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„nd jetzt Huerta, so liegt es nahe, sich ein wenig mit diesem wichtigen Bevölkerungselpmcnt der Republik zu beschäftigen, das ohne Zweiscl auch in Zukunft eine maßgebende Rolle in dem Lande spielen wird. Wie iiberall im romanischen Amerika, so hat auch in Mexiko seit der Conquista eine weitgehende Durchmischung der indianischen Urbewohnerschast mit den Weißen stattgefunden, aber gegen 40 Prozent sind doch noch indianisch geblieben. So ist es nicht zur Bildung einer „mexikanischen Nation" gekommen.
Die im Bereiche der heutigen Republik wohnenden Indianer sind in Sprache und Kulturbesitz nicht einheitlich. Die Vorstellung ist falsch, daß die vorspanische Bevölkerung nur oder auch nur größtenteils aus Azteken bestanden habe. Gerade diese Azteken waren ein an Zahl recht uirbcdeutender Stamm der Nahua-Sprachgruppe, der ansangs nur ein Stück des Hochtals um die Stadt Mexiko bewohnte, und erst spät. 50 Jahre vor dem Erscheinen des Cortcz, sich seiner kriegerischen lleberlegenheit bewußt wurde, und das große Aztekenreich grllichete, aus das die spanischen Abenteurer im Jahre 1519 stießen. Aber dieses Reich war erst ganz lose gefügt: es um- saßte Dutzende von Stämmen oder kleinen Staaten, die nicht azte- kisch waren, und barg deren auch solche in seinen Grenzen, die ihre Unabhängigkeit überhaupt noch nicht verloren hatten und gleich mit Cortez gemeinsame Sache machten. So siel denn das Reich unter dem Ansturm der Fremdlinge bald in sich zusammen.
Die mexikanischen Indianer sind so wenig einheitlich, daß zu ihnen sowohl die Nachkommen des Kulturvolkes der Maya, wie die als Sammler, Fischer und Jäger auf niedrigster Kulturstufe stehenden Seri-Jndianer gehören. Diese Seri, die heute infolge der Aus- rottungskämpfe der mexikanischen Regierung aus die Insel Tiburon im kalifornischen Meerbusen und das gegenüberliegende Küstenstück von Sonora beschränkt sind, errichten kaum ein Obdach und verschlingen ihre Nahrung roh: sie sind die primitivsten Eingeborenen Amerikas. Auf der Kulturleiter nach oben hin würden dann die Otomi folgen, die schon von den Azteken als „Hunde" bezeichnet und aus dem Hochtal von Mexiko in dessen Randgebirge vertrieben wurden. Die Otomi sind immerhin schon seßhaft. Sie haben sich Sprache und Sitten noch recht rein erhalten und leben abgeschlossen für sich, nur gelegentlich die Marktorte der Ebene aufsnchend. Sie gehören zu den Stämmen, die schon vor Ankunft der Nahua auf mexikanischer Erde saßen, sind untersetzt und schwerfällig und färben daS Haar rot.
Weiterhin sind mehrere toestmexikanische Stämme zu nennen, die zwar gleichfalls noch nicht zu den altamerikanischen Kulturvölkern zu rechnen sind, aber schon wesentlich höher stehen, als die bisher genannten Stämme. Hierher gehören die Pima, Huit- schol, Kora und Tarahumara. Auch sie sind in ihren abgelegenen Gebirgswohnsitzen von europäischen Einslüssc» nur wenig berührt worden, und es hat namentlich erst das Studium der Kora in der Sierra de Naharit von Tepic uns zum richtigen Verstehen der aztckischen Religion verholsen. Die Tarahumara in der westlichen Sierra Madre der Staaten Sinaloa, Sonora und Shihuahua waren früher Höhlenbewohner und gleichen den „Clissdwellers" von Arizona Und Neumexiko.
Zu den Kulturvölkern Altmexikos gehörten u. a. die Mrx- teken und Zapoteken des heutigen Staates Oaxaca (Der Diktator Juarez war ein Zapotekel, die Tarasken in Michiacan, die Azteken des Hochlaiches von Anahuac und die Maya in Chiapas und Vukatan. Häufig werden die zahlreichen Reste ihrer Architektur, die man in diesen Staaten vorsindct, Tempelpyramiden und Paläste, schlechtweg als aztekisch bezeichnet: sie sind das aber nicht, ftnd auch oft älter. Zapotekisch sind die prächtigen Ruinen von Mitla, das erst Ende des 15. Jahrhunderts von den Azteken zerstört worden ist. Biel älter als die Azteken sind die Tarasken und ihre Kultur. Sic hatten eine eigene Bilderschrift. Am' besten sind wir Aber die Staatseinrichtungen und 'die sozialen Verhältnisse bei den Azteken unterrichtet, dank den ersten spanischen Berichten. Sie waren derart, daß die Spanier ihnen kaum etwas voraus hatten. In starkem Gegensatz dazu stand allerdings der mit scheußlichen Menschenopfern verbundene Götterkult, der übrigens in dieser Gestalt auf die Azteken beschränkt war und von den übrigen Völkern Altnrexikos verabscheut wurde. Die Maya endlich zeigten neben manchen Eigentümlichkeiten auch viele Berührungspunkte mit den Azteken, so in der Schrist (Bilderschrift) und im Kalender. Selbständig waren jene in ihrem reich und zweckmäßig ausgebildeten Zahlensystem, das aut der Zwanzig beruhte und den Stellenwert der Zahl kannte. Ihre schönsten Bauwerke, iu denen nicht selten aztekischer Einschlag zu erkennen ist, die aber schon zur Zeit der spanischen Eroberung verlassen waren >md in Ruinen lagen, finden sich in Vukatan.
Die spanische Kolonisation hat in Amerika und also auch in Mexiko einen dauernden kulturellen Niedergang zur Folge gehabt. Wahrscheinlich ist von den uns erhalten gebliebenen alt- mexikanischen Bau- und Kunstwerken nicht eines nach der Eroberung entstanden. Erlosch aber auch die indianische Kultur mit einem Schlage für immer, so haben die Spanier den indianischen Charakter selbst nicht ümwandcln können, und als ihre Herrschaft zu Ende war, da vermochte jede indianische so gut >vie jede kreolische Intelligenz sich Geltung zu vcrschassen, da es keine Schranke mehr gab. Vor allem in den ewigen inneren Kämpfen.
Die Truppen d«r Rebellensühr« und Präsidentfchaftsbewerbei
bestanden natürlich größtenteils aus Indianern, und jed« Haft» den Marschallsstab im Tornister. Daraus erklärt es sich, daß tag neuen Mexiko die führenden Geister selten Weiße gewesen sind« .
vermisste».
* Biene» und Hummel». Ei» Gartenfreund erzählt im »Pro« nietheus" (Leipzig. Otto Spanier): Als Naturfreund betreue lch meine Pflanzen selbst, beobachte mit de» scharfen Augen des Chemikers und sehe öfters de» Biene» und Humnreln bei ihrer einsigen Arbeit u, und siehe da, die Humnreln beflogen Krcsseblüten von vorn, onnte» aber mit dem kurzen Säugrüssel nicht bis zu den im Sporn
g elegene» Nektarieu kommen: kurz entschlossen kehrten sie um und ohrten einfach von außen den Rüssel in den Sporn. Die Bienen saugten aber von vorn, da sie schwächer sind und so tief genug in die Blüte eindringen können, um mit dem Säugrüssel bis zu den Nektarieu zu gelangen. Einmal ausnrerksain, beobachtete ich rveiter und fand beim Löioennraul gerade das Umgekehrte. Die kräftige Hummel zwängte sich einiach ins Löweninaul hinein, die schwächer« Biene dagegen schob »ach einigen vergeblichen Versuchen, von vorir heremzukommen, von außen ihren Rüssel kiiapp über den Kelchblättern durch die zarte Blütenivandung Ich beobachtete seitdem dieses „ingeniöse' Verfahren und stets wiederholt es sich; sonach scheinen beide Insekten allgeinei» sich dieser GeivinnuiigSart des Nektars z» bedienen, nnd es würde mich freuen, zu erfahren, ob aiidere die gleichen Beobachtliiigeii auch schon gemacht habe».
* Mißverständnis. „Sie köimten nur ivohl auch endlich das Buch zurückgcbcn, das ich Ihnen vor einem halben Jahre geliehen habe." „Was geliehen? Stuf der ersten Seite stand doch ausdrücklich: Lesen und behalten."
* Die Aerzte. Arzt: „Also für Ihren Rheumatismus viel Gemüse und wenig Fleisch." Patient: „Uird sür meine Blutarmut?" „Wenig Gemüse und viel Fleisch."
vüchertisch.
— „P h ö b u s", eine neue Monatsschrift sür Aestetik und Kritik des Theaters, herausgcgebcn von Heinz Eckenroth, ist soeben in München erschienen. Das erste Heft enthält einen einleitenden Aufsatz über „Theater und Literatur" von Privatdozent Dr. Artur Kutscher, eine eingehende Besprechung der Komödie Gorslebens: „Der Rastaquär", einen größeren Beitrag von llniv.-Prof. Dr. .Hugo Dinger, einen längeren Aufsatz über: „Die künstlerische Durchbildung des Buhnenraumes" (mit 8 Illustrationen! von Dr. Wolsgang Martini, eine eingehende Besprechung von Ehrensteins. „Tubutsch" und „Selbstmord eines Katers" von Richard Sander, ferner Dr. Georg Hecht: „Das Problem und die Krise in denj Münchener Kammersvielen", .Heinz Eckenroth: „Der Münchener Theaterwinter", W. Schendell: „Berliner Briefe, Dr. Max Pirker: „Das Rollenfach im Deutschen Theaterbetrieb des 18. Jahrhunderts", Dr. Hans Harbeck: „Das Jahr der Bühne", Karl Schmidt: „Tagores Sangesopfcr", Gedichte von Alfred Vagts, Hans Harbeck, Friede. W. Wagner.
— „Die Kinder der Frau von W u t hen o w" „Aschenbrödel." Margarete Gräfin von Bünau. Mil ihren beiden reizeirden Novellen „Die Kinder der Frau von Wuthe- now" und „Aschenbrödel", (soeben in Kürschners Bücherschatz Nr. 947 Hermann Hillger Verlag, Berlin und Leipzig erschienen: die sich durch eine hervorragende heitere Unterhaltnngs- kunst auszeichnen, gibt die Verfasserin den Lesern eine Lektüre, über der diese sicher das Grau des Alltags vergessen werden. Der Band sollt unter das 5000 Mark-Preisausschreiben von „Kürschners Büchcrschatz", an dem sich jeder Leser durch eigene Kritik als Preisrichter und Gewinner beteiligen kann.
togogriph.
Muß nage» und zehrcii
Mit heißem Begehren,
Was nul t zu versckiliugen: ich muß es zerstören.
Doch Antaug und Ende.
Me»u beides nun schwände:
Ein harmloses Tierchen als Rell sich nur fände.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Krcuzrätsels in voriger Nummer: P K 9
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Petr o lenm Kilo m c t e r
Schl e Bien
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Redaktion: ik. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen lliüversitälS-Buch- und Steiudruckerei. R. Lang«, Gießen«


