Ausgabe 
2.4.1914
 
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totale» Nervenzusammenbruchs, vielleicht noch suggestiv durch den Anfall des Russen vorhin beeinflußt.

Die beiden Amerikaner, die starr vor Entsetzen zngehört hatten, sprangen dazwischen da schrie der Kapitän auf, gellend, unverständlich, und stieß Mit beiden Händen nach vornhinaus auf das Wasser zeigend. Wir hörten den Schrei, sahen dorthin da schwamm die rote Mine nicht mehr näher, sic tvar wieder weiter fort! Sie tanzte klein und unscheinbar vielleicht zwei­hundert Meter vom Schiff, längsseits an uns vorüber. Irgend eine scharfe Strömung, ein unsichtbares Riff hatte ihren Kurs abgclenkt sie behielt die Entfernung bei wurde kleiner und war dann im Reflex des Sonnenlichts hinter »ns ver­schwunden! --

Ter Kapitän ließ die Arme sinken, ging an das Sprachrohr, und gleich darauf hörten nur, sühlteu wir, wie das Sd)ü: zitterte und bald niit eigener Kraft aoeiterfuhr.

Das Rollen der Maschine werkle die betenden Italiener. Sie sahen sich um, rieben sieh di? Augen, und als sic verstanden hatten, baß die Geiahr vorüber war, fingen sie wieder ein aus giebiges Dankgebet an. Den Russen mußten wir in seine Kajüte schleppen. Er war vollkommen zusammengebrochen und bekam von mir eine Spritze Morphium, die ihn gleich zum Schlasen brachte. Ich selbst war durch diese berufliche Funktion den Bann des un­angenehmen Erlebnisses ziemlich rasch los geworden. Die Ameri­kaner kamen mit ruhigen Gesichtern unter Deck und singen gleich zu schreiben an, die Kerle hatten eine fabelhaste Kaltblütigkeit, das muß ich sagen und auch der Engländer erholte sich rasch und ging ausrecht, aber ziemlich blaß, seine Frau am Arm, alt mir vorüber.

Zwei Stunden später kam er in meine Kabine und bat mich, ich möchte doch zu seiner Frau kommen. Ich ging in ihre Kajüte, da lag die Engländerin mit abgewandtem Gesicht aus ihrem Bett. Ihr Mann beugte sich zu ihr, aber sie wandte sich mit einer zuckenden Bewegung der Schultern ab: wenn ich recht sah, stieß sic sogar mit der »and nach ihm. Er flüsterte mir zu:

Ich weiß nicht, was sie hat. Sie weint, seit wir unten sind. Es scheint doch für ihre Nerven zu viel gewesen zn sein!"

Aber ich muß den Mann wohl etwas merkwürdig angesehen haben, denn er ging, ohne noch etwas &» sagen, still zur Tür. Als ich allein tvar, setzte ich mich zu der Frau und hörte, wie kie vor sich hin weinte. Ich sprach leise zu 'ihr, aber sie h-l mich nicht. Ich flößte ihr etnms Brom ein. sic schluckte, ohne es zu tvissen und weinte mit offenen Augen unaufhörlich. Und als ich in sie drang, sagte sie leise, willenlos, als ob ein« andere Stimme aus ihr spräche:

Das habe ich nicht gewußt so klein war seine Liebe! Gerade in solcher Stunde . . . wie war das häßlich das tut

so weh!"--

Ich stand auf und ging. Hier konnte ich und konnte kein Fremder helfen. Das saß tiefer, da konnte kein Arzt nützen.- Aus der Treppe traf ich den Mann wieder. Er sagte ein paar glcichgiltige Worte, und ich hörte, daß es ihm ernst damit war. Er hatte ioirklich schon vergessen, was er in der schamvollen Angst vor der Gefahr aus deni Grunde seines armseligen Empfindens heransgeschrien hatte.

Ich zuckte die Achseln und ließ ihn stehen.

Aber wie ich schon sagte, meine Herren, diese fünf Minuten .angesichts der roten Mine waren menschlich doch sehr inter­essant!" --- -

vermischte».

kf. Das Z w e r g l l » ß p > c r d das Schwein der Zukunft. Das Z>vergflußv>erd ist vor drei Jahren wieder in Liberia entdeckt war en und die ersten Exemvtare durch den Major Hans Schomburgk zu Hagenbeck gebracht worden. Dieses Zwerg- flnbplerd nun ist das .Schwein der Zukunft' so t ehauvtel allen Ernste« der ainerikanüche Forscher Irwin im .Journal o! Here- dily". Er verkennt dabei durchaus inchl, da» das Zwergstugpleld äugen llcklich einen sebr kostspwttgen, kaiun erschivingliche» Braten bilde:. Seine zoologischen llnlcrfnchnngen haben ibn dennoch zn der oben gemeldeten Ansicht geführt. Was zunächst die Schmack- haftigkeit des Bratens angeht, kann man Herrn Irwin ivohl Glauben fchcnken: das Zwerqflußpterd soll i» feiner Heimat als Leckerbissen gellen und sein Schinken soll wohlschmeckender sein als der herrlichste Prager Schinken, Wie aber stetst cs mit den Zucht- bedingmigen, aus denen die Umwandt»»» in das .Schwein der Znknnst" banvlsächiich bernlst? Irwin behauptet, das Zwerg- flubv!erd Ie> außero, .entlieh leicht grob zu ziepen: es wächst rasch, es vertcägt das Kltiun der in Amerika in Frage konimende» Ge­biete auberordentli?!, gut, so daß seine Anpassung an das neue Klima überhaupt nicht mebr in Frag« käme, »nd schließlich das ist der springende Punkt der ganzen Ausführungen können un­geheure Sumpsgebiele der neuen Welt durch Bestedelmig mit Zuergflubplerden anberordentltch nutzbringend anSqederstct werden. Falls Herr Irwin nun selbst den Versuch mit der Zw rgklubvlerde- znchl machen ivist, iverden sich Hagenbeck und andere Firme», die erotische Tiere ucrtmifeit, wahrscheinlich damit durchaus cin- verstaiiden erklären, den» die New Yorker Zoologische Gesellschaft

Redaktion : K. St e u r a t h. Rotationsdruck und Verlag der

soll lür die drei Zivergflubpserde, die der Neiv Yorker Zoologisch» Garten vor einiger Zeit bekomme,, hat, «t,va 50003 Mark bezahlt haben. Wahrscheinlich >v>rd Herr Irwin doch die nutzbrtngende Zwergstiiüvlerdezncht gleich in gröberem Mgßstabe beginne» so, daß ans alle Fälle für die beleiligien Händler zunächst eln ganz hüvfcher Gewinn abfällt, >ven,r sie sich so viele Z,vergfl»bp>erde verschafse» könne», ivic Herr Irivin,u brauche» gedenkt.

* Unter Paletot mardern.Donnerwetter, da hast du ja einen prachtvollen Mantel an. Die Frucht der gestrigen Nachtarbeit?"Richtig: und sieh nur, tvie ausgezeichnet er sitzt,"Ja, wirklich, man möchte sagen nach Maß gestohlen."

Sprachecke des Allgemeinen Deutschen tzprachoerelnr.

* Oft er «. In dem Wort klingen Töne der deutschen Urzeit

zu uns herüber. Ostara klang es voll bei den alten Westgerinanen. Öfteren ballte es »ach ini Mittelalter, und Estern tönt es jetzt mit kurzem Schall Urspiiingticker Naturglaube ist in ihm aufbewahrt, ivie denn das ganze Leben, aus dem es stammt, mit der Natur wunlersam verwachsen war Ta das Wort so grau von Alter ist, ist leine Deutung nicht leicht. Einige leiten es von Ostara ab, dem Namen der altgerinanischen Frühlingsgötli». Andere gehen noch weiter zurück und sagen, daß cs seine Wurzel i» dem alt- gerinanischen Worte aiistro hat, das wir heut in dem Ausdruck Osten für die Himmelsgegend wiederfinden Daß darunter die Morgenröte, das aufsteigende Tageslicht und die Auferstehung des Frühlings verstanden imirbe, ist leicht begreiflich, und daß dieses sinnvolle Wort zum Namen für das christliche AnscrstehnngSscst wurde, drängt sich wie eine Selbstverständlichkeit aus Die Ehr- tvürdigkeit des Wortes wächst noch, tuen» wir daran denken, daß es das erste, größte und heiligste Fest bezeichnet, das die Kirche es geschah im zioeilen Jahrhundertr eingeiührt hat. Die festliche Zeit tut die Türen zn einem reichen Wortschatz in unserer Sprache aus: Osterblumen, Osterbrot, Osterfeuer, Ostersladen, Ostersuppc und tvie sie alle heißen, wem strahlen nickit die schönsten Erin­nerungen dabei entgegen? Soviel Freude, soviel sinniger Volks brauch, soviel alles gutes deutsches Denken und Dichten liegt nicht einmal in den Worten Weihnachten und Pfingsten beschlossen. Doch die gebräuchlichsten Namen fehlen noch. Da sind die Ostereier nicht zu vergessen. Aber was haben die eigentlich mit Ostern zu tun? Das Er ist schoir in den ältesten Zeiten als das Sinnhild der Schöpfung und des Lebens angesehen worden. Daraus ergab sich, daß es zum Sinnbild für die ncnerstehende Fruchtbarkeit des Früh­lings, die Osterzeit, wurde. Weil die alten Germanen der Ostara Eier zum Opfer brachten, darum bringen mir sie noch heute zum Geschenk, lind weil der Göttin zu Ehren die Eier mit den Farben des Himmels bcmahlt wurden, darum färben wir sie auch heute noch bunt. Auch der Osterhase hat das Recht, daß seiner hier gedacht wird. Seine Verbindung mit dem Osterfeste ist schon schwerer zu erklären. Warum ist dem Meister Lamve die Pflicht auserlegt, die Eier zum Feste zu legen? Das Rätsel wollen einige mit der Er­klärung lösen, daß der leichtfüßige Renner bei den alten Germanen der Bote der Göttin Ostara war. Ob er tvohl auch bei dem Oster­gelächter eine Rolle spielte? Warum nicht? Paßte er doch leicht in die scherzhaften Erzählungen hinein, tvomit die Geistlichkeit in der Osterprcingt den Jungen die Ohren kitzelte und der lachenden Gemeinde den Bann der Fastenzeit von dem Gemüte löste. Sic konnte auch vom Osterkalb erzähle», womit nian noch heule scherz­haft einen dummen Menschen bezeichnet. Aber auch ein Kranz von weihevollen Wörtern schlingt sich um den alten Ausdruck Ostern, wenn wir an die Sonntage von Invokavit bis Exaudi denken. Diese lateinischen Wörter sind die Anfänge von Bibclstcllen, die an den betreffenden Sonntagen in der Kirche verlesen wurden. Dazu ge­hört auch das Wort Gründonnerstag, das gleichsalls von vielen aus dem Lateinischen abgeleitet wird Es ist tvohl eine Uebcrsetzung von die« viridium, dem Tag der Grünen, d. h. der begnadigten Büßer: denn diese wnrden an dem Erinncrungstage der Abend- mahlsstistung in die Gemeinde wieder ausgenommen. Und Kar- sreirag kommt von dem alten deutschen Worte Kara. das Klage oder Trauer bedeutet. Auf diesen Tag der tiefsten Trauer folgt mit dem Feste die höchste Freude. So verschieden auch alle diese Wörter in Bezug ans die damit bczeichneten Gebräuche sind, so klingen sie doch alle in dem Wunsch und Gruß zusammen: Fröh­liche Ostern!__Tesch (Köln,.

Gleichklang Rätsel.

Als Zcstvertreib lür Grob und Klein Ken»! mich Ivobl alle Weil Blei, Raine aber dient zugleich Für ein .Erodeennas eld'.

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: Weib. Schwarz.

1. T e 4 e-t Kdö e 4:

2. Dal-fG Kei #3 ob. d5.

3. D f G f 4 ob. L f I g 2 | und Malt.

A. 1....... K d 5 c 6

2. Te4 e 7 Ke6 b 6, dB d 5 ob. K c ö d 5.

8. Dal ob. Lfl g 2 fnd Malt.

Universitäts-Buch- »nd Stcindruckerei, R. Lange, Wieben.