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läuft uitb allerlei Spukgeschichten, die in der Kinderstube von alten Wärterinnen einst erzählt wurden, werden in der Erinnerung lebendig.
Um den immer noch sich forterbenden irrigen Vorstellungen Über die Freimaurerei zu begegnen, erscheint jetzt die Monatsschrift: „Das Wort", Bausteine für Freimaurerei und allseitige Erkenntnis, öffentlich »nd kann von jedermann durch Buchhandel oder Post abonniert werden. (Verlag von E. R. Herzog in Meerane. Preis im Halbjahr 1,50 Mk.l
Daß die Freimaurerei ein wesentlicher Kultursaktor für unser Volksleben gewesen ist, soll hier nachgewiesen werden. Die Freimaurerei mußte bei ihrer Einbürgerung in Deutschland als ein Geheimbund Fuß zu fassen suchen, denn zu jenen Zeiten be- herrschte das Volk einerseits der Wille des Landesherrn mit despotischer Gewalt, und daneben die Jesuiten und andere Mönchsorden. Diese wie jene glaubten, Treue für Thron und Vaterland, Glaube, Gottessurcht und Sitte sei nur bet einem wenig aufgeklärten Volke zu erhalten. Gegen diese Voraussetzung kämpfte von Ansang an die Freimaurerei. Sie stellte sich auf den heute nicht mehr bezweifelten Satz, daß wahrhaft gebildete Menschen auch wahrhaft gute Menschen sind.
Die Ausbreitung human-wissenschastlicher Erkenntnis war darum nur im Gebeimbunde möglich uitd ans diesem Gebeimbund- wesen haben sich Ritual und Synibol bis in das Manrertnnr Unserer Tage herüber erhalten. Das überbrachte Symbol gab -Anlaß zu mancherlei Volksmythos, der sich, nicht selten zum Nachteil, um die Freimaurerei wob. Um den bedeutenden Einfluß des Fresinaurertums zu kennzeichnen, ist es wohl am kürzesten, tneun wir auf die Angehörigen der Logen in verschiedenen Zeitepochen Hinweisen.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts finden wir als Angehörige des Bundes Kant, Goethe, Schiller, Lessing, Wieland, Knigge, Herzog Karl August von Weimar, Kursürst
B Joseph III. von Bayern u. a. Bei Anbruch des 19. Jahr- ertn finden wir unter den Gegnern napoleonischen Despotis- Mis die Freimaurer Joh. Gottl. Fichte, Freih. von Stein und viele k«r Kämpfer für Deutschlands Erhebung.
Im neuerstandenen Deutschen Reiche endlich sehen wir unter den Freimaurern verschiedene Träger von Kronen, bedeutende Parlamentarier und viele durch Wahlen oder Verwaltung zu Führern des Volkes berufene Männer.
Man hat daraus den Vorwurf hergeleitet, daS Freimanrer- tum benutze seinen Einfluß zur Erreichung von Sondervorteilen für seine Mitglieder: man verwechselt damit aber die Wirkung nrit der Ursache. Nicht weil sie Freimaurer sind, wurden diese Männer erwählt, sondern weil sie durch die Erziehungsarbeit in dem Orden, durch Streben nach vertiefter Erkenntnis sich zu Persönlichkeiten entwickelt haben, die des Vertrauens des Volkes würdig sind.
Was die Freimaurerei in verflossenen Zeiten für deutsches Geistesleben geleistet, will sie auch ferner erfüllen. Zur Ban- arbeit am Charakter weitere Kreise anzuregen, bezweckt das Hinaustreten der Zeitschrift „Das Wort" in die Oeffentlichkeit. Es will erziehen zur Persönlichkeit, und Persönlichkeiten sind unferm Volksleben jetzt recht vonnöten.
vermisste».
— Das Ende des „passattstischen Kritikers, ^Passatistisch" sind alle Kritiker, die nicht „futuristisch" sind. Oder genauer: sie waren es, denn sie sind nicht mehr, mit einem einzigen gewaltigen Entschluß hat sie der Futurismus in den Hades hinabgefegt und ihnen sogar — Ehre, wem Ehre gebührt. — die Leichenfeier gerüstet. Das geschah bei der Eröffnung der futuristischen Ausstellung in Rom. Die Feier bestand in einer von Mannetti vorgebrachten Verdonnerung des gesamte» „Passatismus", der dann das „Leichenbegängnis des passatistischen Kritikers" folgte. Da sah man plötzlich zwei in Kapuzen gehüllts Gestalten m den Saal treten. Aus einem Klotz trugen sie einen blutigen Kops. Das war natürlich der Kopf der passasistischen Kritik, der suturissische Dichter Cangnillo hatte ihn „geschaffen". Es war ein grausiges, nnsörmiges Etwas, ein von Geschwüren zernagtes Gesicht, die Wangen durch futuristische Ohrfeigen zerfetzt, noch sah man als blutunterlaufene Stellen die fünf Finger des allmächtigen Futurismus ans dem Antlitz abgezeichnet. Den
f chädel bedeckte die Hälfte einer großen Zwiebel: und auf dieser wiebel sah man eine Kartoffel, in der eine Feder steckte, während die Ohren des unglücklichen Passatisten — mit gutem Grunde — dick mit Watte verstopft waren. Die beiden vermummten Gestalten schritten langsam mit diesem Haupte des Toten durch den Saal, von allen futuristischen Poeten gefolgt, indeß der Maler Balla mit einer geborstenen Herdenglocke in der Hand von Zrp zu Zeit ein heiseres klangloses Gebimmel ertönen ließ, wobei er düstere Rufe ausstieß. Die Ueberreste des passatistischen Kritikers wurden dann vor den fnturistischen Altar niedergesetzt. wo nun Marinetti als Hoherpriester des Futurismus die Totcn-
andacht hielt, die in der Vorlesung eiltet Anzahl futuristisches Dichtungen bestand.
Sprachecke der Allgemeinen veutschen rpeachvereln».
'Geschäfts not — Wortnot. 'Armer deutscher Geschästs» »tarnt, der bei dem heutigen großen Wettbewerb nicht niel t weiß, wie er die Kunden an sich ziehen soll! In beit Großstädceii, wo der Mens henstroi» durch die Straße» slule!, t>’l er auf den souder- bnren Einsall geraten, feine deuts Heu Landsleute auf Französisch oder Englisch anz»reden, »in sie anzulocken! Das war mein erster Gedanke, als ich neulich durch die Straßen einer Großstadt ging »nd die Ansschrntr» auf den Firmenschildern las. Wieder sah ich, wie neue Eindringlinge aus deui Auslande sich i» die Maste der alle» Fremdwörter geschlichen (jilleii. Ta fiel t in t dicken Buchstaben ,8tozipage artistiqiio franqais“. Nicht weit davon schreibt ein önnrtnr.Mler über seinen Laden mit goidstrotzcnden Buchstaben „Palais de Coiffure" »nd hängt in sein Schaillemirr ein Schild mit dem Kauderwelsch »Svezialiiäi 'fit individuelle vunitatbeilen*. In einer Nebenstraße preist ein Kanima»» sein Aeschäst mit „Comptoir d’Exportatiou" an. In der nagen Pauptstcaße sieht e4 gegen früher völlig verändert ans, aber ganz nach ansiändischer Diode Erst kam Ich an einem -Oats Boulevard" vorbei, dann stieß ich an! ein .Rimliab Butter", und z. letzt — ich tränte meinen Angen kaum — las ich aus einem Gasthansschild, das noch vor kurzer Zeit einen guten dentschen Nanien trug, die französische Benennung „Botel Royal, Cafä-Restanrant“. Warum sagt man nicht, so dachte ich bei mir, „scanzösts.li Kmistiiov'erei", .künstliche paararbeiten", »Geschält für Außenhandel", »Ringkassee »nd Kaiserhol"? Will »>a» denn nicht merken, daß durch das ivachiende Peer der fremden Eindringlinge der Widersvrnch der eigenen Landsleute immer stärker heraiiSgeiordert wird? Können die Franzosen und Engländer, die solche Aufschriften lesen, nicht mit Recht weiter svotien: »Wir lernen die Verachtung der denlschei, Sorache von den Tentschen?' Armer Geichästsmann, der du den lramigen Schein erweckst, als stände nnser Vaterland erst am Anfänge aller Bildung, nnd als uu'iü!« cs für seine Sprache elende Brocken vom Ausland erbetteln I _ Tesch (Köln).
vüchertisch.
— I. C. Heer hat sür Belhagrn & Klasings Volksbücher eine herrliche Schilderung des Engcchins geschrieben, die alle Reisrlusiigcn und insonderheit die Frcnnde dieses Tales mit herzlicher Freude lesen werden, zumal da« Bändchen, getreu den Griiudsätzen der immer umfassender ansgestallelen Sammlung, mit einer Fülle vorlresslicher, auch farbiger Illustrationen geschmückt ist — Gleichzeitig mit diesen erscheinen zwei weitere Bände, in denen Johannes Höffner die mit seinem „Jungen Goethe" (Nr. 7b) begonnene Goethe-Biographie znm Abschluß bringt. Aus knappem Raum saßt er in volkstümlicher Schilderung die Hauptzüge der Entwicklung seines Helden zusammen, unterstütz! von verständnisvoll gewählten Abbildungen, die in ihrer Gesamtheit eine höchst reichhaltige Goethe-Galerie darstellen. Ebenfalls in die lilrralurgeschichlliche Abteilung der Sammlung fällt das Bändchen über Ibsen von dem geschmackvollen Alfred Wien. Für Freunde der Kunstgeschichte bildet Dr. Hans Jantzen einen willkommenen und kenntnisreichen Führer durch die „Alt- christliche Kunst". Jedes Buch kostet 60 Ps.
— Theodor Storm Ein deutscher Lyriker. Bon Hermann Binder. (Hesses Volksbücherei. Nr. 901—902.) Leipzig, Hesse L Becker Verlag. 40 Pf., geb. 80 Pf.
— Hesses Volksbücherei. — Leipzig, HesseLBecker
Verlag. Die jüngste Reihe bringt einen neuen Brand der beliebten Sammlung „Vom köstlichen Hunwr" (Nr. 881—884), Er enlhält Beiträge von Otto Julius Bierbaum, Max Bittrich, Marie v. Ebner-Eschenbach, Georg Engel, Hans Hossmann, Otto v. Leixner und vom Freiherr» v. Schlicht. Unlerhallende Skizzen von Franz Kurz-Elsheim („Ruhmeszauber und andere Attisten- geschichlen") bilden die Nummer 892. Es folgt ein humoristische, Roman des Erzählers Carl Worms: „Der Mann von Wasungen'* (Nr. 893—896). _
Matenrätstl.
Ans jedem der folgenden Zitate ist ent Wort z» nehmen, so daA sich ein neues Zitat ergibt:
I. Den schreckt der Berg nicht, ivec daraus geboren.
3. Begnüg! euch doch, ein Mensch zn sei».
3. Der brav« Mann denkt an sich selbst zuletzt.
4. ES war die Na.htigail nnd nicht die Lerche, b. Wem Gott will rechte Ginist erweisen,
Ten schickt er in die iveite Weit.
8. Mancher glaubt, er lenft, nnd hält doch nur die Zügel. Auslösniig in nächster Nummer.
Auslösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer:
Weiß. Schwarz.
1. Val—ab. Beliebig.
2. vab— e3 ob. d2f und Matt
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Vertag der BrühLschen UniversitätS-Buch- und Steindruckeret, R. Lang«. Gießens


