18 «
„Ja — Warnen!" Er wiederholte es, im Innersten erregt, wenn er auch feine Stimme gewaltsam dämpfte. „Sie sind im Begriff — sich einer Täuschung htnzugeben, die Sie unglücklich machen kann für Ihr ganzes Lebe». Das laint ich nicht ruhig mit ansehen."
Sie hatte Plötzlich ganz ihr« Beherrschung wiedergesum- den, und fest wies sie ihn ab, wen» auch noch schonungSvoll! im Ton:
„Ich sehe nichts, was Sie zu Ihren Befürchtungen berechtigte."
„Gerda — Sie Kinnen es doch nicht leugnen: Keßler wirbt nm Sie, und Sie —"
Gerda von Henning fuhr empor.
„Herr Kyllburg, bei aller Frenndschast —- Eie vergessen sich."
Aber er trat noch näher zu ihr.
„Auf jede Gefahr hin! Ich muß zu Jlbnen sprechen. Ich muß für Sie sehen, da Sie geblendet sind. Ich verstehe das ja alles. Der Mann hat etwas, was fesselt. Aber er ist eben ein Blender. Nicht bewußt — nein. Sie wissen ja, ich halte ihn selber für keinen Komödianten. Und dennoch — dieser Manu Kinn keine Frau glücklich machen. Wenigstens nicht auf die Dauer. Er hat Seine Beständigkeit, folgt nur (einen Impulsen. Ich sehe schwerste Enttäuschungen für Sie voraus. Und darum, Gerda — hören Sie «us mich, solange es noch nicht zu spät ist!"
Seine Hand streckte sich unwillkürlich nach ihr auS Aber sie wich vor ihm zurück.
Wohl stieg da eben, bei seinen letzten Worten etwas! in ihr auf — ein dunkles, banges lilhnen, wie ein Borausz kühlen kommender Dinge — aber alsbald war das wieder verdrängt von Zorn und Empörung. Wie konnte Kyllburg daS wagen! Empfindungen bei ihr zu entblößen, die sie sich selbst noch nicht ttar eingestanden hatte. Und so ries sie chm mit bebenden Lippen zu:
„Sie verlieren jedes Matz! Ich kann Sie nicht länger mehr mit anhören, .Herr Kyllburg." Sie machte Mene, an ihm vorüber Ivieder nach von» zu de» «»deren zu gehe», «der noch einmal wandte sie sich ihm zu. „Ich soll Ihnen laube», daß nur Frenndschast für mich Ihne» diese Worte ifticrt hat — aber ich sehe ein anderes Motiv."
Er war ganz blaß geworden und zurückgetreten, um sie vorüber zu lassen. Mm erwiderte er seltsam ruhig:
„Sie irren, Gerda. Ich hoffe nichts mehr für mich, und hätte ich die Ueberzengung, es wäre zu Ihrem Gluck —i kein Wort wäre je über meine Lippen gekommen. Das versichere ich Ihnen als Mann vo» Ehre."
Einen Augenblick war es, als zögere ihr Fuß noch, aber dann ging sie schweigend an ihm vorüber.
Kyllburg preßte die Lippe» fest aufeinander. Dann folgte auch er ihr. Doch i» seine» Mienen war fortan etwas Starres.
*
„Hallo, Advantage für uns!"
Und Astrid schwenkte das Racket triumphierend- über daS Netz zur Gegenpartei.
„Bravo, Klänsleinl" nickte sie dann mit ihren strahlenden Augen dem Verlobten zu. .Maus Peterfeu hatte mit einem scharfen Spiel eben diese Chance für sie gerettet. Ind er quittierte ihre Anerkennung mit einem frohen Lächeln. Seine kleine Braut sah ja auch in ihrem schneeweißen Tennisdreß zu allerliebst ans, schlank und behende wie eine Sckiwalbe. Er war doch sehr glücklich mit ihr; als ob seine Wünsche überhaupt nie ein anderes Ziel gekannt hätten.
Drüben bei der Gegenpartei wechselte» nun auch Gerda und Heinz Keßler ihre Plätze. Fm Bocbeigelze» trafen sich ihre Blicke. Sie sprachen nichts. Aber die Brust des schönen Mädchens hob sich unter der glatten, englische» Bluse, die der weiße Ledergnrt um die feine Taille abschloß. Heinz, Keßler hatte eine Art, einen anznsehen das war wie ei» Anstreifen, nur ganz leise mit de» Fingerspitzen. Tie Nerven vibrierten einem, wie unter einer iörperlichen Berührung.
Eine ungelöste Spannung tag ja über Gerda seit dem Gartenfest bei der Prinzessin, jenem Augenblick des Ali.in- feins mit »eßler, wo sich in ihm etwas hatte ofsenbaren wolle». Sie hatten sich jetzt, seit seinem Wiederhiersein, Mar wiederholt gesehen. Er hatte bei den ersten Familien «esnche gemacht, war auch schon bei ihnen im Hause ge- ivcjen, aber es hatte sich kerne Gelegenheit wie damals
wieder geboten. So lag denn etwas Unausgesprochene- zwischen ihnen. Etwas, ivas sie heimlich verband, sie einander nahe brachte und doch wieder Schranken Mischen ihnen errichtete.
Das Spiel ging jetzt iveiter. Es lag, wie heute bei der ganzen Partie, l-auptjächlich zwischen den beiden Herren, zwei ebenbürtige» Gegnern, und es war eine Freude, ihnen zuzuseheu: Keßler ganz Temperament, voll Verve und dabei von einer bestrickenden Eleganz der Bewegung, ganz unbewußt. Petersen nüchterner, leidenschaftslos, aber vo» einer tadellosen schulgerechten Korrektheit. Er hatte nickst umsonst jahrelang in England gespielt und ernstlich trau' liiert.
Gerda von Henning war so interessiert bei diesem -hu- sehen, daß sie ihre Pflichten als Partnerin darüber stark vernachlässigte. Ihr Blick hing an Heinz Keßlers rassiger Gestalt im blendendweißen Dreß, das seinen schnitftge» dunklen Kopf noch mehr zur Geltung brachte.
Seine Bewegungen waren von einer jugendlichen Elastizität, und doch tonnte er so sehr jung nickst mehr sein. Tilly Brencke» wollte sogar wissen: schon vierzig. Das war wohl übertrieben — aber wie alt mochte er in Wahrheit sein?
Doch wie sie dann bei ihm in« Eifer des Spiels, nach einem mit federndem Sprung hoch in der Lust zurückgeschlagenen Ball ans seine» Augen ein sieghaft frohes Leuchte» schießen sah, da dachte sie gleich wieder: was bedeuten Jahre? Und wenn fünfzig — er wäre jung. Jünger als sie alle hier. Und auch in ihren Augen glänzte es auf.
Aber so von ihre» Gedanken ansgesiillt, ließ sie manchen Ball aus, der in ihr Feld traf, während drüben Astrid mit Feuer nnb Flamme beim Spiel Ivar und ihre» Partner wirksam »»terstützte. So kam es, daß — obwohl Gerda sonst der Schwester stark überlegen war — diesmal die Gegenpartei fast jedesmal zählte. Keßler allein konnte das Spiel unter diesen Umständen natürlich nicht retten. Plötzlich scholl denn auch der Helle Siegesruf Astrids:
„Fisty — game — fet — gewonnen! Hurra!"
Und sie machte einen kleinen Lustsprimg, rief dann aber über das Netz:
„Was machst du cigenllich heute, Gerda? Du läßt ja jeden Ball aus!"
Gerda sah die Blicke der andere» ans sich gerichtet. Aber da kam ihr Keßler rasch zu Hilfe:
„Ihr Fräulein Schwester ist etwas ermüdet — nicht wahr? Ich denke, wir hören lieber auf."
Ihr Auge traf das seine mit einem Danken. Das war ivieder solch ein Moment, wo sie beide es fühlten, das stillschweigende Bündnis.
„Na, auch recht. Gehen wir also!" enlschied Astrid und ließ sich von ihrem Berlobien wie eine kleine Prinzefjinl bedienen, bis er, mit ihrem Golf-Jackett, Racket und Bailnetz beladen, als erstes Paar mit ihr ansbrach. Natürlich An» in Arm, dicht aneinandergeschmiegt.
Die beiden anderen sahen schweigend den Boranfgehen- de» »ach, die schnell ausschritten, ohne sich »ui sie zu küimmer». Hell klang nun ihr Lachen und Scherze» zurück.
„Ein paar glückliche Leutchen —!"
ES war Gerda, als ob Keßler nvcki etwas hätte hinzu- fügen wollen. Etwa ein „beneidenswert!" Und sie nickte nur.
Co schritte» sie eine Weile stumm nebeneinander. tForlsetzung folgt.)
Unter Zakuschimar Zeuerrege».
Skizzc vo» M a r K a r l B ö t t che r. »
Der Wachshändlcr Hiogo .Halodakc siand im Rosengarten vor feinem Hause. Unter ihm lag im weilen Bogen, i» Terrastc» die herrliche Stadt. Hier und da blitzten schon Lichter ans, mid weiß weit in der Ferne tauchte goldglänzend das Tagesgcstirn in'» Meer- Der junge Hiogo wir ein Natnrschivärmer. Jene Stunde abends in feinem Rosengarten, wenn er über das sich zum Schlafe rostende Kagoshlina blickte, wenn anj Zephirs linden Flügeln d».- an die Insel Snknraschima brandende Meer sein Wellengeslüster lnrauj in seine S;öbru sandle, wenn des Vulkans zerrissener »ralergipset mit zierlichem blangranr» Danipskränseln die Himmel grüble, dann fühlte sich Hiogo glücklich. Er war einer der moderuen Japaner, die trotz eines langen Ausenthaltes im Ausland« chr Vaterland leidenschaftlich lieben und sein Emporblnhen zu ihren heiligsten Wünschen rechnen.
Sein Rosengarten stieb an das Grundstüek des Seidengiotz- händlers Tsushima. Während der feuchte» Zeit ivohnte Tsnshima in seiner Billa drunten am Hafen von Kagoshima, aber sobald die


