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So war die Stimmung Plötzlich sehr »»gemütlich geworden, und olle empfanden es daher als eine Erlösung, als nun'Klaus seuie Uhr zog, anscheinend überrascht:
„Wie? Scho» drei? Da mutz ich mich ja sosort sertig- machcn für meine Konferenz, Ihr müßt schon entschuldigen, Gerda und Heinz, aber es geht halt nicht anders,"
So stand man denn auf, Petersens, die im Hotel wohnten, geleiteten ihre Gäste noch bis ans Portal, die beiden Damen gingen vorauf. Da wandte sich Klaus halblaut an den Schwager:
„Du übrigens, wenn die Affäre noch ein Nachspiel haben sollte — du verstehst mich — ich bin selbstverständlich ganz zu deiner Verfügung." Ter Reserveoffizier in ihm regte sich, die gcsellschastliche Korrektheit auch in solchen Dingen, Doch fügte er npch hinzu: „Natürlich würde ich vorher eine friedliche Beilegung versuchen. Das ist man ja als verheirateter Mann seiner Frau schuldig — selbstverständlich,"
Doch Keßler lachte nur sarkastisch:
„Besten Dank, lieber Klaus, Aber ich werde deiner Dienste nicht bedürfen. Bei uns auf dem Theater knallt die Pistole nur auf der Bühne — Herr Riemer ist ein vorsichtiger Mann."
Petersens Miene ward da unwillkürlich einen Schein reservierter. Na ja — eben Theater! Und cs war ihm, als ob das auch aus Keßler abfärbte.
Im Portal drückte Astrid mit ungewohnter Wärme der Schivester zum Abschied die Hand. Dann stiegen Keßlers ins Auto und fuhren heim,
Petersens gingen in ihr Hotelzimmer, Als sie oben waren, pfiff Klans leise durch die Zähne und sah Astrid an: „Du — das eben gibt zu denken."
Astrid nickte,
„Ja, hie arme Gerda! Ich merkte es ihr ja schon heute vormittag an, daß da nicht alles stimmte."
Klaus Peterscn blickte nachdenklich vor sich hin.
Seine kluge, kleine Frau verstand, was ihm durch den Kops ging: Gerdas eigene Schuld! Hätte sie früher richtiger gewählt, so Iväre ihr das einmal erspart geblieben. Und leise trat sie zu ihm und legte das blonde Köpfchen an seine Schulter,
„Du - da sind lvir doch besser dran miteinander. Gelt, KläuSlcin?"
Ter junge, glückliche Gatte gab ihr die Antwort sehr ausgiebig aus den roten Mund, —
Schweigend ivaren Gerda und Heinz heimgcsahren, wortlos die Treppen zu ihrer Wohnung hinaufgestiegen, stumm ins Zinimcr getreten, jeder in das seine.
Nun saß Gerda am Fenster und ihre Blicke gingen in bittercni, aufwühlendem Schmerz den ziehenden Wolken da oben nach.
Lange saß sic so und ivard sich dessen bewußt mit grausamer Klarheit: da war ihr heute etwas zerstört worden, das ging nie wieder aufzurichten. Sehend war sie geworden. Aber sich und Heinz zum Unheil. Unbarmherzig klar stand jetzt vor ihr, was an ihm störend und minderwertig war. Der Nimbus, der für sic seine Persönlichkeit umflossen, der sie geblendet und fasziniert hatte er war traurig zunichte geworden. Wie ivar das Leben doch grausam!
Und tief sank ihr der Kopf herab.
Dann ging die Tür, Sic richtete sich auf — ihr Mann kam. Zögernd erst noch, dann aber entschlossen. Und nun fühlte sie seine Hand auf ihrer Schulter.
„Gerda — ich kann nicht um Verzeihung betteln >vie ein Schulbube, Aber ich weiß — ich tat dir weh vorhin. Und du hattest wohl recht. Ich war etivas laut. Aber halt's meiner Erregung zugute. Ich Hab' doch nun mal dies blödsinnige Temperament, Also, komm — laß uns wieder vernünftig sein. Wir sind doch keine Kinder mehr und wissen: das ist halt mal nicht anders. Man kriegt sich auch mal zu packen iu der Ehe, Menschliches — Allzumenschliches! Tie Hauptsache ist nur: so was nicht lange einfressen lassen. Des halb bin ich auch , bei dir. Also komm — sei wieder lieb, Böbs,"
Und er nahm ihr einfach die Hand von der Stirn und bog ihr Gesicht herauf zu sich. So küßte er sic und fragtd daun, lachend:
„Na - nun wieder alles iu Ordnung?"
Sie nickte mit einem schwachen Lächeln, Aber i,n Innersten klang eS ihr lvie eine dunkle, traurige Weise, die sic
einst irgendwo gehört: von einer Wunderlaute, deren Saiten, einmal gesprungen, nie wieder mehr zu heilen gingen,
*
Zwischen Fürchten rind Hoffen erwartete Gerda am anderen Mittag die Rückkehr ihres Mannes. Er war zum Hoftheater gegangen, 11m den Intendanten persönlich über dr» peinlichen Borfall zu berichten, von dem in der Tal bereits sämtliche Blätter gestern abend oder heute früh Mitteilungen gebracht hatten unter der Spitzmarke: „Ein etwas temperamentvoller Künstler", Doch war die Haltung der meisten Zeitungen dem beliebten Darsteller gegenüber nicht unfreundlich gewesen. Man erkannte an, daß er in schikanöser Weise stark gereizt worden war. Das hatte Gerda die Hosf- nung gelassen, auch die Hofbühne würde vielleicht die Affäre niildcr beurteilen, so daß Heinzens Engagement doch nicht gefährdet war.
Endlich hörte sie Heinz kommen, und nun trat er bei ihr ein, in sein Zimmer, Aber gleich der erste Blick sagte ihr genug:
„Es ist nichts mehr — nicht wahr?"
Er nickte und warf sich dann wuchtig in den Klubsessel. „Aus! — Der Intendant erklärte mir sein höchstes Bedauern, aber selbstverständlich lönnte nach dem sehr fatalen Vorkominiiis mein Eintritt in den Verband der Hvsbühue nicht mehr in Betracht gezogen werden. Aus Gründen der Disziplin, — Na, da haben sic's also richtig erreicht, was sie wollten, Riemer und Konsorten, die Halunken!" Und zähneknirschend hieb er mit der Faust auf die Lehne,
Gerda schreckte empor. Fast noch mehr infolge dieses Ausbruchs seiner Leidenschaft als wegen seiner llugliicks- bolschast. Und stumm beschworen ihn ihre Angen: nur nicht wieder solch Selbstvergessen, solche Unbeherrschtheit! Wenn er sic doch nur verstehen wollte.
Aber in seinem lodernden Grimm achtete er gar nicht auf sie. Nur seinen eigenen Empfindlingen ging er nach« gäb er.explosiv Ausdruck,
„Die Bande! Elenden Schleicher! Hätte ich die Burschen nur hier. So dicht vorm Ziel, und nun — !"
tzlbermals ein krachender Hieb unter wildem Rollen der Augen, Dan» sprang er auf. So heftig, daß der schloere messet zurückflog und den kostbare» persischen Seidenteppich in Falten warf. Mit geballten Fäusten schüttelte er die Arme, als wollte er die unjichtbaren Gegner zerschmettern, Daun aber ein Ruck, ein Auswcrsen des Kopfes und tiefes Alcm- holen, und in verändertem Ton brach er dann vvw neuem los: ‘
„Aber mögen sie! Was niacht's? Ich lache nur, Ich lache!" Und er lachte wirklich, laut und dröhnend. „Ich bleibe, iver ich bin, auch ohne das Hoftheatcr, Heinz Keßler: ist eine Klasse für sich. Er braucht euch nicht, ihr Kümmcr-i finge. Aber ihr ihn!"
Er sprach es aufgeregt vor sich hin, mit einer großen: Geste, als redete er wo» der Bühne herab,
Gerdas Blick ruhte noch immer auf ihm, Aber das Erschrecken ivar einem geheime» Widerwillen gewichen. Da war a wieder jener ihr so fürchterliche Theaterton, Und wenn te sich auch selber sagte: eS geschah ja mir in der Erregung« das; er darein verfiel — svust hatte er ja nie etivas davon an sich — sic kam doch nicht darüber hinweg.
Es war, als ob sic da etwas körperlich Widerwärtiges an ihm bemerkte. Sie hatte einmal solche Eigenheiten, Und im Moment fiel ihr auch ein Begebnis ein, ans ihrer Jugend. Sie hatte da einmal eine nahe Verwandte, die als Logiergast bei ihnen gewohnt, morgens beim Anziehen überrascht, und dabei eine vielleicht nur zufällige Nachlässigkeit bei der Toilette wahrgenommen. Seit dem Moment ivar ihr die alte Dame zuwider. Und wie liebeuswärdig und sympathisch sie auch sonst war, sie koiintc das nie mehr vergessen. Noch heute regte sich dieser Widerwillen, wenn sie nur an jene dachte. j
„ v * (Fortsetzung folgt)
Hubert von herkömer.
Von Georg Bus; (Berlin), lieber den Kanal iß die Trauerkuude vom Hinschcideu Hubert von Herkomers gedrungen. Nach langem Ringen ist der zähe Körper vom Tode besiegt loordeii. Obwohl in England seit Jahrzehiiten ansässig und dieses als seine zweite Heimat betrachtend, rollte deutsches Blut jn seinen Ader», den» seine Wiege hat in Waal bei Landsberg in Bayern gestände». Hier,


