Ausgabe 
22.4.1914
 
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vermischte«.

Der Roman von Tampico. Die mexikanische Häsenstodt Tampico, die so plötzlich in den Vordergrund der poli­tischen Ereignisse in dem unglücklichen Mexiko gerückt ist, ist ein lebendes Beispiel für die Romanlik modernen industriellen Auf­schwunges. Ein ausgezeichneler natürlicher Wasserweg, der durch das Herz einer der fruchtbarsten Regionen der Erde führt, gab der Stadt von Ansang an den Vorteil, den Handel und den Verkehr des Staates Tamaulapas aus sich zu lenken. Die Unternehmungen weitblickender Eisenbahnspekulantcn brachten schnell den Beweis dasür, ivic klug es war, die Stadt durch einen Sckicuenstrang mit dem Hinterland zu verbinden, von den, mit Recht so vieles erhofft wurde. Aber der große Aufschwung Tampicos kam im Zusammenhang mit den Pciroleumbohrungcn und dem Petroleuni« Handel. Seit 10 oder 12 Jahren begannen die Bohrungen, die die besten Ergebnisse hatten, und sofort tauchten auch die Kapi­talisten aus, die die große Zukunst dieses Teiles von Mexiko er­kannten und bereit waren, ihr Geld dort anzulegen. Wie groß dieses Verttaucn war und ivie großzügig die Kapitalisten vor- gingen, erhellt vielleicht ani dcutlichsten aus der Tatsache, daß im Lause der letzten Jahre in Tampico und seineni Hinterland nicht weniger als rund eine Milliarde Mark investiert wurde. Im Vordergrund stehen dabei wohl die Amerikaner, jedoch im scharfen Wettbewerb mit den Briten, deren Interessen in jener Gegend aus über 300 Millionen Mark beziffert werden. Obgleich der größte Teil dieses Milliardcnscgens in Schürf- und Bohruugs- rechten, sowie in Landpachtungen angelegt wurde, konnte natur­gemäß ein gewaltiger Aufschwung des Handels und der Industrie nicht ausbleiben. Nur ein Beispiel: Noch 1907 betrug die Petro- leumerute rund eine Million Fässer: 1913 war die Ziffer bereits mis 16 Millionen emporgeschnellt. Und dabei rst die Aus- nutzuna der mexikanischen Petroleumschätze noch in ihren An sängen > empicos Zukunft ist unlösbar mit der Weitereutivicklung der Pcnroleumindustrie verknüpft, aber die Stadt verfügt noch über andere unabsehbare Hilfsauellcn. Sie liegt et>va 6 englische Meilen von der Mündung des Panueoslusses entfernt: an einer Stelle, wo Schiffe von mehr als 7 Metern Tiefgang Einfahrt haben Das weiter südlicher liegende Tuxpaii dielet größerelh

f chifsen nicht entfernt die gleichen Möglichkeiten. Der Hase» von ampieo ist wettergeschützt, und so konnte es nicht ausbleiben, daß er in kurzer Zeit den größten Teil des Küsteuhandels an sich zog. Die schnell zunehmende Bevölkerung der Stadt enthält eine rnverhältnismäßig hohe Anzahl englisch sprechender Einwohner: n der Tat ist der Prozentsatz ansässiger Amerikaner und Eng­länder nirgends so groß wie in dieser Gegend Mexikos. Ueber den Hasen von Tampico läuft der ganze Export der Nachbar-

f egenden, die ungewöhnlich fruchtbar sind und Zucker, Kaffee, autschuk, Kupfer und Erze aussühren Die günstigen Boden­verhältnisse machen für die nächsten Jahre das Aufblühen eines großen Obst- und Gcmüsehandels zur Sicherheit. Hierbei kommt die Schiffbarkeit der Wasserwege der Stadt zugute

»eiltUten für Dramatiker. Auch die deutschen Verleger könnten von Herrn Charles Frohman, dem bekannten englisch-amerikantschen Impresario, manches lernen, Herr Froh­man ist nicht nur ein glänzender Geschäftsmann, er kennt auch die menschliche Seele und, was noch mehr besagen will, die Seele der Dichter und speziell der Dramatiker. Seit langem hat der großzügige Impresario die Beobachtung gemacht," daß die erfolgreichsten dramatischen Schriftsteller stets dazu neigen, dasselbe Stück Widder zu schreiben oder zu variieren, solange sie nicht ihrem Leben mit dramatischer Gewaltsamkeit eine Kursänderung auszwingen. Die größte Gefahr für den Dramatiker ist anscheinend der große Kassenerfolg: jo länger der Dichter aus ihn warten mußte, um so verheerender wirkt er, wenn er kommt: die errungene finanzielle Unabhängigkeit, die gesicherte Position, die Anerken­nung und die plötzlich erwachte Höflichkeit der Theaterdirektoren das alles kommt zusammen, uni den Dichter in einen Zustand behaglicher Zufriedenheit zu versetzen, die Freuden des Heims und der Familie dürfen zum erstenmal sorgenfrei genossen werden, mit Frau und wenn möglich mit den Kindern können zum erstenmal große Reisen unternommen werden, kurz alles verlockt zu behaglichem Genießen. Zur Sorglosigkeit kommt die Gewohnheit, und das Ende zst, daß der Dramatiker aufhört, in die Welt zu blicken, daß er anshört, dramatisch zu erleben und daß er nur aus einem geipissen Pslichtgesühl heraus sozusagen literarisch Konflikte konstruiert, die er dann in die Form eines Schauspiels gießt, ohne selbst diese Konflikte bis zur Neige durchgekostet zu haben. Charles Frohman hat im Inter­esse der Dichter gegen diese Gefahr und gegen dieseikrankheit der modernen Dramatiker" eine Heilkur ersonnen, die Heiskur für Dramatiker. Sie ist radikal und doch nicht allzu schmerzlich: und mit Geld und guten Worten hat der kluge Impresario bisher rwch immer seine Patienten gerettet. Sein Verfahren besteht einfach darin, daß er die Dichter dazu bringt, aus einige Zeit, aus sechs Monate, besser aber auf ein ganzes Jahr, die Freüden der Daheim und die stillen Genüsse des Familienlebens zu entbehren. ?lllein sollen sie hinausziehen in fremde Welten, den Blick wieder von sich hinaus in die Menschheit richten, neue

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Verhältnisse, neue Menschen sehen: uitd dann wird das Auge

des Dichters schon das übrige hm Und auch neue Konflikt« er­fassen und gestalten können. Das erste Experiment wurde mit denl bekannten englischen Dramatiker Somerset Maugham unternommen: der Dramatiker verließ Heim und F-amilic nnl» zog ans ein Jahr nach Canada. lind die Frucht war ein Drama: Das gelobte Land", das in Eanada spielt und in New Bork einen Ri.senersolg gehabt hat. Der zweite Patient war Sir I. M. Barric, der ebenfalls nach Amerika expediert wurde: und wieder endete es mit einem vallen dramatischen Heilerfolg. Nun schickt Frohman den amerikanische» Dramatiker Willie C o l lier aus seiner amerikanischen Heimat nach London, ans ein Jahr und gewiß wird auch hier poetische Genesung solgen.

* Der Vorsichtige.Ach, ich vergaß noch zu ermähnen, daß ich Ihnen den Anzug, den ich bestellt habe, erst am 30. April bezahlen kann."Das niacht nichts, .Herr."Gut. Wann soll ach dann zur Anprobe kommen?"Am 1. Mai, Herr!"

Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein».

* Die Fremdwörter und der gute Ton. Wer vor 60,

70 Jahren durchaus ans Büchern lernen ivollte, ivie er sich zu be» nehnaen habe, lauste sich ei»Koinpiinaeiatierbuch". Heute ist dieser srenadländischc Bnchiiicl abgeschafft. Wir uenneaxBüchcr dieser Art etwa:Handbuch der seinen Lebensart» oderAnstandsbnch" oder Der gute Ton". Aber auch in ihrem Innern zeigen diese Bücher, daß das Frenidwort eine schwere Niederlage ei litten hat. Ina Gegen­satz zu dem Kompliment,erbucka vergangener Tage belehren sie ihre Leser, daß es ein Zeichen seiner Lebensart ist, dcntsckaem Worte die Ehre zu geben. So schreibt I. von Wedel! in ihrem vielgelesenem BucheWie soll ich mach benehmenk":Auch wende »an» kein Fremdivorl für das an, avas gut deutsch ausgedrückt werden kann. Dieses Wort gilt für alle, die ihre llnterhaltng mit Fatalitäten stall Mißgeschicke», mit Evenlualitäle» statt Möglichkeiten spicken n»d dadurch de» Widerspruch dcnlsch Tcnkeiiderprovozieaen" Bis zur Milte des vorige» Jahrhunderts galt es als fein, solche fremden Wörter einstleste» z» lnsieai. Man zeigte dadurch seine Bildiiiig. Heule ist es gottlob anders. Ta schämen wir liiis »iiserer guten denlschen. lresicudeii, kernigen Wörter laicht mehr/ Tie achte Auflage desGiilcai Tones in allen Lebenslageia" voai Fraiaz Ebhardt rcchlsertigtc »och eiaigehciid beit Gebrauch von Tisch­karten in sronzösischer Sprache: die sechzehnte Auflage lehrt uns, daß inan heule seine Ebre darein letzt, die Speise» de,ätsch z» be- »eimen. Mil Recht: Kaiser u»d Köaiige sangei, hier mib da schon damit an Snack das nicht vornehme Leut«? Wieder ei» anderer Anstaiidsbiich sagt dem Leser, der Besnchskarteii abgebeu will:Die sraiizösischeii Bezeichn,iiagei, in den Ecken sind mit Recht veraltet und abgetan, man findet sie höchstens »och bei sehr eiiigesieischie» Kleinstädtern." U A. z. n. ist zwar clivas länger als p. p. e , ivird aber doch leichter verstanden. Sehr qnt sagt das Buch der Koiislanze vo» Franken:Sei vorsichtig in der Ainveiidnng vo» Frenidwörlern. Das beste ist ei» reines, schönes Deausch " Wir freiten uns dieser Zeichen der Zeit, wen» avir auch »aeiaien, daß jeden denlschen Mann und jede deutsche Frau vor allen Dinge» das Herz antreibe» »ailßie, das heimische Wort den, frenadei, vorzuzietzen. M Rau (Zwickau).

Schach-Ausgabe.

E-i-warz.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Gleichklang-Eharade i» voriger Nuuuueri Goldgräber.

Redaktion: K. N«a,rath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fche» UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, (SieB«v