Ausgabe 
27.4.1914
 
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fut Morgenwinde. Wrd'S etwas geben? Was führen die Yan­kees, dieGrirrgoS" im Schilde? Schon droht« der Eifer der Schwäher am Strande zu erlahmen, als plötzlich, ohne Warnung, ohne Uebergang, das Bild sich veränderte und die lässige Neu­gier zur höchsten Spannung wandelte.

Es war 11 Uhr, als jäh von der Seite des Transportschifses > Prairie" ein Dutzend bemannter Boote hervorschoß und im Tageslichte Gewehrläufe blitzten. Die kleinen Fahrzeuge nahmen sofort ihren Kurs aus die Landungsbrücke, wo die mexikanischen Zuschauer sich drängten und noch immer nicht an den Ernst der Situation glauben wollten. Als die Boote anlegten und die 250 Amerikaner, nicht ohne Aufwendmrg turnerischer An­strengungen, ans Land sprangen, tönte ihnen ans der Bolks- rnrngc heiteres Gelächter entgegen: man amüsierte sich köstlich über die Springerkünste der neuen Gäste. Aber schnell sollte diese harmlos behagliche Stimutunq enden. Noch war kein Widerstand erfolgt, noch war kein Schuß gefallen: jetzt aber sah man auf den Dächern der Hau: er an der Wasserfronl Metall anfblitzen, sah über den Mauern und zwischen Fensterrahmen ciuzeltre Ge- wrhrläuse auftauchen, und als die Amerikaner sich in Richtung auf das Zollhaus in Bewegung setzten, ward aus der Operetten- strmmung jäh Ernst. Nach den ersten Schritten blitzte es an einem Häuserdache auf, dann an drei, vier anderen Stellen, und einen Augenblick später war das Schießen allgemein geworden. Die Amerikaner antworteten sofort: und wenige Sekunden später fiel der Baß der Kanonen ein. Als nran sah, daß Widerstand geleistet werden sollte, begann diePrairie" zu feuern, um die Mexikaner, Soldaten wie bewaffnete Bürger, zu verscheuchen. Aber es war Umsonst: die Landungstruppen muhten zum schnellen Angriff schreiten. Noch war nieinand gefallen. Dann sah man zwei Amerikaner getroffen niedersinke», die Erregung unter den Gelandeten flammte auf, Und im nächsten Augenblick stürmten die Truppen vor. Fünf Mirmten später waren die Dächer der Nächstliegenden Häuser gesäubert, die Schützen mit dem Bajonett zum Schwelgen gebracht, die ersten Menschenopfer diesesfried­lichen Krieges" gefallen. Ein paar mit der Waffe in der Hand überwältigte Bürger wurden als Gefangene aügciührt: und nun erfolgte owre weiteren Zwischenfall die Besetzung des Zollhauses. Fast güte Beamten hatten bereits die Flucht ergr s en. Inzwischen waren an anderen Stellen weitere Matrosen gelandet: und als die Mittagsstunde schlug, waren nicht nur das Zollamt, sonder» auch das Postamt, der Bahnhof, das Rathairs und alle wich­tigen Gebäude an der Hasenseite in de» Händen der Amerikaner. Dres war der Augenblick, in dem der einzige Versuch eines organisierten Widerstandes einsetztc. Man sah Bauden von Mexi­kanern in westlicher Richtung die Stadt verlassen: und wenige Minmen später war ihre Absicht ossenkundig geworden. Es war der Versuch eines Umgehungsmanövers, um die ainerikanischcn Truppen im Bahnhofsgebäude abzuschueiden. Bon der Flotte aus ward die Bewegung rechtzeitig beobachtet, und nun säten die Geschütze derPrairie" Tod und Verderben in die kleine Schar. Es währte nur wenige Minuten, dann war die Truppe ausgelöst und der einzige Versuch eines einheitlichen militäri­schen Widerstandes erledigt.

Aber das Schiehen von den Häuserdächern schwieg darum noch nicht. Es waren nicht nur Bürger, die hier in patriotischer Hitze mit dem Schießprügel hantierten: am Tage vorher waren mit der Bahn aus dem Inneren allerlei abenteuerliche Elemente eingetrosscn, die im Falle eines aincrikanischen Uebcrsalles ein svenig Lorbeer ernten und wohl noch mehr im Trüben fischen wollten. Bon den Stadtteilen aus, die von de» Eroberern noch nicht besetzt waren, ünterhiclten sie ein lebhaftes aber'schlecht- gezieltes Feuer aus die Matrosen, Ivo immer ein Trupv auf­tauchte. ES war umsonst, daß der amerikanische Admiral einen Parlamentär mit weißer Flagge sandte, um die Stadtbehörde trufznsovdenr, für die Einstellung dieser Schieherei zu sorgen, widrigenfalls man Veracruz mit den schweren Schisssgeschützen boinbardieren werde. Der General Maas war bereits verschwun- n, der Bürgermeister außerstande, etwas zu tun, und so begann nn das Bombardement. Vom Hafen aus sandten die Schisse ngs der Straßen ihre Geschosse, einzelne Gebäude, von denen aus besonder? fleihig geschossen wurde, wurden unter Granat- feuer genommen, und bald war Ruhe geschaffen. Tie Hafen­front der Stadt bietet nun freilich einen wüsten Anblick, denn viele Gebäude haben hier unter dem Geschützsencr mehr oder nnndcr schwer leiden müssen. Als am nächsten Morgen aus den noch unbesetzten Stadtteilen wiederum Gewehrschüsse freien, wurde mit Hilfe von gelandeten Verstärkungen gegen 3ü0G Mann die ganze Stadt besetzt und alle Dächer abgesucht. Gegen 300 Gefangene führte nran ab, in Baracken und z. T. an Bord der amerikanischen Schiffe. Als am nächsten Tage die ganze Stadt in amerikanischen Händen >oar, war von mexika­nischer Seite nicht bin einziger Kanonenschuß gefalle a.

Vermischte«.

* Lin Menschenleben in Zahlen. Einen eigenartig«, Ein­fall hat ein Mann, der soeben in einer Stadt des westlichen Frank­reich. im Alter von 77 Jahren gestorben ist, mit eherner Konsequent sein ganzes Leben lang durchgeiührt. Mit 18 Jahren begann er auf Heller und Pfennig alle Ausgaben aniznschreiben, di» er für seines Leibes Notdnrsl und Nahrung machen mn&te, und er hat über ein halbes Jahrhundert Zahl an Zahl gereiht und als gründlicher Sta­tistiker Iristcinatisch geordnet. Tie Ergebnisse, die der Ganlois ,nit­teilt, sind recht interessant. Während der 58 Jahre hat er 628713 Zigarren geraucht, vo» denen ihm 41692 von Freunden geschenkt wurden; für die übrigen 585621 hat er nicht weniger als 36895 Fr. 33 E. nnsgeqeben. Gewiß eine ganz statilichc Leistinrgl In derselben Zeit hat er sich 86 Paar Hosen machen lassen oder neu gekauft und dafür 2314 Fr. 25 E bezahlt; 75 Jaketts und Westen haben ihn 3954 Fr. qekostcl, 63 Paar Stiesel 1653 Fr. 75 C. Ter Wackere hat 366 Hemden und .Vorhenrden" gebraucht und 354 Stehkragen, die ihn 1329 Fr. 25 E gekostet hatten. Für Omnibus »nd Straßen­bahnen hat er 2324 Fr 50 E. notiert. Rach seine»! Ausgabenbuch hat er in 15 Jahren 28875 Glas Bier, darunter 2344 Halbe getrunken, und für leses Bier wie für 46363 Schnäpse trat er 27640 Fr. zah­le» müsse», und dazu 3234 Fr. Trinkgelder. B.

EnglischeStrafporto marke n". Eine neue Gabe beschert der englische Generalpostnrcister den Briefmarkensamm­lern. Bisher wurde in England Nachporto oderStrafporto" der Name ist ja nicht unberechtigt, da der Empfänger nicht etwa allxin das fehlende Porto, sondern das Doppelte entrichten muß, also gleichsam für die Unachtsamkeit des Absendersbestraft" wird nicht anders wie in Deutschland erhoben: ein Blaustift­schnörkel aus dem ungenügend frankierten Brief mußte als Quit­tung für das entrichtete Mehrporto genügen. Dem.Beispiel Frank­reichs und der Vereinigten Staaten folgend gibt die englische Postverwaltung nunmehr regelrechte Nachportornarken heraus; sie werden von der Post auf die ungenügend frankierten Sendungen: ausgeklebt und der Enipfänger wird fortan, wenn er Markcnfreund ist, wenigstens eine Entschädigung sür das unliebsame Nachzahlen von Porto haben . Di« neuen Marken, sind von G. W. Eve entworfen urrd unterscheiden sich von allen anderen britischen Marken dadurch, daß sie kein Herrscherporträt tragen. Statt des Bildnisses des Königs Georg zeigen die Marken einen Wappcnschmuck, in dem die Rose, die Distel und das Kleeblatt anftauchen, die Wahrzeichen Englands, Schottlands und Irlands. Dabei tragen sie keine Landesbezeichnung. Zur Ausgabe gelangen einstweilen V» d, 1 d,

2 d und öd Marken.

Bücherüsch.

Neuerscheinungen der Universal-Biblio- thek. Nr. 5661. 5662. Uefccr das Dirigieren. Be­rt ch t über eine in München zu errichtende deutsche Musikschule. Von R. Wagner. Herausg. u. eingel. von G. R. Kruse. In Lewen 80 Psg. Nr. 5663. Rösickcs Geist von Georg Hirsdifeld. Komödie üt drei Aufzügen. Nr. 5664. Litixuspflänzchen und andere Novellen. Von Emma Haushofer-Merk. Inhalt: Lnxuspslänzchen. Bergwcg. Liebhabcr- theatcr. Ein Weihnachtsabend. Nr. 5665. Vier Schwänke. Von Earl von Zeska. Inhalt: Graf Ladislaus. Original-Sketch in einem Auszug. Fritzcheu Lux und Komvanie. Schivank in einem Auszug. Samuel Pech. Detektiv-Sketch in einem Auszug. Aber Anna! Original-Sketch in einem Auszug. Nr. 56665670. Mhdame Bovarh. Bon Gust Flauheit. Aus d. Franzöf. übers, v. Hcdda Eulenberg. In Leinen 1,50 Mark.

ttreuzrätsel.

I» die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben c c, e e e e eeeeee, hh, i _____ i i i, k k, 1 1 1 1, m m m, n n,

_ _ c o, p p, r r r, g s s, t t 11, u

n derart einzntragen, daß di«

--senkrechten und wagerechten

J Reihen gleichlautend folgende» ergeben:

1. Geschenk der Erde.

2. Ei» Längenmaß.

3. Deutsches Land.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung deS Logogrrvbs in voriger Nummer: Wand, Wind.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Vertag der Bruhl'schen UnioersitälS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,