Ausgabe 
1.4.1914
 
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sFovver und Lnstigmacher, und auch in unserer so ernst und brak- tisch gewordenen Zeit ist die alte gute Sitte »och nicht ansgestor- den. In früheren Zeiten sreilich spielten die Aprilscherze eine ganz andere Nolle in, Lebens die Schalksnarren hatten nicht nur et» offizielles Hosamt bei Fürsten und hohe» Herren, sondern trieben ihre derben Possen überall und ersannen am Narrentag die tollsten Streiche. Bon einigen solchen berühniten Späh- lniachern plaudert H. de Brngniere in der Qninzaine Jllustrse.

Im Hanse der Male, de Rambouillet, diesen, schöngeistigen Sammelpunkt der französischen Renaissance, wurden nicht mir zierliche Verse gedrechselt und sentimentale Schwärmereien ge­säuselt, sondern man hatte auch Sinn sür einen Handsesten Späh, was eines Tages der Marquis von Gramont spüren muhte. Der Marquis war ein besonderer Freund von Champignons, und als er eines Tages bei derangebctetcn Clelia" speiste, er von seinem Licblingsgericht so viel, dah er sich vorzeitig zu­rückziehen mußte. Sein verdorbener Magen hinderte ihn nicht, bald in einen rechtschaffenen Schlaf zu verfallen, und nun ließen ihm die lustigen Preziösen seine Sachen sortnehmen, und die Damen nähten mit .ihren zierlichen Fingern: Acinkleider inst» Wams viel enger. Als nur Morgen der Marquis erwacht und in seine Kleider fahren will, komm't er nicht hinein: die Beinkleider sind viel zu eng, der Wams viel zu knapp. Ein besorgter Freuuld tritt bei ihm ein:

Wie blaß du anssiehst! Und alles an dir ist gedunsen und angeschwollen! Bist du krankt

Ja, ich habe gestern zu viel Champignons gegessen," ant- wortet der Marquis in höchster Angst,und jetzt passen mir meine Sachen nicht mehr."

Ein sehr bedenklicher Fall. Das ist ein sehr schweres Leiden," meint der andere im düsteren Ton.

Der sehr um seine Gesundheit besorgte Marquis denkt bereits an sein nahes Ende, läßt einen Arzt und zugleich auch de» Notar und den Geistlichen holen, mit mit der Welt abzuschließen. Der Doktor erscheint i» seiner würdigen Tracht: es ist ein Eingeweih­ter untersucht ihn umständlich und verschreibt dem gcängstigten Patienten endlich auf Lateinisch ein Rezept, das nichts weiter be- sagt als:Nimm eine Schere und trenn' die Nähte wieder auf."

Bisweilen fällt allerdings auch der Forscher in die Grube, dis e§ einem andern gegraben. So ging es einnial dem berühmten Schriftsteller und Zeichner Henri Monniav, der wegen seiner Aprilfcherze bekannt war. Eines Tages sieht er in einem Restaurant am Boulevard einen ehrbaren und würdigen Herrn sitzen, der sjch sein Essen sehr gut schmecken läßt. Er winkt sich den Kellner heran und flüstert ihm geheimnisvoll zu:Sehen Sie den Mann dort? Nun, das ist der Henker von Versailles."Teufel!" ruft der Kellner Und erzählt die Geschichte sogleich dem Wirt. Der weiß, was er zu tun hat und ivas er seinem Haus schuldig ist. Er tritt an den braven Bürger heran und bittet ihn energisch, nie mehr seinen Fuß über die Schwelle seines Hanfes zu setzen.

Man könnte Sie erkennen, und das würde mir schaden."

Wieso?" fragt der andere erstaunt.

Nun, Sic als der Henker von Versailles . .."

Was bin ich? Wc'r hat denn das gesagt?"

Der Herr da drüben."

Der Bürger betrachtet Monnier mit einem langen Blick.Ja, ich kann nicht leugnen," sagt er dann,dieser Mensch da kennt Mick, sehr gut, deuu ich habe ihm das glühende Eiseu auf die Schnt- 1er gedrückt, als er nach einem nichrsachen Mord als Sträfling ins Bagno geschickt wurde."

Monnier tvar keineswegs angenehm überrascht, als er darauf in nicht gerade sanfterWeisc aus demRestaurant herausbeibrde.t wurde.

Allmählich Hai sich eine gewisse Tradition der Aprilscherze ent­wickelt: es gibt klassische Späße dieser Art, die sich stets wieder­holen. So z. B. das Bestellen verschiedener Lieferanten mit den­selben Gegenständen nach einem Ort. Dieser ziemlich schlechte Spaß soll ums Jahr 1840 von einem Pariser Original cingeführt wor­den sein, das sich M. de Saint-Cricq nannte. Sein ganzes Auf­treten war darauf berechnet, die Gaffer in Erstaunen zu setzen. Vtuf dem Boulevard erschien er stets von einem riesengroße» Lakar begleitet, der auch im Cafe unbeweglich hinter seinem Stuhle stand. Saint-Cricq bestellte dann zwei Portionen Eis, die er in aller Ruhe in seine Stiefel schüttete. Am 1. April gab er ein­mal zahlreichen Badeanstalten den Auftrag, ihm um 4 Uhr ein warmes Bad ins Haus zu liefern. Ter Spaßvogel verschloß daim fest seine Wohnungstür und genoß mit Behagen das Schauspiel, das sich zur festgesetzten Stunde vor seinen Fenstern entfaltete. Nacheinander langten die Träger der bestellten Bäder an und wandten sich an den Portier, der sie achselzuckeud abwics. Dann ging ein furchtbares Schimpfen los, und schließlich lagen sich die Leute in den Haaren, schütteten den Inhalt ihrer Wannen über­einander aus und veranstalteten eine regelrechte Schlacht. Den Schaden mußte der Sonderting sreilich bezahlen. Achnlich ist ein oft wiederholter Spaß, mit dein zuerst ein Redakteur des Evening Star die Londoner in Erregung setzte. Er hatte durch große An­noncen verkündet, daß in der großen Ackerbauballc von Jslington eine Esel-Ausstellung eröffnet luürbc, und als sich daraus viele Leute herbcidrängten und nach den Tieren fragten, erhielten sie die liebenswürdige Antwort:Es sind nur zweibeinige hier."

Vüchrrtisch.

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