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Roman von Paul Grabet n.
(Nachdruck verbolzt.)
(Fortsetzung.)
Und wieder mutzte sie über seine Worte Nachdenken, die er zum Schluß gesprochen, Ganz geivitz, sie halte sie ihm nicht übelgenommcn. Im Gegenteil, das Vertrauen zu ihr, das er damit geoffenbart, erfüllte sie fast mit Stolz. Also ein Suchender war er. Nach dem heilige» Feuer.
Ganz eigen waro ihr über diesem Sinnen. Das Wort, das so hoch und ernst klang, weckte ein Echo in ihren eigenen Emps.indnngen. War nicht auch in ihr solch Sehnen? d
„Mein gnädiges Fräulein Hab' ich also endlich doch einmal das Glück?"
Sie schrak auf. Petersen verneigte sich vor ihr.
„Geben Sie mir die Ehre dieses Walzers?" Und er nickte zu der Musik hinüber.
„Bedauere sehr — aber ich bin noch müde. Das viele Herumlaufen mit meinen Blumen —"
Die Miene, mit der sie ablehnte^ verriet, wie sehr er sic gestört Haie Petersen bemerkte es:
„Es scheint, ich komnie ungelegen?"
„£> —"
Aber er bcharrtc:
„Ich habe überhaupt das Empfinden, ich komme Ihnen eigentlich immer ungelegen."
Gerda suhlte: da war die Entscheidung! Er tvar des ewigen Answcichens von ihrer Seite endlich müde. Er drängte ans Klarheit.
Aber loährend sic es dachte, war ihr Auge schon wieder drüben bei jener Gruppe — bei ihm, der ihre Gedanken beherrschte. Sie sah, wie er sich seht von der Prinzessin vew abschiebete und nun um sich blickte. Wen suchte er?
„Es scheint, gnädiges Fräulein haben meine Frage gar nicht gehört."
Etwas nervös sagte es Petersen und forschte in ihren Zügen Aber da sah er es vlötzläch in ihrem Gesicht auf» schimmern, einen beglückende», strahlenden Schein, der ihrer Schönheit etunis Hinreißendes gab, »nd langsam wandte sic sicki seht dein Frager neben ihr zu:
„Dock«, ich hörte Ihre Frage, Herr Petersen, nur — mutz ich wirklich daraus antworten?"
Und der Mick, der ihn traf, tvar so beredt, datz er sich plötzlich verneinte:
„Nein, mein gnädiges Fräulein. E» bedarf dessen in der Tat nicht »»ehr."
Er ging. Da atmete sie lies auf. Wie befreit von einem Druck.
Ms Heinz Keßler dann zu ihr trat, blickte er sie verwundert an.
„Wie scheu Sie aus?"
„Nun, tvie denn?"
„Als ob Ihnen eben etwas sehr Angenehmes widerfahren wäre."
Sic mutzte lache».
„Vielleicht ist es auch so."
Einen Moment blickte er ihr schweigend in die Augen, ans denen ihn die Jugend anlachie, tdie schönheitsseng», blühende Jugend. Und von der Linde her lockte ein weicher
Walzer:
„Bitte!" sagte er da leise und bot ihr den Arm.
Aber sie zögerte.
„Ich habe eben erst einem anderen Herrn einen Tanz abgeschlagen."
„Ist das ein Grund?"
In seinem Auge, das über sie geneigt war, sah sie es plötzlich ausleuchten • sieghaft iittb werbend zugleich.
„Kommen Sie!"
Und schon fühlte sie seine Hand Unter ihrem Arm. Da gab sie ihren Widerstand auf und folgte ihin zur Linde.
Noch nie hatte Gerda so getanzt wie diesen Walzer. Walter Kyllburg stand unter den Zuschauern. Und als er sie so im Arm Keßlers sah, nrit geschlossenen Augen und leise hintenüber geneigtem Kopf, ganz iveiche Hingabe, da wandte er sich still ab. Er hatte genug gesehen. Planlos irrte er im Gewühl des Festes einher. Unter den Bielen, den Lachenden und Genießenden, ei» Einsamer.
Der Tanz tvar zu Ende. Aber immer noch unter seinem Bann schritt Gerda am Arm Keßlers dahin Willenlois seiner Führung sich hingebend. Ihr war, als habe er da eben in diesen Minute», wo sein Arm sie umfangen, von ihrer Person Besitz ergriffen So empfand sie jetzt nur instinktiv: ja, das tat gut — shier im Kühleren. Und tief hob und senkte sich ihre junge Brust.
Sie schritten in einen der Taxusgänge. Die scharfge- schnittenen Schatten der künstlichen Heckensorniationen fielen im Schein der Bogenlampi'n vor ihnen über den Weg hin, in phantastischen Gebilden. Als iväre» sie in einem Zaubergarten. Weich umfing sie die Nacht, und dazu die gedämpfte Musik vom Tanzplatz. Sv lockend, alles innerste Sehne» auslösend.
„Ist das sckwn!" Gerda hörte cs plötzlich int halben Flüsterton, nahe an ihrem Ohr. „Wie danke ich Ihnen!"
lind sie fühlte ihre Hand ergriffen, die ihm im Ar»« ruhte, mit schneller Bewegung emporgezogen an seine Lippen.
Ei» Schauer durchrann sie. Aber sie entzog ihn! im selben Moment die Hand.
Er wollte iveiterspreche», doch eine Gruppe von Gästen, die ihnen entgegentam, gebot ihm Schweigen
Das laute Lachen lind Schwatzen der anderen zerstörte de» Zauber, der über ihnen gelegen hatte. Gerda hatte sich wieder.
„Bitte, führen Sie mich zurück."


