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schlichten, herzlichen Worten, ©afftt erst kam er dazu, sich iiber seine verfrühte Beförderung zu .freuen. Er machte telephonisch dem Geheimrat .Gersten Mitteilung davon, und dieser antwortete ihm durch den Apparat:
'„Ich habe die Beförderung schon seit einigen Tagen erwartet. Ich wußte, daß man Sie außer der Tour zum Bergrat machen wollte, Nehmen Sie meinen herzlichen Glückwunsch, und kommen Sie morgen abend zum Musikverein, damit wir dort gleich die Sache abmachen können,"
lFortsetzung folgt,)
Ernst von Schuch t*
Es war im Jahre 1869, Theodor Lobe, damals Direktor des Breslauer Stadttheaters, war nach Wien gereist, um dort eine Anzahl von Sängerinnen zu hören. Im „Roß" saß er mit den, Thcatcragenten Landvogt und wollte mit der Prüfung beginnen, als es sich l>erausstellte. daß man keinen Klavierbegleiter zur Hand hatte. Guter Rat war teuer: woher im Llugcnblicke einen fähigen Korrcpititor nehmen? Da gris! der vielerfahrcne Theaterdiencr ein, indem er die Herren auf einen jungen Studenten aufmerh'am machte, der sehr gut Klavier spiele und jede Partitur lesen könne — der werde gewiß die Damen begleiten können. Man geht auf die Suche nach dem jungen Herrn, und bald war er gesunden, denn er saß gerade im Cafe gegenüber. Es war ein schlankes, bewegliches Studentchen, ein Grazer, Jurist in frühen Semestern, hieß Ernst Schuch, setzte sich auf Lobes Einladung ohne Zögern ans Klavier und begleitete der Dame die „Oberon"-Aric ganz vortrefflich: ja, noch mehr: da sie ihr unbequem lag, so transponierte er sic um einen To», Lobe war verblüsst und machte dem jungen Studenten den Vorschlag, mit ihnr nach Breslau zu gehen und in bcn Verband seines Theaters einzutreten. Der antwortete niedergeschlagen : „Ich täts schon, aber ich darf nicht, die Eltern wollens partout nicht,"
Rein, die Eltern wolltcns nicht, Ihr Ernst hatte schon in der Grazer Heimat immer Musik getrieben und alle seine Interessen drehten sich um die Musik, sic aber wollten einen Juristen .aus ihnr wachen. Ob nun aber das Erlebnis mit Lobe schließlich doch die Entscheidung gegeben hat, oder ob andere Umstände milgewirkt haben: genug, ein paar Monate später stand Schuch in Breslau vor Direktor Lobe und teilte ihm mit, daß er sich ganz der Frau Musika in die Arme geworfen habe. So begann er seine theatralische Lausbahn in Breslau, um sie dann in Würzburg und Graz sort- zusetzcn. In Graz hatte er unter Schweighofer hauptsächlich Operetten zu dirigieren und erwarb sich dabei eine seltene praktische Hebung und Fertigkeit, Hier hörte ihn Pollini, der große Opern- niachcr jener Zeit. Hörte ihn und nahm ihn alsbald mit sich auf seine große Künstlerrundsahrt mit der italienischen Oper. In Pollinis Wandertruppe sangen Meister, wie die Artöt, Masi, Bossi und Padilla, und hier war es, wo der seurige junge Kapell- nieister tief in Geist und Wesen der italienische» Oper eindrang, die er, wie die Artöt von'ihm sagte, „wie ein Gott" dirigierte. Aus dieser Wanderfahrt kam die Pollinischc Gesellschaft auch nach Dresden, Das ivar im Jahre 1872, und sie gab dort den „Barbier von Sevilla", Das war nun nicht gerade eine neue Oper, aber denen, die sie an diesem ?lbende körten, schien es, als ob sie sic bisher noch gar nicht recht gekannt hätten. Allen Glanz der Stimmen überstrahlte der Glanz des Orchesters, das der junge Kapellmeister, der da am Pulte stand, in unerhörter Weise mit sich riß, beseelte, beflügelte Der Name Achuch ging alsbald in der ganzen Dresdener Musiktvelt von Mund zu Munde, und besonders war es Ludwig .Hartman», der in der Presse, wie auch persönlich dem Intendanten, Grasen Plate», gegenüber die Er- Ivcrbung dieser seltenen Kraft für die Dresdener Oper dringend empfahl,
?Iber, aber — er war ja noch so jung! Den sür das altehrwürdige Dresdener Hosorchcster, an dessen Spitze der gediegen- strenge Julius Rietz stand, engagieren? Als das Engagement wenige Monate später wirklich erfolgte, gab es ein allgemeines Schütteln des Kopses, und Hartmann erzählt, wie Moritz Fürstenau damals bedenklich die Frage an ihn richtete: „Ja, glauben Sie, Hartmann, daß ein bloßer Routinier unserer soliden Organisation wirklich nützen könnte?" Selbiger „Routinier" wurde nun der eigentliche Träger des Fortschrittes an der Dresdener Oper, Schritt für Schritt kämpite er sich vorwärts. Feurig für seine Ideale streitend, verstand er dvch auch loieder au passender Stelle sehr vorsichtig und diplomatisch zu sein. So hielt er fidi; so ward er, als 1882 Franz Wüllner, der an Rietzens Stelle getreten war, »ach Köln ging, dessen Nachfolger. Seitdem war er Herr in seinem Reiche, und er ist es geblieben, bis er jetzt, von Krankheit zermürbt und doch nicht müde, die Augen geschlossen hat.
Das große Publikum pflegte Schuch immer in erster Linie als einen der hervorragendsten Wagncrdiriqenten zu preisen; und es ist wahr, er konnte sich in dieser Hinsicht mit jedem messen, Ter geistreiche Gülow, der, als er Schuch zum ersten Male Wagner dirigieren hörte, de» bösartigen Witz gerissen hatte: „Nun weiß ich, wo Wagnern der Schuch drückt!" — er bat sich später bekehrt, und Schuch? Meisterschilt als Wagnerdirigcnt rückhaltlos
anerkanirt. Aber Schuch war weit davon entsernk, sich einseitig an Wagner zu verlieren, und als Man ihnr einmal die törichte Frage vorlegte: „Lieben Sie Mozart oder Wagner?"/ da gab er prompt die einzig richtige Antivort: „Mozart und Wagner!" Seiner Liebe zur italienischen Oper ist er all sein Lebtag treu geblieben, und die italienischen Künstler könnten sich gar nicht genug wundern, wenn sie in Dresden, iw HerzenI Deutschlands, einen solchen musikalischen „Jtalianissimo" am Pult« fände,i. Die Pattt verglich einmal dem' mehrerwähnten Hart» mann gegenüber die deutsche Melodie mit dem ruhigen Flusse der Elbe, Aber, so fuhr sie fort, Schuch, das ist ein „Antv- germanist": „seine Gefühle sind so lebhaft, und so zart, wie fit unserer italienischen Oper", Allein auch damit ist Schuchs' Wirkungskreis noch nicht umschrieben. Er war in Wahrheit ein Alles-- könncr. Er ist es gewesen, der Richard Strauß aus der deutschen Bühne cingesührt, der zuerst sich des verwickelten Gewebes! seiner Opcrnpartlturen Herr gezeigt hat; und es hat überhaupt in der musikalischen Bühnenkunst kaum etwas Neues gegeben, wofür Schuch sich nicht alsbald interessiert und eingesetzt hätte. Dabei verstand er sich zu konzentrieren: er war kein moderner Gastspieldirigent, er lehnte das WandervirtuosentuM, zu dem! man ihn oft verlocken wollte, beharrlich ab. Er hatte seinen festest Kreis, in dessen Bebauung er seine Lebensaufgabe erblickte, Und so hat er das Goetheworl bewährt, daß ein jeder Kreis fruchtbar wird, ivenn nran ihn zu bebauen weiß.
Silber vom Wischen Erdbeben.
Wer von Catania aus niit der Eisenbahn oder aus der Land- sttaße nordwätts an der sizilianischen Küste entlang reist, durchfährt ein wahres Paradies: zur Rechten blaut das Ionische Meer/ linker Hand überblickt das Auge eine .Fülle blühender kleiner Dörfer und Flecken am Fuße des höchsten Bulkanes von Europa, des Aetna, Ein Erdstoß von wenigen Sekunden Dauer I>at nun genügt, diese paradiesische Landschast in ein troslloses Trümmerfeld zu verwandeln und die unglücklichen Dorfbewohner unter den Trümmern ihrer Häuser zu begraben. Die Schilderungen der italienischen Zcitungsberichterstatter enthalte» erschütternde Bilder aus dem Gebiet« des sizilianischen Erdbebens, BetAcireale erreicht man die Südgrcnze des zerstörten Gebietes,
„Bei Zaccanasso", so erzählt einer der Berichterstatter, „sahen wir die ersten Anzeichen des Erdbebens: die Mauern, die die Landstraße einfasscn, sind zerbröckelt: die Häuser liegen in Trümmern, kleine Bauernhäuser haben keme Dächer mehr, von anderen! wieder ist nur noch ei» Trümmerhaufen Vorhänden, >n dem sich ein stehengcblicbener Türpfosten oder ein unversehrt gebliebenes Möbelstück erhebt. Unser Blick fällt aus einen kleinen Zug Menschen, der sich uns nähert: es sind, Soldaten mit einer Bahre, auf der eine alte Frau mit blutigem Gesichte liegt. Sie ist schwer verletzt. Ein paar Torsbcwohncr folgen ihr weinend: es sind die.Verwandten der Sterbenden, Das Autoinobil muß jetzt Halt machen, denn cs kommt eine ganze Reihe von Wagen aus Lincra, Sie tragen Matratzen, Kissen, Möbel und allerlei Hausgerät d:r armen Dorfbewohner: barsuß folgen ihnen Männer, Frauen, Mädchen und Kinder, Ihre ?lugen sind trocken, die haben keine Träne mehr. An anderen Stellen sitzen die geflohenen Torsbcwohncr, die die Nacht im Freien zugebracht haben, am Rande des zerrissenen Weges, das Kinn aus die Knie gestützt: wen» einer von ihnen aufsieht, liest man in seinen Augen den furchtbaren Schrecken, Ab und zu kommen Züge! von Soldaten, Genietruppen und Earabinieri, die zur Hilseleistung entsandt sind, mit ihren traurigen Pasten zurück, „nd wenn nmn einen der Ueberleben- den, der dem Tod« entronnen ist, befragt, erzählt er furchtbare Dinge aus Linera, dem anscheinend am schlimmsten betroffenen Dorfe: über 500, so erzählen die Leute, beträgt die Anzahl der Opfer des Erdbebens in diesem einzigen Torfe, Mit dem Automobil kann man bis Linera selbst nicht Vordringen, den» der Weg ist zerrissen und durch Trümmer versperrt, Die Zeitungsleute sind über die Trümmer geklettert und haben.sich aus eigener Anschauung davon überzeugt, daß kam» ein Haus dem Verderben entgangen ist; der zerstörte Ort ist im verkleinerten Maße ein Gegenstück zu dem zerstörte» Messina, die Häuser bilden ein einziges Trümmerfeld, und zwischen den Trümmern liegen Hausen von Matratzen, auf -denen Bauern und Bäuerinnen die Nacht rm Freien verbracht haben. Junge Burschen aus der Bevölkerung, die unverletzt geblieben sind, Helsen den Soldaten, Sic geben an, in welchen Häusern die Bewohner von den Trümmern verschüttet worden sind, — In Mangano hat einer der ttalienischen Zeltnngs- Icute, der den nördlichen Teil des zerstörten Gebtetes bereist hat, aus dem Munde einer Frau eine Schilderung! des Erdbebens erhalten, Es Imndelt sich um die Witwe, eines Eisenbahners, die gerade im Begriffe !var, aus ihrem Hause zu gehen, als der Erdstoß kam. Sie ivnrde zu Boden geschleudert, raffte sich aber aus, um aus dem znsammenstürzenden Gebäude zu entfliehen, kam aber nicht weit genug, denn unmittelbar vor der Schwelle umschlossen die Trümmer des Gebäudes sie. Es schien ihr, so erzählte sie, als ob sie nicht auf festem Lande, sondernl ans der wellcnschlagendcn Oberfläche des Meeres stände: während der Erschütterung vernahm sie ein furchtbares Dröbnen der Erde, Ihre beiden Söhne, die ebensalls zu den Geretteten gehören,


