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war, stimmte er ein Zetermordiogeschrei an, das sich gar nicht wieder beruhigen wollte, so daß man im Pfarrhaus daraus aufmerksam wurde. Der älteste Pfarrcrssohn, der im Dorse Tedur (Theodor) genannt wurde, ging der Sache aus den Grund und entdeckte den Heinrich, wie er fest angebunden an seinen Fesseln zerrte; und dessen grausame Gcsaugeuschaft empörte sein ehrliches Jungenherz. Sofort beschloß er, ihn zu befreien! Bor der dicke» Lisbeth sürchtetc er sick, nicht! Das war überhaupt einer, der erst hätte ausziehen müssen, um das Fürchten zu lernen wie der Mann im Märchen! Es gelang ihm, durch das Hüttcufenster einzusteigen, und nachdem er den Jungen losgebunden Halle, reichte er ihn seinem zwei Jahre jüngeren Bruder, ehe er selbst wieder durchs Fenster herauskrabbeltc. Kaum slihlte der dicke Heinrich den Boden der Mutter Erde unter seinen Füßen, so sing er an, wie toll daraus herumzutanzen und zwar unter den, andauernden Freudengcschrei: „obonne, obonne, obonnc," d. h. abgebunde». Es ist nicht anzunehmen, daß sein Befreier von dem Gefühl der Verantwortlichkeit für alles, was dem Knäblein in seiner unbewachten Freiheit hätte zustoßen können, gequält wurde! Es ist ihm auch nichts zugestoßen!
Manch anderes an Aussicht getvöhnte Kind wäre vielleicht in den Bach gefallen, oder was schlimmer ist, in eine Pfuhlgrube: oder ein Ochse hätte es aus die Hörner genommen. Dem dicken
t cinrich geschah von den, allen nichts, denn mit den Instinkt junger iere, die auch ohne Aussicht groß tvcrden müssen, verstand er cs, allen ihm etwa drohenden Gefahren aus dem Weg zu gehen.
(Fortsetzung folgt.)
vermischte».
* Leuchttürme und Vogelzug. Bekanntlich sind in den großen Vogelzugzeiten des Frühlings und Herbstes die weithin leuchtenden Lichter der hohen Leuchttürme für die wandernden Vögel starke Anziehungspunkte, denen sie von allen Seiten zu- fliege». .Hierbei stoße» viele der Vögel in ihrem sausenden Fluge mit voller Wucht gegen die Mauern und Gerüste der Türme. Aber ihre Zahl ist gering im Vergleich zu den großen Mengen, die, in den blendenden Lichtkreis gekonimc», nun ruhelos die Leuchtfeuer umkreise», bis sie tot oder erschöpft zu Boden fallen. Hierdurch werden die Vogelscharen imgeheuer dezinicrt, und man inuß tatsächlich hierin einen Grund sehen für die dauernde Verminderung unserer Vogelwelt. Im Herbst 1913 wurden allein an einem Leucht- turm in der Nähe von Cherbourg über 10000 Vögel gelangen., darunter 1800 Schnepfen: an einem anderen Turm verendeten iv einer einzigen Nacht 500 Schnepsen, und dem großen Leuchtturm von Belle Jsle an der Küste der Bretagne sielen in zwei Novein- bcrnächten des vorigen Jahres 3200 Vögel zum Opscr. Wenn man diese großen Verlnstzissern hört, kann man eS freudig begrüßen, daß in Holland neuerdings Einrichtungen an ben Leuchttürmeu ge- trosscn werden, die diesen Massenmord einigermaßen verhindern sollen. Unter den Laternen sind nämlich leitersörmige Gerüste mit zahlreichen Sitzstangen für die Vögel angebracht und. diese Einrichtung hat sich vortrefflich bewährt: denn oft habe» in einer einzigen Nacht 8000 bis 5000 Vögel und noch mehr diese Sitzstangcn zum Ausruhen benuht, und es sind dann immer nur wenig umgekommene am Fuße des Turmes gesunden worden. Wir wollen hoffen, daß auch in de» anderen Ländern möglichst bald diese Schutzvorrich- tungen sür die Vögel an allen Leuchttürmen angebracht werden.
*VraktischcsausallcrWelt. Man soll das Brauchbare nehmen, wo man es findet, und jedes Land hat diese oder jene praktische Neuerung, die man von ihm übernehmen kann. In der amerikanischen Marine zum Beispiel sind sür die Mannschaften besondere Rauchräume eingerichtet worden. Jui Interesse des Dienstes ist aber das Rauchen nicht immer erlaubt, und damit die Matrosen wissen, wann sie rauchen dürfen, und wann nicht, ist in jedem Rauchraumc eine elektrische Lampe angebracht. Erglüht die Rauch- lampe, dann dürfen die Matrosen rauchen, brennt sie aber nicht, dann ist das Rauchen verboten. Es bedarf keines Wortes von den Vorgesetzten und cs bedars keiner besonderen Vorschrift, die Ra»ü>>- lampe regelt die ganze Frage auf die einfachste Weise. — Auch Südafrika hat der Welt eine praktische Neuerung geschenkt. Zur Beförderung Verunglückter in Gegenden, wo kein ständiger Kran- kcudienst eingerichtet ist, sind in den Ortschaften bis zu einer Entfernung von 40 Meilen von Johannesburg Krankcnanhängewagen bereit gestellt. Es ist eine cinsache Tragbahre aus leichtem Stahl- röhrcngestell, das federnd aus Gummirädern läuft. Der Verunglückte wird aus der Bahre sestgeschnallt, eine Plane schützt ihn vor Sonne, Staub oder Regen, und der Wagen wird au ein Automobil oder einen andern Wagen einfach angchängt und nach dem .ikrankenhaus der Hauptstadt befördert. — Die Ausbreitung der Kultur bringt unserer Tierwelt oft große Gefahren, vor allem sind die Vögel durch die Leitungen der elektrischen Kraftwerke gefährdet. So harmlos die Drähte der Telephon- und Tclegrapheuleitungeii als Sitzgelegenheiten sind, so gefährlich sind die Hochspannungsleitungen. Um daher den Vögeln eine geeignete Sitzgelegenheit zu bleten, wird auf Vorschlag der Gesellschaft deutscher Elektro-Jnge- uieure auf jedem Mast der Hochspannungsleitungen jetzt noch eine Vogelsitzstange, ein Stab mit einer Qucrstange angebracht, und es
hat sich gezeigt, daß die Vögel diese erhöhten Sitze bem dünnere» Drabl verziehen, zu ihrer eigenen Rettung.
' Die Inspiration im Bade. Archiinedes hatte fein«
genialsten Cinlälte bekanntlich in der Zeit, während der er badete. Aber er steht daunl nicht allein da, es scheint, daß auch viele aiidere Sterbliche in der Badewanne am leichteslei, Grund zu einem Hoben ..Heureka' finden. Die .Tally Mail" tat über diese ivlch- tige Frage eine kleine Enquete veranstaltet. Einer der bekanntesten Londoiier Börstaner. der vor kurzem eine» ausgezeichnete» Börsen» conv glücklich asisführte, berichtete, daß ihm die Idee zu diesem Geschält im Bade gekomine» sei, und daß er überhaupt seinem tägliche» Alorgeobad« seiiie besten Jnfviratione» schulde. Ein anderer Glücklicher, der stch diirch seine fleinen Gedichte tu England eine» große» Namen aemacht hat. schloß sich dieser Erklärung an l»id berichtete, daß er feine beste» Roinanze» in der Badewann« geschrieben habe. Der Schaulvieler Arthur Bonrchier hat seine besten mimische» Eiiikälle ebenialls in> Bade. Nur der Roman» dichter Charles Garcia muß gestehen, daß er im Bade nicht arbeitet, sondern genießt, er kühlt stch in der Badeivanne immer sehr musikalisch gestimmt, während ihin seiiie beste» dichterischen Ein- sälle kommen, iveuii er sich rasiert. Hoffentlich rasiert er sich recht häufig
Speacheck« der Allgemeinen Deutsche» Sprachvereiiir.
* Bleu f ft nicht blau. Ich flunkere nicht, ich bii, ailch nicht sarbeubliiid; was ich erzähle, ist Tatsache. Kam ich da neulich in ein Modeaeschäst, um einen Scblivs zu foulen. Als ich unter den Auslagen meine Wahl getroffen batte, sagte ich: »Bitte, Fräuleiii, geben Sie mir den blaue»." „Ter ist aber iticht bla,»" vcrbefferte mich die Verkäuferin, „der ist bien." „Aber", behaiipte ich, auch diirch ihr verbindlmies Lächeln nicht überzeugt, „der Schlivs ist doch blau. Das ist ja deutlich zu seheii." „Neiii," erklärte sie mit ruhiger lleberlegeuhe I, „bleu ist nicht blau." Ich stand ivie verblüfft. Das Obr soll leugnen, was das Auge be- haiivtet. Hat es jemals einen größeren Widcrivruch der Siuiie gegeben ? Ich nehme den hingenwrkenen Handschuh, d. h. den blauen Schlips aus und entgegne kampfbereit, um die Fälschung z» entlarve»: „bieu heißt doch aus Deutsch bla», warum ivolic» Sie den» diele Farbe nicht so nennen ?" „2V4r »lüsieu uns nach den, Pub ikrun richten, das nennt sie auch nicht anders." .Aber", lenkte ich ein, „bannt ist doch die Far >e nicht ijchlig bezeichnet. Sie ist ja inattbla» oder stahlblau. Das Fremdwort sagt aber ganz unaeuau bla». Das deutiche Wort benennt doch diesen Farbenton viel richtiger." „Wir würde» ja ganz gern auch eln deulichec- Wort dnlür gebranchen, aber ivir rönnen es nicht, weil das Publikum diese Farbe bleu nennt," wurde ich belehrt Still nah», ich de» Schlips, zahlte »ud ging, iveil es mir im Kovi zu schwirreii begann von einem tollen Wirrwarr vo» Farben >n,d Wörle ii: dien ist nicht blau, xrie ist uictit gra», changeant ist nicht schillernd .... »ud das ,.1 »blikum" will es so! Gibt es denn keine Hilke acge» vieles allmächtige, unser Dentich verderbende „Publikum" ? In dieser Raiiosigkest Irak ich einen Freund, einen eriahrene» Kauiinan», >i»d erzählte ihm von dem neuen Streitfall zioiichen Deiitschlaud »ud Frankreich t» dem Modeaeschäst. Da sagle er mir etwas über Deutschland, >va4 viele Deutsche nicht wiffen: „Tie Farben und vielleicht auch Stoffe sür diese Schlipse iverde» nicht in Deulichland, londer» in Paris hergestcllt. Die dortige Fabrck stellt die Farben ans einer Karte zuiammen, bezeichnet sic einzeln mit Nummern n»d natürlich mit sraiizösijche» Namen und sendet sie an unzählige Geschäfte i» Teulschland. Will ein Geschäftsmann eine bestimmte Farbe belieste», da»» braucht er nur die Nummer »ad die srnniösische Bezeichnuiig anzugebe», um aus der Masse vou Farbeutöne» de» richtige» zu erhalle». Die Wörter inatl- oder stahlblau keuiit »lau natürlich in Baris nicht. Weil also die sraiizöuscbeii Erzeugniffe nach Teutschlaud komme», sind auch die krauzösischen Nauiei, «inaedrungen. Es ivird nicht eher anders, nie bis die deiitscheil aardeaiverle mit ihren Erzeug- nisie» und Bezeichnungen die kranzösischen verdränaen." So lang« demnach denischc Ges bälte ihre Schlipse »nd Farbe» aus Frankreich beziehen, bleibt es bei der Berschwoinmenheit imd Unwahr- heit: biea ist nicht blau I Tatsache I I T e s ch (Köln)
Magische; Auadrat.
Ju die Felder nebensteheadeu Quadrats sind die Buchstaben AAAAAABDI, MMNNtT II 8 derart einzutrage», daß die wagerechte» u. senkrccht.Reihcu gleichlautend iolgendec- beoenlen:
1. Oesterreichischen Feldherr».
2. Weiblichen Vornamen.
3. Fluß »» Ostasrika.
4. Stadt ui Irland.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Buchstabenrätsels in poriger Nummer! Haab — Ural — Itzia»» — Ochlenkopl — Imchkrampk: Rudols Falb.
Redaktion : kk. Neurath. — Notatiousdruck und Verlag der BrsihLschen lluiverfitäts-Buch- und Sleindruckerci, R, Laug«, Gießen


