Ausgabe 
15.4.1914
 
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Mkizirrstöchter.

Roman von Paul Grabetn.

. (Nachdruck verboten.)

(Aortseluing.)

Herr Keßler Se sind a Menschenkenner! Also komni'u mer zur Sache!" Und er rückte vertraulich seinen Stuhl heran.Sr hab'n gewiß gehört, daß se mer nebbich den Dings weggesckmappt hab'n den Lattinger in Wien?"

Keßler nickte. Es hatte ja in allen Zeitungen gestan­den, daß das Palasttheater seinen Hauptstar verlieren würde, den Rolf Lattinger, den Liebling der Berliner, der zusammen mit der Miezi Molnar der .Hauptträger der großen Re­vuen gen-esen >var, die das dauernde Repertoirestück dieses Theaters bildete». Eines Mitteldings zwischen den großen ernsthaften Bühnen und dem Variete, mit seinem besonderen Genre, dem humoristisch-satirischen Ausstattungsstück.

Also, den Lattinger hab'n se mir ivegankaschiert. Haaßt a (tzemainheit! Nu such' ich also nach 'nein Ersatz. Schon seit Wochen. Aber denken Se, daß das etwa so leicht is? Zustand! Haben könnt' ich natürlich genug. Was glaub » Se, iver sich »ich alles schon bei mir gemeldet lM? Hosschauspicler, erste Namen, allererste kennt' ich Ihnen nennen! Was soll ich Ihnen sagen? Hofburg!!

Mer üws Hab' ich schon von an'm großen Namen, tvenn de Lait' das »ich an sich hab'n, lvas ich grad' brauch'? Na, um die Sache also kurz zu »nachen da hat mich der Zufall nu also nach Frankfurt gefiehrt, zu Ihnen, ick» Hab' Ihren Baron Egon geseh'n, und was soll ich Ihnen lang' reden? Sie sind mein Mann!"

Und er schlug seinem Gegenüber klatschend auf das Knie.

Heinz Keßler rückte unwillkürlich mit seinem Sessel ein wenig zurück. Und in seinen Mienen stand das Staunen. ..Ich?"

lltun ja. Sie! Sind Se nick» beliebt bcm, Publikunr hier in Berlin? De Geschichte mit dem Riemer hat De erst recht populär gemacht. A Bombenreklame! Sie de Platze wird er kriegen, der. Riemer, wenn er sieht, tvie uns de Lait' das HausSinlaufen werden! Und de Hauptroll' in mein',» neien Stick is Ihnen a so zu sag'» gradezu auf den Laib geschrieben. Der Lattinger hatte se schon halb studiert gehabt a Gemainheit ist's von den Wienern! Na, aber sckwd't nix, macht nix, Sie stell'« mer den Erb­prinzen Botho mindestens ebenso gut auf de Biehne. Was sag' ich? Besser noch, viel rassiger, echter! Der Lattinger

ganz unter uns gesagt er lvar schon a bissel sehr abgedackelt. Wissen se, tvenn man so an die zehn Jahr' seine Faxen macht, im Grund immer dieselbe sade Geschichte l ohne unfern bewahrten Hauspoeten zu nahe zu treten fc-= also, ganz im Vertrauen, ich»in' ihn schon den

Wienern, den Lattinger! Aber Sie frisch, unverbraucht. Sie machen einen ganz andern Kerl aus dem Erbprinzen. Also schmusen Se mer nich lang 'erum mach'« mer das Geschäft! lieber de Gasch' tverd'n wer uns schon einig werd'n. Se wissen's ja schon ej&: der Larun, das is p Mann, der mit sich reden laßt. Leben und leben lassen> immer sein altbewährter Grundsatz, bei dem alle beide Teile gut sahr'n."

Aber Keßler schüttelte lachend den Kopf.

Nee, nee, lieber Freund so iweit sind wir noch lange nicht. Ich Hab' Sie ztvar ruhig ausreden lassen. Aber wo denken Sie hin ich und in Ihrem Ausstattungs- zirkus? Wie köitnen Sie mir so ettvas im Ernst zumute»!"

Ausstattungszirkus? No, sind Se so gut! Bei mir tvird schon a gute Koniedie gespielt. Daß man freilich der Darstellung a bissel nachhclft, mit feschen Kostthmen nnb feschen Waibern na, Malheur! Also, tun Se sich nix an, mein Lieber. Und sehn Se, ich denke, es müßt Ihnen auch angenehmer sein, Se hab'n wieder a festes Ankasch- mang, als daß Se so 'erumvagabundieren in der Welt. Namentlich, wenn man a junger Ehmann is, wie Sie, und obenein noch a so bildschöne Frau hat. Sie ich Hab' nämlich die Ehr' gehabt, die Frau Gemahlin auch zu seh'n, in Frankfurt. Der Fallinger hat se mer gezatgt. Grad' in der Nebenlosch' hat se gesessen. Mein Komplement, Herr Keßler a Beautß, a ganz a exquisite Beautö, de Frau Geinahlin!"

Heinz Keßler runzelte die Stirn.

Lassen wir das. Wir reden doch hier vom Geschäft, lieber Larun."

Mer seine Gedanken waren nun auch bei Gerda. Er wußte ja, wie sie unter diesem unsteten Wanderleben litt. Und hier bot sich nun die Gelegenheit, wieder seßhaft zu lverden. Freilich! Er, der Heinz Keßler, der bisher noch immer den Ruf eines ernsten Künstlers bewahrt hatte trotz seiner Eskapade auf das Variete, er sollte nun da mtt- tun, wo Abend für Abend dem Publikum seichteste Unter­haltung geboten wurde?

Seine Hand hob sich z» einer entschiedenen Abwehr. Da ging es ihn, wieder durch den Kopf: Gerda! Konnte er ihr wirklich noch dies Leben iveiter zumute»? Ihre Nerven waren ernstlich mitgenommen in diesen letzten Mo­naten. Mußte er nicht endlich doch Rücksichten aus sie nehmen?

Ta sank ihm die schon erhobene Hand wieder unschlüs­sig herab.

Larun, dessen glänzende schwarze Augen bei aller Bonhommie doch immer etwas heimlich Spähendes hatten, das zu den ständig witternden Nasenflügel» paßte, ent­ging die Bewegung nicht, und geschickt griff er zu:

Nu, Se hab'n ja Zeit. Jeberleben Se sich's in aller Ruhe, was ich Ihnen eben vorgeschlagen Hab' Ich kann mer's schon denken, es is an Entschluß sier Sie. Es ist vielleiclst an ungewöhnlicher Schritt Mer nu ivenn schon?