Okkizierstöchtrr.

Roman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Mein Kind, cs mag schwer sei», aber unmöglich ist iS nicht. Ich habe so manche Frau gelaunt, die darüber hinweggcloinmeu ist."

Aber ich nicht, Mutter! Wo einmal mein Vertrauen getäuscht worden ist, so schmählich da kann ich nicht ver­gessen. Verleihen vielleicht, aber nicht vergessen! Versteh' das wohl. Und was soll so etwas, so ein getttteteSGlück", das jeden Augenblick in Scherben zu fallen droht'?'

Die Mutter schüttelte den Kopf und sagte ernst:

Es hält schon, Gerda wenn man nur den festen Willen hat."

Aber ich Hab' ihn nicht. Und will ihn nicht haben! Wie soll ich neben einem Manne hinleben, den ich nicht mehr achten kann?'

Da erhob sich aukh Frau von Henning.

,,D» bist wohl noch zu aufgeregt. Wir wollen lieber einstweilen nicht mehr darüber reden. Nur das noch> vorhin "kam dies Telegramm hier."

Und sie reichte es der Tochter hin, die nun las:

Hatte wichtige Unterredung mit Heinz. Bitte nichts unternehmen, mein Kommen abivarten. Tresse heute abend »och dort ein Astrid."

Gerda blickte eine Weile stumni auf das Papier. Auch sie las da allerlei zwischen den Zeilen. Doch nun reichte sie der Mutter die Depesche zurück.

Es ändert nichts an meinem Entschluß."

*

Astrid kam wirklich noch mit dem letzten Zuge. Sie berichtete in Anwesenheit der Mutter und Ediths Gerda selber wollte es so von ihrer Aussprache niit Heinz.

Als sie zu Ende war, fragte Frau von Henning mit ernstem Nachdruck Gerda, die neben ihnen saß, die Hände fest ineinander verschränkt:

Run, Gerda, was sagst du hierzu?"

Ec- mag schon alles so sein, wie er sagt an den Tatsachen ändert es nichts."

DaS weiß ich doch nicht! Freilich, !vas geschehen ist, läßt sich nicht ändern; aber wieder gutmachen läßt es sich. Und oein Mann das muß ich anerkennen bietet dir dazu bereitwilligst die Hand, trotz deiner Flucht. Mehr kann man eigentlich billigcrweise nicht von ihm verlangen."

Und auch Astrid stimmte der Mutter bei.

Wirklich, Gerda! Es tut ihm aufrichtig leid. Es war ihm ja deutlich anzumerken. Glaub mir's, Heinz ist kein schlechter Mensch. Stur eben sehr impulsiv, im Guten wie rm Bösen eben eine echte Künstlernatur. Aber es läßt

sich schon ganz gut auskommen mit ihm. Wenn man ihn uuv richtig nimmt."

So redeten sie ihr zu, nur Edith schwieg. Da stanlds Gerda endlich auf, niit einem gequälten Ausdruck.

Ihr versteht ja alle nicht, worauf es ankommt."

Und sie ging aus dem Zimmer. Schweigend folgte ihr Edith nach.

Am anderen Morgen fand sich Astrid schon früh wieder bei der Schwester ein. Sie setzte sich zu Geicha auf den Bettrand. In herzlicher Weise sprach sie nock) einmal auf sie ei», daß sie heute alles ruhiger anseheu möchte. Da nahm Gerda ihre Hand.

Ich danke dir, Astrid. Du meinst es so gut, hast dich so bemüht um mich aber du siehst den Hauptpunkt nicht. Gewiß, ich könnte Heinz verzeihen; ich bin ja nicht klein« lich. Obgleich ich nie ganz darüber hinwegkäme, daß er so schwach gewesen ist. Aber was wäre damit geholfen? Gerad« das, was .Heinz dir da offenbart hat, es zeigt ja so klaü und deutlich den unheilbaren Riß zwischen uns. Das, was ich von ihm innerlich erhosft habe, das wird er mir immer schuldig bleiben. Und das wieder, was er von mir verürngt, das kann ich ihm nun einmal nicht geben. Also würde er nie in Wahrheil zufrieden sein mit inir, und dieses Ent« bohren würde ihn über kurz oder lang wieder den Weg führen, den er jetzt gegangen ist. Was sollen wir aber das alles noch einmal durchmachen? Ist es denn nicht besser i lieber jetzt schon das, was doch kommen muß?'

Gerda, du bist unbarmherzig, gegen dich und Heinz. Das ist ja zum Erschrecken!"

Nicht uulmrmherzig nur klar."

Da gab Astrid es auf, ihr beizukommen. Sehr traurig ging sie wieder.

Gegen Abend kam der Oberstleutnant von seinem Jagd- ausflug zurück. Frau von Henning empfing ihn zunächst allein und bereitete ihn aus alles vor. Möglichst vorsichtig. Aber dennoch geriet er in große Erregung und verlang«« Gerda sofort zu sprechen.

Das sind ja nette Geschichten!" empfing er die Toch­ter, als sie nun bei ihm eintrit. Er war noch im Jagdanzug, wie er gekommen war.Tein Mann ist ja"

Doch er besann sich und bohrte nur die Fäuste in die Taschen seiner Lodenjoppe. Dann sah er Gerda an, zornig und streng:

Aber auch du einfach daoonzulaufen! Dos hätte ich nicht erwartet von dir!"

Vater ich hatte sonst niemand, wo ich Schutz suchen konnte."

Ihr Blick stimmte ihn milder.

Nun, war es denn überhaupt so unbedingt nötig, daß du Dritte in die Sache hincinzogst? Solche Angelegenheiten wenn sie eben schon einmal Vorkommen werden am besten zwischen Mann und Frau allem abgemacht."

Da hast du recht, Vater. Solange es eben noch etwas zu hoffen gibt."