Ausgabe 
28.3.1914
 
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IS',

Bertrauen, d,ts; Sie eo gut mit »reinem 'linde »>»iirn. .Hier so iiehmen Sie denn mein« Znsnninrung!"

lind er lanjchte mit den, snngeu Bimu« einen festen Handedrtick

Ich danke Ihnen, Here von Henning. Sic sollen es nie berenen, dast Sie nrir Ihr Berlranen geschentl haben."

Es kanr etlvas konventionell hcrans. Was sich bei heiuzz Keßler vorhin an loürnrercn Enipsindungen sür Gerdas. Bater hatte einsteklen wolle», das ivar nun wieder zurück-, gedrängt.

iForlictzniig folgt)

Var Nechl am eignen viide.

Juristische Plauderei von E. Goldsrcund, Leipzig.

Schauplatz: Ein vornehmes photographisches Atelier.

Ein voruehiucr .Herr betritt das Atelier.

Tie Empsangsdome:Ter Herr wiluschen'?"

De: Herr:Eilt Dutzend Kabinettbilder".

Tie Empsangsdauie:Dari ich um Ihren Namen bitten?"

Ter Herr:Regierungspräsident v. 1."

Die Empsan,zsdamc:Ich bitte, Platz zu nehmen, die Nusnah- nie» werden sofort gemacht."

*

Der Regierungevräsident ist nach einigen Monaten zum Ober- Präsidenten ernannt worden und erhält beim Antritt des neuen Postens solgeitden Bries:

Eiv. Exzellenz!

DemReichsanzciger" entnehmen wir, das: Etv. Exzellenz zum Oberpräsidente» der Provinz Pommern ernannt worden sind, aus Ivclchem 'Anlaß nur uns gestatten, Ew. Exzellenz um die lleber- sendiina eines Bildes und gleichzeitig um, die Erlaubnis zur Ver­öffentlichung in unserer illustrierten Zcitschrisl zu bitten.

Wir sprechen Eiv. Exzellenz im voraus nnscrcn besten Tank aus und zeichnen

Mit vorzüglicher Hochachtung Der Verlag der illustrierten Zeitschrift Der Halbmond".

Ter Herr Obervräiidcnt sendet aus die Bille der Zeilschrist osort das erbetene Bild ein, das gerade kurz vor Redaliionsschlnst ür die nächste Nummer eintrisst, aber noch in dieser erscheint.

*

Ter Herr Oberpräsidcul hatte natürlich die ganze Angelegenheit längst vergessen, als er nach mehreren Tagen recht unsanst noch rinmal durch einen Bries des photogravhischen Ateliers, bei dem er als Regierungspräsident zurzeit die Bilder hatte machen lassen an sie erinnert ward. Ter Inhaber des Ateliers balle sich bereits an den Verlag der Zeitschrift gewendet und dort sein Urheberrecht an der Photographie geltend gemacht, war aber von diesem an den Oberpräsidente» verwiesen wölben, da der Verlag gellend machte, von diesem die Erlaubnis zur Berössentlichung des Bildes erhalten zu habe». Der Phologravh setzte dem »mit Obcrpräsidciiten aus­einander, dag er keine Berechtigung habe, das von ihm hergestelltc Bild ohne seine «des Plwiographcn) Erlaubnis an die Zeitschrift zu geben. Ter Herr Odrrpräjidcnt hätte sich dadurch einer Ver­letzung des llrhebcrrechts schuldig gemacht, tvoraui er ihn zur Per »»idiing tünjliger Fälle ansmerliom machen loolle, er müsse ihn aber schon heule darant Hinweisen, das; er im Schadenssalle verant­wortlich gemacht tverden ivürde.

Ter Herr Obervräsident saß in seinem Sessel und starrte lvie geistrsabtvesend vor sich hin. Schliesslich hörte man ihn mit lantem Gepolter die Worte hervvrstvssen:

Ja, was ist denn das, ick habe doch dem Manne die Bilder bezahlt, und kann mit meinem Eigentum doch machen was ich will? Das wäre doch noch schöner!" Mit dielen Worten griff er zur Feder und wollte dem Photographen einen gcharnischlcn Bries ichreiben. Ta kam ihm ein neuer Gedanke.

Ein Truck an, einen Kbiopi zitierte mit lantem Klingelzeichen de» Sekretär herbei

Exzellenz wünschen?"

Fragen Sie sofort telephonisch de» Rechtsanwalt ']) an, ob ich ihn gleis, einmal sprechen kann."

Jawobl, Exzellenz."

Nach einige» Minuten erscheint der Sekretär tvieder.

Herr Rccknranwalt lassen Exzellenz bitten."

Im Bureau des Rechtsanwalts. Ter Operpräsident und der Rechtsanwalt i»id alle Tluoiengenoisc».

höre mal, mein Lieder, >nir ist da eine ganz eigene Geschichte paliiert. derentwegen ich mir bei dir Rat holen will." Und nun erzählte er dem alten Freunde seine Leidensgeschichte mit dem Bilde. Mir scheint. der Manu mutz dos, vollends verlockt sein, wie kann er nrir vertoeigcrn. inik meinem Eigenknm zu machen, was ich Lust habe?"

4ia," autworlrtc der Gefragte,die Sache ist sehr böse, der Mann har vollkommen res,l."

Waas?"

Ich >vill dir mal was sagen, meine liebe Exzellenz. Du hast cinen großen Fehler begangen. Ras, dem Kunstschuvgesctz vom i). Januar 1!X>7 ist der Man» im Recht. Es besteht leider in weiten Kreisen, zu denen du und sogar viele Juristen gehören, »os, eine gewisse Unklarheit über die Bestinlinungen des Gesetzes Es lommk nämlich darnach nicht die Erlaubnis des Abgebildete» in Frage, diese ersetzt auch nicht die Genehmigung des Phologravheu. In iviederbolt rrgntigenen Emscheiduugen ist der Grundsatz ansge stellt ivorden, dast der Urheber, der das Werk geschaifen hat, in die­le,» Falle al,o der Phologravh, ausschließlich die Befugnis hat, das Werk zu vervielfältigen und gewerbsmäßig zu verbreiten, hier stellt sich nämlich das Knnstschnpgcsetz in bewußtem Gegensatz zu dem alte» Gesetz, da an die Stelle des Rechts des Bestellers das Recht des Urhebers getreten ist. Die Ausnahmebestimmung in ij lbi,2 gestattet dem Besteller wolil, das von ihm bestellte Bild zu vervielfältigen oder was selbstverständlich ist durch einen Dritten vervielfältigen zu lassen, dagegen verbleiben dem Photo gravhen alle sichere,l Rechte aus z 15, und dazu gehört vor allen Dingen die gewerbsmäßige Verbreitung."

Die liegt ja aber gar nicht vor. denn ich habe das Bild ja nur einer Zeitschrift, und dieser auch ohne Bezahlung, überlassen," ivart jener ei».

Darüber liegt gar kein Zweifel vor. Die Frage, wann ge­werbsmäßige Verbreitung vorliegt, ist nach der Person dessen zu beurteilen, der den 'Akt der Verbreitung vornimmk. Wenn eine Zeitschrist das Bild eines Dritten mit dessen Erlaubnis bringt, so wird regelmästig die Berbreilmig als eine gewcrbsmähige anzuschcn sein, da sie ja meist in vielen Tausenden von Exemplaren erfolgt."

Nun beantworte mir doch einmal die Frage: Wie kann man sich denn nun vor solchen Unaiinehnililbkeiien schützen?"

Gern, die Sache ist nämlich sehr einfach. Wenn du wieder einmal zu einem Photographen gehst, so brauchst du nur vor der Ausnahme diesem zu sagen, und daraus wird vorher jeder Photo- gravh eingehen, um sich ein Geichäst nicht entgehe» zu lassen, das, du das Urheberrecht wünschst übertragen zu erhalten. Ich bitte dich aber, genau zu beachten, du mnstt das Wortübertragen" ge­brauch«,, und nicht etwa es dir nur Vorbehalten usw. Auch mutzt du diese 'Abmachung jedesinal ausdrücklich wiederholen. Jedensalls erlvirbst du mit der Bezahlung des Bildes allein nicht das Urhebcr- recht. hast du dir dieses aber übertragen lassen, so hast du das Recht, mit dem Bilde zu machen, was du willst, und kannst cs auch an so viele Zeitungen geben, wie es dir beliebt, ohne dast du den Photogravhen zu fragen brauchslj oder er ein Recht hat, irgendwie cinzugreiseii. Aber gefälligst daraus achten: vvr der 'Ausnahme und nicht nachher, denn dann wird der Photograph, der sein Recht natürlich genau kennt, nur in den seltenste» Fällen dafür zu Hadem sein." ,

Ter Obcrpräsident erhob sich.

Ich danke dir sür deine Auskläruiigen und tverde sie in Zu- kiinst genau beiolgcn."

TaS ivird zu deinem Vorteil sein, aber nicht vergessen, vor­her und die Ucbcrtragung . . ."

Adieu." _

Die alte porzellanuhr.

Von Otto Neurath.

Der kleine Fritz mochte nie die alte Porzellanuhr leiden, die unter einer einsachen Glasglocke ans der Kommode stand. Fing sie nun gar an zu schlage», so tveinte er und bat die Mutter, die Uhr doch iii nicht mehr auszuziehen.

Sic rasselt ganz abscheulich," sagte er immer,und die Bil­der sind gar nicht mehr schön."

Als er nun eines Tages allein zu Hanse war und die llhr zum Schlagen ansetzte, lies er rasch hin und gab ihr einen Stotz, dast sie stehen blieb. Dann setzte er sich zusricdcn an feilten Tisch, spielte mit seinen Soldaten und Pferden und schlief schließlich über all den bnntcn Herrlichkeiten ein.

Als nun in allen Häusern die Lichter auiilammten, und der Mond am Himmel dahinzog, sing in Fritzchcns Zimmer, das nur vom Mondschein erhellt war, ein mnntercs Treiben an.

Tie Bleispiellenic stimmten ihre Instrumente, die Soldaten Übten Parademarsch und bunte Figuren svrangen mit frohem Lachen a,ls den Bilderbüchern. Alles lies und tollte durcl-emander Nur die alte llbr stand tranrig au! ihrem Platze. Ein halbblindcr Spiegel wandle sich teilnahmsvoll an sie xmd suchte sic zu erheitern, aber sie schaute ihn gramvoll an.

Lange, laitge Jahre habe ich treu meine Pflicht getan, und nun :vo ich alt und schwach bin, mag man mich nicht mehr hören. Bi» sch denn schuld, dast ich nicht mehr ganz bei Stimme bin und meine Bilder verblaßten?"

Rein, liebe Alte, daiür kamrst du sicher nichts," erwiderte der Spiegel.Ick, töunte auch gar nicht sagen, dast du köstlich warst. Tu bist freilich etlvas mitgenommen, aber für dein Alter noch ganz annekmbar."

Und da-5 will ickwn enoas heißen, wenn man soviel erlebt und gesehen hat wie ich."

Erstaunt wandte l'ch Fritzchcii an die Uhr:

Ja, kannst du denn auch fühlen und leben wie wir Menichrii? Tu hast doch gar kein Herz!"