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3n$ Netz getrieben.
Oster-Skizze von Maria Regina.
Elli, die fimgc'Frau Assessor, lag faulenzend aus der Chaiselongue. An» Fenster säst ihre Freundin Moricluise und „tippte . Der blonde Kops mit der Schncckensrisur um das icrngczeichnete «.-sicht stob sich plastisch von dem Licht des Hellen Vorsrühlmgs- tages ab. Der Herr des Hauses, der srischgrbackcnc Assessor, war aus dem Gericht, die beiden Mädchen in der Küche, und so störte nichts das Jdh», als das slinlc Tippgcrausch der Maschine und em Triller, den .Hänschen im Vogelbauer dann und wann hcrunter- perlte. Die Ballontür stand weit ossc».
Marieluisc hielt plötzlich mit Tippen i»ne. Eine Stelle in dem selbststenographiertcu Manuskript war ihr nicht klar, und dann war da cttvas Eigentümliches, das sich nicht mit dem Thema rhrer Arbeit: „lieber das Recht der einzelnen Schuldverhältnme nach B. G. B., mit Ausnahme des Kauss", vertragen wollte. Marre- liiisc ist nämlich Studentin der Rechtswissenschaft rm zweiten Semester und arbeitet wie ein „Heupferd", wie der Assessor, der ein Held in unmöglichen Vergleichen ist, sagt.
Also da war etwas, das augenscheinlich störte. Das kam zur osscncn Balkontür herein und versetzte die Lust im Znnmer m Schwingungen. Draußen schaukelte das Knospengrün aus den Bäumen und Sträuchern. Am .Horizont zogen die Segel aus dem Rhein, und die lachende Sonne lag über den morqensrischcn Wce,cn mit den verkrüppelten Weiden. Ter Wind rist die mächtigen Flügel der alten Windmühle herum, strich kosend über die Gärten und pustete dem Pirol, der sich trillernd auf dem Fliederbusch wiegte, geradewegs ins Gesicht, so daß er ärgerlich sein Gefieder schüttelte. Und dann brachte der Lusthaüch wieder das eigentümliche Etwas ins Zimmer hinein. .
„Jetzt weiß ichs," rief Marieluise plötzlich, -,es riecht nach Frühling! Nach Ostern und nach Frühling!" .
Die junge Frau drehte sich lässig herum, blinzelte rn die leuchtende Sonne hinaus und warf eincit erstaunten Blick aus ihre Freundin, die, umflossen vom Vormiltagslicht, in der Türöffnung des Balkons stand und die Arme reckte.
Ehe sie wieder an die TippUiaschine zurückging, schob sie wie in Gedanken die Base mit den weißen Anemonen in den Bereich der Sonne. Und dann schlug sie mit tvahrer Arbeitswut von neuem ans die Tasten los. ,
Plötzlich richtete sich Elli aus ihrer lässigen Stellung aufs „Marlic, du, hör mal auf mit dem dummen Tippen!"
Die fleißigen .Hände sanken mit einer halb unwilligen Bewegung in den Schoß und der Kopf wandte sich fragend ins Zimmer hinein.
„Also," begann Elli und holte tict Atem, „du sollst heiraten!" Es klang im energischen Imperativ.
„Aber, Elli, du weißt doch" — und mit einem kleinen ärgerliche» Lacben begann Marlic ivieder mit ihrer Arbeit.
„Du heiratest doch!" bcharrte Elli eigensinnig. „Und ich suche dir einen Mann! Rechtsanwalt darfst du ja dock) bei uns in Deutschland nicht werden, und wenn du noch so viel Rechts- wissenschast sNidicrst! Ein Mädchen bedeutet überhaupt erst daun etwas, wenn es heiratet."
„Bravo! Sehr richtig!"
Tab die Tür sich leise geöffnet und der Herr des Hauses im Zimmer stand, lMtlen die beiden überhört. Elli war mit einem Satz aus den Füßen, die Aktenmappe slog aus den Schreibtisch, und mit einem „Hurra" hatte sic ihren Mann bei de» Ohren gefaßt und lüßte ihn ordentlich ab.
Ein seines Rot stieg in Marlies Gesicht. Vielleicht kaiu es auch vom Bücken, denn die Blätter waren durch Ellis stürmische Szene aus den Boden geweht worden.
„Kinder," meinte Bert nach der Begrüßung Marlies, „heute wird gerudert. Am Kanal blüht alles. Wir trinken draußen Kaffee, und dann hole ich Jupp Klaaßen ab."
„Ja, wieso denn?"
„Die Aujklärung kommt im Briej wie im Kino!" lachte der Assejsor und entfaltete ein nur mit wenigen Schrislzeichen bedecktes Papier.
„Famos!" Elli klatschte in völligem Vergessen ihrer „Frauenwürde" ncit dem Uebermut der zwanzig Jahre in die Hände. „Tie Oslertage will er bei uns verleben, schreibt er, da —"
Ein erstaunter Blick ihres Mannes unterbrach ihre Rede. r.Seit wann freust du dich denn so über Jupvs Kommen? Sonst war ^er doch „langivcilig" und „öde" und "
Sie hielt chm den Mund zu: „Ich betrachte ihn jetzt von- einem anderen Standpunkt," sagte sie toürdevvll, „wie eine Offen barung ists über mich gekonimeu: das ist ei» Mann für Marlie!"
„Na, erlaube," sagte die entrüstet, „erstens kennst du meine Grundsätze —"
„Stille bisle!" kommandierte Elli. „Ich sage dir, daß das ein Mann für dich ist. Du brauchst ihn ja nicht gleich zu nehmen — und anscheu verpflichtet zu nichts, lind dann —"
„Also bitte!" Marlie schien tvirklich ernstlich böse tverdeu zu wolle».
„Sei doch kein Frosch!" Elli fiel der Freundin in die Arme: „Du verstehst doch Spaß! Ich schenke dir also Jupp zum Ofter- hafen, und —"
„Jupp als Osterhase!" schrie der Assessor vergnügt. „Marlie das laß rch mir geiallen."
„Armer Osterhase," lachte die spöttisch. „Wer weiß, vielleiclst 'st, euer Jupp schon längst versagt." Ein fröhliches Lachen aus beider Munde ließ sie verstummen.
„Ach nein. Bert schüttelte in komischer Trauer das Haupt. „Jupp ist nämlich so schüchtern, wie man es dein tüchtigen As- slstenzarzt gar nicht zutraut: unb wenn er tvirklich Feuer sängt, woran ich gar nicht zweifle, dann lache ich mich tot! Aber, Marlie, du darfst uns. den Spaß nicht verderben!"
'.Wenn er so dumm ist," sagte die achselzuckend, und danit wurde übermütig der Feldzugsplan cntworscn, der den ahnungslosen „Osterhasen" ins Netz trechcn sollte.
Das Licht brannte schon, als Bert seinen Studienfreund ^upp Klaaßen Marlie vorstellte. Marlie hatte einen roten Kops, weil sie Elli mit Mühe das Lachen verbeißen sah. Aber trotzdem hatte sie mit einem Blick erfaßt, das; da eine große, breitschultrige Gestalt in einem Anzug von unmöglichein Schnitt und Muster vor ihr stand. Auch der blonde Kopf mit dem derbknochige» Ge- slchtsschnitt sprach von seiner bäuerischen Abkunft. Und Hände von solchen Dimensionen. Wo die zupackten! Ein Paar blauer «lugen sahen hinter scharfen Kneifergläsern ein bißchen verlegen aus Marlie herunter.
Beim Abendbrot wurde die Unterhaltung sogar lebhaft. Der ahnungslose „Osterhase" geriet schon in die Fangschlingen, wie Elli mit heimlichem Vergnügen feststcllte. Dabei kokettierte Marlie Koch nicht mal, lvie verabredet, solcher» sprach ernsthaft mit ihm über das Bergouiesche Entsettungsversahren. Aber als Marlie später über das „vorschriftswidrige" Aussehen ihres „Osterhasen" spöttelte, wußte Elli, daß die ernsthafte Unterhaltung nur ein Trick gewesen war. Doch das kam im Laufe der Tage öfters vor. Und Jupp Klaaßen hatte denn auch bald richtig Feuer gefangen. Bert und Elli, die .ihn von seiner Peunälcrzeit her kannten, freuten sich königlich über das Gelingen ihres schwarzen Planes. Marlie lachte natürlich mit.
So war der Abend des Ostermontags gekommen. Die Gesellschaft tvar noch einmal zur „Wacht am Rhein" hinausgefahren und hatte dort Kaffee getrunken. Mit dem Ächt-Uhr-Zug mußte der junge Arzt wieder zur rheinischen Universitätsstadt zurück.
Der Frühlingstag ging zu Ende. Aus den braunen Ackerschollen, aus denen zartes Grün sproßte, stieg der Abend feucht auf. lieber dem Rhein war die Sonne untergegangen.
Elli und Bert gingen hinter den „beiden junge» Leuten", weil sich das so schickt. Aber ihre Witze fanden heute so recht keinen Widerhall. „Marlie ist genau so langwcUig geworden, wie der Osterhas," klagte Elli. „Und immerzu Anslaiidsbauban spielen ist fad!" .Und sie zog Bert den .Fahrweg herunter, lieber de» Waldweg bauten hohe Bäume mit srischkcimeudem Grün ihre Bogen. Die Abenbschatlcn krochen aus dem Brombcer- gebüsch und lagerten sich über den Moosboden. Marlie und ihr Begleiter merkten es nicht. Er sprach in seiner bedächtigen, gründlichen Art von seiner .Heimat, von seinem demnächstigen Pslichtenkreis dort, von seinem Plan, oben im Friesischen eine Niederlassung von Dorsschwestern zu.gründen, die ein.Segen für die vom Verkehr völlig abgcschnittcnen Dörfer sein würden.
Und die spoltlustige Marlie vergaß ganz, daß er so verhaßt blond war und einen unmöglichen Anzug und zu große .Häiche hatte. Sie hörte nur, lute sein ganzes Wesen von Menschenliieb« durchströmt w.ar, wie ernst und groß er von seinenr Berus dachte.
Er hatte ihr gegenüber seine Scheu ganz abgelegt. Mit ihr kann ich sprechen, wie mit der Mutter, dachte er und fühlte in demselben Augenblick eine heiße Welle vom Herze» zu Kopf steigen. Verstohlen sah er Marlie von der Seite an. Sie hatte um den jungen Mund einen so hcrbstolzcn Zug, der ihn vom! ersten Sehen gefesselt hatte, wie nie bei einer Frau zuvor. In diesen wenigen Tagen, das fühlte er, hatte sich sein Schicksal entschieden.
„Sehen Sie nur?" jubelte Marlie plötzlich und deutele »ach einem Busch schwankender Kätzchenzweige. Mit einem Sprung! war sie drüben, überm Grabe» und stand schon mit einem Arm voller blühender Zweige vor ihm, ehe er recht zur Besinnung gekommen war. >
„Der Frühling grüßt!" lachte sie übermütig und reichte ihm die knospende Pracht entgegen.
Jäh verstummte das Helle Lachen Ganz still wurde es. Zwei Augcnpaarc begegneten sich, ernst, fragend und bejahend.
„Marlie!" jauchzte cs laut durch die Abendstille, und noch einmal selig und leise: „Marlic..." ? :
Die Blütcnzweige sanken zur Erde. Stud. jur. Marieluise Braudeck merkte nichts davon. Nur daß Jupp Klaaßen sic in seine» starken Armen hielt, das fühlte sie. Plötzlich machle sie sich heißcrrötend frei und drehte sich erschrocken um. Ihre ganze Schändlichkeit und die von Elli und Bert fiel ihr ein. Tie. werden schön gucken! Aber dann kam ein Leuchten in ihre Augen Irgendwo läuteten die Osterglocken das Fest ans. Und daun kam etivas, das Marlie tief beschämte. Seine Hände iaßle» t^e ihren: „Marlie. wenn.ich Bauer nun zu meinen friesischen


