Ausgabe 
9.4.1914
 
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Von jebcrn,Klentel (21 Psd.) wolle n", das aus dem Lande verkauft ivurde, gebührt amWollen zoll" dem Herrn 16 Psg. Gießen hatte damals bedeutende Schafzucht; das Wollen- ioeberhandwcrk stand in Blüte, gab eS doch eine besondere Woll- tveberzunst. Von jedem Stück Bich, das durch Gießen außerhalb der Lande getrieben wird, lvird für den Herrn alsViehzull" erhoben von einem Ochfen und einer Kuh 2 Pfg., von einem kleinen Stück 1 Psg., von 25 Stück Schafe, Schweine 25 Pfg., von einem Pferd 2 Pfg., von einer Gans 1 Pfg. AlsW ege- gcld" wird von einem Lastwagen 4 Pfg., von einem Karren 2 Plg. entrichtet, dazu erhebt noch die Stadt von einem Wagen 8 Pfg., von einem Karren 4 Pfg.

Jeder jüdische Handelsmann, der durch die Stadt zog, mußte alsI iiddenzoll" 8 Pfg. unddreh worffel" zahlen. Jü­dische Handelsleute, die zur Fasten- und Herbstmesse nach Frank­furt reisten, erhielten von dem fürstlichen Hauptmann oder Rent­meister zu ihrer Sicherheit «inen Geleitfchein bis Bußbach ansgestellt, der dort erneuert werden mußte. Dafür war als I ü d de n g e lei d t g e l d" an den Landesherrn zu zahlen zwei thörnus (40 Psg.f, an den Schreiber 1 alb <8 Pfg.). Starb ein austvärtiger Jude in Gießen, so wurde er nachÄetzslar (Wetz­lar) zum bcgräbniß geführct und wenn eines Geleites begehret, so erhalt der Landesherr von einem alten Menschen 10 Heller, von einem Jungen ein Ort eines gülden".

' DerSeltzer", der Salzvcrwalter, der allein das Recht hatte, in der Stadt Salz zu verkaufen, mußte als S a l z z o l i von einem Wagen 2 Westen, von einem Karren 1 Mestc Salz geben, was aber durch den Rentmeister in Geld verrechnet werden konnte. Die Bürger der Stadt hatten das Recht, ihre Schweine in die herrschaftlichen Wälder zur Eichelmast zu treiben. Dafür wer­den von Bürgermeister und Rat anS ch w e in em a st g e l d" 8 fl. bezahlt.

Die F i s ch e r c i g c r e ch t s a m e iit dem Wasserso au der Stadt Gießen forvberläuft, die Loon (Lahn) gcnand", stand dem LandcShcrrn allein zu. Das Fitchereigchiet erstreckte sich von Launsback) bis audie Atzbacher Furth". Die Fischerei >vac für 49 fl. 1 ihornus 6 Pfg. (84 Mk. 26 Pfg.) verpachtet. Pächter tvareu der Hauptmaun Kasvec Schutzbar, genannt Milchling. Rent- mcistcr Kloß, 3 Gicßener Bürger und Kaspar Herr zu Dodcnhoven (T-udenhosen). Der Landesherr besaß in der Gleßcncr Gemarkung Aecker. Gärten und Wiese». Die Grundstücke waren an einzelne Bürger verpachtet und erbrachten einen jährlichen Zins von 120 fl. Das herrschaftliche Wiesenland umfaßte etwa 200 Morgen »nd zog sich vor dem Ncuweger Tor, Ostanlage, Stcinweg »ach dem Philofophenwald hin bis zu der Wiesecker Mühle. Tie Wiesen führten die Namen: Stockwiese, Metzgerwiese, Steinwcgwicse. Sen- scrlvieie, Knechtswiese, Hcrreuwiese, Schultheißcnwrese. An W a s - serstronigeld von einigen Mühlen vor der Stad! war 26 fl. zn zahlen, an G e b ä u d c st e n e r n von Häusern und Hosreiten 18 jl. 8 thornus 17 Pfg.

Lästig war für die Bewohner der Stadt und des Amtes Gießen der Frondienstzu dem Schloß zu Gießen". Waren an dein altcu imd neuen Schloß, an den hcrrschaftlick)en Scheuern, Fruchlbödcn bauliche Veränderungen nötig, so mußten die Unter­tanen umsonst Holz, Steine, Sand, Lehm ansahren.Darzu selbst sticken (stücken), Lehmen (Lehm) machen, Kleybcn (kleben, tünchen) vnnd alles lhuu, >vas im sahl eines Bavens man tun kann vnnd magk." Ein Zweispänner mit einem Wagen erhielt als Ersatz für Brot »nd Bier 8 Pfg., ein Einspänner 4 Psg.

Die Frondienste bestehen zn dieser Zeit noch in gleicher Weise wie in den Dorsschaften des Anites Gießen, weiter, während in der Stadt die Hörigkeilsabgabe, dasLeibhuhn", von keinem Be- wohner entrichtet wird. DieStadtlust machte frei". Hier galt das Rcchtssprichwort:Keine Heime stiegt über die Stadtmauer hinaus": die Hörigkeitspslicht hört ans, selbst für diejenigen, die als ehenialige .Hörige aut dem Lande nach der Stadt ziehen.

vottLdräuchr am Griindonn rstag.

In den alten Volksbränchen dieses Tages wird ost der Person des Judas Jscharioth gedacht, der den Herrn verraten hat. Des­halb heißt auch heute der Gründonnerstag da und dort noch Judas­tag. Auch das Jndasverbrennen. daS in verschiedenen Gegenden noch zn beobachten ist, erinnert an den Verräter deS Heilandes. Es besteht darin, daß eine Puppe aus Stroh oder Lumpen im Dorfe hin- und hergetragcn wird, die überall mit Schelten, Püsscn, Schlagen und Steinwürfen empfangen und schließlich auf freiem Felde verbrannt wird. In manchen Gegenden wird die Judaspuppc auch gesteinigt. Das Steinwerfen aus die an einen Pfahl oder Baum gehängte Puppe dauert so lange, bis der letzte Fetzen herunter ist. Vereinzelt konimt es auch vor, daß sich Männer als Judas Jscharioth herausputzc» und so am Gründonnerstag von HauS zu Haus gehen. Aus die Nachricht, daß der Judas im Torte umgehe, stürzen Männer, Frauen uut> Kinder aus den Gehöften und nun beginnt das Judastreiben. Dabei fallen viele Scheltworte und noch mehr Püffe und Schläge ab. Das macht freilich nicht viel aus: denn der Judas hat sich vorgesehen und ist mit einer sehr dicken Umhüllung erschienen. In Böhmen und Tirol meebe» am

Gründonnerstag Judasfcner angesteckt, die dazu nötigen Feuerung»» Materialien Judasholz und Judaskohlen sind vorher von den Knaben bei den Bauersfrauen eingesammelt worden. Sicherlich soll durch diese Judasfeuer das Verbrennen des Judas Jscharioth spmbolisiert werde». Noch andere Bräuche sind am Gründonners­tag üblich. So werden in einigen Landesteilen Oesterreichs Umzüge von Männern, Frauen und Kindern veranstaltet, wobei die llm< herziehcnden religiöse Lieder, vor allen, Osterlieder, singen. Als Lohn erhalten sie Wein und Brot. In Böhmen und in de» Grenz- gegendcn lyiit Sachsen ziehen nur Knaben umher. Sie Meißen Gründorstche-Junge und singen ebenfalls Lieder: verlangen aber auch ein Geschenk. Ties tun sie mit dem Spruch:

Hent komm ich zum Gründonnerstag,

Ist er nicht grün, ist er rot,

Gebt mir ein hausbacken Brot.

.Bekommen sic einmal von einer allzu sparsamen Hausfrau nichts, so singen sie wohl auch noch einen Spoltvers über den Geiz der Hausbewohner. _

vermischte».

Der a u s dem Rücken liegende Mond. Es gibt

einen weit verbreiteten Volksglauben, nach dem deraus dem Rücken liegende Mond" schlechtes Wetter verkündet. Was hat cs damit für eine Bewandtnis? Was ist überhaupt der aus dem Rücken liegende Mond? Der Mondliegt aut dem Rücken", wenn er im ersten Viertel so am Himniel steht, daß der gewölbte Rücken nach der Erde zu zeigt. Es ist dies eine Stellung, die regelmäßig wiederkehlt, deun die Stellungen, die Mond, Erde und Sonne einnehinen, gehorchen bestimmte», wenn auch nicht ganz einfachen Gesetzen. Wenn der Mond aut dem Rücke» liegt, steht die Sonne selbstverständlich unler dem Horizonte, und ihren Ort kann man immer von der unvollkommenen Mondscheibe aus dadurch finden, daß man aus einer gedachten Verbindungslinie zwischen den beiden Hörnerspitzen die Mittelsenkrechte nach der Seite des Mondrandes zu gezogen denkt. Die Beobachtung des Wetters zeigt nun, daß der Volksglaube, der aus dem Mond, der aut dem Rücken liegt, eine Voraussage schlechten Wetters lterans- liest, sehr häufig recht behält, so war es z. B. jüngst, als zue Zeit der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche der Mond ans dem Rücken lag. Zu dieser Zeit hat er immer dieie Lage, und es ist. bekairnt, daß zu dieser Zeit häufig heftige Frühjahrsstürme tobe». Allein ein Zusammenhang zwischen dem Mond und dem Unwetter dieser Frühjahrszcit ist nicht vorhanden. Wer aus der südlichen H.ilb- kugel wohnt, sieht natürlich den Mond umgekehrt, jür ihn liegt er aus dem Bauche, und der Mo.rd müßte dann gleichzeitig für die Bewohner der nördlick-eu Halbkugel schleck,!es Wetter weissagen und für die der südlichen gutes, denn der Wetteraberglaube voin Monde, der auf dem Bauche liegt, ist das Teitcnstück zu ocm vovl Monde, der auf dem Rücken liegt. Zurzeit der Herbst-Tag- und Nachtgleich? sind die Verhältnisse umgekehrt Der Neumond fliegt für die nördliche Halbkugel aus dem Bauche, aber die Stürme und Unwetter, die zur Zeit der Herbst-Tag- und Nachtgleiche auf- treten, sind wohl ebenso häufig, wie die des Frühlings.

* Gute Aussichten. Tom: ^.Hcute sah ich das Mäd­chen, das ich heiraten will. Ich stand hinter ihr am Billettschaltcr, und sie brauchte drei Minuten, um ein 10-Pfg.-Billett für die Hochbahn zu lösen." Alice:Und d.shalb möchtest Du sie hei­raten?" Toni:Ja. ich habe es mir genau ausgerechnet, in die­sem Tempo könnte sie nie mein Einkominen ausgeben."

liönigspromenade.

Man darl die einzelne» Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß inan »ne deellönig ans dein Schach­brett siel? von einem Feld ans ans ei» benachbartes übergebt.

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ächstcr Nummer-

Auslösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: Weiu. Schwarz.

1 . T c 6 g 6 K f 4 k ».

2. Sf 3 h 4Kf 5 f4.

3. e2 e3f »nd Malt.

Redallia» : K. N « urath. Rotationsdruck und Nerlaa der Brühl'Ichcn Universitäts-Buch- imd Stcindruckerei. N. Lange, Gießen.