L84
Rechnung tragen. Wie wäre es, wenn Sie für die sieben Chore dLr Engel Noten kopieren würden? Auch ein sehr ehrenvolles AM Und nicht allzu weit entsernt von der Literatur/'
, Wie Eure Gottheit befehlen!" verbeugte sich der Zensor und schritt langsam und gedrückt aus dem Himmelssaal.
Der liebe Gott trat an ein Fenster und sah hernieder aus die Erde Unendliches Leuchten ging von seinen Blicken aus, ivie ein Regenschauer fallender Sterne, lind diese Sterne erschienen den Dichtern in ihrcnr Traum und wurden zu herrlichen Gestalten, aus denen andere Vcrwaltungsbeamtc ihre literarische Bildung
^^Der Zensor aber begegnete vor dem Himmelssaal dem Kind
von neulich. ,
„Du, Mann!" jupite rhn das Kind am Rock. „Kamrst ou das Lied Ringelreigcn . . . Rosenkranz?"
„Ach was!" brummte der Zensor mürrisch. ,I!atz mick, in Ruh'! Ick, pseife aus die ganze Literatur! Ich nrns, Noten kopieren!"__
wie sich berühmte Leute die Zeit vertreiben.
An eine Reihe führender Geister des heutigen Frankreich lM der Exrelsior die Frage gerichtet: „Welches ist ihre Lieblings- zerstreuung und aus welchen Gründen haben Sre für sic eine besondere Neigung2" Sckwn die ersten Antworten >versen crn amüsantes Licht aus die Sonderlichleiten der Steckenpjerde. in denen so mancher Geistesarbeiter Erholung von den Anitreiiguiigen ferner Tätigkeit sucht. . ....
Filr Rodin ist der Spaziergang über Land die >chonste Zerstreuung. „Der, der mit dem Kopfe arbeitet," so begründet er seine Liebhaberei, „geht aufs Land in die Natur, und der, der mit den Muskeln arbeitet, sucht seine Zerstreuung im Museum und im Theater." In der Natur sucht auch die feinsinnige Dichteren Daniel« Lesueur Ruhe und Erfrischung. „Aus den Reiten, die ich so liebe, ziehe ich die Schönheit herrlicher Landschaft den Wunder» der Kunst vor. Aber es bedarf für mich keiner grandiosen Ausblicke: ein Eckchen in Feld und Wald, ein Landweg rn der Dämmerung, ein Mondaufqang am Meer, die Bewegung eines Baumwipsels >m Wind, geben mir unaussprechliche, aber sehr tzete Erregungen, die ich allen „Zerstreuungen", solchen der großen Welt und anderen, vorziehe." Der Komponfft der „Louise" Gustave Charpentier findet eine Zerstreuung da, wo er ferne Inspiration findet: im Betrachten des Lebens. „Zerstreuung?/ schreibt er, „ist sie nicht unumgänglich nötig für alle, besonders für deii Künstler, nicht nur, um den Geist zu erfrischen, sondern für ihn auch, uni den ersten Stofs zu empfangen, den er zu Schönheit verarbeitet? Und welche Zerstreuung könnte wohl unterhaltsamer, fruchtbarer für ihn fein, als zu betrachten, wie das Leben dahingcbt, als sich unter das ewige Schauspiel der Straste zu mischen? Die Straste mit ihren tausend geheimen Tragödien und Lustspielen, mit rhler immer erregenden und malerischen wechselnden Atmosphäre, mit ihren schönen Spaziergängerinnen, die einem um so mehr zu denken geben, je weniger man von ihnen weist — dort finde ich, ich gestehe cs, meine beste Erholung — und meine besten Eingebungen."
Der Zeitvertreib anderer Berühmtheiten ist nicht so einsach. Der vielbewunderte Tenor der Grosten Oper, Franz, hat als Lieblingsbeschästigung das Interesse für die Malerei erwählt: „Es macht mir graste Freude, meine Rollen zu singen, und ich zerstreue inich damit, andere zu studieren. Wenn ich müde bin, dann lese ich alle Arten Bücher und besuche alle Gemälveausstel llnnge» der Hauptstadt Ja, ich bete die Malerei an und ich be- daure immer, daß ich mich ihr nicht habe tviümen können." Der Komponist lavier Leroux ist in seinen Mußestunden Koch. „Meine Lieblingsbeschästigung?" gesteht er, „zu kochen! Ja, tvirklich. Ich war eben zwei Tage in Pont en-Bessin zu einer Konferenz mit dem berühmten Farrez, mit dem ich mich über die Bouillabaisse und die Matelote (zwei Fischgerichte auS- gesprocklen habe, in denen er ein unvergleichlicher Meister ist." Der große Chirurge P o z z i findet seine beste Erholung in der Betrachtung seiner Sammlung griechischer Medaillen und meint: „Nichts schafft so Ruhe vor der Gegenwart >vie das Vergangene und nichts läßt das Häßliche unserer Zeit so vergessen wie die Schönheit der Antike." Der Direktor der Opöra-Eomiaue G heust findet seine einzige Zerstreuung in der Jagd und der bedeutende Naturforscher Stanislaus Meunier erholt sich bei schlechtem Wetter und im Winter bei der Violine, ivcnn er ins Freie kann aber mit — Erdarbeite», in denen er das beste Gegenmittel gegen seine Berusstätigieil erblickt.
vermischte».
— E i n v e r l> ä n g n i s o oller Osterkn st. Im Petersburger Ilntersuckmugsgetängitis sitzt gegenwärtig trübselig und gebrochen ein junger russischer Student namens Iwanow, der auf seine Verurteilung wartet und ohne Zweifel nach Sibirien geschickt werden ivird. llich das alles um einen Kiist, uni einen russischen Osterkust! Man kennt diese russische Ostersitte, am
Ostermorgeu begrüßen sich alle Freunde und Bekannte durch ein»
Kust. „Christ ist erstanden," sagt der Erste, und der Geküßte erwidert: „Ja, in LSahrheit, er ist erstanden." Die französisch« Kolonie in Petersburg pflegt diesen Brauch nicht. Trotzdem war der junge Iwanow gesonnen, am letzte» Sonntag, dein russischen Ostersonntag, unter' allen Umständen die reizende MNe. Life Alibert, eine französische Studentin, zu küssen, denn seit langem seufzte der junge Mann im stillen nach der Gunst der hübschen Kommilitonin. Die Macht der Liebe war stärker als die Vorsicht, und so begrüßte denn Iwanow die hübsche Mlle Life am Ostcrinorgcn mit einer innigen Umarmung und einem Küsse, der kein Ende nehmen wollte. Die junge Dame aber sträubte sich voll Empörung, schrie um .Hilfe und lärmte so sehr, dast der im Nebenzimmer weitende Bruder hereinstürzte und voll Wut aus den Ostcrgast losdicb. Er schlug ihn, ins (Besicht, und nun riß, vor Zorn sinnlos geworden, der junge Russe einen Revolver aus der Tasche und gab einen Schuß auf den Angreifer ab, glücklicher- weise ohne zu tressen. Wie ein Sturmwind flog Iwanow auf die Straste, sprang auf ein Automobil, zwang den Chauffeur mit vor gehaltene in Revolver zur Entfaltung der größten Geschwindigkeit: und das Ende war eine wilde, an Zwischenfällen reiche Äutomvbiffagd. Denn die Polizei nahm auf drei Automobilen die Verfolgung des stürmischen Liebhabers auf. Iwanow feuerte aus die Verfolger, aber wieder war ihm das Geschick günstig, und er traf nicnianden. Als die letzten Schüsse verfeuert waren, begann der Chauffeur, der bisher durch^die Angst vor der Schustwassc eingeschüchtert war, den jungen Sttidenteu mit den Fäusten zu bearbeiten, die Polizeiautomobile holten die Flüchtlinge ein, und Iwanow wurde verbastet. Nun schwebt gegen "ihn die Anklage wegen tätlicher Auflehnung gegen die Staatsgewalt und wegen versuchten Totschlages. Bei der juristischen Lage der Sache wird er dem Schicksal, nach Sibirien gesandt zu werden, kaum eittgehen: und alles das, weil er, wenn auch vielleicht etwas zu stürmisch, einen van altersher geheiligten russischen Osterbrauch befolgt? und die Annehmlichkeiten dieser Sitte seine hübsche französische Kommilitonin Mitempfinden lassen wollte.
*DerAhnuugslose. Mr. Brown begegnet aus der Straste Mr. Jones. „Was Neues, Brown?" „Nichts Besonderes. Habe eben die Sonntagszeitung gelesen. Steht was drin, was Ihnen vielleicht neu ist." „Nun?" „Da steht, daß die Frauen im alten Acgnpten immer taten, tvas ihnen beliebte, daß sie so lebten, wie cs ihnen gciiel, sich anzogen, wie es ihnen pastle — ohne die geringste Rücksicht auf die Meinung der Männer, Gott sei Dank, dast wir nicht im alten Aegypten leben." „Hören Tie, Brown, sind Sie verheiratet?" „Wie Tonliitt das zu dem? Ich bin un- verheiralet." „Das konnte ich mir denken."
* Der cnttäu schteSvekulant „Sie Hochstapler, Sie Schwindler, sagten Sie mir nicht, als ich dies Grundstücr im Vorort kaufte, in drei Monaten würde ich es für 10 000 Dollar nicht hergeben?" Der Makler gelassen: „Nun, haben Sie es. denn für 10 000 hergegeben?"
Büchertisch.
— Oberst Weber Roman aus der Kampszeit süddenffcher Truppen vor l00>Zahren unter Napoleon in Spanien von O. Cacciatore. (Preis drosch. 2Mk.j Der Verfasser des poetischen,
historischen Romans „Dir zum Gruß", O. Cacciatore, hat uns einen weiteren Beweis seines Talentes in dem neuen Werk „Oberst Meder" gebracht. Für das anmutende Buch bilden die Kämpfe süddeutscher Truppenteile unter Napoleon, I. den Hintergrund. Die Handlung spielt teils in Spanien, teils in Wiesbaden und Paris. Der Verfasser führt uns mitten durch die vielsach noch wenig bekannten, daher bis jetzt unverdient gering gewürdigten Drangsale und schlvcren Kämpse der mit unvergleichlichem Mut streitenden Nassauer, Hessen, Badener und Frankfurter, welche Schulter an Schulter mit den Franzosen auf dem heißen Boden Spaniens gegen die Eingeborenen und deren Verbündete nicht nur in bttitigen Treffen rangen, sondern sich auch deren versteckter Angriffe, Vergistungsversuchen »sw. zu erwehren batten. Den Mittelpunkt des Ronians bildet die historische Persönlichkeit des Obersten Meder, dessen kühne und doch seelischttiese Soldatennatur ihn in den heftigsten Widerstreit zwischen Pflicht, Frauenliebe, Patriotismus und Begeisterung für den großen Schlachtcnkaiser bringt. (Verlag von I. H. Ed. Heiß (Heiß u. Mündel. )
versteckrätsel.
Man suche ein Svricb.ivoil, besten einzelne Silben in solgende« Wörtern vcrheckt sind, ivie die Silbe „<iii" in .Wanderer--. Rleiiiqolo — Aiiankle — Magenbitter — Schlalmüge Whislkarlcn — Welnkeller — Gnltcivercha — Fiiih- lingslied — Theaterstück — Wertvapierc.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: dlehgerbeil — .iinsel — Kahara — iiöingsgrab — klienköntgiv: Al a s k e n b a ! l.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen


