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Er hatte ihre Hände erregt von sich gestoßen, und seine Rügen flammten sie an. Sie eriv-ioerte nichts, unterließ selbst das leise Neige» des Hauptes. In dem Zustand überschritt er ja zu leicht die Grenzen
Ec brach trotzdeni weiter los, bitteren Hohn in der Stimme: „Ja, das könnt' euch passen! Das haben sie nur ja auch zugemutet, die hochmögenden Herren vom Bühnenverein, voran der Herr Intendant. Aber ich habe sie meine Antwort wissen lassen. Und ich sag's hier auch dir noch einmal: lieber wollt' ich sonst was tun, lieber allabendlich im Kabinett meine Mätzchen machen — als das!"
Und seine Augen blitzten sie fast feindselig an.
Aus Gerdas Wangen war die Farbe gewichen. So stand sie vor ihm. Und nun endlich eine Regung:
„Verzeih, daß ich dir etwas zumutete, das dir so unmöglich ist. Es wird nie wieder geschehen. Tu also nur, was du für richtig halst."
Sie sagte es ruhig. Aber ihr Blick glitt an ihm vorbei. Sv ging sie, ihm voraus, ins Eßzimmer hinüber.
•> (Fortsetzung folgt.)
Die vellchenprinzejsin.
Ein Märchen von Otto Neurath.
In einem märchensrohen, sonnenwarmen Lande lebte einst ein guter, treuherziger König. Sein Marmorschloß grüßte von einem hohen, rebenunirankten Berge weit hinaus in fruchtbare Täler, wo ans breiten Flüssen stattliche Scgelschisse dahinzogen und große, wohlgenährte Herde» friedlich grasten. Ueberall herrschte Fülle und Zusriedrnhcil, denn der König >var mildtätig und sorgte für die Armen seines Reiches so tresflich, daß sie niemals Not empfanden.
Und doch lag ein harter Druck aus dem ganzen Lande, der keine Freude und Lust hochkommen ließ. Schuld daran war ein alter Zauberer, der den, Fürsten übel gesinnt war, weil er ihn einen Frevler und Teufelsdiener genannt hatte. Hafis, so hieß nämlich der böse Alte, hatte ihm bittere Rache geschworen und deshalb fürchtete jedermann, er könne eines Tages an dem König oder seinem Töchtcrlein den Schwur ivahrmachen.
Und ihre Angst war nicht unbegründet, denn der Zauberer trachtete dem Kinde nach dem Leben und nur durch eine gütige Fee, die dem lieben Prinzeßchen wohlgesinnt war, kam noch alles zu einem guten Ende.
Und das ging so.
Als des Königs Blondkövichen einmal allein am Goldfisch- Weiher saß und den munterflofstgen Glitzerstschchen Brotkrumen zuwarf, näherte sich ihm HasiS, der die Gestalt einer Schlange angenommen hatte, um eS durch/eincn Biß zu vergiften. Ehe er jedoch nahe genug heranaekomnien war, schlvcbte in der säuselnden Lust ein niunterer Falter daher, der so wundervoll glänzte, als sei er auS Gold, Purpur und Edelsteinen zusammcngefügt tvorden. Jauchzend sprang das Mädchen aus und eilte so lange hinter ihm her, bis er in einem tiefen, dunklen Wald plötzlich in der Ltist verschwand. Ehe das Kind sich richtig besinnen konnte, wo es sei, trat ihm eine wunderschöne Frau entgegen, die mit ihren großen, braunen Augen das Prinzeßchen liebevoll anschaute. „Fürchte dich nicht, ich bin der Schmetterling, der dich hierher kührte. Nur uni dich vor Hafis zu schützen, brachte ich dich in diesen Wald. Hier hat sein Zauber keine Macht."
Tann rief sie leise einige Worte, und sofort fuhr ein reizender Wagen vor, der von Tannenzapfen gemacht war und von sechs weihen Rehen gezogen tvurde. Tie Fee setzte sich mit der erstaunten Kleinen auf die Moospolster des schmucken Gefährts und wie der Wind ging es durch den Wald dahin. Die Fahrt dauerte so lange, daß Blondköpschen einschlief, trotz der Angst, die sein kleines Herzchen schüttelte. Als es erwachte, log es in einem Garten, in dem es blühte und duftete von Blumen aller Arten und Länder.
„Sieh, hier die Blumen," sprach die gute Frau sanft, „sind alle Menschen, die ich vor der Wut des schlimmen Hafis rettete. Du bist bas letzte Menschenkind, das ich in den Garten aufnehme. Auch du tvirst dich in eine Pflanze verwandeln und wer dich pflückt, wird dich und alle anderen Seelen befreie». Nur so kann ich euch vor dem gewaltigen Zauber bewahren. Alle Jünglinge aber, denn nur solche können euch befreien, die a» anderen Blumen Wohlgefallen finden, müssen so lange bei mir bleiben und mir als Vögelein dienen, bis sie, durch dich, mit den anderen Blumen erlöst werden. Und damit dich kein Unwürdiger sindet, will ich dich in ein Veilchen verwandeln."
Lächelnd legte sie ihm die Hand stuf die blonden Locken und VMrmelte: „Als Veilchen blau
Blüh still im Tau , Der Sonne zugewendct
Bis dich entdeckt,
Im Laub versteckt.
Ein Retter, gottgcsendet.
Gelöst sei dann Der harte Bann Und alles Leid beendet."--
Nun blühte das Prinzeßchen also als keines Blümelein zwischen großen stolzen Blumen, und nur, wenn es sich reckte, konnte es ein kleines Stückchen Himmel sehen.
Ehe die Fee tvieder fortfuhr, sprach sie mit einem bunten, flinken Vögelein, das dann augenblicklich zum Schlosse des Königs flog und so lange am Fenster pickte, bis man ihm aufmachle. Der Fürst saß weinend in feincnr Stuhl und >var nicht wenig erschrocken, als der kleine Bursche, der sich ihm keck aus die Hand gesetzt hatte, munter zu plaudern ansing:
„Hbrr König, im Namen meiner gnädigen Gebieterin tue ich euch hierdurch kund und zu wissen, daß Euer Gnaden Töchtcrleiit am Leben und bei völliger Gesundheit ist. Um das Prinzeßlein jedoch vor Hafis, dem Grausamen, zu schützen, sah sich meine Herrin genötigt, es in eine Blume zu verwandeln. Ä'er die Kleine retten will, muß ein Jüngling sein und von hier aus immer nach Osten reiten, bis er in einen großen, prächtigen Garten gelangt. Pflückt er dort die richtige Blume, so ist eure Tochter frei."
Nach diesen Worten flog er schnell durchs Fenster davon, denn mehr durste er nicht sagen.
Der König war froh, daß seine Tochter wenigstens noch lebte und ließ in seinem ganzen Lande die Botschaft des Vogels verkünden. Er selbst fügte noch hinzu, daß er dem Befreier seines Kindes, sei es wer er sei, zum Schwiegersohn und Nachfolger machen wolle.
Natürlich glaichte nun jeder schlau genug zu sein, uni das rechte Blümlein zu finden, die meisten aber fanden noch nicht einmal den Weg. Erst nach fünf Jahren kam der erste zu dem Ort, mit den Menschenbiumen. Er war bei dem Aussuchen der Pflanzen sehr vorsichtig, ging in den ganzen Garten umher und sprach vor sich hin:
„Vor Rosen hüte dich,
Sie stechen dich!"
„Löwenzahn
Rühr nicht dran!"
„Flieder
Ist mir zuwider."
So hatte er für jede Blüte eine kurze Bemerkung. Als er schließlich zum Veilchen kam, murmelte er:
„Veilchen, Veilchen,
Wart noch ein Weilchen,
Tu bist mir zu schlicht, i Dich mag ich nicht!"
Das Veilchen weinte still für sich hin, aber er merkte cs nicht, denn er bückte sich gerade, um eine Nelke zu pflücken. In demselben Augenblick aber verwandelte er sich in einen Vogel.
Nach eineni Jahr ungefähr betrat der zweite Jüngling den Garten. Es war ein stolzer übermütiger Prinz, der sich für den kliig- sten und besten Menschen hielt. Er band sein Pferd, das einen Purpursattel und goldene Zügel hatte, an einen Baum und ging geradcswegs auf eine herrliche Rose zu, die in der Mitte des Gartens blühte. Sie war so zart, als se, sie aus Sonnenstrahlen ge- tvoben, und ihr Dust war so berauschend, als seien alle Äohlge- rüche des Ostens in ihr vereinigt worden.
Rasch schritt er näher und in der Eile hätte er fast das Veilchen zertreten. Kaum hatte er jedoch die Rose berührt, als auch er sich in einen Vogel verwaichelte.
So ging es zehn Jahre lang. Mancher sand wohl den Garten, aber keiner wählte das Veilchen. — Eines Tages kam nun ein junger, müder Soldat des Weges daher, sab all die herrlichen Blüten und freute sich der Pracht. Das Veilchen betrachtete den schmucken Krieger mit stiller Freude, und als er sich dicht bei ihm hinstreckte, klopfte sein Herzchen, daß die Staubfäden zitierten.
Ter Jüngling aber schob die Arme unter den Kopf und schlief friedlich ein. Er war nicht aus des Königs Land und so wußte er auch nicht, daß er sich hier eine Prinzessin erringen konnte. Sonst hätte er wohl nicht so ruhig dagelegeu und geschlafen.
Die Sonne strayne vom Himniel herab und küßte mtt ihren goldenen Strahlen dos kleine Veilchen. Schüchtern hob es das blaue Köpfchen und hätte fast das Gesicht des Soldaten berührt, wenn es nicht noch rasch beiseite gewichen wäre.
Neugierig betrachtete es den Schläser und seufzte tief aus. Seine Seufzer aber waren süßer, berauschender Dust. Ter gab dem Soldaten einen seltsamen Traum.
Er sah alle Blumen auf sich zukommen und über den Eindringling schellen. Nur ein liebliches Veilchen ttal für ihn ein und bat, ihm kein Leid anzutun. Aber eine Rose fuhr es schroff an und verbat sich seine Reden.
„Wenn die Königin unter euch iveilt," sagte sie, „hat ein albernes Weib aus dem Volke wie du zu schweigen." Da blickte das Blümlein betrübt zu Boden. Als die übermütigen Blumen aber ihre scharfen Gerüche ausströmen ließen, um ihn zu töten, umgab es ihn mit seinem treuen Duft so dicht, daß die giftigen Dämpfe nicht durchdringcn konnten.
Als er erwachte, siel sein erster Blick auf das vor ihni blühende Weilchen, und er wußte nun auch, lvarum er von der blaueii! Blume geträumt hatte. Er wollte sich das Blümchen zum Andenken abpflücken, aber statt des Veilchens hatte er plötzlich ein Mädchen in leinen Armen, und um ihn herum tanzten viele hundert Jungfrauen und sangen. Die befreite Prinzessin aber


