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lro friit Sinke bis zw» CTnf'ro 1851 n(-$ geschickter Holzschnitzer tlitia war, würbe er n»i 26. Mai ! b 111 geboren. VH cs sii»i> Taiit er mit dein Pater, der sich zur Auswanderung entschlossen, nach Nordmnerita und als achtjähriger Knabe nach England, wo er den grössten Teil keines Lebens verbracht hat, nicht ohne der alten .Heimat in warmer Liebe z» gedenken.

,.Schlafe! Was willst du. inehrV" lautet der Kehrreim im Nachtgesang" deS Weiten von Weimar. Run schtäst auck> der grokie Künstler ... Er ist nach langer Arbeit, nach vielen Mühen, nach Schicksalstückeu schmerz- und wtinschkos getvorden was könnte dem Menschen besseres beschieden sein, zumal, wenn er mit seinen Werken unvergessen bleibt'? Grund zur Klage haben die Lebenden, den» der Verblichene war der Kunst ein Liebling, durch den sie ihren klärenden Schein in das bancul- sische Getriebe des Tages und die beende am Schönen sandte.

Bor hertomcrs Bildern sammelten sich» in den Ausstel- Inngen die Menschen, um eine Weile im Kaubergarie» zu schwel- gen und d>inn mit »nvergetzlichen Eindrücken hinivegzugehen. Kein Leugnen, kein Vlbschtvächcn Hilst gegen die Tatsache, dal; sein Bildnis der Mist Kate Grant ans der Berliner Jubiläums­ausstellung des Jahres 1686 geradezu wie eine Osscnbarnng lvirkte. Dieselbe VAacht üble seineDame in Schwarz" aus der Internationalen Vlusstellung in München 1888. .Kunst und Natur, innig gesellt, brachten mit ihrer Harmonie all das leeret Gerede von Naturalismus, Realismus und Idealismus zum Schweige». Es strömte von den, Porträt der Mi» Grant, von dieser weihgekleidcten Mädchwngcstalt, die sich als die verkör- hcrtc Jngendschönhcit im hellsten Sonnenschein vom Hellen .Hin­tergründe abhob und mit ihren groben Augen mildernst in die Welt schaute, die lauterste Poesie ans. Ein keusches, tvarmes Leben, ausgedrückt mit den .einfachsteil Mitteln, sprach feierlich von hohem und Schönem und löste ans

WaS von Menschen nicht getvustl Oder nicht bedacht.

Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht.

Und noch lieser, noch scelcnvollcr lvirkte das Porträt der Dame in Schtoarz, einer gereiften Fraiicuschönheit, anl deren Zügen ein leichter hauch melancholischer Resignation ruht. Nichts Gejuchtes und Gctvolltes in beiden Bildnisse» jedes ist unge­zwungen, iiatürlich und frei von allen Schwierigkeiten der Dar­stellung. Ehronische Tadler nahnien Austost au de» langen reh­braunen Handschuhen der Dargestcllte» und licstc» dnrchblicken, daki der Künstler nicht fähig sei, schöne Hände und Arme zu malen. 'Aber wie töricht biefrr Vorwurf! Die handsclstthe siud ästltetisch gercchtscrligt, notwendig zum modernen Kostüm, charak terislisch für modernes gesellschaitlichcs Leben und sind hier in einer Stzeise gemalt, dast die Siorstcllnng sich nur seine, edel- gesorinlc und durchgeistigte Hände unter dem schwedischen Leder denken lann.

Jt> ausgezcichnelen Radierungen hat herkomcr beide Bild­nisse vervielsältigt. Aber »sie meisterlich er auch mit Nadel und Vletzwafser zu arbeiten wustte, den höchsten Reiz atmen doch nur die farbigen Originale. Wer diese nicht gesehen hat, ist des vollen Zaubers verlustig gegangen und vermag ein wirllich zntresfendes Urteil über sie ans 'Grund der schwarz-weisten Wie­dergabe nicht zu sötten

herkomer ist derLenbach Englands" genannt tvorden. Und mit Recht. Ten» der Schwervunki seines künstlerische» Schaffens Ing in der Bildnisnialer i, und gleich Lenbach tvar er ein Seclen- maler, der die passiv rezeptive Natur des Weibes ebenso scharf wie die Energie und Deiikkrast des Mannes zu erfassen und aus- znprügcn verstand. Er hat Richard Wagner, Browning, Teuuy- son, Archibatd Forbes, Slanlev, den Berliner Bcchstein, Salis- buro, den Orientalisten Mar Müller, den Maler G. I. Watts, den Prinzregente» Luitpold von Bayern, den heilsariucegcneral Booth und viele andere bedeutende Männer gemalt und mit wenigen Vlusnahincn ihr individuelles Leben uitd ihre besondere geistige Art zum vollkommensten Vlusdrnck gebracht. Sein Slan- leh ist ganz eiserne Willcnskrast, und fein Tennyson ganz der nach höheren Sphären strebende Dichter. Dazu Gruppenbilder, wie die Kuratoren im Charterhousc und die Magistratssihnng in Landsbrrg am Lech, die ebenso >oie Knaus Gcmeinderatssitzung der haucnstciner Bauern den besten Leistungen niederländischer Kunst aus den Tagen des hals, Rcinbrandt und van der helft nicht sernstchen.

Bereits zu Vlnsang der achtziger Jahre hatte herkomer als Bildnismaler solchen Ruf erlangt, das; in d"n Salons von seinen Leistungen mit derselben Anerkennung wie von denen eines Mil­lais, Lcighlon und Frank holl gesprochen wurde'. Sich von ihni malen zu lassen, gehörte bei den Damen von Distinktion geradezu zum guten Ton. Ohne Bedenken wurden für ein Porträt mehr als fünftausend Guineen gezahlt, denn von dem anerkannte» Meister gemalt zu sein, gab die Anwartschaft, Mittelpunkt des allgemeinen Interesses und der Bewunderung zu tverden und sogar der Un­sterblichkeit nahe zu kommen. Ja, der Scherz ging um, das; Gatten und Väter gegen das öffentliche Ausstellen der sensatio­nellen Bildnisse ihrer Gattinnen und Töchter wegen des leidigen Geredes Protest erhoben und gedroht hätten, gegebenenfalls genau so zu handeln wir t»er ehremoerte Dr. Mackay, der das von Meissonier gemalte Porträt seiner Gattin in erhabenem Zorn

einfach in den Ofen geivorsen habe, weil ihm da? ewige Gerede über Mrs. Mackay unerträglich geworden sei.

Neben dem Porträtieren pflegte Herkomcr das Genre in höherem Sinne und die Landschask. Auf diesen Gebieten hat er sich auch nach kurzem Besuche der Kunstschulen i» Southampton und Southkenisington und der 'Akademie in München, wo ihn der historieumaler Michael Echter kräftig förderte, die ersten Sporen verdient. Vlls >'r sich 1868 in dein englische» Dorf hythc nieder- liest und ztvfi Bilder malte, die er im folgenden Jahr in der Dnd- ley-Galerie zu London ansstellte, ivaren seine Verhältnisse der dürf­tigsten 'Art Dann kam der Ansschivnng: die Bilder gefielen, er siedelte nach London über, zeichnete durch Schärfe und Wahrheit ausgezeichnete Illustrationen sürThe Graphie", trat 1871 in die Geselli'chast der Aquarellisten ein und erregte mit seinen Vlqnarellen berechtigtes Vlu'schcii. Eine stattliche Reihe tüchtiger Leistungen füllte die nächsten Jahre aus.Am 'Brunnen",Das Abendrot", Der Käsekrämer",Nach des Tages Lasten",Im Wald",Die Verhaftung des Wilddiebes" und der sigurenreichcGottesdienst der alten Invaliden im Hotel zu Chelsea" seien ans der Füllet hervorgehoben. Diese Invaliden, meisterlich aquarelliert und von höchster Naturwahrheit, brachten ihm eine ehrenvolle Auszeichnung der Pariser Weltausstellung ein. 'Nachdem er dann in den Jahren 1876 bis 1878 das düstere Bild'An der Pforte des Todes", die farbenreicheProzession in 'Bayern" und die brillant charakteri­sierten allen Tcetrinkerinnen rm Arbeitshause geschaffen hatte, wandte er sich mehr und mehr der Bildnisniaserei zu. Mit welchem Erfolge, ist schon gesagt lvorde». Für das Porträt der Mist Grant erhielt ec in Berlin, die grostc goldene Medaille - eine Auszeich­nung. der sich zahlreiche andere im Lause der Zeit hinzugesellte».

Ans den Schöpfungen der späteren Jahre sind »och die reizvolle Ansicht von Dyreham, die den TitelUnser Dorf" trägt, die pak- lendc Schilderung der in New Bork ansgeschisften Auswanderer, das von den Invaliden beim sechzigjährigen Jubiläum der Königin Viktoria ansgcbrachtehoch der Königin" »nd die schlicht gehaltene und doch so ergrciicnde Gloriiikation seiner Eltern und Grostellern, kerniger, ehrenfester handwerkerltzpc», zu nennen. In allen be­kundet sich der echte und rechte Meister, der Zeichnung, Farbe und Licht zum mächtig tvirkenden Trio zu einen weist.

Gleich Lionardo da Vinei ewig sinnend und grübelnd, suchte er nach neuen Ansdrucksmitteln sür seine Kunst. Er glaubte sie im Email z» finden und schuf, mit beispielloser Energie alle Schwierig­keiten überwindend, sein Selbstporträt, dann nnf anderthalb Meter grossen Platten die gedankenreiche» 'AllegorienDer Triumph der Stunde" undDas Alter der Schönheit", sowie ein grosses Bildnis Kaiser Wilhelms II. Schöpfungen, die in den letzten Jahren in Schuttes 'Berliner Krinftsalo» zur Ausstellung gelangten. Man hatte Grund, über die Meisterschaft, mit der das Email in diesen Riesen­tafeln behandelt >var, zn staunen. Nur tver die Technik kennt, wer da ivcist, wie mühselig die 'Arbeit ist, tvie die Farbe» sich im Brande verändern, wie sür gewisse durchscheinende Emails a!s Grund Sil­ber- oder Goldvlattcn der Kupserplatte aufzulöten sind, und >vic die farbigen Glaspulver drei-, vier- oder gar fünsmaligcs Cin- schmelzen verlangen, bis sie die gewünschte Wirkung ergeben, kann die Leistungen des Meisters aus diesem Gebiete in ihrem Werte voll ermessen. Selbst die grosten alten Meister des Emails, die Limosin, Pönicaud, Pctitot, waren technisch mit diesen 'Arbeiten übertrosseu. 'Aber der Wahrheit die Ehre! Ter Künstler >var zn weil gegangen gegen seine Bilder, die mit dem nachgiebigen Pinsel, in den flüssigen Wasserfarben / uird de» geschmeidige» Oelsarben gemalt sind, innstten diese riesigen Emailgemälde trotz ihrer Farbenglut zurücktrcten.

.'Auch ans einem anderen Feld versuchte er sich: er erfand ein Bersahren, ans Kubier mit Druckerfarbc gemalte Bilder galvano- plastisch abznlagern »nd hiermit drucksähige Klischees berzustellen, deren Ergebnis sich ähnlich luie Schabkunst ausnimmt.

Aber mit alledem ist das Wirken herkomcrs noch lange nicht erschöpft. Er hat als Lehrer in seinem Vllelier und seiner Privat- kuilstschnlc tressliche Saat gesät, hat als Mitglied der Royal Aca­demy hervorrageichen Einfluss geübt, hat vorzügliche Vorlesungen über Kunst gehalten, hat als leidenschaftlicher Musiksreund die Ton­kunst gevslegt, hat gedichtet, dramatische Arbeiten geliefert, mit seine» Schülern grosse dramatische Vorstellungen inszeniert, hat gc- mcitzclt, geschreinert »nd geschnitzt, denn er war durchglüht von einem rastlos lodernden Feuer, das ihn zn immer neuer Vlrbeit Hin­trieb. Wie bei den grosten Meistern des Quattro- und Cinquecento ging ein universeller Zug durch sein Wese», und sein praktischer Sinn paarte sich mit tiefster Idealität. Nnn er aus seinem schönen Musensitze Dyreham bei Bushey ausgezogen und zur ewigen Ruhe eingcgangen ist, mag die Kunst ihr 'Antlitz trauernd verhüllen.

Dast er seiner deutschen Heimat treu geblieben ist, trotzdem er in England Reichtum, Ansehen und Vldel erwarb, gereicht ihm zur höchsten Ehre Immer lviedcr zog es ihn »ach dem stillen Waal unP deni friedlichen Landsberg am Lech hin. 'Als Gabe brachte er den Landsberger» das köstliche Bild der Magistralssitznng dar. Vluch er- warb er das bayerische Jndigeuat, wobei ihn die 'Absicht bestärkte, die Schwester seiner verstorbenen Frau heiraten zn können eine Ehe. die nach englischem Gesetz nicht gestattet ist. Dem Jndigenat fügte Prinzrcgcnt Luitpold den bayerischen Vldel hinzu. Dir Meister mag in England gelebt haben, aber sein Herz ist iauixr bei ;ms gewesen, lind darum wird ihn die Geschichte der Kunst für imwer den Deutschen zngesellen.