Ausgabe 
11.5.1914
 
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iinponisrt ibiifu, das sehe ich, Uub gleich sitzen sie bei ihm, und er reicht ihnen seine Zigarettendose, Ich entfliehe der dicken, nach verdorbenen Resten riechenden Luft hier hinten und begebe mich wieder noch vorn in die reinere Region, Das Casd hat sich auf- sallend gelichtet Als die dir auf neun geht, ist es fast leer. Schon erscheinen die ersten Musiker, und schon wird der Flügel ans dem .Podium ausgeklavvt.

Bald werdeit die Geigen erklingen und dann tvird ein anderes Publikum hier auftauchen, bis tief in die Nacht und in den Morgen hinein. Und es tvird kein Gedanke an das trockene Kinobrot tvach werden, sondern vielleicht nur der Gedanke an das fette Brot der Sünde, _

Ans Roosevelts brasilianischem Tagebuch.

Im Daily Telegraph ivird Die Veröffentlichung des brasiliani­schen Reisetagcbuchcs von Theodore Roosevelt sortgeieht: der Ex- Präsident berichtet dabei über einige interessante Beovachtungetl aus der Tiertvelt, Die grösste Ucberraschiiug brachte ihm Vas Gürteltier als Schnelläufer,Ich hatte imuier au- genonkmen, daß die Gürteltiere, die Armaoillos, sich nur gemächlich über den Boden hinschieben und sich zur Verteidigung ausrichten, »venu sie bedroht werden," Bei eineni Ritte stieß Roosevelt mit feinet Meute auf zwei Gürteltiere, die sich aus einer großen Lichtung ergötzten, Sosort brachen die Hunde los, und mit Staunen sah Roosevelt nun die Gürteltiere davonspringen oder eigentlich davonsausen, denn ihre Geschwindigkeit stand kaum hinter der eines Hasen zurück. Das eine der Gürteltiere erreichte das schuhende Dickicht, ohne daß die Hunde es einhvlen konnten. Das zweite hatte eine Richtung eingeschlagen, die einen längeren Laus er­forderte, Die Hunde jagten klätfend hinterdrein, aber es >var kein Ztveifel, daß auch dieser Armadillo den schühende» Urwald erreicht hätte, wenn nicht plötzlich etwas Unerwartetes eingetretei, wäre. Mitten im Laufe hielt das Tier inne, drehte sich um und schoß nun »uie eilte Kugel wieder zurück: mitten durch die Meute, Keiner der Hunde vermochte dem Gürteltier dabei etwas anzuhaben; die Schnelligkeit des Laufes und die Panzerung genügten als Schuß, Einige Sekunden sväter lvar der Armadillo sicher im dornigen Gestrüpp verschwunden.

Der Held eines anderen Intermezzo tvar ein Hunger etwa 1>, 2 Meter langer Kaiman, Roosevelt tvar an den Rand eines Tümpels gegangen, um etwas Wasser zu schöpfen, als er plötzlich oussuhr: irgend ettoas halte ihn auS unmittelbarer Nähe angeblökt. Es tvar der Kaiman, Roosevelt beachtete das Amphibium nicht, aber als darauf die Pferde zur Tränke geführt ivurden, bedrohte her Kaiman sie und brachte sie zum Sckteuen, Roosevelt, sein Sohn Kermit und Oberst Rendon eilten herbei, uni die merkwürdige Szene zu beobachten. Der Kaiman lag auf der Wasseroberfläche, kaum ein paar Fuß von den Zuschauern entfernt. Man tvars Schlamm­stücke gegen ihn, tvoraus das Tier drohend das Maul öffnete und in kurzen Zügen ruckweise angriff, Man tvarf ihm Stöcke zu: sie wurden ergriffen itnd mit einem Biß zerbrochen. Es tvar unmög­lich. den Kaiman zu verscheitchen. Diese Zähigkeit überraschte die Beobachter nicht tvenig, aber alle Bemühungen, das Tier von seinem Platze zu verdrängen, blieben auch weiterhin fruchtlos. Bald dar­aus erlebte inan an einem ztveitcn Tümpel eine ähnliche Szene: ein Kaiman gab alle Zeichen höchsten Aergers, als Menschen sich dem Tümpel näherten. Er brüllte oder blökte, öffnete die Kiefern und schlug mit dem Schioanz«, losch aber nicht. Das Sonderbare dabei ist, daß die Kaimairs nicht ein einziges Mal auch nur die Hunde angrifsen oder belästigten, geschtoeige denn die Reiter, In den Gctvässern scheinen sie sich von den Piranhas zu nähren, jenen blutgierigen Keinen Fischen, die Roosevelt Kannibalensische nannte. Aber wenn ein Ka»a» vertvtitrdet ist, sind schnell die Rollen ver­tauscht, Dann fallen die kleinen Fische sosort lvie »vütend über ihren Feind her und zerreißen ihti im Laufe pon iveuigen Minuten, Roosevelt mußte sogar beobachte», lvie ein durch einen Schuß ver­wundeter Kaiman von 2 Meter Länge von den Plranhas über­fallen und so gepeinigt lvurde, daß er aus hem Wasser slüchtete und seinen inenschlichen Verfolgern entgegenlies. Erst greisen die Piranhas die Wund« an, dann aber überiiianttt sie beim Ge­ruch des Blutes die Gier, sie beißen sich in allen Weichteilen fest, mit» ihre spitzen Zähne bohren sich ins Fleisch, Solange aber ein Kaiman nicht verwundet ist, wird er von den Piranhas re­spektiert und niemals angegriffen.

vermischtes.

ko«. W i l d s ch l ä ch l e r e i , » S ü d >v e lt n f r > k a, (5in weid­gerechter Jäger klagte kürzlich in einer Znfchri't an die Zeitung .Südivesl' über Wildverwüstnug durch die Bure»,Zivischen GochaS undAraboab, ,vo dank einer weisen Selbstbeschränkung der Trupp« beim Abschuß sich da? Hochwild fGemSbock, Hartebcest uiid Wildebeest) wieder stark oermehrt hat, jagen Buren ans der Maila- höher Gegend mit einem Jagdschein des Bezirksamtes Gibeo». Sie hatten vor wenigen Monaten schon über lA> GemSböcl« gemordet I lLtilhiii werden sie jetzt ivohl die Zabl 300 »ollgemacht oder über» schrilten haben l Ist das nicht geradezu schenßlieh oder einpörend?

Es hat den Anschein, als ob auch hier trotzdem so viel vo>n Schonen und Erhalten unseres Wildstandes geredet und geschrieben wird gerade Buren, denen der Begriff deS Wildschützes iremd zu sein scheint, ivte in anderen Teilen Südasrikas das Wild schlieb» lich doch noch vernichten werden. Im vorigen Jahre passierten Buren, auS dem Süden des Schutzgebietes kommend, die Kalahari. Eie wollten über Rietso»tei»-Ost ins Englische, um sich dort an» znsiedeln. Im Borbcigehen schosse» dies« Kerle Grobwild, haupt­sächlich Strauße, Einer schoß nach seiner eigenen Aussage alleln 73 der schönen Riesenvögel!! Im gleichen Jahre zog ein Farmer mit sage und schreibe sieben Genisböcken an! Karre an einer Trnppenstation vorbei. Wo, sragt man sich, längt denn nun eigent­lich daS in der Verordnung besonders hoch beftenerte .gewerbs­mäßige' Jagen an, wenn eine solche Jagdbeute mit c« verbS- mäßiger Jagd nichts z» tun hat? Eines ist jedensalls gewiß, daß eine derartige wüste Schießerei selbst der Wildbestand der Kalahari nicht anshnlten kann. Wann» beschränkt man nicht nach eng­lischem (und >etzt oslnirikaniicheni) Muster die Anzahl der Stücke Hochwildes, die man aus einen Jahrcsjagdschein schießen darik Das wäre niemer Ansicht nach das einzige 'Mittel, »>» der völligen Vernichtung deS Wildstandes im Seluitzgebiele vorzubengen * DaS allersicherste Mittel, die Vernichtung deS Wildstandes in den Kolonien zu verhindern, in die Errichtung , o» großen Nalnr- schutzvarken. Sobald da? Zustandekommen des iüddentsche» Natnr- schntzvarkcS gesichert ist, wird, so hoffen wir, der Verein Naturschutz­park c, V. in Stuttgart seine Anfmerksamkeil auch den deutschen Kolonien zinoenden.

Sprache«?« der Allgemeine» Deutschen Sprachverein».

' N a cb t i g a l l n n d K r n i> e. ' Eine Jabe! von der denlsche» Sprache.» ES war einmal eine Nachligall, dis wucht in einem Walde nick, wo viele Vögel sangen. Erst zwitscherte sie ihnen nach, dann aber sang sie »ach ihrer Weise. Ihr Gesang >var so schön, daß kein anderer Vogel il re» Wohlklang erreichen konnte, und daß die Meirichen kamen, um ihren Tönen z» lauschen. Da flog auch die neidische Krähe herbei. Es ärgerte sie, daß die Nachtigall an Schönheit der Stimme und an Ruf unter allen Wesen so zunahm. Cie sprach zu ihr:Wie schön singst du! Aber dein Gesang läßt sich »och verbessern! Komm, und singe >vie ich, dann werden noch mehr Leute zu dir komme», ans dich achle» und dich mit Lecker­bissen süitern, daß du herrlich und in Freuden lebe» kannst," Da ließ sich die gutmütige Nachtigall überlist«» und sang der Krähe nach. I» ihren schönen Gesang mengte» sich näselnde, krächzende, gurgelnde Laute, und sic land das sogar schön. Aber die Menschen fragten traurig: .Was ist an« der Nachligall geworden? Ist sie nicht wie eine Krähe? Wie schön und rein war siüher ihr »>«- sang!" So ist es auch mit unserer Sprache. Herrlich hat sie geklungen, als sie noch von reiner deutscher Art war. Aber wie ist jetzt ihre Schönheit zerstört, da sie die Töne der Frenidlmge nachahmt I Tisch (Köln).

viicherlisch.

Die Schailbühne, herausgegeöeu von Siegfried Jacobsohn enthält in der Nummer l9 ihres zehnten Jahr­gangs : Realität, Bon Käte Tischcndvrs, Bon Reinhardt (Frei­heit und Mirakel-, Bon S, I, Rosa Bertens, Bon Kurt Tucholsky, Leipziger Stadttheater, Von Herbert Jhering, Vaterländische Ritornelle, Von Theobald Tiger, Besuch in Ber- ditschew, Bon Scholeni Alejchem Antworten, Mozart und Oesterreich, Von Bruno Stürmer, Doctor honoris causa (Al­fred Reucker), Von Stefan Markus, München, Bon Hans Har­beck, Wiener Premieren, Bon Alfred Polgar, Bom alten Stamm, Jörni Peter Panter, Aus der Praxis,

Tic Schaubühne kostet: 40 Pfennig die Einzeln»,inner, 3,50 Mark vierteljährlich, 42 Mark «ähnlich, Probcirumlmrrn gratis und sranko durch alle Buchhandlungen und Postanstalken sowie durch den Verlag der Schaubühne, Eharlottcnburg, Dcrnburg- slraße 25. Der Verlag ist auch bereit, neuen Interessenten auf Wunsch die Schaubühne einen Monat lang zur Probe gratts und franko zu liefern, _

Ergänjungrrätsel.

91.. d.. .e.fl.n .s. ..ct.ci.l D.. H..ch ..r ..n.t, S . ei.. .. cb. h .. au. . n . i. r ,. n , n . ü. t.;

D.. W . l. i.t v .. l . o , m . i, ü . e . a . l,

W. . e . M... ch n . ch. h.. k.. in . m.. f,. n. r ..all

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer Abkürzungen : tr Treff, p 'I lque, c --- E oenr, rar Earrean trv Trcff-B»be, pA Pique-, cD Eoeur-Tamesw.

Vorhand erhielt: p9, p8, p7, c9, c7, csrK, carD, o»r9, carö, car7, im Skat liegen pA und carZ ; Hinterhand hat den Rest. Spielgang: 1. V, carK M. pB H. carA 17.

2. 3)1. trA 6. tri» V. c7 = 14.

3. 9)1. trZ v trK V, c9. 14.

Nunmehr hat Mittelhand mit den 2l Augen, welche im Skat liegen, das Spiel gewonnen.

Redaktion: k. Reurath. Rotntiqnsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Bucb- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen,