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Ihm. Und sie wußte eS nicht, Ivie schön sie aussah jnit diesem verträumte», wehmütige» Lächek».

Aber Kyllburg sah es und er beugte sich vor, noch weiter, er konnte nicht anders, und ergriff ihre Hände, die ihr ini Schoß ruhten. Eine jähe, unerwartete Berührung.

Gerda schrak empor von ihrem Sitz. Da erhob auch er sich. Seine Linke krumpfte sich in gewaltsamer Be­herrschung um den Säbelgriff.

Verzeihung, wenn ich Sie erschreckte, aber ich fühle so mit Ihnen!"

Es klang fast heiser, wie er es so sagte.

Sie machte eine hastige Bewegung, griff nach einem der Nippes auf dem Tischchen neben sich und heftete die Augen darauf, aber erwiderte nichts, noch immer von diesem Schrecken gebannt. Was war das da eben gewesen mit ihm?

Nun hörte sie ihn sagen, und es war wieder sein alter Ton:

Ich glaube ich lasse Sie besser allein, meine gnädige Frau. Sie sind wirklich angegriffen heute. Von ganzem Herzen recht gute Besserung und meine Empfehlung an Ihren Herr» Gemahl!"

Ein paarmal das silberne Anklingen der Sporen, das Klinken der Tür nun war er fort.

Da erst hob sie die Lider und strich sich langsam über die Augen. Als wäre das da eben ein Traum gewesen.

Heinz Keßler trat in sei» Herrenzimmer, in das der ihm eben gemeldete Besuch geführt worden war. Er hatte mit ziemlicher lleberraschung die Karte gelesen, die ihm Fean präsentiert hatte: Moritz Sannt? Was wollte der von ihni, der Direktor des Palastthcaters? Na, man konnte ja mal hören.

Als er so ins Zimmer trat, unhörbar aus den weichen Teppichen, sah er den Besucher, ihm halb abgekehrt, drüben an der Wand stehen, anscheinend in irgendeine Beobachtung vertieft.

Eine sonderbare Erscheinung, dieser Herr Larnn! Heinz Keßler hatte ihn natürlich schon hier und da einmal gesehen, aber dennoch mußte er jetzt unwillkürlich lächeln, als er den Mann da gewahrte. Vielleicht gerade in dieser Um-

f ltfmua, in diesem streng stilgerechten Raum, wo alles orgsältig nbgcdänipft >var aus einen ruhigen, dunklen Far­benklang. Und dazwischen nun er! Das nur kleine, aber um so wohlbeleibtere Männchen im strohgelben, lächerlich kurzen Sportüberzieher mit handbreiten Steppnähten, kupfer­roten Dogskinhandschuhen und lveißen Gamaschen an den plumpen, kurzen Lackstieseln. Sogar von seinem Spazicrstock hatte er sich nicht trennen können. Er trug das spanische Rohr mit schwerem Goldkuops natürlich Biedermeier mit dem Hute in der Linken. Mit dem Zeigefinger der Rechten aber strich er jetzt gerade prüfend über den Gobelin der Wandbespannung.

Doch im nächsten Moment drehte er sich herum, als habe er Keßlers verwttnderten Blick gespürt. Ohne jede Befangenheit trat er auf den Hausherrn zu und nickte dann wieder zu dem Gobelin hin.

Doch echt Habs erst für Tapete gehalten aber nu seh ich: wirklich Gobelin, sogar französ'scher. Sehr scheen, sehr gediegen!"

Und den Kopf wiegend, ließ er jetzt seinen Blick über den ganzen, vornehm ausgestatteten Raum gleiten.

Und was steht sonst noch zu Diensten, Herr Larun?" Mit leiser Ironie und ein wenig herablassend fragte es Heinz Keßler.

Larltu wandte nun sein Gesicht dem Hausherrn zu, ein plump geschnittenes Gesicht, aber mit ein paar hochintelli- genteu schwarzen Augen, halb voll Gutherzigkeit, halb voll Verschlagenheit. Und dazu die hochgewölbten, beständig be­weglichen Nasenflügel in dem gelblichen Antlitz, überragt von einem blauschwarzen Haarschopf. Der Mann sah so einem Ausländer ähnlich. Er kokettierte auch gern tnit seiner ungarischen Abkunft. Larun Moritz schrieb er sich, niit Vorliebe. Böse Zungen freilich behaupteten, sein Stammbaum führe in das tiefste Galizien hinein.

Aber, lute dem auch war, die Intelligenz und den Er­folg konnte Moritz Larun keiner bestreiten. Er hatte das anfänglich jämmerlich verkrachte Palasttheatcr Unter den Linden hochgebracht. Jetzt war dort Abend für Abend ein ausverkanftes .Hans. Wochenlang vorher mußte man sich lvomöglich die Billette bestellen? Ten Fremden, der nach Berlin kam, führte gleich sein erster Ausgang unfehlbar insPalast". Kurzum er war schon ein Kerl, der kleine Woritz Larun, der wußte, was er loollte.

Das lvußte. t auch jetzt, als er mit seinem gutmütigsten Lächeln nun dein Hausherrn die Rechte hinstreckte.

Vor allem erst mal mein'n Glickivuusch, Verehrtcster. Das war ja neulich in Frankfurt an Erfolg! Was haaßt Erfolg? A Bombenerfolg! Vierzehn Hervorrufe bei offener! Szene a so was Hab' ich in mcin'm Leben noch nix gesehn."

So wären Sie also auch da?"

Rn na »ich werd' ich da sein, wo was kos is! Spaßj i Mer nu mal im Ernste. Ich halt' grad' zu tun in Frank­furt, in Geschäften. Und was les' ich an den Plakaffäule»? Erstes Debüt von Heinz Keßler im Intimen Theater, in» Blauen Blut". .Hab' ich mcr doch gleich gesagt: kannst du besser unterbringen deinen Abend? Und Hab' mcr an Sitz genoinmen in der Fremdenlosch'! So Hab' ich Se denn gesehn als Baron Egon. Also, no was soll ich Ihnen sagen? Es hat nier nich gereut. Glänzend Ivar'n Sei fabelhaft! Was haaßt fabelhaft? Erstklassig, wie a Gott haben Se gespielt!"

Keßler machte eine Bewegung der Abwehr.

Ru, Hab' ich nötig, Ihnen ikomplimente zu machen? Ich versteh' nebbich was vom Theater. Und dann Hab' ich doch gelesen am andern Morgen die Zaitungcn; zums Jriehstick, im Hotel Bristol!"

Ra ja " Heinz Keßler schlug die Beine übereinander« Und nun"

Und nu kommt de Hauptsache: eine Entdeckung Hab,' ich gemacht, wie ich Se so gesehn Hab' den Abend. Was! sag' ich: gesehn? Studiert Hab' ich Se!"

Eine Entdeckung an mir? Da bin ich neugierig!"

Kunststick! Rich neugierig tvcrd'n Se sein auf das, was ich Ihnen zu sagen Hab'! Also passen Se ans. Wie ich Se so gesehn Hab' in dem neien Stick von Wried übrigens Stick, auch keine schlechte Sache, dasBlaue Blut"! 'n gutes Stick, 'n saines Stick, 'n Kassenstick! Also, wie ich Se so gesehn Hab' als Baron Egon vornehm, elegant, tipp­topp vom Kopf bis zu de Jieß' schon de ganze Erschei­nung, das Exteriehr totschick wissen Se! und dabei so a lnisen Stich in der Karikatur das war also einfach a a nu, wie mecht' ich sag'n? a Typus! Und dal ts mir aus einmal a ganze Gasbelcickitung ansgegangen: in dem Mann steckt noch was drin, wovon er vielleicht! selber noch ka Idee hat! Aber so an alter Praktikus wie ich hat nu Blick für sowas!"

»Nun aber endlich man los, Dirckior I WaS denn bloß?"

Ich sag' Ihnen," Larun hob bedeutsam den Zeige­finger, und langsam bewegte er ihn auf Keßlers Brust zu, a Komiker steckt in Ihnen a Charakterkomiter!"

Komiker?" Keßler erstarrte im ersten Augenblick säst, dann lachte er laut auf.Sie sind verrückt, bester Larun

aber komplett verrückt!"

Wußt' ich, daß Se mcr ivürden sagen! War ich itoch auf ganz >vas anderes gefaßt. Und doch sag' ich Ihnen immer wieder a glänzender Komiker!"

Keßler machte nur eine ironische Bewegung zur Stirn, Wer Larun lächelte ihn überlegen an.

Ro, verstehn Se mich recht: natierlich ka Possen­reißer nein, a ganz a moderner Komiker! Und atz ganz aparter Schanre! Versciuert, vergeistigt, raffiniert, up do date wie alles heutzutage. A Klasse! Eben tnit der feudalen Rote, wie Se sie neilich Ihrem Baron Egon gegeben Hab'». Selbstverspottung bis hart an de Grenze der Karikatur und doch iviedcr imponierend ich soll so leben!

ivie Se's machen, so mit einem Blick durchs Monokel von oben runter! Also, .mit einem Wort: wie aus'm Simplizissimus erausgeschnitten. Leschehr, miede von der langen Ahueureihe, a bissel Exzentrik, a bissel degeneriert

aber immer rassig, vornehnt un' voll Witz. Voll Sar­kasmus und Selbstironic. Sehn Se das war' Ihr Schanre!"

Keßler schüttelte noch immer mit spöttischem Lächeln den Kops, aber er hatte voller Interesse dem zu ge hört, >vas Larun da entwickelte. Ter Direktor des Berliner Palast» thegters war ein gerissener Fachmann. Dafür war er in« Bau bekannt. Und so sagte denn Keßler nun:

Verrückt, aber ganz amüsant, was Sie sich da alles! znsammenphantasieren, lieber Larun. Doch wozu das alles? Denn wie ich Sic kenne, hat Sie nicht bloß ihr Knnstenthn- siasmus Hergetrieben, um mir was von mir vorzndekla» mieren!" (Fortsetzung folgt.) I