26 G
mit ihre» ausgezackte» Wälle», ihre» Türmeit und de» spitz- gefornrken Dächern vorstellen, aber wie leicht wird cs »ns dagegen, die Frau, die „dort ihr Lebe» lebte", tvieder vor uns zu erblicke». I» einem Rahmen ganz verschiedener Art lebte ne dort ihr Leben, ganz anders als ivir das unsere, aber die- selben Bedürfnisse erfüllten sic, dieselben Leidenschasten bewegten sie, sie wurde durch dieselben Launen gereizt oder durch die-- selben Pflichten znrückgehalteii. Ihre Dräuten, die Gatten, Kinder und die Liebe betrasen, glichen denen von heute.
Und Ihr, Frauen der Zukunft, von denen man vorher ein so unerträgliches Bild zeichnen möchte, auch Ihr werdet Euren Urahninnm sehr ähnlich sein! Um uns diese Ueberzeugnng schon seht zu verleihet,, zieht Ihr »ranchinal ihre altmodischen Kostüme an und tragt sie mit ebensoviel Grazie >vie sie! Man will unss zu dem Glauben zwingen, daß Ihr stärker und energischer sein werdet, und das, Eure Entscheidung über Krieg inrd Frieden richtiger sein wird als die unsrrge. Das sind entschliche Vorans- sagnugen, die nur dazu dienen können, die junge» Leute zu erschrecken und sie von Euch fcrnzuhalten. Wir tvollen uns doch darüber Jflat werden, dass der Ausdruck „Frauen von morgen" keinen Sinn hat und nur einfach bezeichnet, das morgen, wie cs ohnedies sehr wahrscheinlich ist, auch Frauen da sein werden. Ziehen >vir unsere Lehre ans diesen Betrachtungen: Mir die Kleinigkeiten wechseln in der Entwicklung der Menschheit.
*
Indent wir den Frauen lvünscheu, Frauen zu bleiben, müssen wir feststellcn, das die bekannten Zeitgenossen, deren dlnsichten bei der Umfrage eingeholt wurden, zeigten, das sic Männer geblieben sind. Eines Tages hörte ich, tute ein sehr grosser Industrieller, der ein gaiizes Heer von Arbeitern und Beamten aller Art beschäftigte, folgendes äuserte: „Für ein einigermaßen wich- tlges Amt verwende ich nur verheiratete Männer, und es liegt mir .daran, ihre Frauen kennen zu lernen. Ich stelle ihnen meine Bedingungen nur in Gegenwart ihrer Frauen, nird mein Entschluss hängt von dem Eindruck ab, den diese ans mich machen. Kn den Kreisen der Arbeiter, der Bauern und der kleinen Bb- amien konrmt der Wert des Mannes erst zur Geltung, wenn er verheiratet ist, und dieser Wert hängt vollständig von der Frau ab. Sie ist cs, die ihn an Zucht und Ordnung gewöhnt und ihn soiveit bringt, daß er sich jeder Situation anzupassen versteht. Durch sie wird seine ganze Untgebung bestimmt, tverden ihm Beziehungen geschasseu. Ohne es zu wissen, ist sie es eigentlich, die mir für ihn berantworilich ist und mir seine höchste Kraftleistung sichert."
Es sind egoistische Worte eines Mcuscheuzählers, die aber von einer scharfen Beobachtung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse zeugen. In Frankreich steht in der Tat der Einslust der.Frau, die Rolle, die sie spielt, in einem umgekehrten Verhältnis zu der sozialen' Stellung des Ehegatten. Ans dem Lande oder bei den Arbeiterii ist diese Rolle entscheidend. Das Banern- gut ist das wert, was die Fra» gilt. Ile höher die gesellschaftliche Stellung ist, in der sich ein Ehepaar befindet, um so äuscrlicki alänzender wird die Rolle der Frau sein, aber auch um so beschränkter. Sie verliert an Innerlichkeit, lvas sic an Glanz gewinnt. Man kann sagen, daß in den unterste» Volksschichten die Frau wirklich die Herrin und die Leiterin ist, int Mittelstände wird sie die Genossin, tväbreird sie in den höhere» Gesellschaftskreisen nur noch die Gefäbrti» ist, eine sicher unentbehrliche Gefährtin, die Eleganz und eine scliönc Fassade zu verleihen versteht, gelegentlich auch die Beraterin ist, aber deren Einfluß sich immer mehr vermiudert, je höher il,r Manu steigt.
Fch halte cs für ciue große iluklugheit der Fraueuemau- zipaliou, die Frau vo» heute in das össentlichc Leben nud die großen Angelegenheiten der Welt hineinznziehen. Die Frau ist Herrscherin im Kleinlebeu. Dort herrscht sie dilrch die Gaben her Natur und die Gesetze der Zivilisation: außerhalb dieses Milieus strauchelt sie, ist unsicher und — fällt. Jo ruseu z. B. ihre mutigen Anstrengungen in England, Amerika und Norwegen, in das Gebiet dce Politik hineindringen zu tvollen, nur ein Lächeln in Frankreich hervor, denn mau uiuß den französischen Frauen die Gerechtigkeit tviderfahren lassen, daß die Frage einer politische» Gleichheit der Geschlechter sie gegenwärtig noch nicht sehr beschäftigt. Eine Bersammluiig, tvie sie etwa in New Port zur Erörterung dieser Frage möglich ist, hätte bei uus kein Glück und keinen Erfolg. Einer Amerikanerin, Frau Alva Bel- Uroui, haben wir auch das erste Dokunicut hoher Politik zu danken, das in unseren Tagen einem »leiblichen Hirn entsprang. Es handelte sich darin Um freindländische Politik, und Frau Alva Belmout überwand jede Schwierigkeit spielend leicht. Dieses Dokunicut hat eine etwas verwirrte Beredsamkeit und eine Unbestimmtheit, die daraus hinlveist, das; Fragen behandelt wer- den, die mail nicht gründlich kennt. Es wird jedenfalls nicht den Weg durch die Pariser Salons machen und die Pariserinnen keineswegs dazu auregeu, sich in die hohe Politik zu mischen.
Hier erfaßt inick, jedoch ein Zweifel, und ick, suhle inich einen Augenblick eins mit Frau Alva Belmout und ihrer New Porter Gründung für volitijche tstleichbeil der Geschlechter und völlige FrancneinaiH'pativn. In der Tat hat sich die Feaueu-
emauzipation .tu den letzten Jahren aus eine Art i» die hohe Politik eingeführt, daß ich mich int Gegenteil frage, ob die Frauen nicht herrlich für Politik befähigt sind. Denn — wev könnte bester als sie von dent und jenem reden, ohne eigentlich etwas zu sagen? Wer besser als sie über Lebe« nud Tod von vielen hunderttausend Menschen mit der unserer Epoche unentbehrlichen Heiterkeit diskutieren? Vielleicht tvürdeu wir auch noch den Vorteil habe», daß sie unter sich abgeschlossene Verträge nickt lange geheiin halten würden . . .
Dcrmüdi^ii.
— Die gesetzlich zugelassenc G eh cts he i l n n gl, Erst kürzlich hatte sich die Oesfentlichkeit mit dem traurigen Schicksal zlvcicr bekannter deutscher Bühnenkünstlerinnen zu beschäftigen, die als Opfer von Gesundbetern in den Tod gegangen sind. Die beiden Fasle, die berechtigtes Aussehen erregten, verleihen einer neuen Maßnahme des Staates Nen> Bork auch bei »ns Interesse: trotz der Opposition der Aerztc stehen die. Staatsbehörden und die gesetzgebenden Körperschaften von Ne>» Bork int Begriff, die Ehvistian Science, die Gesundbeterei, durch ei» ststsetz als Heilmethode für vollwertig und zulässig zu erklären Das Parlament hat bereits gesprochen und die Wahrscheinlichkeit, daß der Gouverneur von seinem Vetorecht Gebrauch macht, ist nnr gering. Ter amerikanische NuabhSugigk.ilsfin» beharrt dogmatisch dabei, dem Bürger unverkürzt und nnverküurniert das Recht zu lassen, „sich nach seiner Art und seinem Geschniacke heilen oder töten zu lassen". Der einflußreichste Verteidiger des neuen Gesetzes lvar der Richter Hatch, der erklärte, er selbst zähle zu jene» Anhängern der Gesundbeterei, die von dem Vorstand der New Borker Aerztc-Organisation als „geistig beschränkt" bezeichnet tvnr- den. Der Richter konnte darauf Hinweisen, daß bereits eine ganze Anzahl amerikanischer Staaten die Gesnndbeierei als gesetzlich zn- lässiges Heilverfahren aingesührt haben, Unter anderen die Staaten Maine, New Hampshire, Eonnecticnt, South Dakota, Tennessee und Blassachuseits Auch in Kalifornien, Colorado, Illinois, Kan- sas, Louisiana, Nvrihearolina und Utah sind die Gesundbeter gesetzlich zngelassen. Als der Aerztedienst für den Panamakanal organisiert wurde, tvurde die Ziclassniig der Gesundbeter zunächst „vergessen", aber Präsident Taft griff dann ein und sorgte dafür, daß durch eine besondere Bestimmung des Gesetzes auch ank Panamakanat die Gesundbeter ausdrücklich zugelassen ivnrde»! Was die falscheit Diagnosen anbelangt, so hätten die aurerikanische» Aerzte de» Gesundbetern nichts vorzinoerfen: der Richter legte dabei eine amtliche Statistik vor, ans der hervorging, daß im tzkciv Borker Betlevne-Hospitat die Suimne. der von den Aerzten gestellten falschen Diagnosen nahezu 50 Proz. erreichte! Arnies Anrerika.
^ Verlängerte Probezeit. ..Ich glaube halt, lueitit der Schinken alle ist, ist's mit deiner Liebe auch herum." „So?, Wenn du das gftnibst, gib mir halt an' größeren Schinken."
Büchertisch.
— M ü » ch e n n n d d a s B ulin i'if» c H o chla n d. Eine praktische Darstellung dieses Gebiets bringen die neuen soeben vom Frenidmverkehrsverein München heransgegebenen Schriften „3 w öl f T a g e i n M ü n ch c n" und „A n s f l ü g c vo n M ü n -- ch cu i » s bäurische H o ch l a n d". In der Form von Tages > Programmen ist hier das für den Fremde» wichtigste znsammen- gcstellt: so ist in der Schrift „Ztvölf Tage i» München" für seden der, ztvölf Tage ein genauer Stundenplan in tabellarischer Form ausgestellt, der nnr die hauptsächlichsten Sehenswiiidigkeiteir anfsührt tnrd cs so jeden« leicht inacht, die Zelt, die ec fite den Bestich Münchens übrig hat, möglichst auszunützen. In gleicher Weise enthält die Schrift „Ausflüge von München ins bayrische Hochland", lviedrrnnr in der Farm von Tagesprogrammen, eine Schilderung der bevorzugtesten Ausflugsroitten. tvclchcr Angaben über Ansflüge, Bergtouren, Antomobilpvslperbindnugen nßv. an gegliedert sind, so daß der Reisende seine AusflugsdiSpositionen mühelos troffen kann. Beiden Büchern sind außerdem ansgcwählte Ansichten beigesügt, die als Postkarten perivendet iverden lönnen. Die Schriften, von denen eine deutsche, englische und französische Ausgabe hergeflellt nwrden ist, können durch den Fremdenveckebrs- verein München bczogeir iverden und zivar „Zivöis Tage in Müii- chen" ziiiit Preis von M Pfg. Niid „Ausflüge von München inj bäurische Hochland" jiiin Preis von 50 Pfg.
Logogrivl,.
I»»n r faituft du mich sindcii in -vn'ilteit wie i» Palästen: Schcilkc stall „n" mir ein „i", schätzt man als Arbeitskraft mich. Anslösung in nächster Nnninier.
Anslüsiiiig des Zitatenrätsels tu voriger Niimnier: Ter 'Dien e» denti utib Gott lcnlt.
Redaktion: Vk, Lien rat h. — Rotationsdruck und Verlag der BriihNchen iIniverßtät»-Bnch- und Stelndruckerei. R, Uanae. Gießen»


