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weih wirklick nicht mehr, was ich tun soll. Soviel ist inir klar, dost in diesem Jahre (e- sei darob verflucht» unsere Kockreit nicht stattfindet. Aber nicht wahr, Sie haben Moskau verlassen! Es wäre unverzeihlich, sich freiwillig der Choleragesahr ausznsctzcn. Ich weist, das; das Bild ihrer Verwüstung und die Zahl der Opser stets übertrieben wird: eine junge Dame aus Konstantinopel sagte mir einst, daß mir „la canaille" an der Cholera stirbt — das wäre ja ganz schon und vortresflich, aber immerhin erscheint cs notwendig, dast anständige Leute alle Mastnabmen der Vorsicht ergreifen. da sie nur dadurch gerettet werden und nickst etwa durch ihre Eleganz n>id ihren guten Ton
So bosse ick. dast Sie aus dem Lande vor der Cholera gut ge^ sckiiht sind. Senden Sic mir Ihre Adresse und eine Rachrickt über Ihr Befinden.
Noch sind Nur von keiner Quarantäne umgeben, weil die. Epidemie noch nickt bis hierher gedrungen ist. Boldino gleicht einer Insel, die von Felsen eingeschlossen ist. Leine Nachbar», keine Bücher. Das Wetter entsetzlich. Ich verbringe uieine Zeit damit, dast ich mick ärgere und Papier beschmiere. Weder weist ick, >.oas in der Welt vorgeht, noch w-e es meinem Freunde Pollignac gebt. Schreiben Sie Mir das alles, denn ich lese gar keine Zeitungen. Ich bi» ein völliger Idiot geworden, ivie man sagt, — bis zur Heiligkeit.
Und der Großvater mit seiner kupfernen Grostinnttcr? Beide sind wohl am Leben Und gesund, nicht ivabr? Die Landkarte liegt vor mir ausgebreitet. Ich schaue sie an, wie ich einen Umweg macken und zu Ihnen über Kiachta oder über Archangelsk kommen konnte. Für einen Freund sind sieben Werst — kein Umweg; und direkr nach Moskau reisen, bedeutet sieben Werst Kissel (FruchtbreU esse» (und noch welchen! Moskauer!». Das sind wirklich schlechte Späste. Je ris janne. Leben Sie wohl. Legen Sie mich ehrfurchtsvoll zu den Füssen Ihrer maman; herzliche Grüste Ihrer ganzen Familie. Adieu, mein entzückender Engel. Ich küsse die Spitzen Ihrer Flüget, wie Voltaire zu Leuten sagte, die an Sie nicht heranrcichen.
24. August — Errätst Du, von wo ick Dir schreibe, mein Engel: aus Pawlowsk, zwischen Bernoioo und Malinnik Gestern, als ich den sonnigen Weg nach Jaropolz einschlug, erfuhr ich zu meinem Vergnügen, dast ich dem Guf von Wuiss nahe nmr, und beschloß, sie zu besuchen- Er h«t sich in den süns Jahren viel geändert! Damals waren in Pawlowsk, Malinnik und Bernowo viele Ulanen und junge Damen. Die Ulanen sind versetzt und die jungen Damen auseinandcraestoben. Von meinen alten Freunden jand ich nur noch eine weiße Stute, aber auch sie lauzt nicht nichr unter mir, und statt aller Annetten, Maschas, Saschas usw. leitet Paraskowia Alexaiidrowna Neichmann, die mir mit Schnaps aufwartelc, vcnl Haushalt. Ich lasse mich mit eingemachten Früchten füttern und habe drei Rubel bei Whist verloren. Tu sichst, ich bin hier nach jeder Richtung hin ganz ungefährlich. Alle erkundigten sich nach Dir, fragen, ob Dn hübsch seiest, brünett oder blond, voll oder schlank. Ich vergaß. Dir noch zu sagen, daß die umfangreiche Mademoiselle Pojarsky, dieselbe, die vorzüglich Äipast kocht und Koteletts brät, glich bis an die Pforte des Gasthauses begleitete und meine Artig- keiten mit den Worten znrückwies: „Schämen Sie sich, fremde Schönheiten zu betrachten, wenn Sie eine solch schöne Frau besitzen, dast ich bei ihrem Anblick stöhnen würde!" Du sichst, mein Frauchen, daß Dein Ruhm über alle Distrikte verbreitet ist. Leb wohl, meine volle Brünette (nicht wahr?). Ich sührc mich lehr gut ans und Du hast keinen Grund, mir zu zürnen. Hast Du in den Spiegel gesehen und Dich viergewisscrt, dast Dein Gesicht mit nichts in der Welt zu vergleichen ist? Ich liebe Deine Seele noch mehr, als Dein Gesicht. Leb wohl, mein Engel, ich küsse Dich innig . . .
Ueber die GeM/rli iskeit des Rindviehs.
Von Dr. Th. Z e l l.
Allgemein nimmt man an, dast sich nur Herdentiere wirklich zähmen lassen. In meine» Büchern habe ich eine Reihe von Tatsachen angeführt, die mit dieser Lehre schlecht vercmbar sind. So ist von einzeln lebenden Tieren beispielsweise der Gepard oder Jagdleopard spielend leicht zu zähmen, ferner der Tapir tisw. Auch von dem neu entdeckten Zwcrgflnßpserd, das einzeln lebt, wird hervorgehoben» daß es auffallend leicht zahm wird, llmgekchrt sind Rinder ebenso wie Schweine ausgesprochene Herdentiere. Trotzdem möchte man manchmal bezweifeln, ob inan von einer wirklichen „Zähmung" dieser Tiere reden kann.
Wie »nir ein alter Praktiker schreibt, sind in öem letzten Sommer allein in dem kleinen Mecklenburg acht Personen von wütenden Bullen getötet oder zu Krüppeln gemacht ivorden. In zioci Fällen waren es sogenannte zahnie jiinge Bullen, die tue absolut fromm galten und trotzdem eine leichte Berührung ,i,it einer Rute so übelnahmen, dast sie ivütend auf den Beleidiger losgingen. Äädrend bei dem einen Bullen sich der Onkel meines Gewährsmannes durch seine herkulischen Kräfte und groste EK- wandtheil retten konnte, tötete der andere Bulle seinen Gegner.
Was Tschudi von den Alpenkühen berichtet, bestätigt auch unser Mecklenburger, dast nämlick Rinder sehr leicht wild ioerüen, weil» aut der Weide irgendwo Aas liegt oder Blut vergossen wiirde. Ich habe schon vor Jahre» für diese nierkwürdige Erscheinung eine Erklärung gegeben und möch e sie hier in Kürze
wiederholen. Das Benehmen der Rinder versteht man nur, wem! man das Leben ihrer wilden Vorfahren kennt. Büssel und Wildrinder gehören zu den sogenannten wehrhaften Pflanzenfressern, die Mutig mit ihren Feinden den Kamps äufnehmcn. Ja, ist einer ihrer Genossen gelötet ivorden, so packt sie eine solch« Wut, daß sie nach Kamps ordentlich leckizen. Fehlt der Gegner, so fangen sie in Ermangelung feinet untereinander Streit an. So sah der Engländer Rice in Indien, daß die Büffel eine« Herde, als sie das Blut eines angesckossenen Tigers rocken, so- strt dessen Sour aufnahmen. die'c mit rasender Wut vertolgten. die Gesträuche dabei umriskeu. dm Boden aufwühlten, schließlich iii förmliche Raserei gerieten und, ;um große» Kummer deS Hirte», uiitereinandrr zu kämpt'c» bcgannen.
Mittels ihrer feine» Nase wittern die Kühe »ei, Leichnam ihrer Kameradin, glauben, daß sie von einem Feinde getötet sei, lii'd iverden von der glübeiidsten Kamvftnst beseelt.
Schon der Blutgeruck genügt, um Rinder wi!d zu machen, wie es eben von den Büssel» berichtet ivurde. Auch das Angstgebrüll einer Heidcngenosiin übt dieselbe Wirkung aus, la »,a»ch- mal genügt das Angstgesckre, eines anderen Tieres. So wurde aus Malchow in Mecklenburg cm November folgendes geineldetr Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Nossentincr Hütte. Tic Arbeiterfrau Möller war im Stal! bet der Kuh beschäftigt, als diele durch das Geschrei eines Schweines, das geschlachtet werden sollte, wild wurde und die Fra» mit den Hörnern bearbeitete, die schivcre Verletzungen am Unterleib erlitt.
Sonstige Gründe, die ein Wildwerden hervorrnsen, ist das Kalben im Freien, da die Kuh in jedem Menschen einen Feind ihrer Nachkommenschaft sieht. Bekannt ist es auch, daß die rote Farbe namentlich aus Stiere anreizend wi-ki. Merkwürdigerweise ist diese Eigentümlichkeit neuerdings ent chieden bestritten worden. Es genügt ivobl der Hinweis, dast bei den «panischen Sticrge- fcchten der Espada '»nt Stier mit einem roten Tuche zu einei» Angvifs reizt. Und die spanischen Slierkämpfer habeil doch die Stierscele auss gründlichste studiert.
Wie mit de« Bullen, so ist mit den Ebern nicht zu spaßen. So wurde ebenfalls in Mecklenburg, nämlich in Gadebusch, rm November der vierjährige Sohn eines Arbeiters schwer verletzt. Er war mit einem Spielgesäbrte» zu seinem größeren Bruder, der Schweine hütete, gelaufen. Hier vergnügten sich die Knirpse damit, dast sic hinter einer Sau herliefen und sie jagten. Der Eber geriet darüber in Wut und brachte dem kleinen Kerl mit den Hauern eine Wunde bei, welche die Lunge freilegte.
Unser Gewährsmann schlägt zur Mi'derung der Gefährlichkeit der Bukicn vor, dast sie aus der Weide ein breites Brett vor dem Kdpfe tragen »iüssen Dieses bindert iie nicht am Weiden, da sie nach unten sehen können, wohl aber am Angrcisen. Um etwaige Tierauälereien auszusbliesten, müßte die Form der Bretter polizeilich vorgeschriebe» sein. Ebenso sollten bei Ebern die Hauer entfernt werden.
humoristische;.
* Zarte Anspielung. Die Dame gab ihm ein Glas
Whisky. Nachdcni cs Sandy geleert hatte, stand er eine kleine Weile in Betrachtung versunken, dann seufzte er nachdenklich: „Ach, meine Dame, so etwas gabss nickt i» meinen junge» Tagen!" „Was, keinen Whisky?" fragte die Dame erstaunt. „Whisky viel, aber nie ein leeres Glas," cntgognete Sandy mit Nachdruck.
* I m in c r d er Gl c i ch e. Dame: „Mein Onkel >var Ihnen also gleich so synipathisch?" — Stndkltt: „Gewiß, Fräulein, es war sozusagen Pump auf den ersten Blick."
Sitatenrätsel.
Ans jedem der lolaenden Zilnte ist ein Wort zu nehmen, so dast stch ein nencs Zitat ergibt:
1. Was glänzt, ist lür den Augenblick geboren.
2 . Sollen dich die Doblen nicht umschrei»,
Mußt nicht llnopl au! dem Kirchturm lei».
3 Was man in der Jugend wünscht, hat man imSUtec die Füll«,
4. Weihrauch ist nur ein Tribut kür Götter Und lür die Sterblichen ein Gift.
b. Lein Wenlch innst »as Unmöglich« erzwingen mosten.
8. Das De le, war wir von der Geschichte haben, ist der Ent- bnstasiniis, den sie erregt.
7. CS geht ant, der Berg ist überschritten
8. Zu viel kann man wohl trinken.
Doch trinkt man nie genuq. Auslösung in nächster Nummer
Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummer:
F A A
FeldmSose I « t
dir A m • t e t dam k r 6
o d b
A i I r a c b a n e in n
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, Gießen.


