Ausgabe 
11.4.1914
 
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Bauern gehe, wirst du dich meiner nicht schämen als meine Frau?"

Ganz zaghaft hatte cr's gefragt, denn .Marlie hatte ihn bei seiner Ankunft so spöttisch angesehen und viel vonFraneu­st ndinm" und vonSelbständigkeit" geredet. Aber da schlang stud. jur. Atarlie ihre Arme um seinen Hals und jubelte: Meinst du vielleicht, ich gäbe meinen -Osterhasen wieder her?"

wenn die Gloüen schweigen.

Beim Gloria am Gründonnerstag stiege» die Glocke» fort »ach Rom." In diesem alte» Volksspruch ist ei» sinniger und rührender Osterbranch bewahrt, der beim ersten Eindruck wohl selt­sam und wunderlich erscheint, dem verstehende» Beobachter aber bald seine tiesere Bedeutung osfenbart. In vielen Teilen Deutsch­lands nämlich, besonders im Süden und in der Schweiz, wird die andächtige Stimmung der stillen oder Karwoche durch das mt6* tönende Rasseln und Lärmen von Ratschen, Knarren, Klöppeln und ähnlichen Holzinstrmnenten höchst eigenartig »nterbrochcn, und die unholden Geräusche der schnarrenden Dinger gelten nicht nur durch die Gaste», sondern man setzt sie auch beim Gottesdienst und beim Schlust der abendlichen Ehorgebete in Tätigkeit. Erklärt ivird diese Sitte durch eine alte Bolkssage, die zu der weitverbreiteten Gruppe der Glockengeschichte gehört.

Tie deutsche Einbildungskraft hat sich ja mit besonderer Zärt­lichkeit jenen ehrwürdigen Stimmen des Kirchturmes zugemandt, deren eherner Klang zu heilige» Festen und Gebeten von der Höhe herab in das Menschentreiben hineinrust. Tie Glocken gelten in der Sage als belebte Wesen, werden getauft und gesegnet, damit der Teufel keine Macht über sie gewinne, und stiegen trotz ihrer Schwere im geheimnisvollen Schwung durch die Lüste. Zu Ostern «un ziehen die Glocken »ach Roni, um dort vom heiligen Pater den Segen zu empfangen, »nd sie kehren erst am Karfanrstag I abends zurück, gerade noch früh genug, um das Gloria der Oster- nacht durch den Weiheklang ihrer Zungen z» verherrlichen. Während als Tag diese? Glockenstuges der Gründonnerstag angenommen ivird, will eine andere Sage, daß die Glocke» am Mittwoch der Osterwoche aus Gram über das Leiden des Herrn sterben und erst nach drei Tagen zu Ehren der Auferstehung Christi ebentalls aus­erstehen. An Stelle der verstummten Glocken aber müssen nun andere Töne zur Kirche rufen, und so treten jene eigenartigen Holz- ratschen in Kraft, die z. T. ans den Kirchtürmen angebracht werden und dann eine beträchtliche Größe haben, teils auch von Mini- strauten und Buben aus der Straße und im Gotteshaus gerührt werden. In einer fogen.Rumpel- oder Trauermette', die am Abend des Karmittwoch oder Gründonnerstag gehalten wird, werden die Rasseln eingeweiht. Wenn der Gottesdienst zu Ende geht und die feierlichen Lamentationen gesungen sind, schlägt der Organist mit dem Buche auf die Bank, und das ist das Zeichen für die Ministranten und die anderen Knaben der Pfarrei, ihren Lärm- instrumenten ein ohrenbetäubendes Geichnarre, Gerassel und Ge­knatter zu entlocken.Wer als Knabe einmal Ministrant gewesen ist", erzählt Rosegger,der weiß, welch eine unbeschreibliche Lust eS ist, anstatt des einförmigen Klingelns einmal recht herzinnig klappern zu können." Der Name, den der Karmittwoch in manchen Gegenden als derkrumme Mittwoch" führt, hängt mit diesem Brauch zusammen. Es ist nämlich nicht ein krummer, d. h. böser Tag, der heut« noch entgelten must, dag sich an ihm der Verräter JudaS einst erhängte, sondern es ist derGrumpmittwoch", an dem das laute Germnpe Lärm, Getöse bei der abendlichen Trauer­oderPumpermette" beginnt. Das Knarren hat man dann freilich so gedeutet, als ob es den frommen Unwillen und das laute Ge- inucre des Volkes über die Frcveltal des Erzschelmes Judas dar­stelle: es wird auch so erklärt, als solle dadurch derMißklang und die Störung, die durch den Tod des Herrn in die Natur kam, sym­bolisch versinnlicht werden.

Weiter in die Öeidenzeit zurück greiien die Zusammenhänge, die die volkskundliche Forschung zwischen der Rumpelmette und den altgermanischen Lärmumzügen ausgeüeckt hat. Um böse Dämonen zu verscheuchen und den Zauber schlimmer Unholde ab- ,»wehren, werden nämlich Umzüge mit Lärmgeräte» veranstaltet, eine Erscheinung des Volksglaubens, die über die ganze Erde ver­breitet ist. Solcher Lärmzeremonien haben sich im deutschen Volks- brani» noch viele, besonders zur Weihnachts- und Faschingszeit, erhalten, und ihnen ist auch das Herumtansen mit den Holzklappern in der Osterwoche zuzuzählen. Da nämlich die große Ratsche am Kirchturm nicht weit zu hören ist, so liefen außerdem noch die Ministranten mit Holzklappern durch das Dorf, um die Zeit des Kirchenbesuches anznkünden; ihnen schloß sich die Jugend an, und so eutivickeltc es sich, daß die Schulknaben in der Ostcrivoche morgens, mittags und abends mit ihrem wilden Gelärm durch das Dorf liefen, um die verstummten Glocken zu ersetzen Dazu saugen sie allerlei Sprüche, wie z. B.:

Wir ratschen, wir ratschen de» englischen Gruß,

Daß a jeder Christ weiß, was er beten muß"; oder:Steht aus, ihr Leut,

's isch Betenszeit!

Der Tag längt an zu bleichen

für die Armen wie jür die Reichen! Belglock!"

vermiscbtr».

In den Pariser Katakomben verirrt. Was sonst nur die Schauderromane jdes älteren Dumas und Montepins alt grausigstes Abenteuer in der Phantasie ausmalten: das Umber- irren eines Menschen in der unheimlichen Pariser Unterwelt, in den vielaenannten Katakomben, das hat sich nun wirklich ereignet, und zwar passierte dielrs nicht alltägliche Abenteuer einem Kranken­wärter des Cochin-Holpitals, Paul Phitippard. Dieser nnter- «ehmcude junge Mann ließ sich durch seine leidenschaittiche Liebe zu geologischen Forschungen dazu verleiten, in einen offene» Schacht heruntcrzusteige», als in einem Hose desKrankenhansesKanalisaiwns- arbeiten vorgenommen wurden. An einem Strick ließ er sich 6ll Fuß lies herab und wollte sich, mit einer brenuendeu Kerze bewaffnet, mal die Gesleinssormationen von Paris anichauen". Uw seine Rückkehr von deni kleinen Aussiug war er nicht besorgt, denn er niacbte üch an den Kreuzwegen des labyrinthischen Gewirrs von engen Gängen Zeichn, mit Kreide, um zurückzuftnde», und klopste dann mit einem Hammer an de-> Gewölben und Steinen herum. Als aber das Licht ziemlich herimtergebraunt war, schien es ihm geraten, nun wieder die Oberivelt aufzusnchen. Seine Kreidekreuze mußten ja den beste» Ariadneiaden ersetzen. Aber plötzlich Iah er andere Zeichen, die man früher ivohl an den Wänden angebracht hatte; er wußte nicht aus noch ein, tappte hierhin und dorthin, und plötzlich hatte er eine Brandwunde an der Hand und stand in dunkelster Finsternis. Wo sollte er ivieder Lichk herbekommcn k Er steckte eine Zeitung in Brand, die aber rasch vcrstackcrte, zündete daun die Bänder seiner Schürze an und verbrnnnte die wenigen Streichhölzer, die er noch beiaß. Es Huts alles nichts, er konnte keinen Ausweg entdecken. Stunden »in Stunden irrte er nun in dem finsteren Gewirr umher; ein« schreckliche Angst überfiel ihn, wie sie wobl den tief unten begrabenen Bergmann ergrcise» mag- Schließlich kam er an einen Schacht, der nnswärts zu lühren schien. Mit blutenden Händen kletterte er hinaus, aber hier war alles iorgsällig mit einer eiserne» Platte veischloffen und sein heiseres Gebrüll hallte wohl schnuerlich in den Gängen wider, drang aber nicht zur Oberwelt empor. Hungernd und völlig ermattet, glaubte er, daß se n letztes Stündlein gekommen sei und daß er hier elend zu Grunde gehen müsse. Mühsnm schleppte er sich in dem pech­schwarzen Dunkel weiter, und endlich, endlich sah er Licht. Durch einen engen Spall schimmerte es herunter; aber hier cuipor- zuklettcrn und sich durchzuzwängen, war unmöglich. So blieb er denn stehen und brüllte eine Viertelstunde laug aus Leibeskrästen, so qut er eS noch konnte, bis ihn einige Arbeiter hörten und au einem Seile hinauizogen. Er war viele, viele Stunden unter der Erde gewesen und kam i»p> gut zwei Kilometer von {einem Kranken- hause entfernt wieder an das so heiß ersehnte Sonnenlicht zurück.

Ico». Warum i st d e r H i in m e l blau? Was wäre all^ Poesie, wenn cS das strahlende Blau des Himmels nicht gäbe Das strahlende Blau; dem nnpoetischen, nüchternen Denker sogt dieser Ausdruck schon, daß es sich hier nicht um eine Farbe, son­dern eine Lichterscheinung handelt. Die Erde ist umgeben von Lust und diese strahlt uns das blaue Licht zu. Wenn die Sonne hoch am Himniet steht, dann ist der Himmel nich! blau, dann ist das Sonnenlicht so stark, daß es i» blendender Weiße die ganze Luft­hülle zu durchdringe» vermag. Neigt sich aber die Sonne dem Horizonte zu, oder ist sie gar schon untergegniigen, daun strahlt der Himmel einen Teil des Soimeniichtcs zurück, und dabei zeigt er die schöne blaue Färbung. Mau kann ähnliche Erscheinungen be­obachten, wenn man sich trübe Lösungen herstellt. Klares Wasser ist sür das Licht vollkommen durchlässig, löst inan aber z. B. in einem Glas mit Wasser eine Spur Seife au!, so nimmt das Wasser einen bläulichen Schimmer an. Die Lust verhält sich ähnlich wie eine trübe Lösung, winzige Staubteilchen, Waffertröpicben und ander« Beimengen mache» sie trüb und eiklären die Bläue des Himmels, sie erklären es auch, daß cutiernl« Gebirgszüge blau er­scheinen. Bei Sonuenansgang oder Sonnenuntergang sehen ivir den Ball dcs Tagesgestirnes ost als blutrote Scheibe am Horizont. Auch da? hängt mit der Trübung der Lust zusammeii, die die blauen Strahlen reflektiert, die roten aber durchläßt. Je tiefe» di« Sonne sieht, einen i»n so längere» Weg muß ihr Licht durch di» Lnflhüti« zurücklegen, ehe es bis z» »nserem Auge gelangen kann: dabei iverden immer mehr blaue Strahlen verschluckt und die Färb» der Sonnenscheibe nähert sich immer mehr dem Rot.

Logogrip^.

Mite" kannst du es oft am Hund erfahren. Mita" liegt's schivergeiüllt mit Ware».

Mitu" wird eS vom Landivirt sehr begehrt. Mito* zum Hering in Berlin verzehrt. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Kvnigspromeuade in voriger Nummer! Tie Sterne, die begehrt man nicht,

Man freut sich ihrer Pracht,

lind mit Eiitzückeu blickt mau aus

In jeder heiter» Nacht. Goethe.

Redaktion: >i. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Briihl'jchen llniversstäls-Buch- n»d Steindruckerei, R. Lauge, Gießen»