Ausgabe 
6.4.1914
 
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Vkkizirrstöchtrr.

Ronian von PaulGrabein.

(Nachdruck verboten.)

- (Fortsetzung.)

Das schoß Gerda jetzt durch de» Kopf, und eine Angst packte siel nun würde sie das auch bei Heinz nicht wieder loswerden. Immer wieder, vielleicht gerade in Momenten, wenn er sich ihr lieb und zärtlich näher» wollte, wurde ihr dies Erinnern kommen, tvürde sic ihn so sehen!

Ihr Mann hatte sich inzwischen seine Erregung her- untergcredet. Nun ivendete er sich seiner Fra» zu Er ge­wahrte noch, tvie sie mit großen Angen ans ihn sah. Da, kam er heran.Ra, nur nicht so bange, Beb6! Ich sage dir ja ^ ick, brauch« nur die Hand auszustrecken, da Hab' ich ein anderes Engagement. Also komm, hübsch hoch tviedcr das Köpfchen!"

Er sprach jetzt wieder in ganz natürlichem Ton und sehr lieb. Aber als er nun nach ihre,» Kinn greifen wollte, da entzog sie sich ihm und fragte nur,

Hast du denn schon eine Idee, tvas du annehmen willst?" i

Wein, allerdings noch nichts Bestimmtes> aber ich habe ja früher so viel Anfragen erhalte» ich muß mir das mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen.

Ein paar Tage gingen dann hin. Heinz Keßler tvar bei diesem und jenem Direktor gewesen, aber die Sache ivar nicht recht vom Fleck gekommen. Ein paarmal hatte er die Herren verfehlt, oder aber man konnte ihm noch nichts Bestimmtes sagen. ,

Im stillen hatte er freilich ein dunkles Empfinden: man wollte nur nicht. Es war, als ob er überall, tvohin er trat, auf eine unsichtbare Mauer stieß, die vor ihm zurückwich, ihn aber nicht dnrchließ.

Er verheimlichte diesen Gedanken zwar vor seiner Iran, aber er besckstiftigte ihn doch sehr, machte ihn reizbar und launisch.

Die Stiminnng in der jungen Ehe war so nicht rosig. So sand auch Astrid, als sie eines Tages zu der Schwester kam. diese recht ernst vor. Sie schwankte daher eine Weile, aber schließlich kam sie doch mit der Sprache heraus. Mein Gott, die Sache stand ja mich heute morgen in allen Zeitungen, ivas sollte inan da Bersteckenspielen voreinander? Und so sagte sie den» plötzlich: '

Aber es ist eigentlich höchst fatal für deinen Mann jetzt diese neueste Geschichte. Was will er denn nun bloß «»fangen?"

Was für eine Geschichte denn nun wieder?" Und Gerda erschrak. i

Ja. weißt du denn etwa noch gar nichts davon? Es stand ja heute morgen schon in der Zeitung?"

Ich hal>e ja das Blatt heute noch gar nicht zur Hand genommen. Was ist denn nur passiert?"

O

fAch. nichts weiter, reg' dich nur nicht so auf, bloß- aber, da! Lies doch selbst."

Und Astrid holte aus ihrer Ledertasche ein zusammen­gefaltetes Zeitungsblatt, das sie nun der Schwester reichte:

Da las denn Gerda,

Die Ohrfeigenasfüre des temperamentvollen Künstlers, von der wir unseren Lesern vor einigen Tagen berichteten^ hat nun für diese» doch eine fatale Wendung genommen. Der Borstand des deutsch-österreichischen Bühnenvereins hat sich jetzt mit der leidigen Affäre beschäftigt, und durch seinen Beschluß ist Herr Heinz Keßler von jedem Engagement an allen Bühnen des Vereins für die Dauer von fünf Jahren ausgeschlossen worden. Man wird diese an sich ja vielleicht verständliche Maßnahme ini Interesse der Kunst freilich nur höchst bedauern können, und auch das Publikum Berlins wird einen seiner bevorzugtesten Lieblinge fortab nur sehr ungern vermissen."

Aber, mein Gottund Gerdas Hand, die das Blatt hielt, erzitterte.Was soll denn mm mit Heinz werden?"

Ja, daS ist's ja gerade, was ich dich fragen wollte. Ich hatte ja keine Ahnung, daß du noch so gar nichts wußtest. Sei mir nur nicht bös, Gerda."

Und Astrid schmiegte sich an die Schwester.

Gerda stand und atmete schwer, mit gepreßter Brust, Dann strich sie sich über die Stirn.

Fa, was nun?"

*

Heinz Keßler kam erst nach Haus, als Astrid schon nüeder gegangen war. Ziemlich verspätet, wie jetzt häufiger. Er pflegte früher immer pünktlich zu sein. Aber jetzt, wo er ohne Tätigkeit war, hatte er sich in einer Weinstube an einen Stammtisch hingewöhnt, wo Kollegen von ihm verkehrten, meist Junggesellen Dort verstand inan ihn, feierte ihn wegen seiner Schneidigkcit. Daß doch endlich mal einer es so 'nein Kerl von Direktor gesteckt hatte! Aber ordentlich!

Das tat ihm Ivohl, schmeichelte ihm. Und er hatte eine offene Hand. En revanche ließ er manch verstaubte Flasche ausfahren. Beim blumigen, alten Rheinwein mürben dann große Worte geioechselt. Sokam's, daß er sich manchmal über seine Zeit hinaus scstsctzte. llnd so war's auch heute gewesen.

Tausendmal Pardon, Frauchen, daß ich dich warten ließ. Na, will's wenigstens versuchen, es wieder ein bißchen gntzumachen. Hier, siehst du!" und er reichte ihr einen Strauß kostbarer Iris, die er eben, vom Auto aus, gekauft hatte.Krieg' ich nun auch Generalpardon?"

Und er beugte sich zu ihr, die noch im Sessel saß, herab. Aber als ihr der Dust des schiveren Weines aus seinem Wunde entgcgenschlug, drehte sie das Gesicht zur Seite, daj er nur ihre Wange berührte.

Aha - also doch nicht so ganz gnädig!" lachte er uni wollte sie nach seiner Art einfach an sich ziehen. Ta entwand sie sich ihrn und sagte,

Ich danke dir vielmals, Heinz, für diene Blumen. Denk' auch nicht etiva, daß ich schmolle lvege» deines Zuspät-