Ausgabe 
2.5.1914
 
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Lkknierstöchter.

Roman von Paul Grabein.

(NackHruck verboten.)

(Fortsetzung.)

, 'ieti'u Dank, meine gnädige Frau. Aber leider ganz nnmög ich. Ich erwarte heute nachmittäg meinen Lehrer, den He tu vom Orientalischen Seminar wie alle Wady wittagc jetzt. Ich muß Kisuaheli pauken, mit .Hochdruck."

Ah, .Sie sind gar nickst mphr nett, Herr Kyllburg!"

Jci bedaure aufrichtigst, meine gnädige Frau. Aber selbst auf die Gefahr Ihrer allerhöchsten Ungnade hin."

Mit scherzhaftem Tone sagte er cg'; doch der Ernst sei­ner Augen stand dazu in seltsamem Widerspruch. Da sah ihn Astr d plötzlich mit einem ausmerkenden Blick an und quälte ihn nicht weiter, ityklburg verabschiedete sich nun.

Als später, am Nachmittag, Gerda bei ihr war, erzählte sic dieser von der Begegnung mit Kyllburg und seinem Ent­schlüsse. Sie beobachtete dabei die Schwester, die diese Mit­teilung jedoch sonderbarerweise ohne jedes Anzeichen einer Ucberraschung hinnahm. Da forschte Astrid:

Ja, wundert dich das denn gar nicht?"

Gerda verneinte stumm. Nach Kyllburgs Vcrabschic- bung neulich war sic auf einen solchen Schritt bei ihm ge­fasst gewesen. Ja, sie hatte ihn erwartet.

Da schüttelte Astrid das blonde Haupt. Aber sie schwieg. Als sie dann wieder zu der Schwester hinsah, die so still) dasaß, aber mit einem Hauch von Traurigkeit, der Astrid ins Herz schnitt, da erhob sich diese plötzlich in einem unab­weisbaren Ahnen und kam zu ihr hi».

Gerda" sie legte der Schwester den Arm unr den Hals und sagte leise:Du brauchst mir gar nichts zu sagen a- nichts. Aber jetzt verstehe ich erst alles. Du Arme, Arme!"

In dieser Stunde ermaß zuin erstenmal ein anderes Herz das Leid, das Gerda Keßler trug.

*

Der Frühling kamt und cs kam eine Zeit, da saß Gerda, wenn sic allein mit sich war, oft still mit gefaG tetcn Händen und träumte vor sich hin. Aber ein verklärtes Leuchten war auf dem Antlitz.

Was sie für ein Kränkeln gehalten hatte, ivar ein nur zu natürlicher Zustand gewesen; es ivar ihr jetzt zur (tze-> lvißheit geworden. Die große Verheißung da draußen ivar auch an sic ergangen: Muttergtück ivar ihr beschieden.

War das nicht >vie eine Gabe des Schicksals, das cm ihr gutmachen wollte, >vas es gefehlt hatte? War nun nicht ihrem Leben wieder ein Ziel gegeben, ein Inhalt?

Und selbst das Verhältnis zu ihrem Manne hatte nun wiede* etwas Innerliches bekommen. Sah sie in ihm doch fortab beit Vater ihres Kindes.

Auch Heinz seinerseits blieb nicht unberührt von diesem

Wandel der Dinge. Er war wieder froh, liebenswürdig und aufmerksam zu Gerda. Der Stolz des angehenden Vaters, eine ritterliche Dankbarkeit gegen die jung« Mutter.

Und er wurde eine Zeitlang häuslicher. Freilich, es hielt nicht allzulange vor. Seiner lebhaften Statur ward dieses Herumsitzen im Hause bei einer schonungsbedürf­tigen Frau bald zlu viel. Er blieb wohl noch, aber ntatt merkte ihm den Zwang an. Seine gute Laune litt stark darunter.

Da war es wieder Gerda selber, die ihn hinaus-, schickte, lvie es ihn ja einmal verlangte. Aber cs geschah jetzt ohne heimliche Bitterkeit. Würde sie doch nun bald ein anderes Wesen ihr eigen nennen. Ein kleines Menschen-, kind, das ganz ihr gehören, das täglich und stündlich um sie sein, das sie immer brauche», immer nach ihr verlangen würde mit seinen weichen, zarten Händchen und es durchwogte sie ein seliges Glücksgefühl. Mochte da Heinz ruhig seinen Gewohnheiten »achgehen. Wenn er nur dabei die letzten und ernstesten Pflichten gegen sie nicht verletzte. Pflichten, die ihm jetzt doppelt heilig sein mußten.

So ging die Zeit dahin. Astrid war jetzt oft bei Gerdä im Hause. Sie freute sich mit der Schwester auf deren Glück, und die beiden jungen Frauen saßen viel, zwischen rosenfarbenen Bändern und duftigen Spitzen, die sich unter ihren geschickten Händen zu allerliebsten winzigen Hüllen fürBaby" verwandelten.

Und es war zwischen ihnen so auch oft schon die Rehs von dem «erwarteten kleinen Gast. Die Hauptfrage war stets: was -ein größeres Glück für die Mutter sei ein Knabe oder ein Mädchen.

Natürlich ein Junge!" entschied Astrid sofort.Da steckt doch ein ganz anderes Temperament drin."

Aber Gerda wiegte leise den Kopf.

Nein, lieber ein Mädel." Und in ihre Züge trat ein inniges Sehnen.Ein liebes, anschmiegendes Ding, das später einmal bei einem im Hause sitzt. So ein Junge ist so nestflüchtig. Was hat man von ihm?" Aber nach einer Weile des Sinnens fuhr sie nachdenklich fort:Und doch! Man soll ja nicht an sich denken. Wenn man aber so voransblickt, lvie es einmal später sein wird, da möchte ich fast sagen: lieber ein Knabe."

Wieso das?"

Run, der braucht doch einmal, wenn er groß ist, nicht zu warte», wie .unsereins, bis das Glück zu ihm kommt. Ein Mann schasst sich sein Glück selber. Und überhaupt," ihr Antlitz nmrdc noch ernster,wir Franc»! UnsereGkatnr weist uns ans die Ehe hin, trotz aller Frauenbewegung. Der Berns bleibt für uns immer nur ein Notbehelf. MeV Ehe und Glück es deckt sich nicht immer das eine mit dem anderen. Ein Mann dagegen ich glaube, die meisten siuden ihre wahre Befriedigung ja immer nur im Beruf. Sie köuutcu daher, wen» ihre El(e ein Mißgriff war, nie so ganz unglücklich werden lute unsereiner."