Lkkizierstöchter.
Roma» von Paul Grabet».
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Seit jener Stunde «var zwischen Gerda und Heinz nichts »nehr iiUcr seine Aukunftsptäne gesprochen. Sie wußte ja nicht, ivelches seiner Projekte er verlvirklichen «vürde, und schloß ans seinem Schweigen nur, daß wohl noch keines zum Abschluß gekommen war. Es drängte ja auch nicht so. Dciiiz Keßler hatte einiges Privatvermögen hinter sich, has ihin ein Abwarten schon erlaubte. .
Inzwischen niachten sie auch ihre Besuche bei «Gerdas alten Bekannten. Wenn Heinz freilich auch keine igroße Neigung zu einen« solchen Berkehr empfand, so zwang doch die geselllchaftliche Form z>« diesen Visiten. Gerda '»«achte «««dessen den Weg z«t den alten Bekannten uird Freunden setzt nur schweren Herzens. Mcht allein, daß sie «mißte, wie Uilgeri« ihr Manu sie dabei begleitete, nein, auch das andere kam nun noch hinzu: auch ihre Freunde wußten ja von Heinzens Affäre, die Stadtgespräch gewesen war. Aber wie würden sie darüber denke»?
Wie Gerda Keßler so diesen Weg ging, da empfand sie «ui» erstenmal drückend und schwer: es war nicht niehr >v«e früher Es trennte sie etwas von ihren alten Bekannten, von ihren« alten Lebenskreise — sic gehörte rjut Grunde »licht mehr zu diesen Menschen, die sie gewöhnt war, als ihresgleichen auznsehen, so lange sic denken konnte.
Genuß, man nahm sie überall sehr freundlich .auf, auch ihren Mann. Sie «vurden allenthalben augeuomnieu, mail äußerte seine Freude, sie «oiederzusehen nun auch als junge Frau. Aber trotz allem!
So bei Lölveckes. Man sprach von diesem «und von jenem, dabei äußerte der Hanptinaun etwas von Heinzens nächsten« Auftreten. Gerda stutzte — ja, wußten Löweckes den» wirklich noch nichts —? Ihr Mann überhörte absichtlich die. Frage, der Hauptmauu schien zu verstehen, glitt zu einem anderen Thema hinüber, glatt, unauffällig, freundlich «,nk> verbindlich — und trotzden« fühlte Gerda alsbald den geheinien Druck, die Unsicherheit diesen Menschen gegenüber, denen sie sich bisher so rückhaltlos gegeben hatte. Wenn sie wüßte», auch das noch, was nun weiter kommen loürde «ult Heinz! Ihre gerade, ehrliche Natur litt schwer unter diesem Verheimlichen.
So brach Gerda den Besuch eher ab,.als cs bei so guten Bekannten nötig gewesen «väre.
Dann bei Buugardts ging es ihr nicht andcrs.
Der jetzige Direktor im Autollub, ein feiner Weltmann von verbindlichsten Formen, behandelte ihren Mann «me sie selber zivar aufs zuvorkomineudstc, und vermied es taktvoll, überhaupt von Heinzens Beruf zu sprechen. Aber gerade das enipfaud Gerda tvieder fast verletzend. «Als ob
ihr Mann einen Beruf ausübte, über den man in ihren Kreisen schonenderweise lieber nicht spräche. Sie sagte es sich zwar im nächsten Augenblick wieder selbst: das war ja wohl nur Ueberreiztheit bei ihr, ein ungerechtfertigtes Mißtrauen. Ihre Unbefangenheit war nun einmal dahin, auch hier. Und «vie sie dann mit Heinz, beide schweigeich, die Treppen «viedcr hinutergiiig, da fiel ihr erst ein: Bungardts hatten bei aller Liebenswürdigkeit überhaupt nichts von den» Wunsche eines Wiedersehens verlauten lassen. Bei diesen sicheren, «veltgelvandten Menschen zweifellos kein bloßes Uebersehcn. Nein —- entschieden vollste, bewußte Absicht. Sie würden ihren 'Gegenbesuch machen, selbstverständlich^ aber damit würden ihre Beziehungen eben auch ein Ende haben. (
Gerda fühlte im Hinabsteigen, wie ihr das Blut heiß in die Schläfe trat. Nun auch das noch! Und sie hatte es schon vorhin bei Lölveckes peinlich genug empfunden, wie bloß die Frau des Hauptmaniies ihr beiin Abschied gesagt hatte, nur so halblaut eiu btßcheu abseits, mit einiger Verlegenheit:
„Und wir werden uns recht bald einmal sehen, kleine Frau? Machen Sie mir doch etninal eine Freude, nachmittags zum Tee!" r
Von ihrein Manne kein Wort.
Gerda Keßler fühlte einen dnmpsen Druck im iKops, als sie aus dem Hause trat und «nit ^einz wieder ins Auto stieg. So mutlos «vnr sie geworden, so gebrochen in ihre«» Stolz. Das ihr, der Tochter des Oberstleutnants Pon Henning, der bisher all diese Leute mit leinen« gewissen Respekt begegnet waren. Ja, gehörte sie denn «virktich nicht mehr zu jenen? War «virktich denn eingetreten, wovor sie der Vater so ernst gewarnt: hatte sie ihre bevorzugte Kaste verloren mit ihrer Heirat? Deklassiert — auch sie selber?
„Wollen w>ir es nicht heut lieber genug sein lasse», Heinz?"
Unverloandt wandte sie sich so im Fahren «an ihre» Mann, der schlveigend neben ihr saß und ins Straßengewühk blickte, niit einem leisen sarkastischen Zug um die Mnnd- winkel. Auch er mochte im stillen seine Betrachtungen anstellen über diese Vi)ttenfahrt. Nun sah er ans sie nieder «nit einer gewissen Genngtniiiig im Blick und entgegnete:
„Warum? Wenn es schvi« einmal sein muß, dann lieber das ganze Vergnügen.auf einmal!"
Da nickte sie müde.
Sie hatten „GKiiif", wie Heinz «roiiisch sagte) sie ve>> selstte» die beiden anderen Familien, bei denen «ic nock« Vorfuhre». Nur Heßfurths trafen sie noch an, Uno der Ober-, leutnant wie seine junge Fra», die erst in Gerdas Alter stand, ivaren sogar ganz reizend zu ihnen beiden. Emme- rich von Heßfurth, eine frische, sehr lebhafte Natur, sprach ganz »»geniert von Heinzens Konflikt mit seinem Direktor und meinte:
„Wissen Sie, Herr Keßler, mich frent's immer, lueim einer so feste um sich haut! Wenn man selber im Dienfz


