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sie im XunMti mtf ihrem Leiter, aber der Schlaf wollte nicht kommen.

So kühl sic vorhin alles abgewchrt hatte, sie fühlte doch die Erregung, die in ihr nachtzitterke.

Aber war dar wirtlich nur, wie sie sich selber glauben machen wollte, die Entrüstung über jene Keckheit oder nicht »och otwas anderes?

Plötzlich Ui in ihr wiedeDjtzner Eindruck znm Beivngt-j sein, den sie lvährend Keßlers «piel gehabt hatte. Jener seit-, sam lähinendc und sie doch wieder lies ausstörendc Bann. Und wie sie jetzt darüber grübelte, sich selbst sezierend, da wühle sie plötzliche Es war im Grunde nicht der Künstler! gcioescn, der sie so fasziniert halte, sondern der Mensch der Mann, der sich i» seinem Spiel ossciibarte..

Ein Manu, in seiner Art ihr ganz neu, loic iht itad ) 1 keiner bisher begegnet lvar: der Typ des Herrenmenschen, des Siegers. Und doch lvar zugleich noch ettvas anderes an ihm. Etwas Verborgenes, das sie leis erzittern lieh: die dä­monische Kraft seiner Leidenschaft, tvic sic sich in seinem

Spiel ofscnbari hatte. Tenn diese Töne konnte nur finden,

wem sie selber nicht fremd waren.

Das war rS, was Gerda von Henning nicht zur Ruhe

kommen liest in dieser Stacht. Sie hatte ein Gefühls als ob

da heute in ihr, ganz in der Diese ihrer Natur, etwas ge­weckt worden sei. lind cs kam über sie lvic eine dunkle Furcht vor sich selber.

*

,,N». bist du so weit?"

Astrid sah sich nach der Schwester um.

Gerda nickte, und so verließen sie zusammen ihr Zim-> nier. Es lvar die Nachmittagsstunde, wo man nach altem Brauch in Ellerstadt ausging, um seine kleinen Besorgungen zu niachen, sich aus der Promenade zu zeigen oder lvohl auch bei Rasmusse», der Konditorei, die von den Damen der guten GeseUschaft bevorzugt lvar, ein Weilchen zt! sitzen.

Uebrigens wollte Kyllburg sich uns anschließe». Er Ivird ivohl schon unten vorm .Haus sein."

Astrid sagte cs, während sic bereits die Treppe hinab-j ginge».

Hast du ihn aufgefordcrt?" fragte Gerda.

Ja, gewiß ist es dir etwa nicht recht?"

Doch, natürlich."

Und die Schwester schloß den lctzlcn Knopf am Hand­schuh.

Kyllburg stand in der Tat schon unten und begrüßte nun die Damen. Gerda wußte cs so einzurichten, daß Astrid zwischen ihnen beiden ging. Seit jener Stunde damals im Walde stand etwas Trennendes zlvischen ihnen. Mit leiser Trauer fühlte cs ei» jeder, trotzdem er sich Mühe gab, den. alten nngezwilngenen Ton der Kameradschaft wieder zu tref­fen loic ehedem.

Das Gespräch mit dem Begleiter wurde denn auch eigentlich von Astrid geführt. Sic hatte cs alsbald auf den gestrigen Abend gebracht, aus Heinz Keßler. Astrid äußerte sich in ihrer lebhaften Weise rückhaltlos, schwärmte von der bestechenden Persönlichkeit des gefeierten Schauspielers und warf dann hin:

llebrigens habe ich heute vormittag etwas sehr Inter­essantes von ihm gehört: er soll ja früher Ossizier getvesen sei» - sogar Kavallerist, bei einem ganz feudalen Regi­ment!"

Was Sie sagen!"

» Und auch Gerda horchte auf.

Wo soll er denn gestanden haben?" fragte Kyllburg weiter.

Das wußte Tillh" Astrid sprach von ihrer Freundin selber nicht genau. Es soll aber, so meinte sie, drunten in Süd und Westdeutschland gewesen sein. Bei einem Dra­goner-Regiment."

Das ist ja in der Tat ganz interessant."

Nicht wahr? Doch riesig! Sagen Sie, lieber Herr Kyllburg, könnten Sie denn nicht mal rauskriegen, ob an der Sache wirklich etwas dran ist?"

Kyllburg sann einen Moment nach, dann nickte er.

Vielleicht doch, Fräulein Astrid. Ich lverde mal mit .Hanptmann Ricmeister sprechen. Der ißt ja mittags immer in derTraube", und soviel ich weiß, speist Keßler auch dort an der Tafel."

Der berühmte Gast war nämlich noch zu einem zlvciten Auftreten verpflichtet worden, am morgigen Mittwoch, und weilte daher mehrere Tage hier im Städtchen.

Tic drei waren inzwischen in die Wallstraßc gekommen, mit ihren alten schattigen Linden in der Mitte die beliebteste Promenade der Stadt. Sie trafen daher um diese Stunde im langsamen Dahinschlrndcrn sehr viele Bekannte. Kyllburg stellte es fest und fügte mit einem Lächeln zu Astrid hinzu:

Es scheint ja heule alles mobil gemacht worden zn sein. Offenbar die Wirkung des interessanten Besuchs. Die Damen­welt hofft, dem großen Man» auch mal ans der Straße zip begegnen."

Ach, glauben Sic wirklich?"

Und Astrid spähte von jetzt ab gespannt die Promenade hinunter, ob Keßlers Gcstali nicht irgendlvo anftanchle.

Auch Gerda kam der Gedanke: wenn er jetzt plötzlich vor ihr stehen, ihr im Hellen Schein des Tages, aus nächster Nähe ins Auge sehen würde? Und jene seltsame, dunkle Un­ruhe kam alsbald wieder über sic. Aber sie ließ daS nicht erst Gewalt über sich gewinnen. Wie töricht auch! War sie denn ein kindischer Backfisch? Und das nüchterne Licht des Tages schien ihr die Ruhe, die Klarheit ihres Empsindcns bald wiederzugeben.

Wir wollen doch hier links abbiegcn," entschied sie, sehr zum Bedauern Astrids,ich habe bei Tcngclmann noch ein paar Besorgungen. Wenn Sic'S langweilt, Herr Kyllburg bitte, genieren Sie sich nicht."

Aber nicht im mindesten. Wenn meine Gegenwart nicht umgekehrt die Damen geniert, beim Einkäufen"

Gerda schüttelte nur den Kops, dann ging er weiter in i t ihnen.

Die Besorgungen waren erledigt, die drei traten lvicder aus dem Geschäft. Aber kaum gingen sic ein paar Schritte, da stieß Astrid in aufgeregtem Flüsterton plötzlich hervor: Du da kommt er ja!"

Keßler, der bisher durch eine Gruppe von Passanten verdeckt lvordcn lvar, stand Gerda so vlötzlich gegenüber, daß sie erschrocken zusamniensuhr. Nun bemerkte auch er die bei­den Damen, und im selben Moment ging eine leichte Be­wegung über seine Züge. Kein Ziveisel, auch er erkannte sie wieder. Sein Auge es harte heute, bei Tage, ein ganz ver­ändertes Aussehen, erschien ihr Heller, stahlgran und etwas verschleiert streifte im Anblicken Gerdas Gesicht, wie in einem ganz, ganz geheimen diskreten Grüßen, und dann lvar er schon wieder vorüber.

Gerda strömte das Blut, daß sich ihr in diesem einen Moment des Erschreckens im Herzen gestaut hatte, mit ver­doppelter Gewalt in den Körper zurück. Und sie kühlte, loic es ihr heiß in die Wangen stieg. Gerade, als jetzt Kyllburgs Blick sich ihr zmvandte, wie in eincni stummen Fragen, cinenr leisen Erstaunen so schien es ihr wenigstens, lind unter diesem Blick särbterr sich ihre Wangen noch um einen Schein höher. Was würde er nun von ihr denken! Sie ärgerte sich heftig über sich und über Keßler. Dieser ivildsrenide Mensch, für den sie nicht das mindeste Interesse hatte - nicht das allermindeste! wie kam er dazu, sie so anznsehe»? Was gab ihm ein Recht?

(Fortsetzung svlgt.)

Lnesen's Cod.

(15. März 1914).

Bon Hanplinaiin a. D. Paul Grerven Düiieldors,

Ein stürmischer Ost schüttelt am 15. März 1814 die Eichei» und Buchen im südöstlichen Ardcnnerwald, als wolle er sic aus dem Schlafe aufrütteln und Rccheuichift von ihnen fordern, iveil unter ihren Wipfel» eine fluchwürdige Tat geschehen durste. Uiti» die von der Eifel her über die Maas h rüberbrauseudcn Wini>- stöstc erfüllen mit ihrem rachehcischenden Klagegeheut alle Ncbcn- täler der Aisne, um den Wassengcftihrten eines der edelsten Männer seiner Zeit das Echo des todbringenden Schusses znhallcn zn lassen. Doch die wilden Rufe des Anklägers verschalle» in den zerklüfteten Schluchten des Gebirges.

Es ist Spätnachmittag. Zwei ärmlich gekleidete Bauern aus La Lodde schtagcu iu dem uahegelegenen Wäldchen von Hiiilteux mit kurzen! Beil vUSorrtc Zweige von den Bänuien, um iie als Brennholz zu verwerten. Plötzlich schreckt sie ein eilig stapsendcs Geräusch vom Waldwege her. Ein stattlicher Reitersmann ftihrr seinen ermüdet drcinschanenden Falben hinter tick am Zügel. Sotvie er die Holzhauer erblickt, legt er zu freundlichem (%m> seine Rechte au den mit schlvarzem Haarbusch überdeckten Tschako und bittet sic in fremdländtichcr Betonung, ihn ins nächste Tort zum Maire zu geleiten. Bereitwillig inacheu sich die braven Leute gleich mit auf den Weg.

Bor Anstrengung, Hunger und Durst völlig erschöpft, hat sich Leutnant Friesen, der Freund Jahns und Mitbegründer der