,Kui Herz habe ich freilich nicht, aber eine Feder und die ist für Wärme und Liebe genau so empfänglich wie dein Herz. Ich konnte dir gar manches erzählen, aber du wirst mich ja doch nicht anhörcn."
„Doch, ich will ganz ruhig sein," sagte er eifrig, „und dich gar nickt unterbrechen."
„Gut. so sollst du meine Geschichte hören. Ich bin schon sehr alt, so alt, dag meine Zeiger gar nicht mehr recht fort Mollen. Das war aber nicht immer so. Als mich deine Großmutter, die jetzt schon lange tot ist, lauste, war ich ganz neu und glänzend. Die Bilder waren gerade gemalt, und auch dre Herbstzeitlosen, die mich jetzt in blassen Ranken umschlingen, ivaren noch frisch und rot. Meine Feder n>ar jung und krästig, und jedermann rühmte meine Pünktlichkeit. '
Gott, war das eine Freude, als ick zu Hause ans denr Tische stand und zum crstenmale mit »ollem Tone schlug. Deine Großeltern, die sich das Geld sür mich am Munde abgesvart hatte«/ hielten sich engumschlunge» und schaute» mich glücklich an. Jeden Abend wurde die Schutzglocke vorsichtig von mir abgenommen und meine Werke ausgczogen. So lies ich immer fröhlich iveiter. Und ich durste auch fröhlich sein, denn damals wacks gar zu schön. Am Tage über sah ich ja nicht allzuviel, aber desto mehr am Abend. Dein Großmütterche» saß neben mit am warmen Ösen und dein Großvater ging im Zimmer ans und ab und sang so schön, daß selbst der Kanarienvogel, der mich am Tage mit seinen lnsligeu Liedern unterhielt, ganz still im Käsig saß und auf jeden Ton lauschte.
Als daim dein Vater ans die Welt kam, kannte das Glück keine Grenzen mehr. — Ich sah ihn schon, wie er noch ganz klein in der Wiege lag und schrie, daß mir die Feder summte. Später hatte ihn dein Großmütterche» ost ans dem Schoße und lehrte ihn aus mein Gehen hören.
So ging die Zeit hin und ich ging tu stets gleichem Gang mit Alles konnte sich ans mich verlassen. Dein Großvater kaur stets püttkilich zirm Dienst, dein Baicr nie zu spät zur Schule, und »venil sic nach Hause kamen, stand das Essen schon aus dem Tisch, denn deine Großmutter richtete sich auch stets nach mir.
Dein Vater kam schließlich aus der Schule, wurde älter und älter, und was denkst d», was eines Tages geschah?"
Fritzchen schaute die Uhr fragend an.
„Er brachte eine Braut mit," sagte die Uhr lachend. „Die beiden hättest du sehen sollen. Waren die verliebt! Aber sic waren mir ansänglich gar nicht gut, denn ich lies ihnen zu rasch. Als sie aber verheiratet waren. kamen sic noch ost und sahen auch mich ganz freundlich an. Sie halten mich iu den schönen Stunden doch ins Herz geschlossen. i
Aus einmal wurde cs dann allerdings gar traurig bei uns. Dein Großvater ivurde krank und mußte im Bette liegen. Der Arzt kam, untersuchte ihn und schüttelte bedeirklich seine» weißen Kopf. Dann setzte er sich an den Tisch, schob die Brille ans die Stirne und schrieb auf einen Zettel.
„Holen Sie das in der Apotheke und machen Sic tüchtig kalte Umschläge," sagte er und ging leise aus dem Zimmer.
Was glaubst du, wie rasch dein Vater die Arznei besorgt hatte, unv luic oft er die Treppe heraus- und hinunterlief, um frisches, kaltes Wasser zu holen, denn Eis war damals selten, da cs im Sommer lvar.
Aber alles Arüeiteir und Sorgen half nichts. Nach ein paar Tagen hatte er ausgelittcn. Als deine Großmutter sich weinend über ihn ivars und dein Vater schluchzend vor dem Bette stand, sprang mir über all das Leid und die Tränen die Feder cntzlvn.
Später kam ich zn einem Uhrmacher, der uiich wieder gesund macken sollte. Aber es gelang ihn, nur halb. Meine Stimme wurde rauh und hart. Deine Großmutter hatte mich aber trotzdem lieb,' so lange sie lebte, durste mich niemand anderes anrührc». In ihren einsanien Tagen saß sie nun gewöhnlich hinter ihren Blume» am Fenster und strickte. Dann ging sie einmal fort und kam nicht wieder. Sie war auch gestorben.
Bon all den Sachen, die sic halte, nahm dein Vater nur mich mit, denn anch er hat mich sehr gern. Nur du niagst mich nicht leiden und das tut mir sehr tveh."
Fritzchen wollte ihr eben gerade antworten, als ihn die Mutter auswcckte. Ehe sie ihn etwas fragen konnte, eilte er zu der Uhr, stieß sie vorsichtig au und freute sich, als sie lustig weitertakte.
Er wollte sie gewiß nicht mehr schmähen.
Und die Zahl seiner Diebstähle aus 200 a «wachsen mußten, eh» tim« diesem erfinderischen Lanafmaer auf di« Spur kam, hat seine guten Gründe. Franebonune ist ein Kenner der Schattenseiten der menschlichen Seele und weiß, wie sehr Aussicht aus Geld und Verdienst verlockt. Und so maskierte er sich dann, lvenn immer er aus Abenteuer ausging, als Polizeiinspektor, suchte sein Opfer, irgendeinen vermögende,, Jnwelenhändler, auf, klopfte ihm vertraulich aus die Schulter, zog ihn ein wenig beiseite und sagt« mit verständnisvollem Augenzwinkern! „Schauen Sie her. Sie wissen, daß eine ganze Menge Jmvelen durch die Hände von Polizeibeamten gehen. Manche der kleinen bunten Steiuchen bleiben dabei kleben. Wenn Ihnen daran liegt, könnten mir gemeinsam recht hübsche Geschäfte machen." lind dabei zog er aus seinen Taschen gestohlene Edelsteine, ließ sie funkeln und bot sie beut Händler zu einem Preise an, der niehr als billig >var. Fast iunner bissen die Juwelenlüindlcr au, und das Geschäft ivurde abgeschlossen. Allein lvenn der vermeintliche Herr Polizeiinsvektvn gegangen ivar, mußten die Händler mit Schrecken bemerken, daß eine Airzahl besonders kostbarer Schniuckstücke mit ihm verschwunden war Da aber die Herren Jinveliere in der Angelegenheit kein reines Gewissen hatten, loagten sie es nickst, de» Diebstahl an, zuzeigen, und so konnte Franehomme zwei Jahrzehnte hindurch ungestört sein Handwerk fortsetzen. Selbst als er jetzt vor Gericht entlarvt Ivurde, wagten nur tvenige der vorgeladenen 78 Zeugen ansznsagcn: die überwältigende Mehrzahl der Geschädigten zog es vor, hartnäckig zn behaupten, daß Franehomme sic keineswegs bestohlen habe, llird so erklärt cs sich auch, daß dieser schlaust „Champion der Diebe" mir 3 Jahre Äesängnis erhielt.
' Sch eid i qn n geII dur cb Li ch!. In der Deutsche» militär- ärztlichen Zecksckrritt bespricht Tr. G,oü, Kiel. Blendunac» durch natürliche und künstliche Lichtquellen, besonders eine Krankheit, bei der stch, „leist erst sechs bis acht Stunden »ach der Blendung, unter heutigen Augen- und Kovstchinerzen Entzündung der Bindehaut eni- stellt mit enormer Träneiiablonderimg rmd dem Keiühle, als ob schailkautigc Fremdkörper zwischen Auae und Lidern hin- und l,e» rollten. ES besteht lwchgradige Lichtlche». Die Leute machen einen fchwerkranke» Eindruck u»d sind aäuzllch hilstos, aber nach zu>et Wochen sind alle Erscheinungen verschwmide». Doch komme» auch Fälle vor, die mit Selmerveneutzäudung und Erblindung ausae en. Neben der akuten findet sich eine chroniiche Krankheit dieser Art infolge langer Einivirkmig schädlicher Lichtstrahlen,
* S ch w e r e V c r a u t w o r t u n g. I» Amerikanopolis sind endlich die Frauen als Geschworene zugelassen. „Madel," erzählt Gertrud ausgeregt, „ich bin als Geschworene ansgelostI" „Denk dir, ich anch," sagt Mabel. Dann sehen sich die künstigen Rtchteriiinen einen Augenblick ernst an. „Wir werden eine schwere Verantwor tnng zn tragen haben," meint schließlich Gertrud. „Ja," erklärt Mabel, „eine schwere Berantlvortung. Was wirst du denn an- ziehen?"
*DiearmenLeute! „Weißt du," sagt der über Nacht zmn Millionär gewordene Mr. Neivrich mit einer Mischung von Behagen und herablassendem Mitleid, , inir scheint, daß unsere Nachbaril nebenan in traurigen Berhälliiisseii leben, sie sind sicher so arni wie Kirchcnmäiise." „Warum glaubst du das?" fragt Mrs. Newrich voll Interesse. „Ach, sie können sich nicht eimnal ein mechanisches Klavier anschassen: die Tochter nimmt Klavierstimden und spielt mit den eigenen Händen." _
Silbenrätsel.
an, ci, der, da, djr, ec, ,1, I>», ta, In, nacli, ni, o, ta, tna.
A>iS vorstebcuden Silben und Buchstaben sollen tiiut Wörter gebildet und derart »»tereinaiider gesetzt ivcrdc», daß die Anfangsbuchstaben vo» oben »ach imleii liiid die Endbuchstaben von unteu nach oben gelesen, den Rainen eines aiißereiirooäische» HaleitpiatzeS ergebe». Er bedeutkii aber die eiiizelneu Wörter der Reihe »ach folgendes:
1. Ausländische» Ziervogel.
2. Figur aus Schillers „Wallensiein'.
8. Stadt in der Rheiiiprovuiz.
4. Elavischen Dickster.
5. Römischen Geschichtsschreiber.
Auslösung i» nächster Nummer,
vermisste».
*DerTrickdesJuwclciidicbes. M. Franehomme ist über Nacht in Paris berübiiit geivorde». Die Richter haben ihn zwar ans drei Jahre ins Gefängnis geschickt: aber ivas sind drei Jahre Gefängnis, wenn inan 20 Jahre lang gewinnsüchtige Juwelcnhändlcr genarrt tjat und aus Grund dieses lichtscheuen Handiverkcs ein üppiges und geradezu sorgloses Leben sübren konnte. Verbrecher sirch vor den Schranken des Gerichtes gern großsprecherisch, aber M. Franchomme war nicht allzu anmaßend, als er sich im Pariser Gerichtshof mit vergnügtem Augenzwinkern den „Champion der Diebe" „aiiute. Daß 20 Jabre verstreichen
Auslösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer« Weiß. Schwarz.
1. l> b 2 — d 8 TU6n.h8
2. T a 6 ii. e 6 T h 8 — h 1 f, d 7 n. e 6
3. T e 8 — e X, L f 7 n. e 6 Matt.
A. 1....... Latin. t7
2. Ta6-d6f T h R n. d6, ob. c 7 « . 4 6
3. D h 8 — h 1 ob. — a 8 Matt.
B. 1....... e. 7—06
2. SgSii. e6 beliebig
3. l) ob. 8 gibt Malt.
Redaktion: kk. Neurath. — Notatlo»«br-uck und Verlag der Brühl'schen UnioersttätS-Buch- und Stetiidruckerei, R. Lange, Dießen.


