268
Wohl tuit ruerst ganz deutlich und klar ausgesprochen lvird es von dein als Dichter ganz unbedeutenden, als Goethes Freund aber noch heute fortlebmden Nikolaus Meyer, der in dem Musenalmanach von Vermehren 1803 ein Gedicht „Frühling" veröffentlichte, das beginnt:
„Der Frühting ist gekonlmen Herunter zum waltenden See:
Doch will mir alles nicht frommen.
Es ist mir im Herzen so lveh!"
Der Refrain kehrt dann immer wieder, in den lebten Strophen als beständige Frage:
„O sagt mir, gaukelnd: Wellen Auf sanft sich kräuselndem See,
O sagt, ihr gaukelnd:» Wellen,
Warm» mir im Herzen so Iveh?"
Der einst so geliebte Frühling wird ltu» den Dichtern zu einer nnsaßlichcn Qual. Das düstere Grauen, das ern Tiea und Brentano der geivaltigen Mutter Erde gegenüber empfanden, Schcllings Wehrus über den stummen Gram im Antlitz der Welt, sie gipfeln in dem Vers Justinus Kerners: „Schmerz ist der .Grundton der Natur!" Auch die Dichter, die die heitersten Frühlingslieder singen können, werden plötzlich von diesem Weh überfallen. Eichendorff muh ohne allen Grund bitterlich toeinen in der Frühiingsmondnacht und Lenau schildert „des holden Frühlings Todesstunde". Statt eines Blühens ist er ihm ein Welken: >,Doch lääzelnd stirbt der holde Lenz dahin. Sein Herzblut still verströmend, seine Rosen". Heine aber sieht in „des Frühlings trauriger Lust" eine bacchantische Raserei, eine krankhafte Verzückung, einen grausigen Wahn, der den Sinn düster verwirrt: „Ernst ist der Frühling, seine Traume Sind traurig: jede Blume schaut .Von Schmerz bewegt, es bebt geheime Wehmut im Nachtigallenlaut!"
Ueberall blickt uns nun die Frühlingsschivermut mit traurigen Augen auS Gedichten und Aeusterungen der Menschen des 19 Jahrhunderts entgegen, jene vage trübe Stimmung, von der Otto Ludtvig sagt: „Ick, bin nicht froh, nicht traurig, gesund nicht Und nicht krank." Ja, sogar der Lenz selbst leidet an Frühlings- Melancholie, wenn ihn die moderne Lyrik malt, etwa in dem Gedicht Schaukals:
„Frühling, wie bist du überall,
Du Fremdling mit den blassen Wangew Mit Schritten ohne Widerhall In süßer Traurigkeit gegangen!"
vermochte».
■— Das Salz. Die Bedeutung .des Salzes für unsere Nahrung ist heute allgemein anerkannt. Eine schmackhafte Kost kann nach dem landläufigen Urteil eines gewissen Kochsalzzusatzes ticht entraten. Und doch gibt es Völker, die dieses Würz- und Vennßmittel gar nicht kennen und es geradezu verabscheuen. Lei den unzivilisierten .Eskimos ist, so schreibt der Führer der kanadischen Nordpolexpedition Stefansson nach einem Berichte hierüber in der „Medizinischen Klinik", die Abneigung .gegen bas Salz so ausgeprägt, das der leiseste Salzgeschmack in Speisen, den wir noch gar nicht wahrnehmen könnten, diesen Leuten schon Unbehagen verursachen würde. Und hier war es, so erzählt Stefansson, wo ich den eigentlichen Wert des Salzes kennen lernte. Die Eskimos sind nämlich ungeheuerliche Fresser uird können einen als Gäste geradezu arm essen. Besonders die „Blonden
Eskimos" am Coronation Golf haben mir damit arg zugesetzt.
Ich machte mir daher ihren Widerwillen gegen Salz gehörig zunutze. Kam nämlich eine .Schar dieser Fresser zu mir und machte Miene, bei mir Mahlzeiten zu wollen, so hatte ich nichts weiter zu tun, als den Speisen das kleinste bißchen Salz hinzuzutun. Da schüttelten sie sich wie im Fieber und liefen davon. So wurde ich sie los, ohne direkt das Gastrecht gegen sie zu verletze». Es war höchst lustig, zu sehen, wie solch em Gast, Ivenn
er das Salz schmeckte, sich plötzlich besann, daß er nach Hause müsse, wo seine Sguaw mit dem Mittagessen auf ihn warte. — Stefansson selbst lernte auf seinen Fahrten auf den Salzgcnuß ganz verzichten .Freilich ist eS nach seinen Erfahrungen mindestens ebenso schwer, .sich den Salzgenns; wie das Rauchen abzugewöhnen. Ist man allerdings erst einmal einen Monat ohne Salz ausgekonnnen, so empfindet man den drängenden Hunger danach gar nicht mehr. Ja, nesh längerer Zeit der Abgewöhnung macht man plötzlich die Entdeckung, daß Speisen weit besser schmecken, wenn sie kein Salz enthalten, und daß in Salzwasser gekochtes Fleisch einem direkt zuwider ist.
* Unbedacht. Ei» Mann, der in London lebt, begegnet zufällig dem Geistlichen seines Heimatdorses und fragt ihn nach verschiedenen alten Bekannten aus. „Und der alte Mr. Jones? Haben Sie ihn kürzlich gesehen?" Der Geistliche schüttelt den Kopf.
„Ich iverde ihn nie Wiedersehen," sagt er ernst, „Mr. Jones ist zum Himmel gefahren!"
* Ja so! „Warum wollen Sie gehen, Minna?" „Es iS mir zuviel Arbeit, Madam, ich bin's gewohnt, daß sich die Frach
mehr betätigt — aber Sie lassen sich ja bedienen, als wenn Sie früher selber Dienslbote gewesen wären."
Spracheckc der Allgemeine» Deutschen rprachvereinr.
' Kosewörter. Scho» in de» geschichtliw fite uns erreichbaren ältesten Zeiteti unseres Volkstums sehen tvir, ivie an Stelle der polleu Personenname» gern tztosenamen eintrcten: man denke ctit den Westgotenbischos, der den Nanren Wtilfila inhrte, eine Kose- forni ztt dent Pollnamen mit Wulf <— Wollt, an Wulshart u. a. Rach netteren Untersttchungeti haben aüe Misere Kosesormen ihren Ursvrtmg bei dielen Eigentiattteti. Auch Gattungsnamen gewinnen so eben eltvaS den Eigennamen PertvandteS. Der Mensch ruckt sich auch getvallige Naturerscheinttngen durch derartige Sprach» sormen nnetidlich näher und verkehrt mit ihnen wie mit (eines- gleichen. So nennt der Schweizer einen mächtigen Berg ein Bergti »nb ein schweres Donnerwetter ein Wetterli, und der Ortler, der höchste Berg der österreichis den Alpen, heißt eigentlich Ortle, d. h. Spitzlet». Wir sehen bei jeder Bolkslprache eine aus« gesprochette Vorltebe für solche Kosetvörter, dt« immer etwas Trauliches, Gemütliches an sich traget!. Matt denke nur an Kosewörter wie alemannisch: Bubi, Aetth Tierli, österreichisch Dtendl, Schna ahtiost, schleiße Madel, Gänteblientel, moscllränktsch Bttem- cher, Gtckelcher, westiälisch BäckskeS, Engelkes n. a. Daher liebt« auch die deutsche BergntannSsprache Ausdrücke tote Nestlein, Klüst- letn ü. a. So nennt der Bergmann Körnchen von edlem Metall Aeuglein, eine kleine Sanduhr Sandseigerlein, eine Spreize, an der die Fahrt, d. h. die Leiter, mittels eiserner Bänder befestigt wird, Frosches, das Hans, in dent ein Bergjimge ans das Schlagen der Uhr acht geben inußle, damit rechtzetttg Schicht gemacht wurde, Horchhäuscl u. ä. Auch die bekannten Harzer .Bogethaisel' mit ihren Kanarienvögeln gehören hierher. Imme (Essen).
Glückauf in die Welt!
Wandervogellied von Cäsar Flaischlen. lieber die Berge mit fliegenden Fahne», flammende Sonne im blanen Gezett, jubelt der Frühling tute Glockengeläute sieghast sein Helles Glückauil in die Welt Und wir horchen und wir greisen Rock und Ranzel von der Wand,
Stock und Slurmhut, Band und Schleifen» und mit Lauteu gehi's und Psetse», hollahe! ius grüne Land.
Jugend des Jahres und Jugend des Leben?, srende-geflügeli und Frohmttt-geschwellt... wo ivir.hinkonuneti, da siehe» die Leute, sreusti sich und grüßen:
Glückaus in die Well!
Und so liegt vor uns das Leben sestlich-schöu und krait-gestinunt, und wir jauchzen ihm entgegen, und zu Sonne ivird und Segen, was es gibt und was es nimmt.
Und tvemi wir selber einst seßyast geworden, die Liebste geholt und ein Hans uns bestellt, stehen auch ivir dann und grüßen die Jugend, die so vorbeiziehl:
Glückaus in die Welt!
Magischer Sahlenquadrat. ^ ,
In die Felder uebensteheuden QuadraD sollen die Ziffern
81 258 613 917 vietmal derart eingetragen werden, daß die Summe der Zahlen in >eder der senkrechten, wagerechten und Diagonalreihen stets 1899 beträgt.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Logogriphs in voriger Nummert Flamme, La nt in.
Redaktion: K. Neuratb. — Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'Ichen Universtläls-Bnch- und Steindruckerei, SR. Laug«, (Stetten,


