Donncrstao. den 2. Avril
1914 - Nr. 52
Vkkizirrstöchtkr.
Roman von Paul Ärabetn.
(Rachörrrck verboten.)
(Fortsetzung.)
Sie hatten sich nämlich mit Klaus und.Astrid, die heute schon in aller Frühe ans dein Hotel angcklingelt hatten, zum Frühstück bei Adlon verabredet. Astrid wollte Gerda noch allein aussuchen, während ihr Mann einen geschäftlichen Weg machte.
Und die Schwester kam denn auch nachher, >vie verabredet Sie sah ganz allerliebst aus als blutjunges Frauchen. Todschick in ihrem Riesenhut und dein engen Poiret-Kleide, in dein sie fmurt > irts konnte. Aber dennoch tiwr sie noch ganz derselbe L.^ oind tvie als Mädchen. Auch nun, Ivie sie der älteren Schivester nochi aus der Diele um den Hals fiel. Sie hatten sich ja seit ihrer .Hochzeit nicht mehr gesehen Dan» wachte sic sich wieder ans der Umarnnmg frei. Sie sah sich mm zufällig im| Spiegel und mußte plötzlich lachen.
„Dast »ruß ja übrigens eben ein gottvoller Anblick gewesen sei», wie ich so in meinem .Humpelrock ans dich zustolperte. Kinder, was ist diese Mode doch blödsinnig!"
„Und doch machst du sie mit."
„Aber doch selbstverständlich. So toll Ivie möglich."
Gerda sab lächelnd aus der Schwester überenges Kleid, wie sie so neben ihr ins Zimmer trat.
„Was sagen denn unsere gute» Cllerstedtcr dazu?"
„Die stehen natürlich Kops. Aber das macht mir ja gerade ein Hauptvergnügen, weißt du, die Gesellschaft zu ärgern, bis sie platzt."
Astrid hatte sich in Gerdas amerikanischen Schaukel- stubl geworfen. Run iviegtc sie sich, die Füßchen ivcit vor- yestrcckt, so daß die dünne Seidenhülie des Rockes sich jedes- iinal beim. Riedcrgehen tvehend dicht um ihre Glieder schmiegte und zeigte, wie leicht sie angezoge» war. Gerda, die cs gewahrte, warf einen kritische» Blick a'us das Kleid. AVer Astrid legte ihn anders aus.
„Mitbringsel von der Hochzeitsreise. Ans Paris! Da beneidest du mich wohlÄ'
„Das weniger. Ich stellte »nr fest: übermäßig vict hast gerade nicht an, mein Herzchen."
Aber die Jüngste lachte nur wieder ihr helles, sorgloses stachen.
„Was tvillst du? In Paris und Brüssel geht alle Welt so."
„Doch tvohl kaum in Ellerst.'dt."
„Pah!" Und Astrid warf die Füßchen mit besonders kühnem Schwünge in die Lust
„Was sagt denn aber dein Mann dazu?"
„Der hat's mir doch selber geschenkt!"
Gerda schüttelte lächelnd den Kopf.
„Sieh inal — sieh. Unser braver Klaus. Wie der sich enttvickelt."
„Laßt mir nur meinen Klaus in Ruh!" forderte Astrid. „Ick, bin sehr zufrieden mit ihm. Sehr! Wir leben fabelhaft glücklich miteinander — geradezu anormal glücklich, sag' ich dir." '
Gerda ward unwillkürlich ernster, als sie dann sagte: „Möchte es nur immer so bleiben."
„Es bleibt! Ich habe gar keine Bange."
Gerda blickte ans die Schwester. Sie sab in der Tat so strahlend aus, so siegessicher. Da seufzte sie selber leise und sagte dann nach einer Weile:
„Ich kann mir's wohl denken. Klaus ist sicher ein sehr bequemer Ehemann."
„Ra ja — gewiß. Obgleich Ra, du tveißt doch, jeder Manu hat so seinen kleine» Tollpunkt. Der eine schnappt ein, wenn man ihm an den Schreibtisch rührt, der andere, wenn der Rotwein zu tvarm auf den Tisch koimnt, der dritte, na h -i was weiß ich. Tie Hauptsache ist eben, daß man diese diversen Tollpünkler erst glücklich 'raus hat."
„Ra, und dann i— ?"
„Dann hütet man sich natürlich als verständige Frau, dem Herrn der SckchPfnng ins Gehege z» kommen. Mag's ans dem Schreibtisch dock, in Gottes Namen anssehen wie Kraut und Rüben er ist tabu für einen, hoch-tabu! So wahrt man den holden Frieden, die süße Eintracht und ver- nreidet das üble Renommee der unbequemen Fran."
Gerda blickte wieder ans die Schwester.
„Ich glaube beinahe. Kleine, du bist die Klügste von uns allen."
„Merkt ihr das jetzt erst?" Und Astrid schaukelte sich noch viel übermütiger. „Ra, da ivirft du erst stanncir, wenn ich dir nachher meinen in „Freiheit dressierten" Mann vorführe. So tvas habt ihr überhaupt noch nicht gesehen. Ich kann von ihm haben, was ich will. Rur bin ich natürlich so vernünftig, nicht das Unmögliche z» verlangen. Und immer alles hübsch peu ä peu. Langsam, aber sicher."
Gerda lächelte. „Hilst das wirklich ans Ziel?" Astrid hielt im Schaukeln an.
„Glatt! Beweis: Tatsache». Zum Beispiel ietzl Berlin! Als ich mal ganz im Anfang, noch auf der Hochzeitsreise, aus de» Busch klopfte, ob man denn nun ewig in dem Janimer- neft, dem Ellerstedt, versauern .rußte, in Berlin könnte man doch gewiß ebensogut Holz en gros unter die Leute dringen, da zog mein gestrenger Gemahl die Brauen hoch und hielt mir eine ganze voltsivirtschaftliche Vorlesung. Ra, ich verstand ja davon nicht viel, aber das entnahm ick, mir doch daraus: So darfst du's also nicht ansangen. Trotzdem blieb ich vergnügt und zuversichtlich und dachte mir bloß: Aber wärt', ich komme ihm doch noch! Und es hat sich denn auch gemacht. So ganz doucement, völlig schmerzlos. Und jetzt Hab' ich ihn glücklich schon so iveit: Sechs bis acht Wochen Berlin in der Saison sind mir bewilligt. Ja, es >»icd allbereits von hoher Stelle in wohlwolleicoe


