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ftuitbe uu'lgt'fclKijtiy herum, schlenkern die Slöcke, Wechsel» Händedrücke und lachen sehr laut in die Aprilluft, dass es ein »spaß ift. Die jungen Herren non Wien sreuen sich über die FrnblingSlust. Gott ja, ein bißchen Wintersport aus Skiern in Kitzbühl, auf sausenden Bobs über den Sonnwendslein haben sie auch mrtgemacht, »Seil es gerade Mode ist. Wer ihr Herz »wu bei diesen eiskalten Strapazen nicht dabei: Gegen a Pratersahrt oder an Henrigen is d(L- a Schniarrn, geltend ja?
Die jungen Herren oon Wien fühlen sich nur in der milden Luft rings um den Stefansturm daheim Sie lieben die >ehr gedämpsteu Genüsse der Fiakersahrt, der Heurigc»imusik und der molligen Wienerlvaldberge, durch die man, sacht zurückgelehnt, nach Klosterneuburg, zum Stelzer in Rodau» uder nach Breiten surth binausstrebt Bei Kottiiigbrum», >vo im Sonuuer nach dem Derby die mondänen Rennen gelaufen iverden, endet die Welt, in der man sich ivohlsülilt, lote ja überhaupt die Wiener Gesellschaft sehr enge geographische Grenzen hat, <vie liegen in der Erreichbarkeit einer Fiakersahrt, Und dann gibt es hock stens noel, ein Paar sehr exklusive Enklaven an den Seen des Salzkainmerguts, in Gmunden, in Unterach oder ganz besonders in St, Wolkgang, >vo man dann der Sonnenniedergang >n blauen» Jackett und schneeweißen Hosen in der eigenen Segeljacht über die nilgrünen Wellen hinsliegt.
Das Satzkammergut ist nämlich genau >vie die Prater Haupt aller, wie die Weinhauergärten in Sievering mtb der Grabenkorso eine vornrärzliche Institution, Und die jungen Herren von Wien sind sehr konservativ. Was der Herr von Sternberg vor nun schon sechzig Jahren mederschrieb, gilt ohne »vesentliche Er »veiterung auch für den heutigen Dag und für das heutige Geschlecht: „Die Wiener höhere und höchste Gesellschaft ist bekannt für sehr exklusiv, sie macht »venig Reisen," Die Fremde reizt sie nicht, das Ferne lockt sie nicht und all diese sachten, süßen und betörenden Genüsse, die das Wiener Leben den junge» Herren in Form von blonden Ladenmädln auf der Mariahilferstraße, in Form von feurigen Pferde» und volksiiugendeu Fiakern bietet sie smd ihnen nicht nur ein Jux, ein Amüsement und in» Unband der Jugend leicht genossenes Ergötzen, sie sind ihne>> viel inehr ein Erleben, ein Sentiment, ei» Schicksal,
Jeder von ihnen hat einmal seine Sckilager-Mizzi erlebt, ist wie der Auernheimische „Lebemann" über die Wiener Leipziger Straße in Mariahilf eincni Hutkarton samt zugehörigein „Süßen Mädl" nachgestiegen und niancher Kat in einer frühen Derbst- nacht ohne tödlichen Ausgang im geschlossenen Wagen durch dunkle Kastanienallecn eilte Stunde mit einer fremden Frau erlebt, tote der Schnitzlersche Franz in „die Toten schweigen", Jawolst,, die jungen Herren von Wien sind eine literarische Figur, die man nach dem Sprachschatz der älteren Dramaturgie „eine stehende" nennen könnte,' Weniger Charakter, als vielmehr ein Typ Sehr jung, sehr elegant mit einem leichten Ansatz zu Schwermut und Schmerbauch und von sachten Melancholien der Ber »änglichkeit umwittert, Schwermut, Schmerbauch und Berga» ilichkeitsdust sind in der Wurzel ihres Wesens dasselbe, denn ehe das dritte Derb» im dritten Jahre unten in der Freudenau gelaufen ist, (»eitatet man ja doch, tust in dem Zeitpunkt, in denk »um in seine Körperfülle kommt. Und das ist bald, ach, so bald, denn vor der noblen Trainiertheit des Leibes hat der lange Herr von Wien eine behäbige Scheu, Man kennt den Sport iiwhr vom Zuschauerralim Und »veiin einen hie Ehe trifft, rückt man halt vom Saltetranm in der Freudenau hinaus in die Logen oder beim Stelzer, dem Gasthos nahe dem Jesnitenstist, aus deu kleineu rot-weißen und sehr intim verhüllten Zelten des Parterres an die offenen Tische auf der Terrasse, Es ist der Aufstieg ius Offizielle, die Karriere ins Legitime, und der junge Herr inacht das selbstverständlich auch mit.
Jeder von ihnen ist nämlich ein geborener Ehemann und eilt künftiger Papa, Die jungen Leute von Wien sind sehr solid,
O. sie haben schon ihre Späße und ihre extravaganten Launen, So galt eS bis vor nicht langer Zeit als schickster Zeitvertreibs an Winternachnnttagen in dem Ersten-Stock-Salvn einer Käriitnee- straßen-Konditorei kleine, rote, wundervoll glasierte Erdbeeren, das Stink zu einer Krone, an die Decke zu werfen, daß sie droben ausklatschten und kleben blieben. Es gehört zu diesem Plaisir einige Uebung, es gehört auch ei» gewisses Geschick dazu. Ja. »oenu ihr cs versuchen »vvlltet, fändet ihr es gar nicht so leicht. Auch einige Ausgelassenheit ist dafür ersorderlich, aber daß cs eine Ausgeburt orgiasüscher Wildheit, lächerlichen Ücbermuts ober sündhafter Zügellosigkeit ist, »vird man nicht gerade behaupten könne» Uird nicht einural Pater Wraham a Santa Clara hätte darob sein Sodom und Geinorrha gedonnert, Borausgesetzt, daß er noch lebte , . .
Ja, wir sind sehr znsriedcn mit unseren junge» Herren, Denn Junger-Herr-Sein ist sozusagen eine Situation, ein vorübergehendes Lebensalter und ein Ergebnis der Umstände, aber es ist keine Lebensaussassung, kein Eharaktcrnicrkuial und kein innerer Wesens- drang, Das soll ungrsähr sagen: der junge Herr von Wien hat keine organische Fortsetzung in »veiter hinausgerücklcn Jahren, er wandelt sich nicht in den Junggesellen ans Lebenszeit uni. Der junge Herr hört einfach auf, Mau ist es eine Weile,
Und dann ist inan es nicht. Seine vergeistigtere Fortentfaltuu«, die Felix Poppenberg am reizvollsten abgeschildert und Alexander Castell im „Eh.band" jüngst erst dichlerisch dargestelkt hat, ist nicht aus Wiener Boden, aus diesen» behäbigen und animalischen Erdsleck gewachsen, Herr von Sala, der nun auch im Burgtheater, zehn Jahre nach seiner Erschaff,mg, die eigentlich eine Erfindung »var, seinen „Einsamen Weg" nach abn>ärts geht, er ist nicht eigentlich aus Wiener Erde geboren Er >»at den, kühlen Duft der Fremde, eine nördlichere Form, Er ist eine importierte Spezialität, Ter junge Herr ist also etwas sehr Vergängliches, Aber »oas ihn, an zeitlicher Ansdehnung sehli, niackt er gleichsam räumlich wett. Alle, die Ijeiite in der Kunst, in der Politik und sogar viele, die in der Wiener Wisse,»sch,»st repräsentativ sind, »varen ci»mat solche junge Herren, führte» dieses leichte und beschwingte Leben und »ourden von dir lässige» Gebärde der Wiener Eleganz bestrick» Die Wiener Dichter, die Schöpfer des „Auatol", sind elegant Mau kann sic gar nickt anders denke». Wie mau den Apostel der „Weber" wiederum sich nicht mit der weltmännischen Allüre des Dandy vorzustelleu vermöchte. Der junge Hauptmann hatte nichts vom „lungen Herrn" im Wiener Sinne, Der Hauptmai,» von sünjzig Jahren, der mit der goldenen Glorie seines Weltruhms auch ein auskömmliches Einkoinmen errungen bat, läßt allerdings »vodl bei einem gute»» Schneider arbeiten Aber das Wort elegant drängt sich bei seinem Porträt zu allerletzt aut die Lippen, Dies aber, just dieses Wort schwingt >o»e ern Orgelpnnkt durch die Wiener Literatur, Die Gepstegtheit des äußeren Manschen stand vom Beginn an hoch in» Kurs, Einer aus diesem Kreis, der l»eute ein wundervoller Dichter ist, »var ihr arbiker elegantiarum, und — ein Witzworl erzählt es - wie er stets die Kleidev seiner Brüder in Apoll billigte oder nnniög- lich fand, so soll er einmal mit dein nämlichen Wort nach skeptischer Prüfting einer Waldwiese seinen Beifall ansgedrückt haben: „Das kann so bleiben," Die Gesclnchte vom ftingen Herren, die »ns Schnitzler, Dörmann und Auernheimer erzählt haben, waren alle ein wenig auch Autobiographie,
Sic sind darüber hinaus, Wie der junge Herr in der Wirklichkeit immer wieder darüber hinauskoniuli Ohne tragische Ber- ivirrnng, ohne Seelenrevolte», beinahe schmerzlos. Denn der junge Herr vo>l Wie» hat unter der Lustigkeit seiner Kavalierlaunen einen sehr festen und soliden Grund in einem bürgerliche» Berus. Der junge Herr „ift" etwas. Freilich läßt er es sich nickt merken. Er tritt vor, klappt die Absätze aneinander und sagt mit einer g'schnappigen Kürze: „Wicsinger"! Man hört förmlich das Rufzeichen hinter den, Rainen und es wirkt einfach lapidar. Seinen Doktor- oder Ingenieurtitel, seine Offizierscharge »oder sein Adelsvrädikat verschweigt er. Anders wäre es nicht sashio», — Und einer, der sich umständlich mit Titulaturen legitimiert, be weist schon bannt, daß er nicht dazu gehört und nicht für voll gilt, Wiesiger „iid da»nit basta. Alles andere hat den Dunst der Arbeit, Indessen sitzt der junge Herr im Ministerium oder in einer Bank, in der Statthalterci oder in einer Advokatenkanzlei, je nach Pedegrce, Bezielpingen oder Konfession, Und sein Ehe» ist sehr zufrieden mit ihm.
Die jungen Herren von Wien find »ehr vorsichtig, nue^ ja auch ihr Dichter Dr, med, Arthur Schiützler, erst eine hübsüx Weile nach seinen» ersten Bnrgthealer Erfolg den Aerzteberns an den Nagel gehängt hat. Schon jenseits der Dreizig. Und dann ist »na»» kein junger Herr mehr. Aber schön, wundervoll schön, »var es doch, und es ist! eine Lust, daß »vieder, und so Jahh »litt Jahr, der Frühling blüht, _
Diamanträtfel.
In die Felder nebeusteheuder Figur sind die Buchstaben »beässekb himmmnnnunoisttUz derart einzutragen, daß die >oagsrechte»i Reihe» iolgendes bedeuten:
1. Einen Buchstabe».
2. Lsimmelsrichtimg,
3. Feldlwrrn in» 3t>jähr. Kriege,
1, Jüddentlche Stadt.
ö. Eine Hnlsenlrucht.
6, Stadt in Akrika.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagrechle Mittelreihe ergeben das Elteiche. Auslösung i»> nächster Nummer,
Auslösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer: lMi» », b, c, d Hierbei» die vier Farben bezeichnet: A = Aß, U = Unter, Bube, Wenzel; l) — Dame, Ober.»
In» Skat läge» dA und dZ, Mittelstand besaß: »A, bZ, bK, bP, b’. 1 , b8, b7, cA, cZ, cP, tzintelhaud die übrigen. Cplelgaugi
1. B. »B Bl. »A Ö. »7.
2. B. cB DI. bZ v. dB ----- l«.
3. b. bA V. iM M.b7.
4. B. e« M. eA H. cf» = — 15.
Der Nest fällt dem Sp elor gu; foinit blie eu die Gegner mit 28 A gen im Schneider.
Redaktion: K, Neuratb. — RotatlouSdruck und Verlag der Brnhllchen Universiläts-Buch- und Stelndruckerei, R. Lauge, Gießen.


