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pirschen sich zur Blüte rüsteten, verlegte der Handelsherr seinen Wohnsitz i» die .Höhen am Abhang deS grollenden Vulkans, wo sich im Lause der Jahre eine reizende Pillcnkolauie gebildet halte. Auch Eda Tsushima, die Reizende mit den läckzerlich kleinen Fnßckien Und dem allerliebsten Slnmpsnäsckst'ii der Welt, des Seibengroßhändlers einzig Kind, kam alljährlich mit herauf, betreut von der alte» Amme Narawa Hiogo hatte oft mit dem Mödelcken gesprochen, halte ihr die sckwnstrn Rosen seines Gar- lens geschenkt und ihr von feinen« wohlriechende» Wachs, das er als Ccra japonica in de» Handel brachte, nianckxs Tlnckckieu abgelassen. So waren sie Freunde geivorden durch manches Jahr. Freilich, der l>andelsstolze Tsushima lieble diese Berlraulickcheit seines Töchlerchens Mit deui Kleinkrämer Hiogo Hakodale nicht; und als er das Kind eines Tages wieder am Zaun im tändelnden Gespräch» mit Hiogo fand, verbot er der alten Dienerin er zürnt. Mit Eda je nneder diese Seite des Gartens z» betreten.
Das Ivar vor Jahren gewesen. Nnletdes war die leidende -Hutter Edas gestorben und das Kind zu Berwandten nar!> Tokio gebracht loorden Seit gestern nun war Eda wieder daheim. Am Vormittage halle die Amme Naraioa den Wachshändlcr getrosten und ihm Grüße von Eda bestellt.
Hiogo freute sich ungemein. Roch war er unbeweibt und lveun er des Abends unter dein Maulbeerbaum vor keinem Hause saß. da schweiften seine Gedanken wohl manchinal nordwärts, und inaitcher Schwalbe, die über ihn dahin schwebte, trug er Grüße aus sür die kleine liebe Eda. Und nun loar sie wieder daheim. Was ivürde man in der Frenide aus ihr gcmactst haben? Sie l)ailc ihn grüßen lasse», also gedachte sie wohl auch noch seiner, und >var geimß »iä,l stolz geivorden, das liebe, zierliche Gcschövl- chstii. Er dnrilischritt jetzt dcdächstig und mit einem Frohgesillst das er bisher noch nie gekannt, seinen Garten. Er trug europäische Kleider, Und kstttte seinen Zopf, wie viele seiner StannneSbrüder, »nler dem Kragen verborge». An der Jasminlaube, dicht ani Jan», bog sich jetzt das Gezweig auseinander, und ein rundes Gesichlchcn mit blitzenden Augen »nd lackendem Munde lugte hervor und ries: „Hiogo!" Dann war das Köpjchen verschnmnden, die Zweige nickte» ein vaarmal dedä hlig, dann standen auch sie still, und nur der Zephir, der weich durni das blülensck-tvangere Gezweig loste, stlnueichelte den jungen Blättern leises Rauschen ab. Hiogo Mir stehen geblieben. Er läckstlte und schrill dann behutsam zur Laube, »nd jetzt sah er Edas rosasclümmerndes Gewand. Als sei eS der Frühling selbst, so lieblich schritt sie dahin, Uno als sie sich enideckl fand, kam sic mit einem Lache», das eine Weit voll Glück verkündete, hervor, und nun standen sie Hand in .Hand und sahen sich in die Auge».
Nun trafen sic sich alltäglich bei scheidender Sonne in der Jasminlaube; Und zum Kirsckchll'itcnsest, als rin einziges Jauchzen durch die dlistelodernde» Gärten ging und das Volk in Dort und Stadt sich verbrüderte, da sah die grünumrankte, romantische Laube, wste zwei sich küßten, und einer jungen Nachtigall ging diele Liebe zn Herzen. Sie span» in ihrem Kehlchen ein himmlisch Svhärenlied und »mivob das erste Küssen der schönen Eda mil einem zarten Schleier wunderkamsle» Klingen-
Wenige Tage später kam .Hiog» .hakodale aus dem Kontor des Sri drug roß händl ers Riigalr Tsushlma druiltc» am Kai Tac ivar krin fröhliches Antlitz, das der junge, verlieblc Wackw Händler zeigte, das ium'» nicht lackxnde Angen eines Maiuies, der zunr Kirtchbliilensest baS scktönste Kind Japans gckiißt Halle. Ter alte, bandclsslolze Tsushima, dem er sich als Eidam angelnagen, hatte ihn roh und holmisch verlacht, ihn eine» Betlelkrämer genannt tmd (Ijm die Tür gewiesen. Und als Pater Tsushima nachmittags heim lehrte i» sein Sommcrhehir, da Hatto die kleine, zierlicke Eda ivahrlich keine gitte Stiiude. Der Pater verbot ihr uiilcr Androhung neuerlicher Eittscndiiug »ach Tokio jede weitere 'Annäherung Mi! Hiogo Hakodale.
Für die beide» Liebenden begann »u» eine trauriae Zeil des Enlsagens. Wenn Hiogo abends in seiner Laube saß, allein Und verlassen, klagte er Frau Nachtigall sein Leid, und die Sängerin der Liebe flötete nun ein traurig sehniiiä.tsvolles Lied. An einem jener Abende kau, Bonin Kanasoiva, ein Geschäftsfreund Hiogos, der unweit ei» kleines Landhaus befass mit jorgenvollcr Miene zu Hiogo.
„Was sitzest du hier und sinnst, Hiogo? Wache ans nnd de stelle dein Hans, denn bald wird, sürchl' ich, deine Liebessorge einer größeren weichen, der Lebenswege."
„Was soll das heißen, Bonin? Kündest du mir neues Unglück? Will Viio Fushi meine Wachslieserung nicht zahlen, die du mir vermitteltest?"'
„Ach, laß ihn zahlen oder »ich!. Es nxrd dir und ihm wenig srttchle». Was sind diese paar huuderl Pen gegen das Leben, und wenn es das nackte, bloße Dasein wäre!"
„Bonin, so sprich doch! T» machst mir Angst! Droht Krieg?"
„Ha, mehr als Krieg, d» Träumer! Läßt dich deine blöde Liebessorge nicht merle», ivas um birir vorgeht? Komm mit!"
Er führte den erschrockenen Hiogo aus seinem verwachsene» Garlcu an dir freie Seite des Hanscs, und da blieb Hiogo, vor Schreck fast gelähmt, stehe». Der Pulkan, sonst sriedlich sckimau- ckstnd Und sirlle, beschauliche Kräusel formend, batte sich mit blei- grauem Wolkeiidunst »indüllt.und aus seinem Haupllraler schosse» vicküe schwarze Tänipse himmelwärl?
„Seil wann? Jck> merkte von all dem nichts!" stieß Hst,qo hervor.
„Seit säst zwei Stunden. Und nun komm mit aus die andere Seite."
Der Freund führte Hiogo an die Rückseite des Hauses, von >vo aus mau einen freien Blick über das Meer hatte. Und auch hier schoß jäher Schreck in Hiogos Herz; dem, in ivelß- gisckstendcii. hochspriiigendcu Dellen brandele die sonst so ivohlig atmende Flut und ihr fernes Rausck)eil war jetzt nustäl und schwellend. Und in Cpriiigslule» schnellle» die gepeitschten Wasser über den Bord des Kais. Eine unheilverkündende Stiinniiing lag in der Lust, als ob ein schweres Gewitter, von einer Gottheit eisernrr Faust noch in Fesseln gebanut, n» de» Kellen zerre, unr dann mit langverhaltener Wut über die Menschheit herein- zubrcchen.
Und wie die Freunde so jchauten und ihre Bejürchtungei« aiistauschle», ging ein Grollen durch de» Erdleib, dunipi lind bang, und ein .Zittern mackste Berg mrd Insel wankend, >uch iegt schoß, einer Ziiklüpenralele gleich, aus des Sakuscknnia Vulkans gärendem Maule er» Feucrslrahl empor, hoch, unendlich hoch, und die Erde ivand sich in ivttdem Weh miler diesem Gebären von Feuer »nd glüheitdem Gestein. Noch stand jegliches «heschöps, Mensch und Tier, erstarrt von dieseiil 'Anblick uneird- lich schauriger Erlstidcuheit, als auch sckw» der Frucrregeu lzernic- derbrauste, als auch schon die glühend,» Flute», die aus des Kraters gärendem Maule slojsc», i» rasender Eile sich tallväris schoben. Ei» Wirbel, »nd noch einer, und ivo soeben noch Hiogos Haus stand, war ein wilder, wüster Fleck; nnd Ivo Hiogo gestanden, ragte plötzlich ein großer Maulbeerbaum aus dem Erdreich, die Krone zu Füße», die Wurzel» in jämmerlicher 'Anklage gen Himmel streckend. Hundert Meter auswärts, in Mcnitegos iäarleu, halle er gestanden, und d r Wirbel halte ihn in der Zettl eines Gedankens enliührt und kopfuntcr hier ringcpslanzt. Hiogo aber befand sich, er »vußte nicht, ivic das geschehe», u,plötzlich i» seines Nachbarn Tsushimas Brunnenkos, und Blut raun über seine Stirn; aber der Gluthauch, der mit sengender Hitze im Nii über der Gegend lagerte, trocknete ihm Blut. Wund«, Mund- Hir» und Haut.
WaS kanr da. einem Lindwurm gleich, durch de» Garte» geschoben, feurig, glühend, leszeud, einzelne lauge, sengende, zündende Arme, greulichen Ponipeniangen gleich, vrrkralleud? Hiogo, der an dem Brunneiisteiu klebte, stierte darauf. Ja, ei» Schreieir, ein Janimeril ließ ihn cruxickieu. Ja, >vas war das? Ging die Well stiller? Oder war die alle, morsch« Erdmutler wieder jung gewo>dcn lind gebar neue Welten? War diese? höllische Poller» und Kracken und Tosen »nd Zischen die ersten Schreie junger Erden? Und i»»nei neue 'Ausbrücke aus des Kraters Rochen, »nd z» all dem Tumult das Wahnsinnsschreie» brennender, sterbender Menschen.
Ei» neues Jammergeschrei aus dickster Nähe erweckte Hiogo aus feinem starre» Schreck. „Eda! Eda!" klang die ersterbende Stin»nv> eines Mannes. Ter Ruf Eda gab ihm Besonnenheit wieder. Er drang in Tsushimas Haus, das nur »och zur Hälfte stand, und fand dort den allen Seidenhändler am Boden liegend nitd Eda vor ihm kniend. Eda ivar im Nack tgelvand, und sie schrie aus, als sie im Scheine de- wüsten Fanales Hiogo vor sich stcheu sah.
„Fort, fort, Eda! Jeder Augenblick des Zögerns bringt lins den Tod."
„Nicht ohne de» Pater!" entschied das tapfere Mädchen.
„Wir trage» ihn." >
Und sie beide hoben den jchwkrc» Mann, der einen OhnniachlS- aniatl erlitten, aus iind schlepvte» ihn hinaus. Eilt eiseniev Karren, des Gärtners Gerät, stand unweit der Tür. Daraus wollten sie den Vater lege». ?kbcr als Hiogo das Gefährt znreckst- rückte, entinhr rin Wchlaut seine»» Mund. Ter eiserne Karren wäre ein Bratrost geworden sür Tsushima, so Halle ihn die yttße Lust angeglüht. So schtevvtc» und schlcislen sie dci,^'Aermste» znm Garten hinaus, am glühenden Lavastrom vorbei. Das ickjöne, sck irarze Haar Edas sing Feuer, aber Hiogo, dessen Zop, anch schon zu sengen begann, schnitt mit einer kleinen 2ck>«re, die eil a» seinem Okuliermesser bei sich trug, Edas Haar ab und lieh es zu Bode» salle». Und nun »oeiier! Tic Augen auollen aus ihren Höhlen bei dieser Glut, Mund und Nase dörrten ans, und nun sing anch Edas Nackstgeivnnd a» zu sengen und der seine Stoß siel wie Zunder von ihrem Leibe. O, Not ist rein und heilig, und diese Not war groß! Hiogo riß fick; das Wams vom Leibe nnd lvollle die vor Scham erbebende Eda umhülle», aber ehe sie es noch ersaßt, ivar es ein Fetze» geworvc» >u>d flatterte davon. Da sah sic mit ihren keuschen Augen stehend zn Hiogo Dieser wies mit stummcni Weh aus die anderen fliehenden Menschen, die an ihnen vornberdajlelcn, und deren gar viele halb vier ganz »acki ivare». Ta lächelte die Reine inner Tränen und »nd faßte wieder de» ersterbenden Vater und iclbander trugen sie ilgi lalivärls. >vv es allgemach rrtläglich.r ioiirde. 'Aber dos Donnern nnd Zitlcrii nah»« lei» Ende Von neuem erbeb!« die Erde, oit so gcivaltig, daß die slieheiiden Menschen zn einem Häuslei» z»sainine»grw»rse» ivurden. als ob ei» schlecht gelaunter Gigant seinen Svaß mit ihnen treibe. Tic Stadt dniutcn war njt
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