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ausenkhaltes, nur besuchsweise sah, so waren diese flüchtigen Stunden voll ungetrübten Glucks.
Nur eines warf einen Schatte» in all die Helle. Walter Kyllburgs ausfällige Zurückhaltung. Auch nachdem er von seinem Urlaub wieder heimgekehrt war, blieb er der Familie seines Vorgesetzten geflissentlich fern. Traf er Gerda einmal zufällig aus der Straße, so ging er mit formellem Gruß an ihr vorüber.
Es stimmte sie traurig. Ihr Unmut über ihn war ja längst verflogen, in all ihrem Glück. Es hatte sie weich gemacht, sie hätte gern auch anderen von ihrem Reichtum abgegeben. So empfand sie denn ein großes Mitleid, wieder herzlichste Freundschaft sür den alten Kameraden, mit dem sie einst so schöne Vertraulichkeit verbunden hatte.
Sie fühlte sich ja jetzt auch wieder so sicher ihm gegenüber, wo alles geklärt war. Wie vergessen, als ob es überhaupt nie gewesen sei, war das, was sie einmal sür Walter Kyllburg empfunden, oder — so war es wohl richtiger — geglaubt hatte zu empfinden. Denn das lag alles jetzt so blaß, so weitab hinter ihr ,als wäre es nie wirklich gewesen.
Warum ging ihr da Kyllburg nur so geflissentlich ans dem Wege? Freilich — sie durste es ja nicht vergessen: sie hatte ihn damals sehr scharf znrcchtgcwiesen. An ihr >var es also, das wieder gutzumachen, llnd es sollte geschehen, nahm sie sich vor, sobald sich nur die Gelegenheit bieten würde.
Und als sie ihm dann eines Tages wieder aus der Promenade traf, an einer stillen Stelle, und er wieder mit stummem Gruß an ihr vorbei wollte, da winkle sie ihm bittend zu:
„Herr Kyllburg!"
Alsbald trat er an ihre Seite.
„Sie befehlen, Fräulein von Henning?"
Ihre dunklen Augen sahen ihn mit leisem Borwurf an.
„Warum so?"
Er fühlte sich weich werden unter diesem Blick. Da erwiderte er herb:
„Ich halte cs sür richtiger, nachdem Sie mir meinen Standpunkt zugcwiesen."
„Lieber Herr Kyllburg — ich weiß, ich habe etwas gutzumachen. Bitte verstehen Sie das doch — damals. Ich war so ausgestört, all die Ungewißheit. Es tut mir ja selber so sehr leid. Aber Sic müssen nun wieder gut zu mir sein, lieber Herr Kyllburg. Ich kann mich sonst gar nicht freuen über mein Glück."
Um des Adjutanten Mundwinkel zuckte es. Wie naiv sie war, wie unbewußt egoistisch! Sie brauchte seine Verzeihung, nur um sich desto ungetrübter mit dem anderen ihres Glückes freuen zu können. Und schroff lehnte er ab:
„Ich glaube kaum, Fräulein von Henning, daß meine Person diese Bedeutung sür Sie hat."
„Sie wollen mir weh tun — absichtlich." Traurig sagte sie cs. „Bin ich denn wirklich so lchlecht, daß ich das verdiene?"
Er schwieg, die Lippen trotzig aufeinandergepreßt, llnd doch rührte ihn der schmerzliche Ton aus ihrem Munde.
Sie ivartete eine Weile, und als keine Antwort kam, sagte sie still:
„So stehen Sic also als einziger abseits, wo jeder jetzt sreundlicb zu mir ist. Sie allein. Und Sic nannten sich doch einst meinen Freund, der nichts ivollte als mein Glück. Was sind Worte!"
Und mit leisem, traurigem Gruß wollte sie von ihm gehen. Aber da tat er ihr einen Schritt nach.
„Fräulein Gerda, nein — das dürfen Sie nicht denken. Mein Leben sür Sie — auch heute noch! Nur — "
Wb er da sandte sie ihm einen innig bittenden Blick zu.
„Wenn ich doch nun einmal nicht anders kann! Wenn das doch nun einmal mein Glück ist!"
Ein letztes Aufbreuneu der Wunde bei Ktillburg, tief drinnen, heiß und schneidend; dann hatte er überwunden. Er sah sic an mit eiucnl eigenen stillen Leuchten in den Zügen.
„Wenn es so ist, Fräulein Gerda, so will ich ohne Bitterkeit an Sie denken. Will lernen — mich Ihres Glückes zu freuen."
„Lieber, Guter!" Beweg! preßte sie ihm die Hand und bat dann, noch ein ivenig zaghaft: „Werden Sic mir nun auch eine letzte Bitte noch erfüllen?"
„Ich hoffe, es steht in meiner Macht. Was soll ich sür Sie tun, Gerda?"
„Lernen Sie Heinz kennen, reichen Sie auch ihm die Hand."
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Da flog es doch noch einmal über sein Antlitz. Aber dann sagte er fest:
„Sie haben recht. Man soll nichts halb tun. Lassen Sie tv mich also wissen, wenn Ihr Herr Verlobter da ist."
„Innigsten Dank!" Ihre Augen strahlten ihn jetzt in ungetrübtem Glanze an. „Nun erst kann ich mich wirklich freuen."
Da nickte er nur leise.
Und Walter Kyllburg hielt sein Wort. Beim nächsten Besuch Keßlers war auch er im Henningschen .Hause anwesend.
Gerda hatte den Verlobten draußen ans der Diele empfangen und begrüßt. Nun sagte sie ihm:
,/Tu wirst heul einen alten Bekannten unseres Hauses kennen lernen, Herrn Kyllburg, Papas Adjutanten. Er kennt Astrid und mich schon von klein auf. Ein lieber, treuer! Mensch — du mußt recht nett zu ihm sein. Ja, Liebster'?"
Heinz Keßler, der den Arm um'Gerda gelegt, langsam mit ihr durch die Diele schritt, blieb stehen.
„Ach — wohl der Herr, mit dem ich euch damals bei! Rasmussen sah?"
„Ganz recht."
Ein Schweigen, dann suchte Keßlers Blick mit einem scharfen Durchdringen das Antlitz der Verlobte».
„Du — wer ist dieser Kyllburg?"
Gerdas klares Auge lag ofsen vor ihn«.
„Ich sagte es dir ja schon: ein lieber Freund, auch von mir. Einer, der es gut meint, ehrlich gut — mit uns beiden."
Einen Moment noch blickte Keßler ihr ins Gesicht. Dann sagte er:
,So soll er auch mein Freund sein. Komm!"
Das Wort, das schlicht klang und doch groß, geivann ihiu innerste Hochachtung bei Gerda.
*
„Na, da hätten wir ja die große Tourne glücklich hinter
uns."
Heinz Keßler sagte es zu seiner jungen Frau, als sie nun heimkehrteu von ihrer Visitensahrt. Sie hatten all den Freunden und Bekannten, wo Keßler als Unverheirateter! bisher verkehrt, ihren Besuch gemacht.
„k)ie haben aber nicht schlecht gestaunt, als sie mein kleines Frauchen zu Gesicht kriegten — gelt, Bebe?"
Sic lächelte ein wenig zerstreut. Ihr Blick streifte zu der Flurgarderobe neben ihr hin. Lag da nicht aus der Silber- schale eine Postkarte?
Sein Auge aber hing gefesselt an Gerdas Gestalt im eleganten Straßenklcid, aus dem entzückendeu Gesicht unter deni breitrandigen Federhut.
„Süßes du!"
Eine stürmische Bewegung, daß sie zusammenschrcckte. Und er wollte durch den Schleier hindurch ihre weichen Lippen berühren. Aber Gerda wehrte ihn lachend ab.
„Halt doch nur einmal Ruh', du schrecklicher Mensch! Hier, mach dich lieber nützlich, zieh' mir die Handschuh' aus."
Sie reichte ihm die Rechte, und tvährcnd er sich nun mit dem Attstuöpfcu beschäftigte, griff ihre Linke nach der Postkarte. Von Astrid daheim — und sie las.
Währenddessen hatte Heinz Keßler aus dem Handschuh den schlanken Arm, die iveiße, warme Hand herausgeschält und dedeckte nun jede Fingerspitze, jeden der zierlichen, rosenrot polierten Nägel mit einem andachtsvollen Kuß.
(Fortsetzung folgt.)
Im vogelrberg.
Von Th. Ce llariu s.
(Fortsetzung.)
Wiuterbilder.
Das Dorf an der Nidder lag in tiefer Winterruhe unter verschneiten Däckiern, und unberührt und rein ruhte l ie schützende Schneedecke aus den cs umgebenden Feldern mit den schlummernden Saaten. Des Winters Hand lag fest und lange aus diesenl Teit des Gebirges, aber sein Haupt ragte hoch darüber, und erst in den höchsten Ansiedelungen des Vvgelsbergcs zeigte er sich in voller Majestät: angetan mit deni tief herabivatlendcn, iveißen Mantel, in welchem Millionen kleiner Sterne funkelten und mit der blitzenden Krone aus dem Haupt.
Tort kam es in jedem Winter vor, daß sich über Nacht Schnce- niaucrn vor den Häusern türmten, tvelchc ihren Bewohnern den Llusgang wehrten. Kleine Hütten und Backhäuser wurden ganz darunter begraben. Dann galt es, Hohlwege durch den .Schnee zu graben — wozu die Geräte immer in den Häusern bereit


