— die Familie hat den Namen Nicolos« —, verdienen besonders hervorgchoben zu werden, denn ihre Entschlossenheit hat ein schweres Unheil verhütete als der Erdstoß ihr .Hans zerstörte, flohen sie nicht blindlings, sondern sie dachten sogleich daran, hah ein Eisenbahnzug in wenigen Minuten herankomme» müsse. Das Ueberfahren der Strecke tvar außerordentlich gefährlich! so liefen sie dem Zuge entgegen ,>»d brachten ihn auch glücklich zum Halten, und dadurch ist wahrscheinlich eine Entgleisung des Zuges verhütet worden.
Tic Landstraße, die sich ungefähr mit der Eisenbahn gleich lausend, an der Küste entlang zieht, ist nach den Schilderungen der Berichterstatter stelleutveise voltkomnien versperrt, es sind nicht nur gewaltige'Risse entstanden, sondeni der Boden hat sieh in großen Klumpen aufgetücmt. Die Züge deh Geretteten bahnen sich mit Mühe ihren Weg, »ud die Soldaten, die in langen Reilten Hintereinander aus Bahren die toten Opfer davontragen, können manchmal kaum vorwärts kommen. An einzelnen Orten werden erschütternde Einzelheiten erzählt, so hat man unter de» Trum, mern ei»K Hauses in Bongiardv zwei getötete Kinder in enger Umschlingung mit ihrep Großmutter gesunden; der Vater dieser lKinder ist als einziger dieser Familie am Leben geblieben.
Der Oleander.
Der Oleander (Xerium Oleanöers, in manche» Gegenden Lorbeer- rosenbanm genannt, der tut Sommer unsere Gärte» »nd Ballone, den Eingang z» den Villen und Landhäusern mit seinen rosenartigen, lieblich duckenden Blüten und den« sahlen Glanze seiner längliche», innnergrünen Blätter so herrlich schmückt, ist tut Orient und im südlichen Europa heimisch, wo er an Wegen, leuchte» Orlen und Bachuiern wächst. In ganz Kleinasten wuchert der Oleander an den Bächen und aus den Berge», er begleitet den Laus der Bäche und die Kiesschlnchte» z» beiden Seite» ost stundenweit in lange», blühenden Reiben und ersüllt die Lust mit dem Mandelgeruch seiner Blüten. Ebenso schmückt er auch in Griechenland und Italien nicht bloß die Gärte», sondern ganze Landstriche. Die Gebirgsbäche der Sierra Morena in Spanien sind eingefaßt von rotblühenden Oleanderbnschen, und in den Wüste» Algeriens leuchten weithin die Blüte» dichter Oleanderbüschs,alS Wahrzeichen von zeitweise ivaffcr- sübrenden Bäche». Bei »ns wird er allgenicin als eine der beliebtesten Ziervftanzen kultiviert, vom Frühjahr bis herbst im Freien gepflegt, im Winter aber im Kalthaus oder >m Keller ausbcwahrt und vor dem Erirteren geschützt. Er ivächst in groben Kübeln zu einem schone», baninartigen Strauch von \'A— 3 Meter höhe mit dreigabeligen Hefte» Hera». Die lederartigen, lanzetliörnnigen Blätter stehen zu dreien beisammen. Tie Blüten bilden eine Schirm- traube. Sie sind tesieriörmig mit iünsteitigem Saum und ändern durch die Kultur in der Farbe manniglach ab, indeni sie bald verschieden rot, bald weiß, bald einiach oder gcsüllt sind. Der Strauch ist narkotisch, im heißen Klima soll sogar seine Ausdünstung schädlich ivirken.
Die Anzucht junger Oleanderpflanze» ist nicht schwer An, meisten geschieht dles durch Stecklinge in, Wasser. Man bringt den abgeschnitlenen Zweig in eine mit Wasser gestillte Flasche, die man am beste» an einer sonnigen Stelle des Gartens auihängt. Sobald der Steckling Wurzel gezogen hat, ivird er in einen Blnnrentops mit guter Blunrenerde gepflanzt. Da die Wasserstecklinge jung aber nicht gern blühen, so ist cs besser, wenn man in, April solche Zweige, ivetche wahrscheinlich blühe» würden, in gute Erde steckt, sie rechtzeitig vcrpflanzt und nllinählich an Lust und Sonne ge- wohnt. Diese blühen meist schon in, solgenden Sommer. Seme volle Schönheit erreicht der Oleander aber erst als große Kübelpflanze, die znrückzuschneiden ist, wen» sie zu hoch wird und incht mehr gut blüht. Tie Erde in» Kübel m»ii lehmig lind sehr krallig sein. Ocsteres Dervstanzcn ist nicht ratsam, da dadurch die Blüte verzögert oder verhindert ivird. Deswegen muß »mn öfter flüssig düngen. Reichliches Begießen »nd ei» warincr, sonniger Slandort sind Hauplersordernisse 51111 t Gedeihen und Blühen des Oleanders. Dies hat nns der lange, heiße Sommer von 1911 gezeigt, wo die Blülenpraelit der Oleanderbäume so großartig »nd lange andauernd ivar tute selten. In kühlen Sommer» blühen sie ost mir unter Glas. Im Winter können die Pflanzen zienilich dnnket, jedoch nicht ii» nassen Keller stehen. Sobald sie aber 1111 Frühjahr ansanaen m treiben, muffen sie 0 it einen bellen Platz gestellt ivcidcn. Ter Oleander wird sehr durch Scbildlänse belästigt, welche steh aber leicht abbürste» lassen. Eine Abwaschung des Stammes »»d der Vleflc mit einer lüiro.zenlige» Lösung von Ebsibaimikarbolinenm im Winter und eine Bespritzung der Blätter int Frühzahre mit Schachts Floieoil ick sehr bieiilidj und hält die Bäinne gesund uub frei von allem llngczieser. Ilm die Blüte zn beschleunigen, ist es gut, im Frühjahr »nd Frühjomnier mit ctnigs augewärnilenl Wasser zii gießen. Rieinals aber tollte »lau das kalte Wasser direkt ans dem Br»>»>cn oder der Wafeeleitniig zin» Gießen benützen! besser i t eS, flwßendes Wasser oder Wasser, das längere Zeit in der warme» Sonne gestanden hat, zn verwenden. Tar>n tan» man auch künstlichen Dünger in mäßiger Menge vorsichtig miflöfeii, oder Hornspäne in solche» Wasser längere Zeit eiinvei hen.
Z» den Derivandten des Oleanders gehört das Immergrün iViue.ii miuor), ein liebliches Pflänzchen, das als Sinnbild der Frenlidschack gilt »iid in lichtei, Wäldern »nd Gebüschen wild ivächst, aber auch in verschiedenen Abarten als Zierpflanze gezogen wird.
vermischte».
Tie Hanptsischzeit, die von den Liebhabern eines delikaten Kabeljanragonts längst herbeigeschnt ivar, ist beran- gekomine». So wie cs eine Ansternsaiso» gibt, ivtc der Kenner gewisse Gemüse z» bestimniler Zeit bevorzugt und ivie manches Geflügel in dein einen oder andere» Monat besonders geschätzt ivird, gibt es nnch sür den schniackhaiten und nahihgslen Seefisch eine Peiiodc, in der er als .Delikatesse der Saison' begehrt ivird, nur daß diese Saison, die gleich nach Ostern beginnt, während de? ganzen Sominers anbauelt. Nicht ivenn der Fisch am seltensten, sondern ivenn er am besten ist, blüht seine große Zeit, und auch iiisoier» »iilerscheidet er sich von den vielgerühmten Genußiiiiltel», dciieu nur eine Art Einlagsdasetn beschieden ist, als der Ganmen- kitzel, den er gemährt, mit ganz bescheidene» Mitteln erkauit werden kann. Die vorzüglichsten Fische schenkt »ns di« Mutier Natur in unerschöpflicher Menge gerade im Sommer: den an Eiwetßstoffen so reiche» Kühler o cr Seelachs, den in schneeiger Weiße und Zartheit schininieiiiden Lengfisch, den krastvollen Kabclsau und den kanni über Forellcngröße sich hinauswagenden Meila». Im Sommer ist diesen Fischen der Tisch der Natur am vollkomincnslen gedeckt, und sie sprechen ihin so freiibia zu, daß sie sich in besonders gutem Eriiährungsznstand befinde». Es ist beut liiiablässtgen Bemühen unserer Behörden tutb unseres Fischhandels gelungen, aiich danii, weiin die Sonne es ggr zn giit mit UiiS »icint, die delikaten Meciesbewohncr von Hnniburg, Curhaven und den anderen Küflc»- plätzen in vollirischcr Güte bis nach bem südlichsten Deutschland zu schaffen, Hub daß sich auch der klctiie Manii, der Wert ans eiweißhaltige, kräilige uub gnlbcköinmliche Kost legt, snr ivenige Pscniiige diese „Delikatesse der Saison' lelile» kaiiii, bildet gewiß nicht de» geriiigsleii Borzug des soiiimerlichen Ceesisches.
^ In der Anno ncen exp« ditto n. Beamter (zu dein vor dein Schalter ivartcnden Pubjikiimt: „Ist die Dame noch hier, die soeben die Heiratsaniwncc unter Marie ausgcgcben hat?" Fräulein! „Ich bin's." „Nein, da muß noch eine andere fein: Das Fräulein mit dem angenehmen Aeußdrn!"
Lprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachverein?.
* Vorbildliches K a u i n» a n n s d e u l s ch Vorbildliches Ka»sn,gii»Sde»tsch bringt der Bericht der Zuckerraffinerte Tnnger- inniide, wie die Zeitschritt dcS Sprachvereins kürzlich berichten kvnnle. Man hat >in4 irüher ivieder und ivicdcr versichert, daß das kaus- inäi,nischc Leben ohiie einen gaiizen Sack voll sreinder tutb den meisten Nichtka»ile»ten »»verständlicher Wörter gar nicht aus- fomiueu könne. Aber ivie schon andere grobe Werke das Gegenteil schlageiid bc,vicsen habeii, so zeigt jetzt aiich die Znckcrraffinerie Tangerninnde, daß ein ka»i»iÄ»»isches Srhri>lstück dnrehailS gernein- vclständtich gehalten iverdcii kguu,. Ein Nachteil ist das ganz geivtß nicht. Jedcriiiann verstem! was mit der „VerniögenSaui- steltung ani 15. Scpteinder 1912" fjeinctnt ist. Links stehen die „Bestände", rechts die „Verpslichtnugen". Nicht minder dcntlich ist die „Gewinn- und Berlnstrechnmig am 15. September 1912." Links steht das „Soll", recht das „Haben". Alle einzctiicn Angaben sind gleich verständlich: Abgang, Abschreibnng. Zugang, Wertpapiere, Htntcrlcgnngen, Anteile, Bankguthaben, gesetzliche Rücklage, Arbeitcr- Hilsssehatz, Beamteii-Hiltsschatz, Anigeld, Tilgung, Bürgschncken, Nückslellnng, ZiiiSichcine. Geivin» aus Verschiedenem. Ob ivohl wirklich jemand z. B. tlieserveionds, Depositenkonto, Amortisation, HiltskondS, Diverses, Aktiva und Passiva veriiiißt oder iür dentttcher mtb für allgemeiiiverstäiidlicher hält? — Nicht zn ihi-em Borlcit sticht davoii die kiirzc Bemerkiiiig dcrDentscheii Tienhand-Geleltschnst ab, die die „vorstehende Bilanz .... per 15. September 1912* geprüft hat »nd die Richtigkeit bestätigt.
Charade.
Das Erste ist geivebl so ietn,
Es läßt hindnrch des Lzrbtes Schein.
Und bei des Freunde; sähen, Tode
Trägst dn's zur Schau — so wilsis die Mode.
Blei» Zweite; such' im Cehivabenland,
Beim Lseckarstiiß am linken Strand.
Doch in Italien strahlt das Ganze Ii, Schönheit und tut Rnhmcsgtanze.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Ergänzungsrätscls in voriger Nummer:
'Aul bcu Bergen ick Freiheit! Ter Hauch der Grüfte Steigt nicht huians tu die reinen Lüste.
Tie Wcli ick vollkoinnieii überall, -
Wo der Mciiseh nicht hinküinnit mit seiner Ouqt. Schiste>,
Redaktion: K. Neurath. — sstotationsüruck und Verlaa der Brühl'schen Universiläls-Buch- »nd Steindruckerei, R. Lange. Gießern


