Ausgabe 
25.4.1914
 
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iBffijirratödjtcr.

Roman von Paul Grabein,

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Heinz Keßler faßte sich aber gleich wieder. Er steckte Unter dem Jakett die Hände in die Hosentaschen, Seine Hal­tung wurde sehr frostig,

Also daS ist'S!" lind er nickte langsam,

Na dann "

l'tlmj toandte er sich plötzlich ach zuni Fenster bin, -Astrid war sehr betreten zu Mute, Eine schreckliche Si­tuation, Daß Gerda ihm auch kein Wort Hintersassen hatte! Endlich brach sie das Schweige»,

Es tut mir furchtbar leid nochmals, verzeih! Wenn ich Das hätte ahnen können("

Sie machte eine unschlüssige Beioegnng, als ob sic gehen tvollte. Doch nun drehte er sich wieder um.

Pardon, Astrid ich wollte dich nicht kränken. Nur - idn wirst verstehen tvenn einem so etwas gesagt tvird, so gänzlich unvorbereitet i 1 "

Da vergaß auch sie die nur künstlich beivahrte Zurück-! Haltung und machte ihrem Herzen Lust,Fa, es ist ja zu schrecklich»? Mein Gott, Hein; -- wie konnte denn das alles nur so kommen?" ' >

Der tvieder vertrauliche Ton hob auch bei i hm die Schranken, Er sah die junge Schtvägerin jetzt mit einem ehrlich traurigen Blick an,Ja, Astrid ivie tonnte es? Ich hab's mich heut nacht selber immerzu gefragt, lind dir »oill ich's auch sagen. Du wenigstens tvirsk mich verstehen, denk' ich,"

Sie nickte. Da »ahms er sic bei der Hand,

Komm, setz' dich," und er »ahm in ihrer Nähe Platz, Siehst du es fing altes so gut an bei uns. Ich Hab' Gerda tvirklich lieb gehabt, un,d sie mich vielleicht auch," Astrid machte eine Gebärde lebhafter Zustimmung. Doch er wiegte unsicher den Kopf,

Mitunter kommen mir jetzt doch Zweifel, Sic hat mich vielleicht zu lieben geglaubt, aber ob tmrklich ? Doch lassen »vir das. Ich jedenfalls tvar in» Anfang unserer Ehe restlos glücklich, und ich denke, ich Hab' cs Gerda auch ge-c zeigt. Freilich" und nun scntte sich ein Schatten über seine Zügevielleicht tvar gerade die Art, tote ich ihr das zeigte, nicht die richtige» nicht so, tote sie cs gewnnscht hätte. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, so loird es mir immer klarer, es ist ihr looht bald zuviel getvorden init meiner Zärtlichkeit - ick»' bin ihr schließlich am E»»de gar damit lästig gefallen."

Astrid blickte nnf ihre Hände, die sich mit de»n Täschchen ju schassen »nachten. Doch er fuhr fort, in einem sehr ernsten To», der der Situation alles Peinliche nahm:

»,Du bist ja eine Frau, Astrid, mit der man über so, ct»vas reden kann, -Vielleicht verstehst du auch das. Denn, dies ist gerade ein wichtiger Puiijkt bei der ganzen Sacke, Ich jbin ja a», Ende anders als andere Männer, für mich soll's nicht aus sei», mit den paar Flitterwochen nettst meine Fra» soll mir immer die Geliebte sein. Du wirst das Wort nicht mißverstehen, Astrid,"

Die junge Frau nickte Minim,

,Siehst du, da hat eS nun Gerda fehlen lassen, Dnj gestattest, daß ich 'ganz rückhaltlos spreche. Sie kehrte gar: zu bald schon die Vernünftige heraus, die in der Verliebt j heit ihres Mannes etwas Unschickliches, wohl gar sie Herab« würdigendes sieht,"

Astrid cntstegnete nichts. Aber »vieder nickte sie leise. Rührte er da nicht an einen Punkt, an dem nur allznviele Ehen schon gescheitert »unten?

Heinz jedoch sprach nun weiter.

ES ist aber nicht dies alleine, Roch etwas anderes kam hinzu. Gerda hat sich in meiner Welt nicht zurecht-? finden können vielleicht auch nacht wollen, Ich hatte lue* nigstens so manchmal das Gefühl, Sie »vollte iminer noch die Offiziersdame bleiben und sträubt« sich daher init Ge« »valt gegen alles, »vaS mit dem Theater irgendwie zusam« meihhing. Das »var ein iveiterer schwerer Fehler, Wenn sie so dachte, dann hcWe sie das itiir*ft Di» mir gewiß zngeben - niemals einen Mann heiraten dürfen, der Künjhi ler ist. So beranlaßte sie »»in, daß ich ihr zuliebe einfach aus meinen ganzen bisherigen Verkehr verzichtete, mich innerhalb meines Lebenskreises vollkommen isolierte. Ja; tvar das richtig?" i

Ein leiscS Kopfschüttcl» Astrids ließ ihn lebhafter tvciterjprechen,

Ich habe ihr trotzdem den Gefallen getan Gerda wird es dir bezeugen. Wenn dann aber nachher die nnans- bleiblichen Folgen eintraten, darf sie sich beklagen? So et - was geht doch nicht spurlos an einem vorüber. Ich habe »nick» zwar nie zu Gerda darüber beklagt, doch cs hat mich natürlich gekränkt, daß meine eigene Frau meinem Berufe so geringe Achtung bezeigte. Daß sie sich sogar über »»ich selbst im stillen erhob o ja, ich habe es wohl gemerkt, daß sic einfach nicht bcgriss, tvic ich mich früher i» dem Kreise hatte tvohlsühlen können!"

Astrid machte eine Gebärde verstehenden Bedauerns, Sic konnte ihm das alles vollkommen nachempfinden.

Er aber schloß mit»:Siebst du, Astrid so ist es denn gckominen. Wir standen »ins bereits innerlich fremd gegen­über, als ich Fräulein Molnar kennen lernte. Und >» der Seelenvcrsassniig, in der ich eben war ich bin nun mal ei» Mensch, der Temperament und Frohsinn braucht> wirkte sie stark ans »»ick, ich leugne es nicht. Aber es tvärs vielleicht nie geschehe», wäre Gerda anders zu mir gcivesen. Nun vorbei! So, Astrid, nun »veißt du alles, und nu»; überlasse ich es dir, über mich dein llrteil zu fällen,"

Heinz Keßler stand ans. Da erhob auch sic sich.