Gkkizierstöchter.
Roman von Paul Grabet«.
(Nachdruck! verboten.)
(gortsetziing.)
Iin Zuschauerraum hasteten wieder aller -tilgen ans der "Bühne an dein rtnen, der das Spiel dort, beherrschte tvia die Hörer draußen im Hanse. Heilig Kehler war ivteder ganz ansgegaiigen in seiner Rolle. Er spielte mit leidenschaftlicher Verve, anscheiueird völlig nnbekünnnert »in die ihunderte da idrmißen. Aber — tvnr es Unfall oder k>rm es Astrid nur so vor- spielte er nicht merkinürdig viel hier nach ihrer Seite zu?
Einmal ansinerksam geworden, begann sie daraus zu achten, und toirklich — nein, e-s war keine Täuschung mehr I Jetzt eben zeigte es sich ja gaicz eklatant. Er hatte da <11,11 Tiscbe Plag zu nehmen, alif einein schon bercitstehendeür Stuhl. Aber indem er sich niederließ, gab er diesem imauf- fällig eine Wendung, so daß er das Gesicht auch jetzt wieder ihnen zukehren konnte, und nun, wo er längere Zeit nicht zu sprechen hatte, suchte sein Auge ganz deutlich ihre Loge sie lnide hier.
Astrid pochte bor Wonne das Herz.
„Du der spielt ja zu »Ns her! Sieh doch nur!"
Sie raunte es hinter dem Fächer der Schwester zu.
Gerda lvar natürlich diese Wahriiehnumg gleichfalls nicht entgangen. Deirnoch ertviderte sic gelassen : „Wohl nur ein Znsall." ' i
Llbcr insgeheim dachte sie: Gar lein Zweifel, es galt ihnen. Und sic wnßte noch mehr, sie fühlte eS förmlich Vör 4 perlich: die Wicke des Mannes dort unten suchten nur eine von ihnen — sie selber war gemeint!
Rascher ging da ihr Atem. Was sollte das? WaS hatte das z» bedeuten?
So ging der Akt zu Ende. In der Panse hätte Astrid brennend gern ihre Gedanken weiter mit der Sckßvester airs- getaiiicht. Sie tvar in einer heinilichcn Erregung, voll prickelnder Spannung. Das- tvar ja geradezu wundervoll!! Doch endlich einmal etwa-, ivie ein ErlcvniS, eine kleine Sen-, sation! Und ein leiser Rausch von Stolz und befriedigter Eitelkeit übcrkani sie Daß sie beide solchen Eindruck auf den berühiiiteu Künstler geniackit hatten!
Aber der Anstausch dieser Gedanken verbot sich leider; denn cs traten Belaniite zu ihnen in die Loge »ud blieben während der ganzen Panse.
Als Kehler im Zwischenakt in seine Garderobe trat, fand er einen ivahrcn Blumenflor von fast betäubendem Dust in dem engen Raum. Da gebot er diktatorisch:
„Hinaus mit deni Zeugs! Ich habe keine Lust, Kopf-r schmerzen zu kriegen."
Nur eine maitgelbe Mareck>al Niel zog er aus einem Strauß, wie in einem plötzlichen Einfall, und befestigte sie i>n Aufschlag seine? Rockes.
Dann kain der Schlußakt. Mit Neugier harrte Astrid der kommenden Dinge, und auch in Gerda loar jene bintffe, geheime Spannung
Während der ersten Austritte hatte Keßler nicht zu erscheine» ; aber dann kam seine große Szene, too er von seiner allgewaltigen, kein Hindernis kennende» Liebe zu sprechen hatte, und da geschah es plötzlich tvieder — ja geschah ettvas, das Gerda tu geheimem Erschrecken zusan,menfahren ließ. Keßler spielte — sie suhlte es ganz deutlich, >vie in einein geheimen Kdiitakte — nur Mi ihr hin, und jetzt, wo er von seiner Verehrung für die geliebte Frau sprach, mit leiden - schaftzitterndcn Worte», da suchten seine Blicke mit grüßendem Aufleuchten sie, und er drückte dabei die Rose, die er spielend ztvischen beu Fingern gehalten, für eine» Moment an seine Lippe».
Einen Atemzug lang fühlte Gerda ihr Herz stocken, dann aber schoß es ihr heiß in die Schläfe. Was für ein Glück, daß aller Blicke lvie gebannt an Keßler hingen! Keiner der anderen ähnle so, wem dieser geheinie Grnß galt. Sie wähn- len auch diese Bewegung in seiner Rolle begründet. Mir Astrid allein verstarid außer ihr noch die Geste richtig. Ihre Hand stieß erregt unter der Logeiibrüstuug gegen Gerdas Knie: „Du das galt dir!"
Beifallsstürme brachen los, als nun das Stück zu Ende tvar; offenbar staiiden L'eßler zahllose Hervorruse und Kranzspenden bevor, und das Publlkum war schon begierig ans dieses letzte Sckiausviel. Aber sofort erhob sich Gerda; jetzt, wo wieder das helle Lampenlicht ans sie fiel, ganz unnahbarer Stolz. Und dem gefeierten Gast, der sich gerade nach ihrer Seite dankbar verneigte, den Rücken kehrend, mahnte sie die Schtvester, die gern noch geblieben tväre: „Komin — daß wir dem Gedränge entgehen."
Der Bursche itKirtcte schon draußen vor der Loge mit ihren Abendmänteln, und in angemessenem Abstand folgte er nun den jungen Damen auf ihrem Nachhanselvege.
„Nein, das tvar doch aber toll!" rannte Astrid der Schtvester zn. „Das mit der Rose! Was sagst du nur dazu?" „Eine Unverschämtheit — nichts tveiter." lind in der Tat brannte in Gerda Helle Empörung. Wie konnte er es wagen, ihr, die er heute zum ersteninal gesehen, das zu bieten? Für tven hielt er sie denn?
„Aber es war doch im Grunde eine Huldigung für dich —, freilich etwas temperamentvoll Doch dafür ist er eben Künstler," bescküvichtlgte Astrid.
„Und ich bin di« Tochter des Oberstleutnants v. Hen- ntng. die für solche Koniödiantenhnldigungen nicht das ge-« ringsle Verständnis hat!"
Gerda sprach nichts tveiter mehr ans diesem Heim- toege. Astrid dagegen tvar äußerst mitteilsam. Das kleine Abenteuer wob dem glänzenden Darsteller in ihren Augen nur noch eine neue Gloriole. Begeistert schwärmte sie von seinem Spiele und seiner Persönlichkeit.
Schweigsam war Gerda auch dann zu Haus beim Entkleiden Sic teilte ia mit Astrid bas Schlafzimmer. Nun lag


