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flctjrn imifttcit um z» den Haustieren zu gelungen! vüt> den Rindviehstall führte zwar eine Xilrc aiis der Rüche eines jeden Bauernhauses, aber die Sitzeuern und die Stalle deS Rleinvichcs waren nur von duften zu erreichen.

Weil die Brunnen weit ab von den Wohnungen unter dem Schnee lagen, wurde in deui in jeder Rüche angebrachten Waschleiwl Schnee geschmolzen, um das notwendigste Wasser für de» Haus­halt und besonders zum Tranken des Viehs zu bekommen, und weil grofte Mengen Schnee sich in geringe Quantitäten Wäger aullösc», muhten die groftcn Buchcnscheilcr säst den ganzen Tag über unter den Ressel» brennen.

An der dem Wind am stärksten ausgesetzten Seite der Gebäude bildeten sich Schneelochen. Es gehörte zu den Erscheinungen eines ganz normalen Winters, daft die Schneewehe an der nord­östlichen Seite des Psarrhauses zu Herchenhai» bis an die Fenster des Hochparterres reichte; und die Psarrbuben, die dies .Haus in den sünsziger und sechziger Jahren bevölkerten, zogen in solchen Zeiten den Eingang biirrf) das Fenster dem durch die Türe vor. ^

Wen» die Kunde von einem besonders starken Schneesall oben im Gebirge in die tiescr gelegenen Orte drang, wurden die Dörfer Herchenhai» und Hartmannshain viclsach besucht. Nicht des Winter­sports loegcn, wie cs jetzt der Fall ist, denn dessen Zeit war noch nicht gekommen, sonder» die Leute kanien, uni den Winter selbst in seiner grimmen Majestät zu schaue» und die Bewohner dieser Orte über scst gesrorenen Schneewehe» aus ihre Tächer spazieren zu sehen.

Die Winterveranügungcn int Freien beschränkten »dMit lener Zeit aus das Schlersen und Schlsttcnsahren aus kleinen Schlitten von cint'achster Konstruktion; Ein Sitzbrett, das ans zwei, etwa 18 Zentimeter hohen, mit Eise» beschlagenen Scilcnbrelter» ruhte, tvar für tvenig Geld zu haben, und damit suhren die Kinder und am Abend auch die jungen Leute von Anhöhen herunter, ohne daft man je von Unglückssälle» gehört hätte; es sei denn, daft einmal der Schlitten bei einem Hoppla über einen Graben nnter seinem Lenker davongeschossen, »nd dieser aus den winter­lichen Erdboden zu sitzen gekommen wäre! Dafür wurde er von den übrigen Tchlittcnsahrern ausgelacht, was ihm ebensowenig schadete, als der kleine Unsall selbst.

In dem Dors an der Nidder bildete die abschüssige Psarrgassc die am meisten benutzte Schlittenbahn. Wenn man die Fahrt an ihrem letzte», steilsten Teil begann, bekam der Schlitten einen, solchen Antrieb, daft er bis an den Kirchenplatz lies. Die Gasse tourde allerdings glatt gesahrcn, aber alle Einwohner, samt der Ortspolizci drückten ein Auge zu und waren äufterst iiachsichtig in der Erinnerung an die Zeit, wo sic selbst noch zu den Schlitten- sahrcrn gehört hotten.

Wen» einmal der Nus ertönte;Der Gendarm ist da," ergrisscn die schlitternden Kinder die Flucht uni an einer ferner gelegenen, geeigiteten Stelle iveilcr zu sahren, nird das Auskneisen vor der Genoarmerie gab ihrem Wintcrvcrgnügen den Reiz eines Aben­teuers.

Eines eigtznlünilichen Gebrauchs sei hier noch gedacht, der ungesetzlich war, und von der Polizei lzaite unterdrückt iverdeit müssen, ohne daft es dieser mit der Handhabung ihrer Pslicht ernst gewesen wäre: Während in den protestantischen Dörscrn Obcr- hessens, speziell des Vogelsbergcs, keine Fastnachlsmaskcraden und -Auszüge üblich ivaren wenn auch der Tag mit Kreppel- backcn und der Abend in den Spinnstuben mit besonderer Fest­lichkeit begangen ivurdc herrschte doch um Aschermittwochabend ein eigentümliches Lebe» und Treiben in allen Gassen. Scho» lange vor diesem Tag hatte sich die Jugend schadhaste Koch- und Milchtöpse gesammelt und an einem Bersteck ausbewahrt. Nun zog sie in vielen kleinen Trupps umher, um im Schutz der Dtmkelhcit die Töpfe an den Haustüren krachend zerschellen zu lassen: einerlei ob Freund oder Feind da wohnte, aber doch am liebsten an Häusern, wo die Beisitzer, laut in die Nacht hinauel scheltend und schreiend, vor ihre Türen sprangen. Wcmr diesem Gebrauch irgend ein Sinn zu Grunde lag, so >vor er dem Be­wußtsein der Ausübenden damals schon entschwunden, und er ivar nur als ein derber Spaft anzusehen, niit dein man sich das Einerlei der langen Winterabende zu würzen bestrebte.

Einst, in der kältesten Winterzeit, lag ein Teil der Rinder an de» Röteln darnieder, die jedoch ziemlich gutartig Verliesen. Die noch nicht davon ergrissenen Rinder ergötzten sich mit Schlitten sahren in der Psarrgassc. Plötzlich gesellte sich auch der nun vier­jährigedicke Heinrich" dazu. Aber wie sah der Junge aus, als er taumelnd ankam: flammend rot an Gesicht und Händen, und seine Augen glänzten jieberig! Tie Kinder iviche» vor ihm zurück, aber eine der benachbarten Fraucii packte ihn auf und brachte ihn seiner Groftmnlter, und zwar nicht ohne ihr auseinanderzusctzcn, wie man ein an den Röteln erkranktes Rind zu hüten und zu pflegen habe, und nicht ohne ihr zu sagen, daft sie, lvcnn der Heinrich sterben würde, an seinem Tod schuld lväre - Aber der Heinrich starb nicht! Er schien gefeit gegen alle Fährlich- keilen des Lebens. Während die Rindersterblichkcit zu jener Zeit im allgemeinen noch groft tvar, blieb grade das am wenigsten geliebte Kiiid der Armut uttd Sünde ani Leben. Das viel besser verpflegte Söhnchcn der Manrerslaute in der Hütte links war bald nach seiner Geburt wieder gestorben, und die Grit ist das

einzige Kind ihrer Eltern geblieben. Doch der dicke Heinrich setzte sich durch wie eine ivetterhartc Pflanze, die Sturm und Kälte des rauhen Vogelsberger Frühlings überdauert, um im Sommer ihre Frucht zu bringen. Nach seiner Genesung lieft er sich wieder »ft i»> Psarrhos sehen, wozu er als Nachbar bereckstigt zu feilt, glaubte. Vielleicht leitete sich das Gefühl der Anhänglichkeit an die Psarrkinder auch von seiner Befreiung durcki denTednr" her! Wie dem auch sei, er kanr und machte im stillen sein« Beobachtungen; und an dem Beispiel dieser zivar höchst einfach erzogenen, aber doch von Elternliebe und Fürsorge umgebenen Kinder ging ,hm das Bewuftlsein seiner eigenen Berwahrlosung aus.

Viel zu reden, war seine Sache nicht! Allein dem zweiten Psarrtöchterlein gegenüber zu dem er am meisten Beistrauen gefasst hatte drückte er das Resultat seiner Beobachtungen und Gedanken kurz .und bündig mit den vielsagenden Worten aus;Eich wollt, eich wer nun Hond".*)

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Je strenger der Winter lvar, desto mehr Bettelleute kamen bei einigcrmaften gangbaren Wegen, vom Hunger getrieben, von der Höhe des Gebirges in die tiefer liegeirdeit und deshalb ivohl- habendcren Orte. Mil dem Beltelsack auf deni Rücken, waren sie auch in dem Tvrs an der Nidder häufige Gäste, die in die Bauernstuben kanien und mit weinerlicher Stimme um ei» Stück Brot, um etwas zum Rochen, oder um etwas übriges Essen baten; »nd es kam wohl selten vor, daft eine Bäuerin diese Armen ohne eine Gabe gehen hicft; de»» ihre Not war groft und meist un­verschuldet. Arm geboren, halten sic keine Gelegenheit gehabt, etwas anderes zu lernen als Taglöhner- und Holzhackerarbeit. Tie ersterc imirde danials »och sehr schlecht bezahlt; und wenn im strengen Winter auch die letztere eingestellt werden mufttc und die kargen Eriparnissc und Vorräte schon im Vorwinter ausge- zehn waren, kam die bittere Not in die kleinen Hütten.

Manche dieser Bettler hatten ein Gebet gelernt, das sie a» jeder Türe herleierten. Mag sein, daft sich in früheren Zeiten woher diese Gepflogenheit stammte inancher des Lesens unkundige Bauer, manche Bäuerin an solchen Gebeten erbaut habe». Aber mit der fortschreitenden Zeit war aus der Sitte eine ltnfitte geworden, und man hätte gut daran getan, den Armen zu sagen, sie möchten einfach um Gottes willen uni eins Gabe bitten, anstatt ihre Gebete durch gedankcnloses Herplappern »nd um des Vorleils willen zu entweihen. Denn damals konn­te» alle Bauersleute lesen iveitn es bei den ältere» auch noch vorkam, daft sie drei Kreuze anstatt Namciisuiilerschristen setzen muftten. Tie Bibel, daS Gesangbuch, das Ttarkebuch fStarks Ge­betbuch! und anftcrdem noch uralte, von den Vorfahren ererbte Gebetbücher wäre» in den Familien im Gebrauch; und beim Abendläuten nahm »och mancher Bauer die Mütze ab 100 er auch ging oder stand und sprach mit vernehmlicher Stimme das für diese Zeit bestimmte Gebet:

Lieber Mensch, ivas soll bedeuten Dieses späte Glockenläuten?

Das bedeutet abermal Deiner Tage Ziel und Zahl:

Und der Tag hat abgenommen.

Und der Abend ist gekommen.

Liebster Mensch, bereite dich,

Daft du sterbest seliglich.

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Während der Fahrweg diirch das Tal hinaus zu den höchsten Ansiedelungen des Gebirges, von Viertelstunde zu Viertelstunde durch ein Dörslcin führte und säst immer gut zu begehen war, hallen die Leute, die das Ton an der Nidder aus deni rechts a» der Psarrivicse beginnenden Psad verlieften, der in nordöstlicher Richtung nach dem Hohenrodskopi und zwei nahe davor liegende», kleinen Orten führt, oft einen schlimmen Weg vor sich, denn er war zur Winterszeit sehr wenig betreten und ging bergauf und -ab über verschneite oder vereiste Felder und durch einen Wald mit schlecht im Stande gehaltenen Schnellen. Dorther kamen in solchen Zeiten fast nur die Armen, die der Hunger zwang, ihre dunkeln Hütten zu verlassen. Ihrer viele, besonders Frauen, kehrten, nachdenl sie sich die Bcttelsäcke im Tors hatten füllen lasse», vor dem saueren Heimweg noch in der letzten Hütte der Psarrgassc bei den Maurersleutc» ein. Um Gabe» baten sie hier nicht, >oohl aber um die Erlaubnis, sich am Oien zu wärmen und auch ihre Mahlzeit da halten zu dürfen. Zu letzterem Zweck holten sie Brot ans ihre» Säcken, das sie ani Sie» rösteten und mit einer Speck­schwarte oder Wurnfett bestricken Wenn die Maurersirau etwas Kassee librig behalten hatte, dessen dunkle Farbe vorwiegend von gerösteten Rüben oder Zichorien herrührte, vervollständigte sie damit die Mahlzeit der Acrmstrn; und diese tranken begierig das aulgcivärmtc, Heine Getränk und fanden es nur natürlich, daft sie keinen Tropfen Milch dazu bekamen, denn sie wußten, daft die trächtigen Ziegen im Nachivinter trochen stehen, und daft die Maurerssrau dann selbst mit einem Tövschen in der Hand zu den wohlhabciidcrcn Bauern gehen muftle, um für Geld und gute

*)Eich wollt, eich wer au» Hond". Ich wollte, ich lväre euer Hund.