausgeirommen. Aber sie blieb nicht unangefochten, und zwar von einem französischen Richter. In Tours krebsten einmal zwei junge Leute in einem Bach .auf den Wiesen eines reichen Mannes. Der Wächter zeigte sie Ivegen llebcrtretung eines Ge­setzes an, das in Privalgewässcrn zu fischen verbietet. Der Ver­teidiger der jungen Leute machte beu Einwand, sischeu heiße Fische sangen, und so wenig man den, der Blutegel, Frösche oder Wasser­ratten in einem Wasser sauge, einen Fischer nenne» dürfe oder des Fischens beschuldigen könne, ebensowenig sei das Krebsen als ein nnbcsngtcs Fischen zu bezeichnen. Und er toies dabei aus die Erklärung des französischen Wörterbuchs, tvonach der Krebs kein Fisch sei. Der Richter aber tvies ein älteres Wörterbuch vom Lau- dais vor, wo der Krebs als noisson erustaes, d. i. Schalsisch, erklärt wird und verurteilte die Angeklagten

Sprachecke der Allgemeinen Veutschcn 8prachver«I»i.

Albdrücke oder Abdrücke? Erirculicherweise über­sendet man neuerdings nicht mehr »Exemplare" einer SchriK"odcc eine- Buches, sondern .Abdrucke". Gleichzeitig mit dieser an und kür sich gewiß eisceulichrn Verdeutschung droht aber eine sprach­liche Mißbildung sich etnznbnrgerii. Jnuner häufiger liest man uäniltch: »Mir übersenden Ihnen zehn Abdrücke unseres Aus­ritts' oder: »Weitere 'Abdrücke stehen in beliebiger. Zahl zur Verkninng'nsw. 'Also Albdrücke? Nein, »Abdrucke" muß es selbst­verständlich heißen. Alan sanunclt zwar aus einer Reise Eindrücke, man sertigt Wachs- und Gipsabdrücke, man benutzt die Finger­abdrücke zur Ermittelung von Verbrechern, aber wo es sich um die Erzeugnisse der graphischen, d. h. vervielkältigendeu Künste handelt, heißt die Mehrzahl vo» Truck tuuuer »och Drucke, nicht Drücke. Sonst Mine mau zu allerliebsten Sprachunarteu. Mau würde dann in einer Gemäldesammlung »eben wertvollen Oelgeniälden auch ivertlose Ocldrücke entdecken, während es doch Oetdruckc sind; man würde die älie ten Erzengnissc der Bnchdruckcrknnst nicht als Wiegendrucke, sondern gls Wicgcndrücke bewundern; man würde bei Lrebhaberdrückci, wohl gar an die zärtliche Umarmung eines verliebte» Paares denken, während man doch Liebhaberdrncke meint: Licht- und llnp'erdrucke würden sich i» ebeufolcbe Drücke ver­wandeln, und von vergriffenen Werken könnten keine Neudrucke, sondern nur noch Nendrücke hergenelit rvrrden. 'Auch bei der Ab­gabe der Steuererklärung müßte man ncht die Vordrucke genau beachte», sondern die Bordrücke, und was dcrglcicheu llnsian mehr iväre. Also nochmals: Abdrucke, nicht Abd rücket Alle Zeiturrge» rverdeu gebeten, dies abzndrncke» aber bei Leib« nicht abzndrncke» I

Dr. Wetzhinarin, Oberleutnant a. T., Hage» (Wests.).

Magische; Dreieck.

] Jn die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstabe» u, e e e, g, i i, k, n n, r r, 11 derart eiuzulragen, daß die einander ent­sprechenden ivagerechten urrd senkrechter« Reiher, gleichlairlend solgendes bedeuten:

I. Insel im Mittelmeer.

2. I alien,scher Maler.

3. Ein Eigenschaklswort.

4. Ist in Tirol zu finde», b. Eine» Buchstaben.

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung der Charade in voriger Nummer: Florenz (Flor. Enz).

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck unü^Derlaa der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lana«. ffliefi«i\