Wriber-Kegimrnt.
Roman von Oskar Klaußmann.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
MS die Briefe zur Unterschrift gebracht wurden, die in besonderer Mappe und durch besonderen Boten nach Saar- kircheu an Dorothea Buchwald geschickt wurden, erinnerte sich Werner auch daran, das; er seiner Ehesin Mitteilung von seiner Beförderung machen mußte. Unzweifelhaft war er dazu verpflichtet, aus dienstlichen Gründen. Er nahm auch einen Dienst Briefbogen und meldete auf ihm, daß er nach Mitteilung des Königlichen Oberbergamts in Berlin zum Bergrat ernannt worden sei. Er hielt diese Mitteilung in knappster dienstlicher Form, schrieb auf einen; Unv- schlag mit dienstlichem Ausdruck die Adresse nieder: „Fräulein Dorothea Puchwald, Saarkirchen", legte den Brief in die Mappe zu den anderen Briesschaften und schickte ihn durch den Boten nach Saarkirchen hinaus.
Dann war auch diese angenehme Episode überwunden, und Werner widmete sich der Berechnung von Projekten, die ihn sehr lebhaft beschäftigten. Einerseits babsichtigte er, eine neue Fabrikation cinzuführen, und zivar von Schifss- blechen. Es sollten Einrichtungen getroffen werden, um Stahlbleche für den Bau niodcrncr Danrpser herzustellen. Werner stand bereits mit zwei großen Werften in Verbindung, für die er dauernd große Quantitäten Schiffsbaumaterial liefern sollte. Stellte man erst diese Schiffs- blechc her, so war nur ein Schritt weiter zu machen, üm selbst die Verwendung dieser Bleche in der Fabrikation gc- toisser Maschinenteile und Hochbauten vorzunehmen. Die Hairptsache war die Rentabilitätsberechnung: die mußte erst feststehen, ehe Werner mit dem fertigen Projekt vor Kcrslcn und vor Dorothea Buchwald treten konnte. Die Projekte waren sehr weitausschauend und erforderten bedeutende Mittel. Es mußten neue Walzstraßen, es mußte eine For- merei und Gießerei, es mußten besondere Werkstätten für Maschinenbau und Eisenhochbanten gebaut und eingerichtet werden. Aber Platz und Mittel lvaren ja vorhanden.
Der Telephouzentrale des Werkes hatte Werner den Auftrag gegeben, ihn nur in dringenden Fällen anrufen zu lassen. Nach einer Stunde eifriger Arbeit wurde Werner doch durch das Klingeln des Telcphonapparates gestört, und zivar gab nicht der öffentliche Fernsprecher, sondern der Werk-Fernsprecher, das Privat-Telephon, das Glockensignal.
„Fräulein Buchtvald," meldete die Zentralstelle, und Werner rief in den Apparat hinein:
„Hier Direktion Theresien-Hütte!"
„Hier Dora Buchwald. Herr Bergrat, ich bekomme so- rben von Ihnen die Mitteilung Ihrer Ernennung. Ich wollte Ihnen sofort auf diesem Wege ineine besten Glückwünsche aussprechen."
„Ich danke ergebenst, gnädiges Fräulein," lautete die Antwort Werners.
„Onkel Kersten teilte mir schon vor einigen Tagen mit, daß Ihre Ernennung herauskommen müsse und daß Sie dieselbe Ihrem vortrefflichen Buche verdankte;;. Ich freu« mich, daß Ihre Ernennung da ist, und wünsche Ihnen noch- ;nals Glück. Sie haben die Auszeichnung, die Ihnen zuteil wurde, durch Ihr Buch redlich verdient."
„Nochmals ergebensten Dank, gnädiges Fräulein."
Dann horchte Werner noch einen Augenblick, ob Dor« Buchwald ihm noch etwas mitzuteilen habe, und legte den Hörer wieder aus den Apparat.
Es ist sehr liebenswürdig von ihr, daß sie mir umgehend und telephonisch Glück gewünscht hat. Ich hoffe, ich habe mich dabei streng dienstlich verhalten. Solche Augenblicke einer gewissen Intimität sind immer gefährlich. Aber wo war ich doch? Nichtig, bei den Kosten für das Rohmaterial.
Und wieder reihten sich auf den; Papier Zahlen an Zahlen, bis mit lautem Dröhnen die Dampfsirene der Theresien-Hütte anzeigte, daß die zwölfte Stunde und dt« Mittagspause hcrangekommen war. In drei Absätzen heulte die Sirene mit langgezogenem Tone, so daß es selbst sdev eisrig beschäftigte Direktor hören mußte. Bald darauf klopfte es Und auf den Hereinruf steckte Lenske nur seinen Kopsidurchi die Türspalte.
„Bitte sehr um Entschuldigung, Herr Direktor, wenn ich stören sollte. Ich wollte nur fragen, ob Sie für den Machmittag besondere Dispositionen haben."
„Nein, inein lvcrter Herr Inspektor."
„Wünsche wohl zu speisen!" ries Lenske noch und schloß dann eilig die Tür.
Werner mußte sich mit seiner Tageseinteilung natürlich nach dem Betriebe auf der Theresien-Hütte richte;;. Die osfizielle Mittagpause für die Arbeiter war von zwölf bis ein Uhr: die .Hälfte der Beamten machte von zwölf bis eins, die andere von eins bis zwei Pause. Werner blieb gewöhnlich bis ein Uhr im Bureap, ging dann nach seiner Wohnung hinüber, nahm rasch das Mittagessen ein, las die Zeitung und war gegen zweieinhalb Uhr lvieder auf der Hütte, um dort bis ungefähr sünf weiter zu arbeiten. Dann kamen die Briefe zur Unterschrift, es liefen Meldungen ein, und es fand eine kurze Konferenz wegen der Arbeiten des nächsten Tages mit Inspektor Lenske und den einzelnen Ressortchefs statt.
Nach diesem Programm vollzog sich auch heute die Tageseinteilung Werners. Er arbeitete bis ein Uhr und ging dann nach seiner Wohnung hinüber, wo das Essen bereits auf ihn wartete. Frau Wolf kochte ausgezeichnet die einfache Hausmannskost, wie sic Werner liebte, und erwies sich überhaupt als eine vortreffliche Wirtschafterin, die sich durch Geräuschlosigkeit und Unsichtbarkeit auszeichnele. Allerdings ließ ihr Werner auch in weitestem Maße freie Hand. Er sah sie wöchentlich nur einmal, am Sonntag vormittag, wenn über die Ausgaben abgerechnet wurde. Dann stellte Frau


