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Tkkizirrstöchter.

SJomatt von P aul Grab ein,

(Nachdruck verbalen.)

(Fortsetzung.)

In dieser Vereinsantimg voll tiefster Bitterkeit flog Gerda zum erstenmal ein §>ein»veh an. Nach Ellerstcdt, nach dein Elteruhause, ans dessen Eilge sie einst geflohen war. Sie war seil ihrer Verheiratung nie wieder zu .Haus gelvcsen.

.So schrieb sie denn eines Tages an die Mutter, stellte ihren Besuch in Aussicht und fragte an nur mehr der Form wegen ob sic gerade auch seht recht käme.

Die Antwort Frau von Hennings lies; einige Tage auf sich lvartcn, dann lam sie endlich und brachte eine Ableh­nung. Natürlich in freundlicher Form und anscheinend auch motiviert. Tante Albertine iverde gerade erwartet, das Fremdenzimmer sei also leider nicht frei, und überhaupt - man hätte auch mehr voneinander, wenn man allein sei, ganz unter sich. Ob sie daher ihren Besuch nicht lieber ver­schieben möchte?

Gerda lachte diiter aus, als sie den Brief las. Das Fremdenzimmer! Dies eine Wort fiel ihr immer wieder ins Auge. Als wäre es die Signatur des ganzen Briefes. Gewiß timr es der Mutter beim Schreiben nur so in die Feder geglitten, ganz gedankenlos. Sie nannten ja auch das Logier tiltnvier bei sich zu Haus oft so. Aber dennoch war cs Gerda, als habe das Wort für sie eine tiefere Bedeutung.

lind noch ganz unter dem ersten Eindruck dieses schmerz­lich bitteren Empfindens schrieb sie nach Hans!

Es hätte sich ja ivohl schließlich ein Plätzchen auch in meinem alten Mädchcustübchen oder bei Edith finden lassen, oder kommt denn für mich eben nur noch das .Frem­denzimmer" in Betracht? Wenn Ihr etwas gegen mich habt, wenn Ihr mich zu Hanse nicht sehen ivollt, so laßt cs mich doch wenigstens offen wissen!"

Diesmal lam die Anttvort umgehend, und zwar trug der Brief die Schriftzüge des Oberstleutnants. Der Pater schrieb ihr persönlich folgendes:

Liebe Tochter!

Der Ton Deines Briefes an uns ivar zwar nicht ganz der richtige, aber dennoch will ich Dir antworten.

Selbstverständlich hat es der Mutter fern gelegen, Dich etwa kränken zu tvollcn mit der von Dir gerügten Be­merkung. Deine Mutter gerade hätte Dich vielmehr von Herzen gern hier, gehabt, schon fetzt: >venn Dir ein Auf­schub nnlwgelegt imirde, so geschah e-Z vielmehr auf meine Veranlassung.

Wie Du gehört hast, trifft Tante Albcrtine dieser Tage hier ein, und Du kennst ja selber gut genug die An­sichten ntbiner Schivcster. Ich ivvllte cs in erster Linie Dir ersparen, vielleicht Beinerkungcn über Deine» Mann mit- «>ichörc»l jh müssen, die Dich als seine Frau verletzen müsse».

Wie ich selber darüber denke, davon habe ich bisher geschwiegen. Aber da Du nun die Wahrheit voll uns for­derst, liebe Gerda, so will ich Dir nicht verhehlen, daß auch mich die Handlungsweise Deines Mannes heftig erregt hat. Er durfte sich niemals so weit vergessen, daß es nun dahin mit ihm koinmeli konnte. Dafür ist man eben ein Mann und hat die Folgen seiner Handlungsweise vorher zu erwägen.

Ich will hier nicht von uns sprechen, obwohl Du Mr ja selber wirst sagen können, daß wir alle schwer unter diesen Dingen zu leiden haben, die ja leider in aller Leute Mund sind. Und Du kennst ja zur Genüge die Anschauungen in unseren Kreisen. An Dich denke ich, meine arme Tochter. Deili Los ist nicht leicht, und Du lvirst anderes erwartet haben Hättest Du doch auf mein Warnen gehört, als cs »och Zeit lvar! Aber das ist nun zu spät. Es war Deig Wunsch und Wille so, ilnd so nmßt Du denn nun auch, meine Tochter, hinnehmen, lvas kommt. Ich habe das feste Vertrauen zu Dir, daß Du es an Mut und Standhaftig- lcit nicht fehlen lassen wirst.

Was mm noch einmal Deinen Brief anlangt, liebe Gerda, so braucht es ivohl keiner besonderen Versicherung, daß Du für Deiiie Person uns jederzeit herzlich ivillkomme» bist. Willst Tn schon jetzt kommen, noch während Tante AlbertinenS Antvesenheit, so komm Aber rechne, wie ge­sagt, dainit, daß Dir voraussichtlich dann peinliche Erörte­rungen nicht erspart bleiben dürften.

Herzlichst

Dciii Vater."

Gerda saß lange vor dem Briefe. Dann schrieb sie ihre Anttvort:

Lieber Vater,

ich danke Dir herzlichst für Deine Zeilen, aus denen tchi noch vieles herauslese, ivas Du nicht anssprichst Schmerz­liches und Liebes.

Aber Du wirst es verstehe», Vater, daß auch ich darauf schweige. So laß mich Dir denn nur danken für Deine Versicherung, daß ich Euch willkommen wäre. Wenn ich aber trotzdem nicht komme, so hoffe ich, iverdet Ihr das auch richtig ansfassen. Du selbst, lieber Vater, erinnerst mich ja daran, daß mein Platz neben meinem Manne ist, trotz allem. Bei den Gesinnungen, die Ihr gegen Heinz hegt ich beklage es tief, verzichte aber ans jede» Versuch, Euch z» anderen Ansichten zu bekehren, als aussichtslos würde meine Reise zu Euch fast wie eine Feindseligkeit gegeci meinen Mann anssehen. Znm mindesten wäre cs tattloS. Ich glaube, Ihr stimmt mir daher nur bei, lveu» ich unter diesen Umständen nicht zu Euch komme. Obwohl es mir nicht leicht wird. Ich hatte Sehnsucht nach Euch.

Hub nun lebt ivohl, alle daheiin!

Eure Gerda."

*

So stand Gerda zu ihrem Manne, aber sie hatte keinen Halt mehr an ihm.