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Haltung dieses Zustandes übertrug die Geselllchast einem allmonatlich wechselnde«! Ausschüsse, den die Mieter selbst wähle».
Da die unbeaussichtigten Kinder, besonders die noch nicht schulbflichtigcn, die Reinlichkeit der Gange, Treppen und Höfe gefährdeten, entschloß sich die Gcsellschalt, ein „Kinderheim" für den Häuserblock zn errichten, dessen Besuch an die Bedingung geknüpft ist: „Die Mütter müssen ihre Kinder sauber ins Kinder heinr schicken „nd die Leiterin in ihren« Erziehangswerk unter- stnhen."
Dieses schöne Ilnternelnne» «oäre jedoch nur ««»vollständig geblieben, hätte nickt eine edle, «vissenlchastlich und pädagogisch gebildete Frau. Dr. Maria Montessori, ihre Krast dem Kinderheim geividinet. Aas dieses Genie, geadelt d««rck« grobe» Schart sinn und tiefe Menschenliebe, leistet, klänge «närchenhast, täfle nicht ihr Buch „Selbsttätige Erziehung im frühe«« Kindesalter" (Verlag von Julius Hossmann, Stuttgart. Preis geh. (i Mark, geb. 7,50 Mark vor uns und enthielte es nicht zahlreiche Photo graplnen, die das Dargelegte bestätigen. Aas hier Kinder von 4% bis 7 Iaihrcn zuiveqe bringen, ist eigentlich eine Bankerotter klärung unsrer bisherigen Schularbeit. llnscr Unterricht und auch die Erziehung vollzieht sich gegc«« die ««iskeimende Natur, da sonst Belohnungen und Strase, Aneisernng und Tadel nicht eine so grobe Rolle in Schule und Haus spielen dürsten. Aut den Pfade«« Söguins, Jtards und Prepers «vandelnd, ivendet Fra«« Dr. Montessori die Behandlnugsivoise schtoachsinniger aus norinale, noch nicht schulpflickchige Kinder an, da diese jenen durch Mangel an Muskelbeherrschnng. Ent«vickl««ng der Sinne. Ausmerlsamkoit wie durch Unbeständigkeit und Sprechunfähigkeit gleichen. Alle Mcthlchen «visfenschaftlicher Ezperinientalpädagogii i«nd -psvchologie beherrschend, hatte die geniale Frau den Grundsatz Wundts sich angeeignet, das« alle Methoden auf eine zurückgesührt «verden können, nämlich das Objekt sorgsältig j» beobachte«« und darüber „Buch zu führen".
Dies geschieht de«,n auch in reichten« Maste Nicht nur die Körperentwicklung wird alltvochentlich gcna«, registriert, a«rch ledc Gemüt» und Geistcsrequng vermerkt. Jedes schablonen,«lästige Behandeln der 40 bis 50 Kinder ist ausgeschlossen. Die Kleine«« werden saldiert, in ihrer Freiheit nicht beeinträchtigt u««d ent- sprechcnd ihrer sich offenbarenden körperlichen »nd seelischen Ent wicklnng zu passenden Beschäftigungen lfingeleitet. Deshalb herrscht in dieser banklosen Scknle Freude, Entgegenkommen und Herz lichkeit. Aus diesem Milieu enttvickelt sich eine Zucht, die im Gegensatz steht zu der in nnsern Schulen. Es ist die Zucht, die nötig ist beim Gehen, Tragen, Bewegen in Gruppen, zwischen Gegenständen: die Zügelung des ganzen Menschen, die Borberei tnng sür die vom Leben geforderte Selbstbeherrschung. Bon hier aus führt ein kurzer und sicherer Weg zur Selbständigkeit, lener Eigenschaft, die jetzt immer mehr notirendig tvird. Hierzu ist im Kinderheim viel Gelegenheit. Die einen vertvahren und reinigen die Ueberkleider. die andern tragen Speisen und Getränke an die kleinen Tisthe, diese Ivasche«« das Gescknrr, >vähre««d jene es ab trockncn. So gebt es auch mit der Pflanzen- »nd Tierz«,cht.
Nebst der Förderung der körperlichen .Geschicklichkeit genießt die Pstege der Sinne ganz beso««dere Beachtung: denn dies ist die Grundlage, auS der die stauneiistverten Erfolge des Lese-, Schreib-, Zeichen- Und Sprachunterrichtes sprießen. Vorerst kommen die Finger an die Reihe. Die Kleinen übe«« das Knöpfe» mit große«« Knöpfe», mit Perlmutterknöpfe» (Wäsche-, mit runden Knöpfen (Schuhe), das Schnüren von Lechche» und Schuhrverk, das Zn- hakeii von Haken mit Oese», das Knüpfen von Schleifen >,««d ähnliches. Nun folgen die Atiiiungsübuiige««, «voran sich dann die der Lippe», der Zunge und der Zähne schließen. Tarant geht es ans Kauen iund Tonformen. Der Tastsinn «vird —, be« verbundene«« Augen — a» hölzernen Brettern geschärft, die mit Stoffen verschiedener Rauhigkeit überzogen sind. Auch geo«netrische Fornieu, die in Bretterausschnitte passen, dienen den« gleichen Zwecke. Das Geruchsvermögen «vird an Blumen, Brot, Butter, Oel, Essig Und anderm gestärkt. Achnlich der Geschmackssinn. Eine besondere Achtung »vird dem Gesichtssinn zuteil. Da «verden verschiedene große Einsatzsiguren in die passenden Oefsnnngen gesetzt, Stäbe ungleicher Länge in sich verjüngender Art geordnet, Würfel, man- nigsaltig lang, hoch und breit, vertvendet, Spulen in den Grnnd- sarben und in Zwischensarben benützt.
Aucl« das Gehör «vird nickt vernachlässigt. Die Gehörschärse wird durch hübsche Spiele geprüft, der Rlwthnrns bei,,, Gesang und Marschieren gepflegt, durch Glocken, Flöten „nd Trommeln die Stärke und Tonhöhe gezeigt. Der Zweck all dieser i» geänderter Form täglich sich erneuenden llebungcu ist eine Selbsterziehung durch Vervollkvninliiung der sinnlick-pshchische» Vorgänge. Der Lehrer hat nur die Ausgabe, jenen Sinn, der gestärkt «verden soll, möglichst zu isolieren.
Haben nun die Sinne eine genügende Sicherheit erreicht, so drängt das Kind von selbst aus eine intellektuelle Betätigung hin. Des Führers Amt ist es nun «vieder, die innere Aufmerksamkeit des Kindes zu isolieren, uni es so von Eindrücken zu Vorstellungen, vom Konkrete» zu««« Abstrakten und Assoziierten hin- zuführen. Nur gilt als Hauptersordernis, „dast sich der Lehrer so tvenig als tnöglich einmische und durchaus nicht znlasse, dast das
Kind an einer überniästigen Anstrengung der SelbsterziehunA sich abmühe". Darin liegt seine größte Kunst. Seine drei Merk« «oorte lauten: Bündigkeit, Einfachheit, Sachlichkeit.
Der Weg, der die Kleinen z««««« Schreiben führt, ist ein doppelter. Zuerst «verden die Schristformen im llinriß nachgefahren und dann mittelst färbender Stifte ausgesüllt. Sodann überfährt das Kind (bald bei offene», bald bei geschlossenen Angen) die aus Sandpapier ansgeführten schreibbuchstaben, bis es deren Form si«h eingeprägt hat. Um nun de«« beim Schreibe» in Berwendnng konimcnden Muskelmechanisinus z«i üben, überfahrt das Kind die Sandpapierzeichcn mit dem Zeige und Mittelfinger der rechten Hand, und endlich folgt es mittels eines Holzstiftes der Form eines durchfurchten SchriitzeichenS. Die Erfolge dieser Lehrtveisc find «vohi überraschende Nach zweieinhalb Monaten schreiben die Kleinen ganz frei, ohne Hcste, alles Borgesvrochenc nach. Auch die Art, «vie sie lesen und rechnen lernen, ist so einfach und pshcho- logisch, das, die Besucher des Kinderheimes Staunen i«nd Rührung nickt «interdrücken können. In vierzehn Tagen lesen zu lernen «>ud das Gelesene zu verstehen, ist wohl ein «vahrec Trininph der Lehrkunst!
_ Hierfür gilt als bester Beweis die rasche Verbreitung dieser Schuttppe. Das erste Kinderde«,n lCasa de« Banibini« «vor am 0. Januar 1907 «in Bezirke Sa» Lorenzo in Rom eröffnet «vorbei«. Am 7. April »nd am 4. November desselben Jahres folgte» weitere z«vei solcher Anstalten, am 18. Oklober 1908 die Hu- maniläre Gesellschaft i» Mailand nach, und 1909 die Waisenhäuser und Klcinkiiidcrschiilen der italienischen Schweiz. Nach gleichen Grundsätzen geleitete Anstalten sind jetzt in Italien sehr häufig, viele darunter von Genieinden errichtet. Auch in Frankreich, Eng- lai«d, den Bereinigten Staaten von Nordamerika »nd Indien si««d heute schon zahlreiche solcher Schulforme» in Betrieb.
humoristischer.
* D ie Galanterie des Ehemaitnes. Si«: „Ach, da drüben geht Peggh Brown Ist sie nicht entzückend?" lind Niit einen« seufzer fügt sie hinzu: „Ach, ich «vüiischte, ich sälw nur halb so gut aus «vie sie." Der zärtliche Ehemann beeilt sich, Trost zu spenden und bescknvichtigend sagt er: „Ach, das tust Du doch . .
* Ihre Frage. Die reizende Mine. X. «vill eine Villa in der lliiigegend von Paris mieten ««nd erkniidigt Ach beim Portier, wie «veil die Entsernung von Versailles ist. „Sechs Kilonieter," laiitel die Anllvort, »nd nun fragt sie weiter: ,.Z» Fuß?"
vüchertlsch.
Hans von Kahlenberg, D«e süßen Frauen von I l l e i« a n. Roman. Vita, Deiitiches Verlagshans. Berlin- Tb Gebestet 3,50 Mark, gebnirden 5 Mark. — lieber sechs srühlingswarnicn, ihrem Lebenssoinmec enlgegenlächclnden, sechs «vahrhast süßen Frauen steht hoch im siinkelnde,« Zenith di« Sonne Goethes lind tiefem Seltenen gelobe» sich die Törinnen, Apostel seiner Lebenswertung, seiner Energien wollen sie sein, das Gesetz ihrer Persönlichkeit siegvoll zur Geltung bringen, Glücksmöglichkeilen mit war»,durchpulsten Lippen trinken. Und «nährend der glutvolle Früblingstag seinen lleberroicht»»« sckw» dein Sommer. der dem Herbst vorarbeitct, entgegenhält, zeigt sich einer au« Garte,«tor, de»« das Gold auf de», blonde«« Frauenhaupte in die Augen brennt, der das llnerweckte aus dem rosigen Antlitz erspäht und erlauert. Der Herbstivind aber nimmt die süßen törichten Schwüre dieser Frauen »nd Iveht sie zu den übrigen aller Zeiten. _
Sfat=2lufqobc.
Vorband «vird bi? Pigne-Lolo gereizt und spielt »u» Treff- Solo. Mittelhand hat 62, Hinterhand 17 Augen in ihren Karten. Trotz des für den Spieler »»günstigen Standes der gegnerische,, Trümife - vier Stück in einer Hand - «vird da« Spiel von Vorhand aus solgende Karten:
mit Schneider gewonnen. — Wie passen die «"«brigen Karten und «vie «vurde gespielt?
Auflösung in nächster Nummer.
Aiislösuug des Logogrivbs in voriger Nummer:
Bell«««, Balle», Bullen, Bolle».
Redaktion: K, Neurath. — Notationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts-Buch- »nd Steindruckerei, R. Lange, Dieben


