Ausgabe 
16.4.1914
 
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Bffijirrstödjtrr.

Roman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.) tForlsetzima.)

Gerda atmete ordentlich ans, als endlich der Akt zu Ende um. Natürlich auch jetzt wieder ein Applaus ohne Aufhöre». Immer ivieder mutzte sich Heinz zeigen, die Molnar an der Hand, in ihrem keck hochgenommenen Flitter- kleide, datz die raffiniert eleganten, luxuriösen Dessous bei ihren graziösen sonbrettenknixchcn sehr reichlich sickstbar wurden. Es gab Gerda einen Stich ins Herz. Ihr Mann lvar das, dort neben der öegagierte» Person! lind sie wandte den Kops ab.

Dann lvar endlich die Beisallsslnt verebbt: es wurde still im Hause. Man vernahm das eifrige Schwatzen, Bruch­stücke der schioirrenden Unterhaltungen flogen Gerda ans Ohr. Immer toieder der Name ihres Mannes, in« Tone höch­ster Bewunderung und Schtvärmerei. Mer nun plötzlich, ganz in ihrer Nähe, >vohl in der durch die Portiere abge- trenuten Nebenloge, eine ernste Mannesstimme mit gering­schätzigem Ausdruck:

Datz ihr soviel Aufsehens von dem Keßler macht! Schließlich nicksts als bessere Possenrcitzerei. Schade »m den Mann!"

Gerda zuckte zusammen, als hätte das ihr selber ge­golten.

Schade uin den Mann! Da hatte sie das Urteil der anderen, der Kreise, die die ihren waren. Und war das nicht auch ihr eigenes Urteil?

Sie suhlte, wie sich ihr die Wangen heiß übergossen. Tiefer noch verbarg sie sich im Dunkel ihrer Ecke, und doch quälte sie peinvoll das Gefühl: da unmittelbar neben ihr, nur durch den Vorhang von ihr getrennt, war der, der so geringschätzig von ihrem Manne dachte. Wenn er ivützte, »»er hier sah. toer seine Worte gehört hatte! Und sie »wagte noch kaum zu atmen.

Diese Qual »ward so groß, daß sie ihr Herz krankhaft schlage» suhlte: wie eine Anwandlung von Ohnmacht ivollte es über sie kommen. Frische Luft mußte sie haben! Da erhob sie sich schnell und trat hinaus in den Logengang. Aber auch hier überall Menschen, ein blendend helles Licht und eine dumpfe Hitze. Hastig ging sie da zur Garderobe, ließ sich ihren Mantel umlegen und suchte den Ansgang. In einer offenen Droschke fuhr sie heim

Sie verbrachte den Rest des Wends in ihrem Zimmer. In» Dunkeln lag sie hier bei weit geöffneten, Fenster, trotz der kalten Nobemberluft, ans der Ehaiselongne.

Schade um den Mann!

Die Worte ginge» ihr nicht mehr ans dem 'Sinn. Schwer und unbarmherzig klang das in sie hinein. Wie

ei» Richtspruch, der über ihr ganzes ferneres Leben ent­schied.

Erst als sie die yroße Standuhr drüben im Eßzimmer elf schlagen hörte, mit langsamen, dunkel hallenden Schlä­gen, richtete sie sich ivieder auf. Nun war das Theater zu Ende. Jetzt ivürde ihr Mann bald da sein.

Ihr Mann sie hätte sich freuen müsse» ans seine Heimkehr, ihn froh empfangen, mit einem Glücktvnnsch zu seinem ersten, großen Erfolge auf dem neuen Wege Und sie?

Da sank sie schwer ivieder auf die Chaiselongue zu­rück und vergrub ihr Antlitz in die weichen Kissen, die die leisen Laute erstickten, die sich ihrer schmerzgequälten Brust entrangen.

So lag sie, bis das Anschläge» der Flurglocke ihr Heinzens Rückkehr meldete. Da sprang sie empor, kühlte eilends im Schlafziminer ihre Augen und kam daun ins Eßzimnier zu ihm

Heinz schien bester Laune zu sei»

Na, wo steckst du denn, Böbs?" empfing er sie.Bist, wohl auch eben erst nach .Hause gekonimen?"

Sie schüttelte den Kops, während sie am Tisch Platz nahm.

Ich bi» bereits eine ganze Weite hier. Ich lvar schon vorher gegangen."

Wie? Nicht mal bis zu Ende geblieben?"

Nein mir war gar nicht gut im Theater. Es lvar fast wie eine Ohnmacht."

Sie sprach ja keine Unwahrheit, und doch neigte sie den Kops tiefer über ihren Teller. Denn sie verheimlichte ihm ja etivas. Etwas, was sie ihm nie sagen durfte. Und das würde nun wieder fortab zwischen ihnen stehen.

Heinz griff nach ihrer Hand.

Na, na, Böbs und du wirst mir doch keine Ge­schichten machen?"

Er hob ihr mit der anderen Hand ein ivenig da» Kinn.

Wirklich, du siehst ja jetzt noch schlecht aus. Soll ich zum Arzt schicken?"

Aber sie »»ehrte ab.

Kein (bedanke! Es ist mir ja auch weiter gar nichts. Es lvar wohl nur sehr heiß im Theater."

Da beruhigte sich Heinz Keßler bald ivieder und, lvährend nun Jean eintrat und das Abendessen servierte, das sie während der Spielzeit ja immer so spät einnehmen mutzten, berichtete er allerlei aus dem Theater. ES lvüre ein riesiger Erfolg gewesen, und Larun hätte ihn vor dem gesamten Personal beglückwünscht. »Auch die »Presse, die im Hause war, sollte sich »ne man gehört über ihn sehr anerkennend geäußert haben. »Mit einem Wort, das Experiment iväre geglückt glanzend geglückt

Darum wollen wir denn auch mal heut abend wieder ein bißchen lustig sein, gelt, Bebe?" Er dachte, von den Eindrücken des »Abends »wieder lebhaft animiert, schon gar